RAM: Latenz, Leistung und DDR4-Revival
Ein hoher Takt ist bei RAM nicht unbedingt ein Vorteil - wir erklären, warum, und gehen auch auf das Revival von DDR4-RAM ein.
Latenz als Bandbreiten-Gegner
Für viele Anwendungen gilt: Je mehr Speicherbandbreite, desto schneller laufen die Rechenvorgänge für die Anwendung ab. Dies gilt aber vor allem für Fälle, in denen absehbare Datenpakete nach und nach abgearbeitet werden. In Spielen sind aber, da der Spieler selbst ja ständig neue Situationen schafft, die Reaktionszeiten des RAMs besonders wichtig, also die Latenzwerte, die die Verzögerung beschreiben, bis ein bestimmter Vorgang initiiert werden kann.
Für Gaming ist besonders der CL-Wert wichtig, die sogenannte CAS-Latency. Ein niedriger Wert ist besser, da die Verzögerung dann ja geringer ausfällt. Allerdings gibt es hier dann einen Konflikt mit hohen Taktwerten. Denn schneller DDR5-RAM hat deutlich schlechtere CL-Werte als das vom Takt her langsamere DDR4-RAM, und auch innerhalb der gleichen RAM-Sorte haben die Riegel, die mehr Takt als andere bieten, meist eine schlechtere CL. Der Vorteil des höheren Taktes wird daher in Spielen oft durch den schlechteren CL-Wert aufgefressen. Besonders schnelles RAM, das bezogen auf seinen Takt einen hervorragenden CL-Wert hat, ist zudem meist sehr teuer.
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Ein verbreiteter CL-Wert bei DDR5-6000-RAM ist zum Beispiel CL30 oder CL32. Schaut man sich wiederum DDR5-7200-RAM an, gibt es bestenfalls CL34, aber das dann für einen Aufpreis von 10 bis 20 Prozent. In Tests kann man sehen, dass höhere Taktwerte beim RAM in Spielen ein klein wenig mehr FPS bringen können, wenn die CL-Werte nicht zu weit voneinander entfernt liegen. Je weiter die CL-Wert aber differieren, desto weniger zahlt sich ein Taktplus aus. Am Ende muss man sich fragen, ob man denn wirklich 40, 50 oder gar 100 Euro mehr pro 32GB RAM ausgeben will, nur um vielleicht am Ende 67 statt 65 FPS in einem Spiel zu haben. Man sollte diese Aussage aber nicht so deuten, dass man das langsamste RAM nehmen kann, welches der Markt bietet - denn geht man beim Takt unter die Grenze, auf die der Prozessor ausgelegt ist, kann es durchaus auch stärkere Unterschiede geben. Bei DDR4-RAM sollte man mindestens 3200 MT/s nehmen, bei DDR5 5600 MT/s.
Quelle: PC Games Hardware
G.Skill Aegis DDR4-RAM
DDR4-RAM: Wiederbelebte RAM-Sorte
Doch was ist, wenn man DDR4- und DDR5-RAM vergleicht? Dies kann man beim Intel Sockel 1700 gut testen, denn hier könnt ihr beim Mainboard-Kauf entscheiden, ob die CPU mit DDR4- oder DDR5-RAM betrieben wird. Tests zeigen dabei in puncto Gaming, dass der vom Takt her deutlich schnellere DDR5-RAM mit 5600 oder 6000 MT/s sehr oft nur ein kleines bisschen mehr Leistung bringt als DDR4-3200-RAM, manchmal aber durchaus auch 15 Prozent mehr leisten kann. Dass es aber keinen Vorteil gibt, der auch nur ansatzweise mit dem Taktplus von 75 bis 90 Prozent zu tun hat, liegt auch an den CL-Werten. Diese betragen bei DDR4-3200-RAM nämlich nur CL16 oder CL18, bei DDR5 sind es für die Riegel, die noch vergleichsweise günstig sind, im besten Falle CL36, also eine doppelt so hohe Verzögerung.
Hier klärt sich dann auch das auf, was wir anfangs beschrieben: Eine DDR4-RAM-kompatible CPU kann aktuell die bessere Wahl sein, wenn es um das Preis-Leistungs-Verhältnis geht. Denn 32GB-DDR4-RAM mit CL16 kosten aktuell ab 210 Euro, DDR5-6000 mit CL30 hingegen gibt es erst ab etwa 380 Euro, und auch falls ihr einen schlechteren CL-Wert in Kauf nehmt, wird es kaum günstiger. Ihr spart also beim Griff zu einer der alten CPUs, die noch DDR4 nutzen können, satte 160 Euro oder mehr! Der Haken an der Sache ist, dass selbst die besten CPUs für die DDR4-Sockel AMD AM4 und Intel 1700 von den aktuellen Top-Gaming-CPUs Ryzen 7 9800X3D (430 Euro) und Ryzen 7 9850X3D (460 Euro) um etwa 20 Prozent übertroffen werden - wer also langfristig plant oder einfach nur eine Top-Leistung haben will, wird in den sauren Apfel beißen und trotz der Aufpreise ein DDR5-System wählen.
