Homefront-Kommentar: Darf Terror Spaß machen?
Terroranschläge im Namen des Freiheitskampfes: Geht das neue Homefront mit solchen moralisch fragwürdigen Aktionen zu weit? Redakteur Peter Bathge wünscht sich in seiner Kolumne, dass Homefront: The Revolution mehr zu bieten hat als dummes Geballer und den Spieler in die moralische Zwickmühle bringt.
Spaß am Terror?
Wenn jetzt also im neuen Homefront: The Revolution Nordkoreaner über den Haufen geballert und in die Luft gejagt werden, dann kriegt das
a) wohl kaum einer im isolierten Nordkorea mit
b) stört sich in der westlichen Welt niemand dran
Doch die Art des Widerstandskampfes im neuen Homefront ist in meinen Augen - unabhängig vom Feindbild - bedenklich. Die Entwickler sprechen natürlich vor allem von der innovativen Art und Weise, wie man vier Gadgets (Brandbeschleuniger, Sprengstoff, Störsender und Feuerwerkskörper) auf vier verschiedene Arten einsetzen kann. Als Wurfwaffe oder mit Bewegungsmelder. Aber auch montiert auf einem Spielzeugauto, um beispielsweise eine Sprengladung ganz dicht an die Widersacher heranzubringen. Und per Fernzünder übers Smartphone.
Quelle: Deep Silver
Für eine spannende Handlung, die mit dem Terror-Thema verantwortungsvoll umgeht, braucht's glaubwürdige Charaktere.
Bomben zünden mit einem Druck aufs (virtuelle) Handy - das ist mir eine Spur zu nahe an der Realität des Terrors. Genau wie ich in Grand Theft Auto 5 niemanden die Zähne ohne Betäubung ziehen will, um einen möglichen Terroranschlag zu verhindern, will ich bei Homefront: The Revolution nicht selbst zum Terroristen werden! Na klar, in der Gamescom-Demo (und vermutlich im ganzen Spiel) sind die Opfer solcher Anschläge lediglich Mitglieder der Koreanischen Volksarmee. Das sollen den Regeln des Spieluniversums zufolge überzeugte Fanatiker sein, die sich einen persönlichen Spaß daraus machen, US-Zivilisten zu quälen.
Und trotzdem: Dieses hinterhältige Wegbomben in einer urbanen Umgebung, die in den halb zerstörten roten Zonen an Kriegsgebiete in Afghanistan oder dem Irak erinnern, hinterlässt bei mir ein flaues Gefühl im Magen.
Militär-Drama statt Baller-Vergnügen
"Moment!", mag jetzt so mancher Leser rufen. "Es wird doch immer wieder gefordert, dass Videospiele als Kunst verstanden werden. Und Kunst befasst sich nunmal auch mit solch heiklen Themen." Stimmt.
Quelle: Deep Silver
Im Kampf gegen die Invasoren setzen die US-Bürger auf Guerilla-Taktiken - inklusive fieser Sprengfallen.
Daher ist meine Hoffnung, dass Homefront: The Revolution das Potenzial dieses moralisch fragwürdigen Szenarios voll ausnutzt. Mit einer interessanten, erwachsenen und emotionalen Geschichte, die zynisch kommentiert und unbequeme Fragen stellt. Wie lange heiligt der Zweck die Mittel? Haben die bombenden Freiheitskämpfer Gewissensbisse? Kommt es zu schockierenden Szenen wie bei dem Angriff mit Weißem Phosphor in Spec Ops: The Line?
Die britischen Dambuster Studios könnten in Homefront: The Revolution Charaktere auffahren, die der brutale Kampf gegen die nordkoreanischen Besatzer selbst zu Bestien gemacht hat. Oder man könnte den Spieler vor unmögliche Entscheidungen stellen, bei denen eine strategisch platzierte Bombe einen der gegnerischen Anführer ausschalten könnte - aber gleichzeitig würden auch mehrere hundert US-Zivilisten das Zeitliche segnen. Das Studio hätte so die einmalige Gelegenheit, zum Nachdenken anzuregen und einen relevanten Beitrag zum öffentlichen Diskurs über den Kampf gegen den Terror und die Schrecken des modernen Krieges zu leisten.
In diesem Artikel
Und wir Spieler müssten uns ähnlich wie während der Folterszene von Grand Theft Auto 5 die Frage gefallen lassen, was wir da eigentlich spielen. Wir würden vielleicht – schockiert von unseren Taten im Spiel – die eigenen Überzeugungen und Erwartungen überprüfen. Und am Ende hätte das Medium Spiel einen weiteren Schritt in Richtung anerkannter Kunst gemacht.

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Sie sind informierter, das war's auch schon. Aber schaffe die Gelegenheit, gebe Menschen Hass und "Macht" über Andere und du wirst sehen, da hat sich seit dem 2. WK, Mittelalter etc. rein gar nichts verändert an der menschlichen Natur.
Und was böse ist bestimmt immer noch zu einem nicht vernachlässigbarem Teil der Sieger, auch das hat sich nicht geändert.
Stell dir mal vor Japan oder Deutschland hätten 2 Atombomben auf die USA geschmissen, das wäre eins der größten, verachtenswertesten Gräueltaten und Kriegsverbrechen der Menscheitsgeschichte... so waren die Bomberpiloten noch vor ihrem Tod stolz drauf und es gibt bis heute keine Entschuldigung.
Allgemein kann man sagen, "One man's villain is another man's hero" (siehe Taliban etc., wie hat man die gesehen als es gegen Russland ging? Und wie heute?)
Aber um wieder auf das Spiel zu kommen
Da sind die Seiten doch so hart gezeichnet, ich seh da kein Problem.
Finde es da deutlich (deutlich) verwerflicher wenn Leute Infamous auf Böse spielen und Gebäude in die Luft jagen nachdem ein NPC ihnen erzählt hat da sind Frauen und Kinder...
vielen Bereichen wird nicht drüber nachgedacht, weder über das eigentliche Handeln, noch die Konsequenzen, die draus folgen (können).
Und wie "Orzhov" geschrieben hat mit der abgestumpften Sache....ich denke, es kommt immer drauf an wie das Ganze inszeniert ist (als Game).
1. Waren die Widerstandskämpfer im WW2 auch bloß "verabscheuungswürdige Terroristen"?.
Die Maßnahmen waren sicher teils aus der Verzweiflung geboren, entsprechen aber nicht einer fairen und ehrenhaften Kriegsführung (sofern man das im Zusammenhang eines Krieges überhaupt in den Mund nehmen kann).
1. Waren die Widerstandskämpfer im WW2 auch bloß "verabscheuungswürdige Terroristen"?
2. Geht es bei Homefront 2 überhaupt um Terrorismus, oder am Ende doch nur um Guerilla-Taktiken (und A-Team-ähnliche Improvisation) im Kampf gegen einen technisch und/oder zahlenmäßig unfassbar überlegenen Feind? Letzteres würde das Ausbleiben der Moraldiskussion erklären, gab es dieses Szenario doch schon häufig in anderen Spielen zu sehen. Oder was tat man sonst in Half Life 2? Oder Far Cry 3? Oder in quasi jedem GTA, wo man im Gegensatz zu den anderen Titeln auch noch ganz klar auf der Verbrecherseite steht, während man irgendwelche FIB-Gebäude oder Werkstätten/Firmen zahlungsunwilliger Erpressungsopfer in die Luft jagt?
Grundsätzlich würde ich Spiele mit solchen Denkansätzen schon gerne sehen. Es gibt da das bereits angesprochene Spec Ops: The Line, welches sich allerdings furchtbar spielt und aufgrund des grauenhaften Gameplays kaum Spaß macht (dass das "Absicht" war, ist Käse), so dass ich persönlich wirklich Mühe hatte, dieses doch recht kurze Spiel überhaupt durchzuspielen (spielt man es nicht durch, geht aber der komplette Sinn des Spiels flöten). Ich hätte wirklich nichts gegen einen guten, taktischen Militärshooter (mag das Genre eigentlich nicht), in dem man anhand schlechter Luftaufnahmen und schwer zu interpretierenden Infrarotbildern entscheiden muss, ob die Drohne eine Bombe abwerfen soll (Ist das nicht auch Terrorismus, wenn ferngesteuerte Autos mit Bomben hier schon als Terrorismus gewertet werden?), oder in dem man eben wirklich die Anzahl der zivilen Opfer gegen die Wichtigkeit des Ziels abwägen muss.
Moralisches Dilemma? Her damit! Aber so pervers das auch klingen mag: Das Gameplay muss schon "Spaß" machen, bzw. muss so gut sein, dass es einem nicht die Lust am Weiterspielen verdirbt. Ist ja bei Büchern und Filmen auch nicht anders. Wenn ich einen Kriegsfilm mit moralischem Denkansatz mache und dem Film alles nehme was dem Zuschauer einen gewissen "Komfort" gibt, habe ich am Ende ein Doku-ähnliches Konstrukt, welches sich strohtrocken guckt und das Zielpublikum nicht erreicht. Auch wird kaum jemand ein 500+ Seiten Buch lesen, bei dem er sich Seite für Seite zum Weiterlesen quälen muss. Ein Spiel muss also, egal was auch das Thema ist, Spaß machen. Ansonsten erreicht es nur die Doku-Seher und Sachbuch-Leser. Daran ist grundsätzlich zwar nichts verkehrt, aber es lässt sich eben doch nur sehr schwer mit dem finanziellen Aufwand im Vergleich zur Zielgruppe (Gamer) vereinen.
- Freiheitskämpfer kämpfen gegen die Herscher (Besatzer) und versuchen die Zivilisten so gut es geht aus der Schusslinie zu halten. Die französische Widerstand im 2. WK ist da ein gutes Beispiel.
- Terroristen wollen anderen ihre Weltanschauung aufdrücken und schrecken auch nicht vor Gewalt gegen Zivilisten zurück. Da kann man die IS als Beispiel nehmen.
So würde ich das definieren. In Homefront können die es ja so machen dass man je nach Stimmung von den Zivilisten hilfe bekommt. Die Stimmung könnte von der Art abhängen wie sie einen sehen: Als Terroristen oder als Freiheitskämpfer.
Wie ich schon in meinem ersten Beitrag schrieb: Wer nach den Regeln spielt, die Anderen jedoch nicht, wird verlieren!
Zur Erkärung:
Eine Besatzungsmacht, die über unbegrenzte Mittel und Möglichkeiten an Material sowie Menschen verfügt, ist IMMER im Vorteil denjenigen gegenüber die im Widerstand sind, die eben nur über geringe Mittel und geringes Personal verfügen. Da muß, um etwas bewirken zu können, der Widerstand zusehen, dass er mit den geringen Mitteln die maximale Wirkung erzielt.
Sei es mit Sabotage,....den Rest schreibe ich nicht, sonst werde ich in eine Ecke gestellt, in die ich nicht rein will.
Der Widerstand kann es sich gar nicht leisten, nach den konventionellen Regeln der Besatzer zu agieren.
Dadurch zeichnet sich eben diese Guerilla-Taktik aus.
Sie sind informierter, das war's auch schon. Aber schaffe die Gelegenheit, gebe Menschen Hass und "Macht" über Andere und du wirst sehen, da hat sich seit dem 2. WK, Mittelalter etc. rein gar nichts verändert an der menschlichen Natur.