[PCGH-Ratgeber] Razer Kishi V3 Pro im Test: Mobiles Gaming hat seinen Preis
Wer Gaming auf dem Handy bisher skeptisch gegenüberstand - so wie ich -, bekommt mit dem Razer Kishi V3 Pro einen erstklassigen Mobile Controller. Der hat allerdings seinen Preis und außerdem suchst du Neuerungen zum Vorgänger hier mit der Lupe.
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Ich gebe zu, auch ich war lange Zeit ein Skeptiker, wenn es um Zocken auf dem Smartphone geht. Zwar bin ich durchaus Fan von der Idee, unterwegs spielen zu können. Immerhin hatte ich als Kind diverse Gameboys, fand die hybride Switch einen Geniestreich und habe auch bereits einen erstklassigen Handheld-PC ausprobiert. Trotzdem verbinde ich Handy-Gaming noch immer mit Dingen wie Pay-to-Win oder Idle-Games, wovon ich einfach nichts halte. Dass längst auch AAA-Spiele Einzug auf das Smartphone gefunden haben, ist mir natürlich bekannt. Es war für mich nur bisher einfach keine attraktive Alternative zum großen Bildschirm - selbst meine Switch habe ich zu 90 % im Dock-Modus verwendet. Ob der Razer Kishi V3 Pro es nun also tatsächlich schafft, mich vom stationären zum ambulanten Gaming zu bekehren, erfährst du in meinem Test.
Technische Details & Inbetriebnahme
- Maße (L × B × H)/Gewicht: 110,8 × 244,8 × 64,3 mm/ 268 g
- Kompatibilität: Handys/Tablets bis 8 Zoll, iOS 18/ Android 14 oder höher
- Eingabe: Razer Mecha-Tactile (Aktionstasten), 8-Wege-Steuerkreuz, Hall-Effect-Trigger, zusätzliche Claw-Griff-Bumper, TMR-Sticks
- Anschlüsse: USB-C mit Pass Through Charging, 3,5 mm-Audio
Razer-typisch befindet sich der Kishi V3 Pro in einer hochwertigen Verpackung, in der sich zudem zwei weitere Stick-Kappen sowie Gummiaufsätze für verschiedene Handygrößen befinden. Praktischerweise passt mein Smartphone samt Klapphülle sogar ganz ohne Aufsatz hinein. Möchtest du hingegen die Kappen wechseln, musst du die vorinstallierten lediglich abziehen und die neuen draufstecken. Das erfordert allerdings mehr Kraft, als man dem Controller auf den ersten Blick auszuhalten zutraut.
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Mehr ist zur Inbetriebnahme rein theoretisch auch gar nicht nötig, da der V3 Pro direkt erkannt wurde. Zwar kannst du über die zugehörige Razer Nexus App, die ebenfalls ein Upgrade erhalten hat, noch weitere Feinjustierungen vornehmen. Darauf gehe ich jedoch später ein. Zunächst schaue ich mir einmal an, was sich am Design getan hat.
Bewährtes Design
Für sich gesehen ist der Razer Kishi V3 Pro ein wirklich schick aussehendes Gerät, das dank der geriffelten Griffhörner und Sticks stabil in der Hand liegt. Letztere überzeugen mit konkaven, wechselbaren Kappen, Antifriktionsringen und insbesondere der überlegenen TMR-Technik, die noch präziser und langlebiger als Hall-Effect sein soll. Bei den Triggern, die übrigens als einziges kein hörbares Klicken von sich geben, setzt Razer jedoch nach wie vor auf Hall-Effect. Hinzu kommen diverse Zusatztasten wie je ein Backpaddle an jedem Griffhorn sowie speziell für den Claw-Grip designte Bumper.
Obwohl ich persönlich statt der Claw-Bumper lieber noch zwei weitere Backpaddles gehabt hätte, da mir in dieser Haltung nach kurzer Zeit die Finger wehtun, sind Optionen ja immer etwas positives. Allerdings fällt bei dieser Aufzählung vermutlich auf, dass, mit Ausnahme der TMR-Sticks, die meisten dieser Optimierungen schon am Kishi Ultra überzeugt haben. Das muss nicht zwingend etwas Schlechtes sein, da der Ultra bereits ein absoluter Top-Controller war. Wer hingegen ein völlig überarbeitetes Design erwartet, könnte hier auf Ernüchterung stoßen. Der optisch größte Unterschied ist wohl, dass der V3 Pro auf die Beleuchtungsstreifen verzichtet. Die verkürzen meiner Meinung nach aber ohnehin nur die Akkulaufzeit.
Und wenn es drauf ankommt?
Auch an der Platzierung der Sticks und Action-Tasten, die aus Platzgründen etwas näher aneinander liegen als bei herkömmlichen Gamepads, zeigt sich die Nähe zum Vorgänger. Kleinere Hände profitieren davon; größere dürften in hektischen Momenten dazu neigen, den rechten Stick nur noch mit dem Daumengelenk zu erwischen. Das fiel selbst mir auf, der ich mit 18 cm bei Weitem keine Pranken habe. Daran gewöhnst du dich zwar mit der Zeit; ein so schnörkelloses Design wie beim Valor Pro bekommst du bei diesem auf portables Gaming ausgelegten Gerät aber nicht.
In dieser Disziplin spielt der Razer Kishi V3 Pro dafür ganz oben mit. Durch das ausfahrbare Mittelstück fasst er Smartphones und Mini Tablets von bis zu 8 Zoll. Wer es dagegen größer mag, bekommt mit dem V3 Pro XL eine Variante, die sogar 10 bis 13 Zoll packt. Der Federzug ist dabei ein klein wenig wackelig, aber dennoch kräftig genug, sodass du den Controller samt Smartphone sogar an nur einem Griffhorn halten kannst. Sollten dir die 268 Gramm plus Eigengewicht deines Smartphones - in meinem Fall 190 Gramm - mal zu schwer werden, kannst du so unbesorgt einen Moment die Gliedmaßen lockern.
Zocken mit dem Razer Kishi V3 Pro
Doch wie fühlt es sich nun an, mit dem Razer Kishi V3 Pro zu zocken? Die kurze Antwort: Für mich sehr gut. Das Gesamtgewicht, was sich je nach Gerät auf Plus/Minus 470 Gramm belaufen dürfte, bewegt sich zwischen der Switch OLED (425 g) und der Switch 2 (534 g). Damit ist der Mobile Controller im guten Mittelfeld und nicht zu schwer, wodurch längere Sessions prinzipiell möglich sind. Dank USB-C-Passthrough kannst du dein Smartphone dabei sogar laden. South of Midnight, was ich unter anderem damit gespielt habe, lief aber mit vollem Akku bereits über drei Stunden.
Selbstverständlich hängt die Akkulaufzeit maßgeblich vom verwendeten Endgerät ab. Davon ausgehend, dass Cloud Gaming mehr Akku als lokales Gaming zieht, ist das ein sehr guter Wert. Betrachte ich die reine Spieldauer, bietet selbst ein Handheld-PC wie die Rog Ally X kein solches Durchhaltevermögen.
Tunic und DOOM: Eternal, die ich ebenfalls via Xbox Cloud Gaming ausprobiert habe, liefen zwar mit reduzierter Qualität. Mit entsprechender Internetverbindung sind aber auch reaktionsschnelle Spiele wie diese beiden kein Problem. Und wenn mal eine kurze Verzögerung auftrat, dann lag das nie am Razer Kishi V3 Pro.
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Hörbare Tasten
Nachdem ich mich ein wenig an die engere Bauweise gewöhnt hatte, gingen mir sämtliche Eingaben locker von der Hand. Die Sticks laufen wie Öl, das Steuerkreuz ist präzise und alle Tasten - außer die Trigger, wie gesagt - geben ein deutliches Feedback ab. Dieses ist sowohl spür- als auch hörbar, was mich persönlich aber nicht gestört hat. Wer hingegen im Ruheabteil DOOM zocken will, sollte sich auf einige Seufzer gefasst machen. Zum Glück gibt es einen Klinkeneingang, sodass von den niedergemähten Gegnerhorden nur hektisches, mausähnliches Klicken zu hören bleibt.
Individualisierbar für noch mehr Performance
Möchtest du dein Erlebnis noch weiter steigern, stehen dir in der Razer Nexus App zahlreiche Optionen zur Verfügung. So kannst du hier etwa die Vibrationen anpassen (bisher nicht für iOS), In-game- oder Voice-Chat-Stimmen ausblenden, Tasten umbelegen und zwischen mehreren Trigger-Modi wechseln. Unabhängig voneinander kannst du hier unter anderem wählen, ob analog oder digital ausgelöst werden soll. Letzterer reagiert bei Druck sofort, während du im anderen ein wenig Spielraum hast, was etwa für Rennspiele sinnvoll sein kann. Und einen Virtual Controller Mode mit einigen neuen Features gibt es ebenfalls.
Über die Anpassung des Controllers hinaus fungiert Nexus auch als Hub für alle deine installierten Spiele und Launcher. Dadurch musst du nicht zwischen mehreren Apps wechseln, sondern kannst einfach Favoriten setzen, die dir beim Öffnen ganz oben angezeigt werden. Außerdem hast du hier auch Zugriff auf Remote Play und kannst den Razer Kishi V3 Pro mit deinem PC koppeln. Razer Synapse erkennt ihn zwar leider nicht, am PC zocken kannst du mit dem Controller via Kabel aber trotzdem.
Razer Kishi V3 Pro: Fazit
Wie schon der Kishi Ultra spielt auch der Razer Kishi V3 Pro ganz oben mit. Die Verarbeitung ist extrem hochwertig, die anpassbaren Hall-Effect-Trigger sind eine schöne Sache und vor allem die TMR-Sticks bilden einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Vorgänger. Das macht ihn in Summe zum vielleicht besten Mobile Controller auf dem Markt.
Große Neuerungen suchst du hier allerdings vergebens, selbst wenn ich begrüße, dass nun auf den RGB-Streifen verzichtet wurde. Wer den Vorgänger bereits sein Eigen nennt, hat meiner Meinung nach wenig Grund für ein Upgrade. Willst du dagegen neu ins Mobile Gaming einsteigen, wirst du hinsichtlich Spielgefühl und Individualisierbarkeit wenig Besseres finden. Mich hat er auf jeden Fall von meinem Skeptizismus geheilt und ich freue mich darüber, nicht mehr für jedes Game den PC anwerfen zu müssen.
Der größte Minuspunkt ist aber in meinen Augen der Preis. Denn selbst das kleinste Modell der Reihe, der Kishi V3, der etwa ohne Vibrationsanpassung daherkommt, kostet bereits 109,99 €. Danach folgen der Razer Kishi V3 Pro mit 169,99 € und der V3 Pro XL mit satten 229,99 €. Für "nur" einen Controller bedarf das einer ordentlichen Investition. Dadurch fallen eigentlich kleinere Makel wie die bisher lediglich teilweise iOS-Kompatibilität plötzlich deutlich mehr ins Gewicht. So kommt es am Ende, wie so oft, darauf an, was du für Flexibilität zu zahlen bereit bist.
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