Gears of War: Die Geschichte der Gears im Special
Special zur Schnetzelreihe Gears of War - Die Serie auf dem Weg zum brandneuen vierten Teil: Wir präsentieren euch die komplette Gears-Historie von Teil 1 über die Ultimate Edition bis Gears of War: Judgment.
Gears of War: Judgment. Für die meisten Menschen ist der produktionshistorisch vierte Teil der Gears-Serie einfach nur ein kerniges Actionspiel und als Prequel der testosterongetränkten Reihe eigentlich Gears of War 0. Für uns hier in der deutschen Spielepresse war Gears of War: Judgment aber aus vielen weiteren Gründen ein ganz wichtiges Teil. Zunächst gehört das Wörtchen "Judgment" mit zu den am meisten korrigierten Begriffen im deutschsprachigen Redaktions-Europa. Bis heute wachen gestandene Gaming-Journalisten hierzulande schweißgebadet mitten in der Nacht auf und brüllen: "Halt! Da fehlt ein E! Ein Eeeeeeee..." Nein, tut es nicht, denn Gears of War: Judgment hat seinen Namen aus dem britischen Englisch erhalten, nicht aus dem amerikanischen Englisch - von daher "Judgment" statt "Judgement".
Sehr viel bedeutender ist das Spiel für Redakteure in Deutschland aber noch aus einem anderen Grund: Es war über zehn Jahre lang die einzige hundertprozentig sichere Insel im Indizierungs-Minenfeld der Gears-Serie. Zwar war auch Gears of War 3 hierzulande nie indiziert und stets frei verkäuflich ab 18 Jahren, wenn man aber als professioneller Buchstabenjockey um 21 Uhr an einem stressigen Abgabetag in Richtung Kollegen guckt und fragt: "Ääääh ... welcher Gears-Teil ist gleich noch mal nicht verboten?", bekommt man als Antwort stets "Nimm Judgment! Das passt auf jeden Fall!" Stimmt, denn nicht nur kann man sich an das Wort "Judgment" besser erinnern als an eine Ziffer, es ist auch unmissverständlich - denn wenn man als Journalist einfach nur Gears of War schreibt, könnte damit statt des dritten auch der erste Teil gemeint sein. Und wenn dann eine zu positive Aussage im Artikel fällt, wird die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien schnell nervös.
Und damit auch der betreuende Redakteur. Eine bescheuerte Regel? Möglicherweise. Wahrscheinlich. Ja. Das ändert aber nichts daran, dass es eine Regel ist, die man in der deutschen Spielepresse befolgen sollte, sonst kann es schnell existenzbedrohend teuer werden. Somit habt ihr die Erklärung, weshalb ihr bisher in eurem Gaming- Hobby vonseiten der Journalisten so oft Judgment zu lesen bekommen habt. Dabei sollte doch eigentlich ein ganz anderer Faktor der wichtigste sein, warum dieser Part ein dermaßen bedeutendes Spiel in der Reihe ist - denn es ist der erzählerische Grundstein einer der legendärsten und mit über 20 Millionen verkauften Spielen auch erfolgreichsten Actionserien aller Zeiten! Und weil sich unser Special um die Historie der Gears dreht, beginnen wir dann auch mit ...
Gears of War: Judgment
Judgment spielt als Prequel 15 Jahre vor der Handlung in Gears of War 1 und damit nur wenige Monate nach dem E-Day. Es begleitet die Protagonisten des Spiels, das sogenannte Kilo Squad - diese kleine, schlagkräftige Truppe besteht aus den Serienlieblingen Damon Baird und Augustus Cole sowie den Soldaten Sofia Hendrik und Garron Paduk. Die Einheit steht geschlossen als Angeklagte vor einem Militärgericht. Dort wird das Kilo Squad erheblicher Kriegsverbrechen bezichtigt und muss sich gegenüber einem COG-Tribunal verantworten. Was die Soldaten in diese missliche Lage gebracht hat, dürft ihr als Joypad-Halter außerhalb der Rahmenhandlung in einer spannenden Flashback-Kampagne nachspielen. In Sachen Multiplayer brachte Judgment ebenfalls neue Ansätze mit. Zwar konnte man nun in weniger Spielmodi aufseiten der Locust zu den Waffen greifen, dafür gab es mit dem Overrun-Modus (inklusive Locust!) einen neuen kompetitiven Mehrspieler-Part mit spannenden King-of-the-Hill-Regeln.
Gears of War 1/ Ultimate Edition
Gears of War-Mastermind und Chefdesigner Cliff Bleszinski hat sich während des Release von Judgment übrigens einmal dazu geäußert, warum Epic Games nie ein Prequel mit einem Setting während des spielerisch vielversprechenden E-Days produziert hat. Grundsätzlich findet er die Idee sehr spannend, es hätte aber aus erzählerischer Sicht keinen Sinn ergeben, daraus ein Gears-Spiel zu stricken. In allen Spielen der Gears of War-Reihe geht es schließlich um einen erbitterten Kampf der COG-Soldaten gegen die Locust - und am E-Day waren die wehrlosen Menschen auf dem Planeten Sera eben nicht mit Kämpfen beschäftigt, sondern nur mit dem Rennen um ihr Leben. Exakt aus diesem Grund spielt die Handlung des Original-Gears und Serien-Altmeisters, Gears of War 1, satte 14 Jahre nach dem E-Day - also zu einer Zeit, in der die COG-Truppen der Locust-Horde so etwas wie eine ernst zu nehmende Gegenwehr anbieten können.
Im Rahmen ebendieser Konfrontation begleiten wir das Delta Squad auf den Planeten Sera. Das kleine Team besteht aus den wuchtigen COG-Soldaten Augustus Cole, Damon Baird, Dominic Santiago und dem Chefprotagonisten und Superstar der Gears-Serie: Marcus Fenix. Marcus und seine Männer erhalten einen für die Kolonien auf Sera lebenswichtigen Auftrag - sie sollen zunächst mithilfe eines High-End-Aufklärungssystems die unterirdische Heimat der Locust kartografieren, auf diese Weise den verwundbarsten Punkt der außerirdischen Infrastruktur ausfindig machen und dort eine Massenvernichtungswaffe zünden. Zwar steht die eigentlich starke Geschichte von Gears 1 nie so ganz im Mittelpunkt des Spiels, dafür brachten aber die damals unfassbar starke Xbox-Grafik, der fulminante Sound, die brachiale Präsentation und ein kompaktes Daueradrenalin-Gameplay die Spieler zum Jubeln! Die internationalen Fachjournalisten übrigens auch: Die Bewertung von Gears of War 1 glich einem weltweiten Endlos-Triggern der Taste 9 ...
Jagged Wheel of Conflict Two
Wir in Deutschland haben es bei den Gears-Games besonders gut, dürfen wir aktuell nach dem Genuss des ersten Teils doch direkt weiter zur Handlung von Teil 3, ohne uns dazwischen irgendwelche lästigen Filler-Episoden gefallen lassen zu müssen. An dieser Stelle völlig unabhängig von diesem Sachverhalt ein kurzer Schwank aus der illustren Indizierungs-Odyssee der gesamten Gears of War-Reihe! Gears of War 1: Erntete ein Kopfschütteln bei der USK und damit konsequenterweise ein Kopfnicken bei der BPjM. Microsoft veröffentlicht in Deutschland grundsätzlich keinerlei Spiele ohne USK-Kennzeichnung. Also wurde Gears 1 hier zunächst geext - nur um dann zehn Jahre später aus dem Indizierungs- Limbus ans Licht gezerrt, aufgehübscht und als Ultimate Edition endlich auch dem teutonischen Testosteronträger angeboten zu werden.
Gears of War 3 legte Microsoft seinerzeit dann doch wieder bei der USK vor - versuchen kann man's ja! Zur allgemeinen Überraschung gönnte man dem Spiel zunächst eine Freigabe ab 18 Jahren. Dabei ein kurioses Detail am Rande: Die USK ging während der ersten Prüfungsrunde eigentlich davon aus, dass Gears 3 seinen damals indizierten älteren Brüdern abermals in den BPjM-Giftkeller folgen würde, egal was die USK zu dem Spiel zu sagen hätte. Doch als das gute Stück dann auf dem Schreibtisch der Bundesprüfstelle landete, begann dort wohl gerade eine Phase der Entspannung. Die Kollegen hatten gegen die nach wie vor brachialen Inhalte von Gears of War 3 nichts einzuwenden. So erschien schließlich der dritte Teil tatsächlich bei uns in Deutschland - und ganz ehrlich, wir glauben, Microsoft hatte damit nicht wirklich gerechnet. Gears of War: Judgment wurde danach entsprechend problemlos bei der USK durchgewunken, Gears of War 4 sowieso.
Gears of War 3
Zum anberaumten Release von Gears of War 3 standen alle Zeichen auf "Blockbuster". Die Reihe brachte mittlerweile einige echte Gaming-Legenden mit - Marcus Fenix ist bis heute einer der bekanntesten und beliebtesten Videospielcharaktere des Xbox-Universums. Das Lancer-Rifle mit seiner vorgebauten Kettensäge gehört zu den populärsten (und am meisten Nerf-gemoddeten) Waffen aller Zeiten. Auch der Gears-Chefdesigner Cliff Bleszinski erreichte während der Hochzeiten der Locust-Euphorie selbst so etwas wie einen Superstar- Status in der Videospielbranche. Spielmechanisch stand Gears of War mittlerweile ebenfalls für etliche verlässliche Qualitäten: das oft kopierte und selten erreichte Third-Person-Actiongameplay vom Feinsten zum Beispiel. Oder einen bockstarken Multiplayer. Oder grafische und akustische Technik, die das Letzte aus der Xbox herausquetschte. Obendrein konnte sich die mittlerweile etablierte Serie auch prominente Unterstützung mit an Bord holen.
Die Storyline von Gears of War 3, wohl die persönlichste Geschichte des Protagonisten Marcus Fenix, stammt aus der Feder der Science-Fiction-Autorin Karen Traviss. Der Rapper Ice-T war ebenfalls mit im Spiel dabei und lieh dem Charakter Griffin in Gears of War 3 seine Stimme. Kurzum: Epic Games veranstaltete ein riesiges Theater rund um den anstehenden Release des dritten Teils ihres Triple-A-Hammers. Über eine Million Vorbestellungen gingen weltweit für Gears of War 3 ein, der Hype war bis zum Platzen aufgepumpt - und Epic Games lieferte trotz des gigantischen Drucks und noch höherer Erwartungen tatsächlich erneut einen System-Seller ab! Innerhalb einer Woche nach Release verkaufte sich das hervorragende Gears of War 3 über drei Millionen Mal, schaffte insgesamt über sechs Millionen Verkäufe und sorgte dafür, dass die Gears-Serie bis heute mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz erreicht hat. Epic Games: Wir salutieren mit einer Lancer-Salve!
