Homeworld Remastered im Test - Zum Besseren gewandelt? + Fazit
Gearbox hat keine Mühen gescheut, um den Echtzeitstrategie-Klassiker Homeworld zu restaurieren. Im Test samt Video-Review zu Homeworld Remastered blicken wir hinter die schöne Fassade: Welche Altlasten schleppt die Neuauflage mit sich herum und wie originalgetreu ist die Umsetzung der einst wegweisenden Features wirklich?
Ihr habt damals das erste Homeworld gespielt? Dann habt ihr mit mit der Homeworld Remastered Collection umso mehr Spaß, je bruchstückhafter ihr euch an das Original erinnert.
Da Homeworld Remastered die (stark verbesserte) Engine von Homeworld 2 benutzt, setzt es auch auf dessen (umstrittene) Gameplay-Anpassungen; im Grunde erwartet euch kaum mehr als ein Homeworld 2-Mod mit den Schiffen und Missionen aus Homeworld. So nehmen Raumpötte, dene ihr Formationen wie Klaue oder Sphäre verpassen, beim Angriff flugs reißaus und umschwirren den Gegner mit grazilen Bewegungen wie beim Ballett anstatt wie früher die Formation zu halten. Dadurch geht ein Gutteil der taktischen Optionen des ersten Homeworld flöten, zumal auch die drei Verhaltenseinstellungen aggressiv, defensiv und passiv nicht mehr die ursprüngliche Funktion erfüllen.
Quelle: PC Games
Formationen lösen sich auf, sobald es zum Kampf kommt. Das war bei Homeworld 1 noch ganz anders.
So ließen sich einst etwa Kreuzer mit einer Kugel aus Abfangjägern umgeben und Jäger wichen bei passiver Einstellung gegnerischen Schüssen besonders flink aus. Das Fehlen der Auftank-Funktion für die kleinen Jäger und Bomber stört derweil zwar nicht für sich genommen, macht aber den Bau von Unterstützungsfregatten nahezu sinnlos. In Homeworld Remastered liegt der Fokus mehr auf dem Ausnutzen des Stein-Schere-Papier-Prinzips und der 3D-Umgebung. Raumer sind weiterhin unterschiedlich gut gepanzert; wer einen Zerstörer von unten angreift, hat höhere Erfolgschancen.
Was nicht passt, wird passend gemacht
Die Engine-Umbettung hat weitere Auswirkungen auf Homeworld 1: Den dynamischen Schwierigkeitsgrad aus dem Nachfolger gibt's jetzt auch hier. Das heißt: Das Gegneraufkommen orientiert sich an bestimmten Stellen an der Größe unserer Streitmacht zu Missionsbeginn. Dadurch wird theoretisch für clevere Spieler, die dem Gegner in einer Tour seine eigene Flotte stibitzen, der Einsatz erhöht und Anfänger werden nicht überfordert. In der Praxis haben wir das System aber kaum bemerkt. Zudem lässt sich leicht aushebeln: Einfach kurz vor Ende eines Auftrags die halbe Flotte verschrotten (gibt den vollen Kaupfreis zurück) und schon hat man in der Folgemission weniger Probleme, da man die fehlenden Raumer einfach neu baut, sich aber trotzdem weniger Widersachern gegenüber sieht.
Quelle: PC Games
Gut gemachte Ingame-Zwischensequenzen treiben die Handlung voran, auch wenn die in Homeworld 2 arg abgehoben daher kommt.
Die Besonderheiten von Homeworld 1, die im zweiten Teil keine Rolle mehr spielten, sind im Remaster entweder nicht vorhanden oder erfüllen keine Funktion mehr. Schräg, dass die (kaputten) Formationen durch das einheitliche Interface auch in Homeworld 2 zur Verfügung stehen, dort aber aufgrund der damals neuen Unterteilung in Squads statt einzelner Schiffe keinen tieferen Sinn haben. Das wirkt ebenso wenig zu Ende gedacht wie die Sache mit den Bergungskorvetten im ersten Homeworld: Schon immer ließ das Spiel zu, die eigene Flotte mit gekaperten Feindpötten aufzustocken. Im Remaster schießen jedoch eigene Einheiten gerne mal auf die abgeschleppten Raumer und vernichten sie, bevor wir sie umpolen können. Außerdem ist es nunmehr unmöglich, mehrere Bergungskorvetten gleichzeitig verschiedene Gegner anvisieren zu lassen - die kleinen Beutejäger stehen sich gegenseitig im Weg. Also ist lästiges Mikromanagement bei aktivierter Pausefunktion nötig, um den Korvetten einzeln Ziele zuzuweisen. Die Reparaturschiffe dagegen kümmern sich anstandslos um mehrere beschädigte Kameraden, wenn wir einen Mausrahmen um eine Gruppe von Schiffen ziehen.
Quelle: PC Games
Bau- und Forschungsmenü werden nur bei Bedarf eingeblendet und verschwinden sonst am rechten Bildschirmrand.
In der auf Seite 1 erwähnten Asteroidenfeld-Mission beobachten wir zudem eine seltsame Änderung im Vergleich zu Homeworld 1: Beschossene Felsbrocken brechen nicht mehr sofort in kleine Teile, sondern verschwinden. Eine Sekunde später tauchen an gleicher Stelle zwei kleinere Fragmente auf. Dieses vermeintlich unwichtige Detail hat aber gewichtige Folgen, denn dadurch können angreifende Schiffe die kosmischen Geschosse nicht mehr kontinuierlich verdampfen, sondern müssen ständig neu ausgerichtet werden - die eine Sekunde, in der die größeren Brocken verschwinden, macht hier wirklich etwas aus! Dadurch springt der Schwierigkeitsgrad des ohnehin schon nervigen Einsatzes im Vergleich zum Original noch einmal unnötig an.
Weitere Veränderungen im Vergleich zum Original-Homeworld: Die Kampagne lässt sich nicht mehr wahlweise aufseiten der Taiidan spielen und genau wie in Homeworld 2 hinterlassen zerstörte Großkampfschiffe Weltraumschrott, der sich mit Sammlern in Credits umwandeln lässt. Mit diesem Geld müsst ihr neuerdings auch neue Technologien bezahlen, die früher ausschließlich Zeit verschlangen. Und natürlich fehlt das sehr gute Add-on Homeworld: Cataclysm, dessen Source-Code laut Gearbox verloren ging.
Ein Grafik-Blender?
Der große Reiz von Homeworld Remastered liegt natürlich im massiven Grafik-Update, das dem Stil der Vorlage treu bleibt, die Technik jedoch auf einen zeitgemäßen Stand bringt. Besonders die neuen Hintergründe mit interestellaren Nebeln und satt strahlenden Sonnen sind ein spektakulärer Anblick. Vor dieser fantastischen Kulisse brummen die bekannten Schiffstypen mit aufgemöbelten Texturen durch das Weltall. Auflösungen bis zu 4K erlauben deutlich detaillierte Texturen als im ursprünglichen Homeworld; der Unterschied zwischen Homeworld 2 und Homeworld Remastered fällt dagegen deutlich geringer aus. In jedem Fall verdient jedoch das neue Beleuchtungssystem Applaus, das für herrliche anzusehende Lichteffekte sorgt.
Grafikvergleich
Die diversen Laserstrahlen und Explosionen wirken dagegen deutlich konservativer, auch in Sachen Schiffsschaden wäre mit heutiger Hardware sicher mehr möglich gewesen. Macht aber nichts, Homeworld Remastered sieht sehr gut aus, zuweilen sogar spektakulär. Wer ein Faible für Science-Fiction hat, bekommt momentan nirgendwo sonst derart herrlich anzuschauende Massenschlachten zwischen dicken Raumpötten zu sehen. Vielleicht bald auch schon mit Raumschiffen aus Battlestar Galactica, Star Wars und Co.
Eine Mod-Plattform für alles
Quelle: PC Games
Explosionen und Waffeneffekte schauen gut aus, könnten aber etwas mehr Bums vertragen.
Die Homeworld-Szene ist seit dem Release von Homeworld 2 im Jahr 2004 nicht untätig gewesen. Über die Jahre hinweg erschienen viele famose Mods, die vor allem durch den Einbau liebevoll modellierter Raumschiffe aus bekannten Science-Fiction-Serien wie Babylon 5 von sich reden machten. Homeworld Remastered ist darauf ausgelegt, eine gemeinsame Plattform für diese Mods bereitzustellen - durch die Übertragung von Homeworld 1 in die Homeworld 2-Engine können engagierte Fans nun auch einfacher mit der Kampagne und den Einheiten von Teil 1 herumspielen. Dank Steam-Workshop-Integration ist der Download von Mods ein Kinderspiel, bereits kurz nach Release veröffentlichte etwa das Team von Homeworld 2 Complex eine angepasste Version. Dadurch werden dem Spiel neue Mechaniken wie Crew- und Power-Management hinzugefügt, zudem gibt es rund 30 neue Schiffe und einen verzweigten Forschungsbaum.
Darüber hinaus startet mit dem Release von Homeworld Remastered die Beta-Phase eines gemeinsamen Mehrspielermodus, der alle Karten, Modi und Fraktionen der beiden Originalspiele unter einen Hut bringt. Dabei kommt es bislang aber noch zu massiven Balancing-Problemen. Der Multiplayermodus unterstützt Kabbeleien zwischen bis zu acht Spielern - online und im LAN-Modus. Vor Spielbeginn lassen sich detailliert Startbedingungen wie Kontostand und Rohstoffdichte einstellen. Info: Bevor es überhaupt losgeht, müsst ihr ein kostenloses Konto bei Gearbox Netzwerkdienst Swift erstellen und mit eurem Steam-Konto verknüpfen.
Unboxing der Collector's Edition mit Mutterschiff-Modell im Video
Trotz allem empfehlenswert
Ja, Gearbox hat einige fragwürdige Design-Entscheidungen bei der Übernahme der Homeworld 1-Inhalte in die Homeworld 2-Engine getroffen. Und ja, manches, was damals von der Mehrheit der Spieler ohne Murren akzeptiert wurde, entpuppt sich heute als nicht mehr zeitgemäß. Dennoch: Aus der Schwemme von vergleichsweise lieblosen HD-Neuauflagen zu Baldur's Gate 2, Heroes of Might & Magic 3, Resident Evil oder Grim Fandango ragt die Homeworld Remastered Collection eindeutig hervor. Mit seinem von Grund auf überarbeiteten Sound und dem hübschen Grafik-Update beweist dieses Remaster-Projekt, dass seine Entwickler mit Leidenschaft bei der Sache waren. Das muss man respektieren.
In diesem Artikel
Übrigens: Wen die Änderungen an Homeworld 1 zu sehr stören und auf die neue Optik pfeift, der kann jederzeit das Original spielen. Homeworld 1 und 2 sind in nahezu unveränderter Fassung in der Remastered Collection enthalten und lassen sich bequem aus dem Launch-Programm heraus starten. Allerdings hat Gearbox hier wirklich nur das Nötigste gemacht, damit die Spiele anstandslos unter Windows 7 laufen. So gibt es in Homeworld 1 keine Unterstützung für Breitbildformate.

aber wo licht ist, da ist auch schatten. jetzt bekomme ich ums verrecken meinen zweiten monitor nicht mehr in die gänge beim start zeigt er nen billd und sobald man auf der windowsoberfläche ist bleibt er schwarz und wird nicht erkannt.
Schon mal geschaut, ob du die aktuellen Grafikkarten-Treiber installiert hast?
ich habe mir die homeworld remastered version auch zugelegt. nur fehlen bei mir die grafiken der schiffe. kein einziges schiff ist zu sehen, planeten asteroiden usw. alles da nur von den schiffen sehe ich nur den schweif der triebwerke. ist das bei euch auch so?? habe das anders in erinnerung.
gruß
bovi
Auch das Add-ON hatte mich in den Bann gezogen. Der 2. Teil kam dann nicht ganz so ran.