Half-Life 2 Replay - Der beste Ego-Shooter bis dato
Lohnt sich die Rückkehr an einen der ikonischsten Orte der Spielegeschichte? Redakteur Peter Bathge hat elf Jahre nach dem ursprünglichen Release von Half-Life 2 einen Abstecher nach City 17 gemacht. Dabei bekämpfte er Combine-Soldaten und Headcrabs, probierte Grafik-Mods aus und war am Ende wieder der Überzeugung, dass Half-Life 2 immer noch der beste Ego-Shooter überhaupt ist.
Immer noch ideal?
Elf Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung erneut in City 17 abzutauchen, öffnet einem die Augen. Dafür, wie zeitlos gut das Leveldesign von Half-Life 2 ist. Zielsicher fliegen wir durch die Areale, ohne Zögern, ohne Zaudern. Der Weg ist immer klar ersichtlich, ein Blick genügt.
Quelle: PC Games
Physik macht Spaß! Überall stehen Benzinfässer, mit denen sich herrlich chaotische Kettenreaktionen auslösen lassen.
Valve werden zu Recht als die Meister der Korridore bezeichnet: Ein Raum geht logisch in den nächsten über, nichts wirkt überflüssig oder aufgebläht. Die Stadt in ihrer ganzen Vielfalt übt eine mysteriöse Faszination aus, vom ersten Moment an ziehen optische Besonderheiten wie der gewaltige Combine-Turm im Zentrum Blicke auf sich, machen neugierig. Viktor Antonovs Handschrift ist im Rückblick noch deutlicher zu erkennen. Der bulgarische Level-Designer, der nach City 17 auch die optisch ähnliche Stadt Dunwall aus Dishonored entwarf, verpasste den Half-Life 2-Kulissen einen verwaisten Look, der uns an osteuropäische Städte und das virtuelle Tschernobyl in Stalker denken lässt.
In seiner eleganten Simplizität überzeugt Half-Life 2 durch die Illusion von Weite. Levels sind zwar groß und bieten viele versteckte Räume und Munitionslager. Doch nie drohen wir uns in dieser Fülle an Pfaden zu verlieren. Stets werden wir durch subtile optische Hinweise intelligent zum Ausgang geleitet. Gegner tauchen in einer fein getunten Frequenz auf, die uns zum Weiterhetzen animiert.
Quelle: PC Games
Combine sind böse! Ich sehe ihnen zu, wie sie Menschen schikanieren und weiß: Diesen Mistkerlen will ich es unbedingt heimzahlen!
Bei gedrückter Sprinttaste spurtet Protagonist Gordon im Stile eines Usain Bolt durch die Levels, hechtet über Hindernisse, klettert aufgeschichtete Kistentürme hinauf. Asthmatische Ego-Shooter-Helden heutiger Genre-Vertreter wie Call of Duty oder Battlefield schauen nur staunend zu, wie Herr Freeman in seinem Hightech-Anzug blitzschnell in Richtung Feinde fegt. Pausen sind nicht vorgesehen, auch weil das mittlerweile typische "In Deckung warten, bis die Lebensenergie regeneriert" fehlt. Hier werfen wir uns den Combine-Soldaten waghalsig entgegen, stecken Treffer ein, die unseren Lebenspunktevorrat anknabbern, spucken im Gegenzug Blei aus und begeben uns anschließend auf die Suche nach einem Medipack.
Über Kimme und Korn zielen? Geht nicht! Das fühlt sich anachronistisch an, auch altmodisch, aber nie altertümlich. Der Kampf Mann gegen Mann steht im Fokus, nicht das Ausknipsen von Hundertschaften aus sicherer Entfernung. "Ran an den Feind!" heißt die Devise, das verleiht Gegnern Charakter und holt sie aus der Anonymität vieler anderer Ego-Shooter mit ihren Massen an unpersönlichem Kanonenfutter heraus.
Geniale Geräusche
Quelle: PC Games
Der wunderschöne Sonnenuntergang am Ende der (langen) Luftkissenboot-Sequenz macht dank Update-Mod noch mehr her.
So markant die Optik von Half-Life 2, so einprägsam der Sound. Die kleinen Kreissägen-Drohnen kreischen und quietschen. Der Tod der Combine-Soldaten wird von einem knirschenden Fiepen aus deren Funkgerät begleitet. Eine Granate explodiert in unmittelbarer Nähe und wir haben noch sekundenlang ein Pfeifen im Ohr. Diese Effekte sind umso wirkungsvoller, da sie die auffällige Stille durchbrechen: Musik wird sparsam eingesetzt, meist hören wir nur das Pfeifen des Windes durch die ausgebombten Straßenzüge rund um die Citadel oder das ferne Wummern der Strider-Kanonen. Wir finden: besser so. Denn der Half-Life 2-Soundtrack ist eine überraschend beliebige Ansammlung von Electro-Dance-Musik, ein auffälliger Makel in einem ansonsten ausnehmend runden Gesamtpaket.
Aus Sicht des 2015er-Spielers befremdlich: Das Fehlen animierter Gliedmaßen abseits Gordons Händen an Schrotflinte, Maschinenpistole oder Gravity Gun. Spätestens seit Mirror's Edge wissen wir schließlich, wie wertvoll es fürs Spielgefühl in der Ego-Perspektive sein kann, die Füße des Charakters zu sehen. Doch wer braucht schon einen modellierten Unterleib, wenn er Melonen, Waschmaschinen, Heizkörper oder Sägeblätter aufnehmen und von sich schleudern kann?
In diesem Artikel
Die Gravity Gun hat auch elf Jahre nach Half-Life 2 immer noch einen Platz in jeder Top-Ten der besten Videospielwaffen. Übertrumpft wurde sie seitdem allenfalls von der Portal Gun. Und die stammt bekanntlich ebenfalls aus einem Valve-Spiel.

Die Licht- und Schatteneffekte waren damals das einzig gute an dem Spiel, ansonsten ist es leider 0815. Vor allem die Jump scares sind ein schlechter Witz.
Die interaktiven Displays fand ich damals auch noch toll, aber sonst fällt mir nicht viel ein.
Ohne jetzt wie ein Fanboy klingen zu wollen, aber Half-Life 2 ist einer der wenigen Shooter, die ich auch heute noch spielen kann. Am Vorgänger hatte ich mich kürzlich auch mal wieder versucht, aber der ist für mich leider nicht so gut gealtert und kostet Überwindung.
Mir ist es zum Beispiel ein Rätsel wie man Doom 3 gut finden kann.