Gemini Man: Filmkritik zu Ang Lees Action-Blockbuster

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Gemini Man: Filmkritik zu Ang Lees Action-Blockbuster (4)
Quelle: Paramount

Mit Will Smith in einer ungewöhnlichen Doppelrolle bietet Ang Lees Action-Blockbuster packende und solide Genre-Kost, betritt technisch aber eindrucksvoll Neuland.

Ang Lee gilt als Ästhet seiner Kunst, der aber auch immer wieder Wagnisse bei der Inszenierung seiner Filme eingeht. Sei es künstlerisch wie bei "Tiger and Dragon", inhaltlich wie bei "Brokeback Mountain" oder eben technisch wie bei "Life of Pi" oder "Die irre Heldentour des Billy Lynn". Letzteres Werk war für Lee kein großer Erfolg, fiel bei Publikum und Kritiker durch, aber war ein erster Versuch Kino visuell neu erfahrbar zu machen. Denn der taiwanisch-US-amerikanischer Filmregisseur setzte vor drei Jahren zum ersten Mal auf 120 Bilder pro Sekunde. Und auch bei "Gemini Man (jetzt kaufen 12,99 € )" entschied sich Lee für eine Frame Rate weit über bisher üblichen Kinostandards. Ein zweischneidiges Schwert, wie sich über den knapp zweistündigen Sci-Fi-Actionritt zeigt.

Die Jagd beginnt
Im erzählerischen Mittelpunkt von "Gemini Man" steht Auftragskiller Henry Brogan, einer der Besten seines blutigen Handwerks. Nach einem erneuten Auftrag, bei dem er einen angeblichen Bio-Terroristen ausschaltet, beschließt Henry sein Scharfschützengewehr an den Nagel zu hängen und fortan sein Leben zu genießen. Doch die Vergangenheit holt ihn schneller ein, als erwartet. Wie sich herausstellt, war sein letztes Opfer kein Terrorist, der Auftrag von vorne bis hinten faul. Dieses Wissen stellt sich allerdings als lebensgefährlich heraus. Henry wird vom Jäger zum Gejagten und landet auf der Abschussliste der zwielichtigen Gemini-Organisation, die enge Kontakte zur Regierung pflegt. Hilfe erhält er nur von einer jungen CIA-Agentin und einem alten Freund. Gemini Man: Filmkritik zu Ang Lees Action-Blockbuster (2) Quelle: Paramount Gemini Man: Filmkritik zu Ang Lees Action-Blockbuster (2) Doch der auf Henry angesetzte Killer scheint jeden seiner Schritte vorauszuahnen und sein Ziel besser zu kennen, als jeder andere. Wie sich bald herausstellt aus gutem Grund: Henry wird von seinem eigenen, jüngeren Klon gejagt ...
Wer den Trailer zu "Gemini Man" gesehen hat, könnte die Befürchtung haben, bereits die gesamte Story des Films zu kennen. Das trifft teilweise auch zu, dennoch versteht es "Gemini Man" sein Publikum zu keiner Sekunde zu langweilen. Ang Lee versteht es perfekt die im Grunde recht einfache und vorhersehbare Geschichte geschickt zu inszenieren und packend zu erzählen. Er holt alles aus dem Drehbuch, das übrigens noch aus den Neunzigerjahren stammt, heraus, was möglich war und gibt seinen Charakteren - trotz eines massigen Actiongehalts - Raum für emotionale Momente und treffende One-Liner.

Besser als jemals zuvor
Skepsis riefen im Vorfeld des Films aber vor allem zwei Dinge hervor: Zum einen Ang Lees erneuter Einsatz von 120 Bilder pro Sekunde, aber auch Will Smiths zweiter Charakter Junior, eine jüngere Version seiner selbst, die mittels Motion-Capture und CGI vollständig am Computer entstand.
Was die Frame Rate betrifft muss man einschränkend hinzufügen, dass "Gemini Man" wohl nur in sehr wenigen Kinos in der vollen Auflösung laufen wird, da es die technischen Gegebenheiten in vielen Lichtspielhäusern (noch) nicht zulassen. Doch auch mit 60fps hinterlässt der Blockbuster einen bemerkenswerten Eindruck. Vorbei sind die Zeiten in denen ein "Der Hobbit" mit 48fps wie ein Homevideo wirkte. Im Gegensatz zu Peter Jacksons Werk sieht in diesem Action-Thriller nichts unnatürlich aus. Die Schauspieler sind nahbarer, die Action- und Verfolgungsszenen körperlicher. Jedes Teil, das bei einem Autocrash abfliegt ist sichtbar, jeder Fausthieb kann bis zum Einschlag verfolgt werden. Auch bei schnellen Szenen sind noch Details erkennbar. Das macht das Erlebnis intensiver. An die im ersten Moment ungewohnt geschmeidigen Bewegungen hat man sich blitzschnell gewöhnt. Gemini Man: Filmkritik zu Ang Lees Action-Blockbuster (1) Quelle: Paramount Gemini Man: Filmkritik zu Ang Lees Action-Blockbuster (1) Doch dieser extreme Realismus hat - im Falle von "Gemini Man" - auch seine Schattenseiten und das hat mit Junior zu tun. Getrennt voneinander betrachtet muss man Ang Lee ein großes Kompliment machen: Der Einsatz einer höheren Bilderrate wirkt fantastisch und extrem natürlich. Der junge, vollständig am Computer entstandene Will Smith ist gleichzeitig der bis dato eindrucksvollste Darsteller-CGI-Klon, den man im Kino zu Gesicht bekam. Bewegung, Mimik, Interaktion ... sehr überzeugend. Aber in Kombination beider Elemente wird es problematisch. Der Hyper-Realismus des Films und seiner "echten" Darsteller hat in manchen Szenen leider den Effekt, dass das junge Will-Smith-Double trotz aller Perfektion manchmal wie ein Fremdkörper wirkt. Das wird insbesondere in ruhigeren Szenen bei Tageslicht deutlich. Hier stellt sich wirklich die Frage, ob das klassische 24-Bilder-Kino der Illusion eines zweiten Smiths nicht zuträglicher gewesen wäre.
Zudem setzt Ang Lee nach wie vor auf 3D. Das mag in manchen Action-Szenen cool wirken und hin und wieder zusätzliche Schauwerte bieten, doch Gemini Man würde ohne 3D genauso funktionieren und optisch ebenso beindruckend ausfallen. Die Dreidimensionalität wertet die Story nicht merklich auf. Fakt ist jedoch, dass eine höhere Bildrate und realistische CGI-Charaktere wohl die Zukunft des Kinos bestimmen werden. Ang Lee beweist eindrucksvoll, was inzwischen alles möglich ist, und liefert einen eindrucksvollen Action-Film ab, der sich allein schon wegen des Einsatzes seiner visionären Zukunftstechnologien lohnt.

"Fazit / Ein klasse Action-Film, dessen Story nicht überrascht, der technisch aber wegweisend sein könnte."

Wertung zu Gemini Man

Wertung:

8.0 /10
9
    • Kommentare (9)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Schalkmund Nerd
        8/10 ? Komischer Geschmack ...
        Als ich den Film gesehen habe, dachte ich nur:"Oha, Wills große Hollywood-Jahre, sind jetzt wohl endgültig vorbei, jetzt darf er wohl nur noch in solchen Ramschproduktionen mitspielen." :ugly:
      • Von Schalkmund Nerd
        8/10 ? Komischer Geschmack ...
        Als ich den Film gesehen habe, dachte ich nur:"Oha, Wills große Hollywood-Jahre, sind jetzt wohl endgültig vorbei, jetzt darf er wohl nur noch in solchen Ramschproduktionen mitspielen." :ugly:
      • Von BestNoob Mitglied
        Der Film ist höchstens 2/10 kurz vorm absoluten Müll.

        Also bei em 8/10 Review zu sonem Film ... jetzt kann ich euch nicht mehr ernst nehmen.
      • Von DerSchlonz Gelegenheitsspieler/in
        Hmm, da wurde doch tatsächlich die Bewertung angepasst.
        Muss mal schauen ob das bei Joker auch klappt. Da finde ich die 7/10 bei der Lobeshymne auch ein bisschen wenig. :-)
      • Von Celerex Mitglied
        Zitat von Phone
        Hüstel Hüstel...Wie oft wäre Wick in seinem ersten Film gestorben hätte er keine Hilfe bekommen...Da ist der Equalizer / Rambo sowie Christian Wolff als Steuerberater besser..
        Wick hätte in allen drei Filmen unzählige Male sterben müssen und hatte oft einfach nur das "feeling" oder Glück/Plot Armor.
      • Von Gast1712481002 Mitglied
        Zitat von Tek1978
        ...teht Auftragskiller Henry Brogan, einer der Besten seines blutigen Handwerks...

        hüstel hüstel, John Wick XD
        Hüstel Hüstel...Wie oft wäre Wick in seinem ersten Film gestorben hätte er keine Hilfe bekommen...Da ist der Equalizer / Rambo sowie Christian Wolff als Steuerberater besser..
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