Gaming-Stromkosten: Grafikkarten, Faktor Netzteil, Übersicht effiiziente Netzteile
Ein starker Gaming-PC benötigt beim Spielen natürlich mehr Strom als eine Spielekonsole oder gar nur ein Smartphone. Doch welche Kosten entstehen wirklich? Wie berechnet man die Kosten? Welche effizienten Netzteile gibt es aktuell auf dem Markt?
Grafikkarten-Strombedarf
Wie viel Stromleistung ein Netzteil für die Komponenten zur Verfügung stellen muss, hängt sehr vom jeweiligen Bauteil ab. Vor allem Grafikkarten unter Last können enorme Unterschiede hervorrufen. Das Komplizierte daran: die jeweiligen Referenzmodelle von AMD und Nvidia mit der entsprechenden Standardkühlung und dem typischen GPU-Takt ab Werk sind noch sehr zuverlässig einzuordnen, was den typischen und maximalen Strombedarf angeht.
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Aber schon ein Custom-Kühler und eine damit verbundene andere Lüftung als bei AMD oder Nvidia können den Strombedarf verändern.
Quelle: PC Games Hardware
Sapphire AMD R9 390 Nitro mit drei Lüftern zur Kühlung
Eine Custom-Kühlung ist ein vom jeweiligen Partnerhersteller wie zum Beispiel Gainward, Asus oder MSI entwickelter Grafikkartenkühler, der bei stärkeren Grafikkarten mit zwei oder drei Lüftern ausgestattet wird. Hinzu kommt noch, dass einige Hersteller ab Werk eine Übertaktung vorsehen. Selbst innerhalb der - als Beispiel angeführten - Nvidia GTX 970-Serie kann es daher passieren, dass ein Modell des Herstellers X mit Standardtakt 60 bis 80 Watt weniger Strom verbraucht als ein anderes Modell des Herstellers Y, der seine Grafikkarte ab Werk stark übertaktet hat. Sogar beim gleichen Hersteller kann es allein durch abweichende Varianten der gleichen Grafikkarte schon Abweichungen von 40 bis 50 Watt geben. Zudem habt ihr bei modernen Grafikkarten auch oft die Möglichkeit, ein so genanntes Power Target anzugeben. Das heißt: die Grafikkarte soll die maximal mögliche Leistung herausholen, aber höchstens so viel Strom verbrauchen, wie es das Power Target vorgibt. Dies kann eine Karte auf Kosten der Leistung zum Stromsparen zwingen. Wir haben für euch den ungefähren Strombedarfs des gesamten PCs mit einem modernen Intel Core i5- oder i7-Prozessor bei normaler Spielelast (keine absolute Volllast) für acht aktuelle Grafikkartenmodelle zusammengefasst - im Klammern seht ihr zusätzlich die beim Verbrauch ähnlichen Modelle der vorigen Generation:
- Nvidia GTX 960 (GTX 750 Ti weniger, GTX 760 mehr Strombedarf) etwa 220 Watt
- AMD R9 380 (R9 280) etwa 280 Watt
- AMD R9 380X (R9 280X) etwa 310 Watt
- Nvidia GTX 970 (GTX 760) etwa 260 Watt
- AMD R9 390 (R9 290) etwa 350 Watt
- AMD R9 390X (R9 290X) etwa 380 Watt
- Nvidia GTX 980 (GTX 770) etwa 320 Watt
- Nvidia GTX 980 Ti (GTX 780 Ti) etwa 380 Watt
Diese Werte dienen nur zur ungefähren Orientierung, um den Bedarf eines PCs einzuschätzen. Wie sicher den meisten bekannt sein sollte, steht Nvidia bei der Stromeffizienz mit den aktuellen Grafikkartenmodellen besser da als AMD und hat beim Generationswechsel die Effizienz verbessert. Wenn ihr vor dem Grafikkartenkauf den Stromhunger mit in eure Entscheidung einbeziehen wollt, findet ihr exaktere Verbrauchsdaten natürlich in Grafikkartentests von Fachmagazinen. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten: ihr solltet nur die Werte miteinander vergleichen, die im gleichen Test zustande kamen. Denn es kann vorkommen, dass ein und dasselbe Grafikkartenmodell in einem Test mit dem dort genutzten PC 300 Watt benötigt, in einem anderen Test aber ein anderer PC oder auch andere Benchmarks verwendet werden und der Verbrauch stark abweicht.
Faktor Netzteil
Nicht zu unterschätzen ist der Faktor Netzteil beim Strombedarf. Jedes Netzteil hat eine gewisse Effizienz, wobei diese bei einer geringen Auslastung des Netzteils meist schlechter als bei halber oder voller Auslastung ist. Was genau bedeutet dies?
Quelle: XFX
Auch das Netzteil beeinflusst den Stromverbrauch, hier ein XFX TS 500-Watt-Modell
Zunächst erklären wir das Wörtchen Effizienz: Beim Umwandeln des Stroms aus der Steckdose (230 Volt Spannung) in die zu den einzelnen Komponenten passenden Spannungen (3,3 Volt, 5 Volt und 12 Volt) geht immer auch etwas Strom verloren. Das merkt ihr auch daran, dass ein Netzteil im Betrieb warm wird. Denn Wärme kann hier nur durch das Umwandeln von Energie entstehen. Und wenn beim Stromwandeln Wärme anfällt, kann natürlich nicht 100 Prozent des Stroms an die Komponenten weitergegeben worden sein. Die Effizienz gibt nun an, wie viel Prozent des aus der Steckdose gezogenen Stroms wirklich bei den Bauteilen ankommt. Typische Werte sind 85 bis 90 Prozent. Der Rest geht beim Umwandeln der Spannungen und für die Versorgung des Netzteillüfters verloren. Je höher der Effizienzwert, desto weniger Strom geht verloren.
Außerdem wollen wir die Auslastung erläutern. Wenn ein Netzteil mit 500 Watt maximaler Leistungsfähigkeit spezifiziert ist, dann ist es bei einem aktuellen Strombedarf von 250 Watt logischerweise zu 50 Prozent ausgelastet. Liegt der Verbrauch bei 100 Watt, dann beträgt die Auslastung nur 20 Prozent (100 geteilt durch 500). Bei einer sehr geringen Auslastung ist die Effizienz meistens etwas schwächer. Als Hilfe zur Einordnung der Effizienz gibt es das 80Plus-Label, welches sechs Effiizienzstufen beschreibt. Pro Stufe wird eine bestimmte Mindesteffizienz für die Auslastungsstufen 20, 50 und 100 Prozent verlangt. Nur wenn ein Netzteil alle drei Werte einhält oder übertrifft, bekommt es das jeweilige zur Stufe passende Label. Wir haben die sechs Labels in der folgenden Tabelle zusammengefasst - das erste Label wird häufig auch als 80Plus-White bezeichnet.
| Label | Effizienz 20% | Effizienz 50% | Effizienz 100% |
|---|---|---|---|
| 80 Plus | 82 | 85 | 82 |
| 80 Plus Bronze | 85 | 88 | 85 |
| 80 Plus Silver | 87 | 90 | 87 |
| 80 Plus Gold | 90 | 92 | 89 |
| 80 Plus Platinum | 92 | 94 | 90 |
| 80 Plus Titanium | 94 | 96 | 94 |
Die Zahlenwerte in der Tabelle verstehen sich als Prozentwerte für die Effizienz bei der jeweiligen Netzteilauslastung.
Quelle: Be quiet
Bei einem modularen Netzteil wie dem be quiet! Dark Power Pro kann man nicht benötigte Kabel abnehmen
Wenn nur einer der geforderten Werte unterschritten wird, bekommt das Netzteil das jeweils niedrigere Label - daher sollte man diese Kennzeichnung nicht überwerten, denn ein Modell mit Silver-Label kann im Einzelfall sogar im Durchschnitt effizienter sein als ein anderes mit einem Gold-Label. In der Summe sollte man aber auch die Kirche im Dorf lassen. Für die meisten Nutzer spielen ein paar Prozent mehr oder weniger Effizienz kaum eine Rolle. So spart ihr mit einem Netzteil, welches eine Effizienz von 90 Prozent statt nur 85 Prozent besitzt, am Ende des Jahres bei einer Gesamtrechnung von 200 Euro auch nur etwa 11 Euro ein. Trotzdem zeigt dies, dass sich 20 Euro Aufpreis am Ende durchaus auszahlen, denn ein Netzteil nutzt man viele Jahre. Als Faustregel gilt: je länger der PC pro Tag an ist, egal ob für Gaming oder bei geringer Last, desto eher lohnt sich der Aufpreis für ein effizientes Netzteil. Zum Abschluss haben wir einige empfehlenswerte Netzteile mit guten Effizienzwerten in einer kleinen Marktübersicht zusammengefasst.
Marktübersicht effiziente Netzteile
Wir haben 15 besonders hervorstechende Netzteile- oder auch Netzteilserien mit Leistungswerten zwischen 450 und 650 Watt sowie mindestens zwei PCIe-8Pin-Steckern für euch herausgesucht. Wer nicht so viel ausgeben will, findet aber auch viele völlig ausreichende Modelle im Preisbereich zwischen 40 und 60 Euro, die dafür bei der Effizienz nicht ganz so gut dastehen. Netzteilserien sind in der Übersicht in der klaren Mehrheit - diese erkennt ihr daran, dass für die Nennleistung und teils auch für die durchschnittliche Effizienz kein fester Wert eingetragen ist, da es natürlich mehrere Modelle mit unterschiedlichen Leistungswerten zur Auswahl gibt. Modularität bedeutet übrigens, dass ihr die ungenutzten Netzteilkabel abstecken und außerhalb des PCs lagern könnt.
| Modell | Nennleistung | durchschn. Effizienz | 80 Plus | Modularität | Preis ab |
|---|---|---|---|---|---|
| bq quiet! System Power 7 | ab 450 Watt | über 90 Prozent | Silver | nein | 55 Euro |
| FSP Fortron/Source Raider | ab 550 Watt | 88 bis 89 Prozent | Silver | nein | 60 Euro |
| Fractal Design Edison M | ab 450 Watt | 89 bis 90 Prozent | Gold | ja | 60 Euro |
| AeroCool Xpredator 550GM | 550 Watt | 90 Prozent | Gold | ja | 70 Euro |
| XFX TS Gold Series | ab 550 Watt | 90 Prozent | Gold | nein | 70 Euro |
| Chieftec A-90 GDP | ab 550 Watt | über 90 Prozent | Gold | ja | 75 Euro |
| Cougar CMD | ab 500 Watt | 88 Prozent | Bronze | ja | 75 Euro |
| Corsair CS Series Modular | ab 450 Watt | 92 Prozent | Gold | ja | 75 Euro |
| Seasonic G-Series | ab 450 Watt | 89 Prozent | Gold | ja | 80 Euro |
| Antec TruePower Classic | ab 550 Watt | 90 Prozent | Gold | nein | 80 Euro |
| Thermaltake European Gold | ab 550 Watt | 90 Prozent | Gold | ja | 80 Euro |
| Chieftec Navitas | ab 450 Watt | keine Angabe | Gold | ja | 80 Euro |
| Enermax Revolution X't | ab 530 Watt | über 89 Prozent | Gold | ja | 85 Euro |
| EVGA GQ | ab 650 Watt | 92 Prozent | Gold | ja | 85 Euro |
| Antec EarthWatts EA-550 | 550 Watt | 91 Prozent | Platinum | nein | 90 Euro |
