Helheim Hassle im Test: Puzzle-Spaß in der verrückten Wikinger-Hölle

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Test Melanie Weißmann - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Helheim Hassle im Test: Puzzle-Spaß in der verrückten Wikinger-Hölle
Quelle: PC Games

Comedy und Körperteile - Diese zwei Wörter beschreiben Helheim Hassle von Entwickler Perfectly Paranormal wohl am besten. Zwischen Blut, Tod und Wikinger-Witzen müssen wir als junger Vollblut-Pazifist viele kleine Rätsel lösen, damit wir nicht für alle Ewigkeit in Valhalla mit den kampfwütigen Seelen verstorbener Nordmänner in den Krieg ziehen müssen. In diesem Test erfahrt ihr, wie uns das Puzzle-Adventure gefallen hat.

Was nach dem Tod passiert, weiß niemand so recht. Im Universum von Helheim Hassle ist das Konzept der Nachwelt allerdings klar. Mit Valhalla gibt es einen Himmel für heldenhafte Krieger und mit Helheim eine Hölle für alle Looser, die einen unehrenhaften Tod sterben. Unser friedfertiger Protagonist Bjørn, der eindeutig zur zweiten Kategorie gehört, möchte mit allen Mitteln eine Aufnahme in der letzten Ruhestätte kriegerischer Nordmänner vermeiden. Ob ihm dieses Vorhaben gelingt, erfahren wir im Laufe des verrückten Wikinger-Abenteuers.

Flucht aus Valhalla

Alle Wikinger wollen nur das Eine - im Kampf sterben, um möglichst schnell nach Valhalla zu kommen. Bjørn sieht das allerdings anders. Im Gegensatz zu seinen bärtigen Genossen strebt der junge Wikinger eine friedliche Lebensweise an und rennt aus Prinzip vor allen Kämpfen davon.
Durch ein dummes Missgeschick stirbt der pazifistische Pechvogel bei der Flucht vor einem großen Gemetzel und wird in Valhalla aufgenommen, wo er täglich mit dem hippen Gottvater Odin in die Schlacht ziehen muss. Statt klassisch auf einem Schlachtfeld, führt Odin seine Kämpferseelen allerdings in einem Online-Kriegsspiel an. Zu seinem Glück wird Bjørn von einem der vier Apokalyptischen Reiter wiederbelebt, der dringend seine Hilfe bei einer Mission in der Wikinger-Hölle Helheim benötigt. Schnell willigt der junge Wikinger ein, denn er wittert seine Chance, dem barbarischen Alltag in Odins Himmelsreich zu entfliehen.

Der Apokalyptische Reiter Pestilenz muss sich direkt übergeben, als Bjørns Kopf sich das erste Mal von seinem Körper löst. Iiiirgh! Quelle: PC Games Der Apokalyptische Reiter Pestilenz muss sich direkt übergeben, als Bjørns Kopf sich das erste Mal von seinem Körper löst. Iiiirgh! Bei seiner Wiedergeburt zurück in die Welt der Sterblichen unterläuft dem tollpatschigen Reiter ein folgenschwerer Fehler. Bjørn wird unsterblich und kann seine Gliedmaßen nach Belieben von seinem Rumpf abtrennen und sie unabhängig voneinander steuern. Diese neue Superkraft erweist sich auf dem Weg nach Helheim als besonders nützlich, denn der Pfad in die Hölle ist mit allerlei Rätseln gepflastert, bei denen voller und vor allem geteilter Körpereinsatz gefragt ist. Der Gang ist zu schmal für einen Menschenkörper? Kein Problem, wir rollen geschmeidig mit dem Kopf hindurch. Ein Hebel zum Öffnen eines Tores ist zu weit oben? Wir werfen einfach einen unserer Arme in seine Richtung. Nach diesem Prinzip ist das gesamte Puzzle-Erlebnis aufgebaut. Getrieben wird die Levelgestaltung von der Story. So landen wir durch urkomische Situationen beispielsweise im Fitnesscenter oder begeben uns auf ein makaberes Abenteuer im Inneren einer mythologischen Kreatur. Das Wechselspiel zwischen Rätsel und Geschichte fühlt sich dadurch flüssig und nachvollziehbar an.

Die Geschichte des kampfunwilligen Wikingers wird durch kleine Zwischensequenzen und Dialoge erzählt. Neben der Hauptstory gibt es viele interaktive Figuren, die ihr ansprechen könnt, aber nicht müsst. Diese lassen meist einen locker-lustigen Spruch ab oder kommentieren einige der vielen skurrilen Situationen, in die euch das Spiel verschlägt. Dialoge und Story sind sehr unterhaltsam und werden gegen Ende sogar richtig interessant. Leider hat uns das Finale etwas enttäuscht, da es abrupt eingeschoben und etwas aus der Luft gegriffen wirkte.

Lieber Arm ab als arm dran

Jedes Körperteil hat spezielle Eigenschaften, die ihr sinnvoll einsetzen müsst. Eure Arme können beispielsweise klettern und werfen, die Beine springen und der Kopf rollen und sprechen.  Quelle: PC Games Jedes Körperteil hat spezielle Eigenschaften, die ihr sinnvoll einsetzen müsst. Eure Arme können beispielsweise klettern und werfen, die Beine springen und der Kopf rollen und sprechen.  Das Gameplay-Konzept ist innovativ und gleichzeitig simpel. Je nach Aufbau des Levels sind die Abtrennung und Rekombination bestimmter Gliedmaßen nötig, um die verschlossenen Durchgänge für die nächste Aufgabe frei zu machen. Um die mechanischen Türen zu öffnen, müssen Arme, Beine oder Kopf auf eine Plattform befördert werden. Die wohl größte Schwierigkeit bei diesem Unterfangen ist die Wahrung des Überblicks. Habt ihr etwa Arme und Kopf losgeschickt, gibt es bereits vier Körperteile zwischen denen ihr hin- und herwechseln müsst. Einen schnellen und gezielten Perspektivwechsel hinzubekommen ist dabei ein Kunststück, da die Steuerung etwas hakelig von der Hand geht. Eine wesentlich einfachere und unterhaltsamere Kunst bietet hingegen das Kombinieren der körperlosen Glieder zu neuen, ulkigen Gestalten. Unser absoluter Favorit ist der Kopf auf den sich wild rotierend fortbewegenden Beinen.

Je nachdem, ob ihr den testosterongeladenen Trollen gut zuredet oder sie kitzelt, bewegen sie die sperrigen Gewichtsplatten nach oben oder unten.  Quelle: PC Games Je nachdem, ob ihr den testosterongeladenen Trollen gut zuredet oder sie kitzelt, bewegen sie die sperrigen Gewichtsplatten nach oben oder unten.  Recht unkreativ und wenig abwechslungsreich gestaltet sich allerdings die Mechanik hinter dem verrückten Konzept. Die Level unterscheiden sich zwar optisch, jedoch sind immer gleiche Denkmuster und Kniffe zum Lösen der Aufgaben erforderlich. Neue Elemente kommen nur selten hinzu und oft müssen für eine Aufgabe die gleichen Bewegungsmuster mehrfach wiederholt werden. Dadurch wird das Gameplay langatmig und Spieler büßen, trotz der humorvollen Gestaltung der Level, einiges an Motivation ein. Verfolgungsjagden, die uns zusätzlich unter Zeitdruck setzen und einige sinnvoll eingefädelte Ablenkungsmanöver verleihen dem sonst eher repetitiven Gameplay immerhin etwas Würze. Eine unbekannte Variable stellt zumeist auch der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben dar. Dieser steigert sich nicht etwa, sondern verändert sich recht zufällig von einem auf das nächste Level. Hinweise zum Lösen der Aufgaben werden teilweise in die Dialoge eingestreut und verraten wichtige Tricks, die sich der ein oder andere Rätsel-Fan lieber selbst ergrübelt hätte.

Balsam für die Lachmuskeln

In der Wikinger-Hölle heizen harte Rock-Bands den Bewohnern so richtig ein.  Quelle: PC Games In der Wikinger-Hölle heizen harte Rock-Bands den Bewohnern so richtig ein.  Es wird geblutet, gekotzt und getötet. Lustig ist das Abenteuer trotzdem - oder gerade deshalb. Wer auf makaberen schwarzen Humor steht, für den bietet Helheim Hassle mit Sicherheit eine gute Gelegenheit für ein breites Grinsen oder ein grunzendes Schnauben. Aber auch die Witzekiste in der Pop-Kultur-Schublade haben die Entwickler gefunden und fleißig darin gewühlt. So kommt es, das Odin als impulsiver Hipster mit Manbun dargestellt wird, der die Seelen aller gefallenen Krieger für sein Team in einem Online-Kriegsspiel rekrutiert. Auch Rockbands und Social-Media-Kanäle fehlen im Wikinger-Afterlife nicht.

Ein abgefahren-grotesker Comic-Stil verziert das brutale nordische Setting und sorgt für eine Verharmlosung der Gewaltszenen und ein noch verrückteres Erscheinungsbild der Charaktere. Eine unglaublich gute, aber leider nur auf englisch verfügbare, Vertonung der Figuren trägt zusätzlich zum Lachpotenzial des Titels bei. Die humorvoll-makabere Atmosphäre ist mit Abstand das größte Kaufargument für Helheim Hassle. Wer seinen Fokus eher auf abwechslungsreiche und innovative Rätsel legt, sollte lieber auf andere Puzzle-Games zurückgreifen. Alle, die ihren Lachmuskeln ein mindestens zehnstündiges Ausdauertraining gönnen wollen, finden das verrückte Wikinger-Abenteuer auf PC, PS4, Xbox One und Nintenedo Switch. Mit einem fairen Preis von ungefähr 17 Euro, müsst ihr für den Titel nicht einmal besonders tief in die Tasche greifen.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Helheim Hassle (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Helheim Hassle (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Helheim Hassle (NSW)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Helheim Hassle (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Schwarzer Humor ist am StartLevelgestaltung und Story sind eng verknüpftWitzige und teils interessante GeschichteViele interaktive Figuren bereichern das SpielerlebnisCooler Comic-StilInnovatives Gameplay-Konzept
Enttäuschendes FinaleRepetitive AufgabenSelten neue Gameplay-ElementeWechsel zwischen Körperteilen unübersichtlichBeinahe zu viele Hinweise
Fazit

Trotz kleiner Schwächen ein gelungener Puzzler mit jeder Menge Humor.

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