Hannibal Rising - Wie alles begann
Quelle: Universum
Düster: Hannibals Jugendzeit
Er hat seine Opfer zum Fressen gern: Hannibal Lecter - der philosophierende Gourmet mit der perfiden Vorliebe für Menschenfleisch. Als er 1991 erstmals auf der Leinwand sein diabolisches Unwesen trieb, verfolgten das allein in Deutschland über sieben Millionen Kinobesucher. Der kultivierte Killer machte nicht nur Kasse, er brachte auch das Außenseiter-Genre "Serienkiller-Thriller" zu Oscar-Würden. Das Schweigen der Lämmer wurde mit fünf Goldjungen geehrt und löste einen cineastischen Boom in Sachen Psycho-Schlitzer aus.
Lecter selbst durfte seinen mörderischen Mythos mit zwei weiteren Filmauftritten untermauern: Hannibal (2001) und Roter Drache (2002), die ebenso wie Das Schweigen der Lämmer auf den Bestsellerromanen von Thomas Harris basierten. Alle drei Teile wurden von Hollywood-Urgestein Dino De Laurentiis produziert. Der 1919 (!) geborene Italiener hob einst schon Kinoklassiker wie Fellinis La Strada aus der Taufe. Als De Laurentiis im Zuge der Promotion-Tour für Roter Drache um den Globus reiste, kam ihm die Idee zu Teil 4 der Lecter-Reihe.
Der Film-Veteran erzählt: "Egal, wo ich hinkam, überall stellten mir die Leute die gleiche Frage: ,Warum wurde Hannibal Lecter zum Monster?' So reifte in mir der Plan, einen Film zu drehen, der zeigt, was in Hannibals Kindheit passierte." Auf De Laurentiis' Drängen hin lieferte Thomas Harris die entsprechende Romanvorlage und schrieb obendrein auch gleich das Drehbuch für den Film. So erzählt nun also das Prequel Hannibal Rising von den Lehr- und Wanderjahren des jungen Hannibal.
Der wächst als Aristokratensohn während des Zweiten Weltkrieges in einem litauischen Schloss auf. Eines Tages muss Hannibal mit ansehen, wie die Schergen des sadistischen Söldners Grutas (Rhys Ifans, Notting Hill) zuerst seine Eltern tötenund dann seine geliebte Schwester Mischa ermorden. Schlimmer noch: Die fiesen Soldaten verspeisen die Leiche des kleinen Mädchens!
Hannibal wird daraufhin in ein Waisenhaus gesteckt, kann aber als Teenager entkommen und geht nach Frankreich. In der mysteriösen Lady Murasaki (Gong Li, Die Geisha) findet er eine kulturelle Mentorin, die ihn zudem die Kunst des Schwertkampfes lehrt - eine Fähigkeit, die Hannibal schon bald für äußerst grausame Zwecke einsetzt. Denn der Jüngling hat sich geschworen, jene Männer zu jagen, die einst seine Familie umbrachten. Ein blutiger Rachefeldzug nimmt seinen Lauf ...
Hannibal Rising will schockieren, bleibt insgesamt aber zu brav. Schuld daran sind sicher nicht die fantastischen Bilder von Regisseur Peter Webber (Das Mädchen mit dem Perlenohrring). Mal lässt er die Kamera in opulenten Nostalgiebildern schwelgen, dann wieder reiht er blutrünstige Momentaufnahmen in peitschenden Schnitten aneinander. Visuell ist das ein Leckerbissen - nur inhaltlich hapert es an Substanz.
Die Handlung führt Lecters Leben wie ein Biopic vor, bietet aber darüber hinaus wenig Spannung. Zwar werden zahlreiche Andeutungen auf Lecters künftige Merkmale gemacht (etwa die berühmte Gesichtsmaske mit dem eisernen Mundteil), doch die Präsentation des Diabolischen wirkt hier stets zu gewollt. Wüsste man nicht um den späteren Werdegang des Kannibalen, würde sich für diesen Film wohl kaum jemand interessieren.
(Dörte Langwald)
