Gotic-Remake: Können die das überhaupt?

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Kolumne Carlo Siebenhüner - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 49,99 €
Gotic-Remake: Können die das überhaupt?
Quelle: THQ Nordic / pcgames.de

In seiner Kolumne analysiert Carlo Siebenhüner den neuen Trailer zum Gothic-Remake & erklärt, warum die Neuauflage nun den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Spätestens nach dem Diego-Schock war ich mit dem Teaser und dem damaligen Konzept des Remakes von Gothic durch. Zu anders und zu weit entfernt waren die Ansätze, die Alkimia da plante. Dabei habe ich jetzt noch nicht mal von den anderen Dingen angefangen, bei denen ich ebenfalls die Stirn runzeln musste. Etwa beim Kampfsystem, das mit seinen verschiedenen Angriffsrichtungen stark an For Honor angelehnt ist. Das ist nett gemeint, aber meiner Meinung nach viel zu umständlich. Auch die Grafik ist zwar wirklich detailreich und schick, aber gleichzeitig ist alles so grell und bunt, da schmerzen einem die Augen, wenn man zu lange hinschaut. Meine Befürchtung damals war: Kann ein in Spanien ansässiges Studio, das die Sonne und das Meer vor der Tür hat, wirklich den Geist eines so urdeutschen Spiels in seiner grauen, düsteren Gestaltung einfangen?

Zeit für ein Lebenszeichen

THQ Nordic und der Producer des Remakes, Reinhard Pollice, sagen: "Ja!" Laut ihren Aussagen wurde der Teaser nach dem Feedback bis auf einige Assets weggeschmissen und man habe noch einmal komplett von vorn begonnen; diesmal sehr viel näher am Original. Man denke sogar darüber nach, die originalen Sprachaufnahmen wiederzuverwenden und nur zu erweitern.

Das klingt nicht schlecht, doch so richtig hat mich das nicht überzeugt, denn nach der Demo ging man in den Informations-Winterschlaf über. Das ist logisch bei einem kompletten Neustart, nur war das, was den Fans weiter im Gedächtnis geblieben ist, der unsägliche Teaser. Deswegen war es höchste Zeit für das Lebenszeichen, das wir nun bekommen haben. Zwei Minuten geballte Atmosphäre mit einer Kamerafahrt durch die alte Mine, den ich mit euch detailliert durchgehen möchte.

Die Fleischwanzen passen schon mal. Quelle: THQ Nordic Die Fleischwanzen passen schon mal. Wir starten mit der Nahaufnahme einer Fleischwanze, die saftig weggekickt wird und den Blick frei macht. Gothic-Veteranen sehen sofort, dass wir hier auf dem Vorplatz zur alten Mine sind, und allein dieser Fakt ist großartig. Da sind keine Schnörkel und es wurden keine großen Landstriche dazugedichtet. Trotzdem ist das neue Gebiet keine blanke Kopie. Wo im Original der Eingang zur Mine völlig verlassen ist, reichert Alkimia ihn mit Leben an.

Am meisten freut mich aber: Man erkennt endlich wieder, wer hier zu welcher Fraktion gehört. Vorbei sind die Zeiten von albernen Capes und Plattenrüstungen und zurück sind die klassischen Outfits mit nur leichten Anpassungen. Die Kamera bewegt sich weiter in den natürlich wirkenden Höhleneingang hinein, währenddessen spielt im Hintergrund eine modernisierte Version des ikonischen Gothic-Themes.

Willkommen in der Mine!

Hier gibt's dann einen Schnitt. Obwohl an dieser Stelle im Original eine der wenigen Ladezonen ist, hoffe ich, dass die Neuauflage die komplette Spielwelt nahtlos streamt. Das ging damals aus technischen Gründen nicht.

Unter Tage angekommen, hören wir die bekannte Hintergrundmusik der alten Mine. Links sehen wir den guten, alten Drake stehen, der vor seiner Brücke auf Neuankömmlinge wartet und im Hintergrund ist der Händlerstand von Santino gut zu erkennen.
Die Kamera stürzt sich nun todesmutig nach unten und zeigt das Stegesystem, das die Minenarbeiter über die Jahre nach unten gezogen haben. Im direkten Vergleich erkennt man natürlich eindeutige Unterschiede, doch wirkt das alles trotzdem originalgetreu modernisiert. Den Nebenschacht mit Aleph, Ians Zentrallager auf dem Mittellevel, all das erkennt man und es sieht gut aus.

Bevor wir in den Nebenschacht mit dem alten Stampfer abbiegen dürfen, macht der Trailer wieder einen Schnitt und wir sind ganz unten im Hauptschacht angekommen.
Die alte Mine im Vergleich zwischen Original und Remake Quelle: THQ Nordic / PC Games Die alte Mine im Vergleich zwischen Original und Remake Man sieht die Mühle mit den Ork-Sklaven, Viper an seinem Schmelzofen, und auch hier steckt wieder viel Leben drin. Man sitzt am Feuer, man unterhält sich und man arbeitet. Hier versteckt dann aber auch eine meiner weiterhin vorhandenen Sorgen. Die Buddler schuften regelrecht bis zum Umfallen und werden von den Gardisten auch extrem angetrieben. Ja, es gibt Arschlöcher unter den Gardisten und ja, die Buddler stehen ganz unten in der Nahrungskette, jedoch sind sie keine Sklaven.

Sie arbeiten in der Mine, um genug Erz zu verdienen, damit sie eine Weile im alten Lager über die Runden kommen, doch es herrscht kein Zwang. Wer es schafft, als Buddler auf anderem Wege etwas zu verdienen, muss auch nicht in die Mine. Da ist mir die Darstellung im Trailer also noch etwas zu harsch, doch das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.

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    • Kommentare (26)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Norisk699 Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von OldShatterhand
        Irgendwie seltsam dass du Spiel und Story lobst obwohl du es nie gespielt hast?
        Let`s Play geschaut (aber nicht komplett das ganze Spiel)
      • Von Norisk699 Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von OldShatterhand
        Irgendwie seltsam dass du Spiel und Story lobst obwohl du es nie gespielt hast?
        Let`s Play geschaut (aber nicht komplett das ganze Spiel)
      • Von Carlo Siebenhuener Videoredakteur
        Zitat von Holzkerbe
        Hmm... da hast du natürlich auch wieder recht. Gibt es hier auf PCG oder woanders eine Reportage über PB und insbesondere die "alte Riege"? Das würde mich doch schon sehr interessieren...!
        Holy Shit, ich muss mich korrigieren. Neueste News von der Gamescom ist: Kai Rosenkranz macht die Musik & Sounddesign fürs Gothic Remake !
      • Von DieserDa Anwärter/in
        Stimme dem Artikel voll zu, was den Teaser angeht. Die haben das Gothic-Feeling meilenweit verfehlt und haben keine Ahnung was das überhaupt ist (ich sage dazu gerne "so bodenständig dass es mit dem Gesicht im Matsch liegt").
        Diego ist voll daneben, schon als Gothic-Charakter. Die Charaktere in dieser Serie sind nicht so theatralisch. Die posen nicht rum und reden wie Leute draußen auf der Straße. Und dann ist das Arschloch erster Ordnung Bloodwyn ein gemütlicher Typ dem man mal eben einen Gefallen tut und dann wird man gleich zum Big Boss Gomez geschickt weil man so wichtig ist. Und einen Snapper erledigt man auch schon gleich zu Anfang.
        In dieses Remake habe ich so gar kein Vertrauen.
      • Von MrFob Nerd
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Uff... findest du? Spannend, wie wir offenbar ein sehr unterschiedliches Bild von Diego haben. Selbst mit seinem Hintergrund in Khorinis würde ich ihn eher für ein Schlitzohr halten, das lieber aus dem Hintergrund agiert und dort die Fäden zieht. So macht er es ja im Grunde auch in der Kolonie. Für ihn war es ja schon ein Akt, dass er zum Austauschplatz hochgekommen ist, um dem Neuen zu sagen, dass das alte Lager das bessere Lager ist.
        Ich sehe ihn nicht als Person, die sich stylisch anziehen will... Außerdem wissen wir eh, dass Capes nie eine gute Idee sind.
        Also ich gebe zu, es ist echt schon lange her, dass ich Gothic 1/2 zuletzt gespielt habe, aber Diego hatte sich doch dann in G2, nachdem man ihm geholfen hat dieses fancy Stadthaus im oberen Viertel zu uebernehmen auch recht zuegig so ein Outfit eines reichen Haendlers zugelegt, oder habe ich das falsch in erinnerung? Insofern dachte ich schon, dass er ein schoenes Stoeffchen zu schaetzen weiss. :D

        Zitat
        Absolut. Ich finde aber den Ansatz gut, den Reinhard Pollice als Producer nach dem Teaser in Aussicht gestellt hat. Ein originalgetreues Remake, das aber eben erweitert wird. Wo man die alten Sprachsamples verwendet, aber eben auch neue Sachen als Zusatz einbaut.
        Ich bin auf jeden Fall gespannt und hoffe, dass wir hier bald mehr sehen. :)
        Jo, das klingt schon gut so. Wie gesagt, mir ist vor allem wichtig, dass die Neuerungen, die sie reinbringen den Ton gut treffen. Wenn sie - gerade in der deutschen Version - die alten Sprecher wieder verpflichten koennen waere das natuerlich genial. Da viele von denen ja bis heute noch PB Spiele vertonen (siehe Elex 2) sollten sie die ja ueber THQ Nordic recht unproblematisch auftreiben koennen.

        Aber wie gesagt, am Ende kommt es alles auf die Umsetzung an. Da will ich schon noch ein bisschen mehr sehen als ein paar Minentunnel.
      • Von Carlo Siebenhuener Videoredakteur
        Zitat von Holzkerbe
        Hmm... da hast du natürlich auch wieder recht. Gibt es hier auf PCG oder woanders eine Reportage über PB und insbesondere die "alte Riege"? Das würde mich doch schon sehr interessieren...!
        Schöne Idee, ich denke mal drauf rum. Aus dem Stegreif kann ich dir nur Kai Rosenkranz sagen. Der hat PB nach Risen 1 verlassen und sich einer neuen Firma gewidmet, fernab der Musik. Dann hat er 2015 wieder ein wenig angefangen mit Musik und zu dem ein oder anderen kleinen Indiespiel den Soundtrack komponiert. Außerdem hat er ein Kickstarterprojekt ins Leben gerufen, in dem er neue, aber auch alte Stücke seiner Schaffenszeit neu auflegen wollte. Das wurde auch voll gebacked, aber die Produktion dauert wohl bis heute an.

        Und auch berufstechnisch ist er mittlerweile komplett woanders. Ich habe einen Zeitungsartikel von 2019 gefunden, in dem über ihn berichtet wird, wie er eine Ausbildung zum Tagesvater begonnen hat.
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