Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 1: Warten aufs Christkind

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Special Sebastian Göttling - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 1: Warten aufs Christkind
Quelle: Christian Höfer

Autor Sebastian Göttling erzählt aus seiner Jugend und davon, was wohl viele Leser mit ihm teilen: Die nostalgische Erinnerung an seinen ersten Spiele-PC!

Mein Vater und Rainer müssen sich sehr effizient und gut ausgetauscht haben, denn bereits am Folgetag heißt es: "[Mein Vater] zeigte mir Rainers PC Katalog. Da war ein Traum-PC drin (486er, 4 MB RAM, 33 MHz, DOS 6.2, Windows 3.1, CD-ROM, Soundkarte, Super-VGA-Grafikkarte, 250 MB Festplatte, 3447 DM). Den wollte er natürlich gleich morgen bestellen." Heutzutage lacht man über die Leistungseckdaten dessen, was ich damals überschwänglich als Traum-PC beschrieb, wie sich am ehesten an den Speicherangaben zeigt: 4 MB sind praktisch überhaupt gar nichts, egal wofür, und die 250 MB große Festplatte, also der Vorratsspeicher, wäre heutzutage selbst als aktiver Arbeitsspeicher ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Firma, bei der mein Vater den Computer bestellte, war der Spezialversand Syncron (ohne h). Die hatten jede Menge einzelne Hardwarekomponenten im Angebot, aus denen man sich seinen Wunschrechner zusammenstellen konnte, aber auch einige fertig vorkonfigurierte Sparpaket-PCs. Der, den wir uns aussuchten, kam mit einem der Schlagworte der frühen Neunziger daher: Multimedia-PC. In Sachen Prozessor und Arbeitsspeicher machte ich, wie man unschwer erkennen kann, kleinere Abstriche, dafür war das Angebot aber unschlagbar im Vergleich dazu, was uns die heimische Innenstadt bot.

In den nachfolgenden Jahren sollte sich ein drastischer Preisverfall einstellen, der die Besitzer von absoluten High-End-Maschinen wie Rainer und Simons Vater womöglich wehmütig ihren ausgegebenen Tausendern nachweinen ließ - und Sparfuchs Christian umso zufriedener mit seiner vorerst ökonomisch zurückhaltenden, wenn auch technisch begrenzten Wahl machte.

Spätestens mit dem ersten Aldi-PC im Jahr 1997, einem Pentium mit 166 MHz für 1798 DM, also in etwa der Hälfte dessen, was meine Eltern Weihnachten 1993 ausgaben, war der Personal Computer in der Mitte der Gesellschaft angekommen - wie man so schön sagt.

Von dem Zeitpunkt an hatten Hinz und Kunz einen PC, gerne auch mal Menschen älterer Generation, wodurch die bis heute bestehende, schöne Tradition ins Leben gerufen wurde, dass Kinder an Weihnachten nicht wegen Gänsebraten und Klößen die Reise in die Heimat antreten, sondern um die elterlichen PCs zu "reparieren", wenn der ein oder andere grobmotorische Mausklick verheerende Konsequenzen nach sich zieht.

Doch Ende 1993 waren wir noch in den Jahren vor diesem Boom - und trotzdem muss der Run auf neue PCs im Weihnachtsgeschäft vergleichsweise groß gewesen sein, denn mein heiß ersehnter Multimedia-Rechner war mangels einzelner Komponenten nicht ab Lager lieferbar. (Wobei unsere Bestellung gerade einmal gute drei Wochen vor dem Fest zugegebenermaßen recht kurzfristig und optimistisch war.)

Ergo die beinahe täglichen Anrufe meines Vaters ab etwa Mitte Dezember bei der Firma Syncron, um herauszufinden, ob Weihnachten für seinen Sohn nun gerettet sein würde oder nicht.

Gefolgt von deren Beteuerungen, dass der neue Rechner zwar äußerst knapp vor dem Fest, aber auf jeden Fall rechtzeitig ankommen würde. Damit sind wir wieder an jenem Heiligabend angekommen, an dem ich wartete und wartete und wartete - vergeblich. Die Ereignisse des Moments, an dem ich meinen neuen Rechner dann endlich in Empfang nehmen konnte, sind eine Geschichte für einen anderen Tag.

Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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    • Kommentare (19)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Schalkmund Nerd
        War schon eine geile Zeit. Hab meinen ersten gebrauchten 486er '94 bekommen. Der Prozessor hatte zwar nur 25 MHz, aber ich und meine Kumpels hatten trotzdem eine gute Zeit mit den ganzen Games der DOS-Ära. Ende '96 hab ich mir dann endlich einen ordentlichen Pentium mit 166 MHz gekauft um auch die ganzen Windows 95 Spiele zocken zu können. :-D
      • Von Schalkmund Nerd
        War schon eine geile Zeit. Hab meinen ersten gebrauchten 486er '94 bekommen. Der Prozessor hatte zwar nur 25 MHz, aber ich und meine Kumpels hatten trotzdem eine gute Zeit mit den ganzen Games der DOS-Ära. Ende '96 hab ich mir dann endlich einen ordentlichen Pentium mit 166 MHz gekauft um auch die ganzen Windows 95 Spiele zocken zu können. :-D
      • Von Falconer75 Mitglied
        Zitat von fud1974
        Hätte Commodore nicht immer wieder Bullshit Entscheidungen getroffen wäre da vielleicht sogar was möglich gewesen und wir hätten eine andere Timeline erlebt..
        Dann würden wir uns heute über den Clickbait auf Amigagames.de aufregen. ;)
      • Von Markus841 Anfänger/in
        Unser erster PC war ein mickriger 286er, den wir von einem Bekannten bekommen haben. Darauf liefen nur sehr einfache Spiele wie Popcorn (ein Breakout Klon), Mühle etc. Die Ladezeiten waren brutal :-D

        Was war das für ein Sprung, als wir dann einen Pentium 166, mit 16 MB Ram hatten, ein Traum!

        Später kam dann noch ein Pentium 3 mit 800 Mhz, 128 MB Ram und einer Geforce 2 MX, ein System von Niedermeyr.
        Was habe ich meinen Dad damals angefleht, irgendwann hat er dann nachgegeben.
        Da auf dem Pentium 166 nichts mehr gelaufen ist, habe ich mir zur Überbrückung noch einen günstigen Nintendo 64 angeschafft. Nach dem ich den PIII bekommen habe, hab ich das Teil nie mehr angerührt :P
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von Falconer75
        Daran erinnere ich mich auch noch lebhaft. Die Magazine Amiga Joker und Amiga Games (Schwesterheft der PC Games) haben noch bis Ende 1996 existiert und breit zum Üblerlebenskampf der "Freundin" berichtet. Jung und naiv habe ich damals tatsächlich noch geglaubt, die Heimcomputer könnten die drögen PCs auf Sicht in Sachen Gaming ausstechen. :-D
        Hätte Commodore nicht immer wieder Bullshit Entscheidungen getroffen wäre da vielleicht sogar was möglich gewesen und wir hätten eine andere Timeline erlebt..

        Zitat von ZAM
        Aus dem "Vobis Superstore" hatten wir damals auch die erste Kiste - das war ein "Siemens Nixdorf" xD
        Überlege welche Ära das dann war... Aber Siemens Nixdorf war ne zeitlang durchaus gängig, Siemens hatte ja Nixdorf, ein großes bedeutendes bundesdeutsches Vorzeigeunternehmen, übernommen nachdem die den aufsteigenden PC Markt unterschätzt hatten und drauf gebaut hatten der gute gehobene deutsche Mittelstand und die Konzerne würden auch weiterhin auf Mid-Size Rechensysteme setzen. Also gerade die Größe, die dann ausstarb, blieb ja nur PCs oder halt die ganz großen Eisen (Mainframes) übrig.
      • Von ZAM Redakteur
        Zitat von sauerlandboy79
        Vobis war damals wirklich gut, da konnte man schon gute Systeme zu "moderaten" Preisen bekommen. Ende der 1990er hatte ich zumindest zwei Rechner von denen erworben, hart erarbeitet durch Ferienjobs.

        War ein erhabenes Gefühl nach dem Sommer seine ca. 2000 DM verdient zu haben um sie gleich darauf in den Nachfolge-PC zu investieren... Hach, das war schon eine geile Zeit. Als junger Spät-Teen/Erwachsener... :X
        Aus dem "Vobis Superstore" hatten wir damals auch die erste Kiste - das war ein "Siemens Nixdorf" xD
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