Frostpunk 2: Wie mich das Spiel zum Diktator machen wollte
Ein Kernelement von Frostpunk 2 ist eine umfangreiche Demokratie-Simulation. Doch als Spieler kann man die auch aushebeln. Für Carlo Siebenhüner ein spannendes Lehrstück, das so nur Spiele schaffen können.
Zieht euch warm an, der Sommer ist vorbei! Ja, auch wenn die Sonne noch vor eurem Fenster scheint, machen wir jetzt einen Ausflug in die Frostlande. Frostpunk 2 ist raus und ich habe damit schon seit fast zwei Wochen für unseren Test auf PC Games meinen Spaß. Denn neben meiner einzig wahren Liebe namens Gothic und jener für atmosphärische Rollenspiele, habe ich auch eine Schwäche für Aufbauspiele.
Auf Frostpunk 2 (jetzt kaufen 26,88 € / 38,24 € ) habe ich mich jetzt auch schon eine ganze Weile gefreut. Ich durfte ja schon im Mai auf einem Vorschau-Event Probe spielen und habe da bereits gemerkt, dass da etwas ganz Besonderes auf uns zukommen könnte. Ich sollte Recht behalten. Das Ding ist ein Brett, aber vor allem ein ganz besonderer Aspekt hat mich dabei fasziniert und auch zum Nachdenken gebracht.
30 Jahre später
Frostpunk 2 ist nämlich endlich mal wieder ein Spiel, das sich bewusst ist, dass es ein Spiel ist. Sprich: Es nutzt die Möglichkeiten, die Videospiele Filmen, Büchern und anderen Medien voraus haben. Und es lässt mich plötzlich mit einer Diktatur liebäugeln.
Bevor ich voreilig gecancelt werde, lasst mich das erklären. Frostpunk 2 macht eine Menge anders als sein schon ziemlich guter Vorgänger. Ja, wir sind auch weiterhin in der Eiswüste der alternativen Erde unterwegs und ja, wir müssen auch wieder eine Stadt am Leben erhalten. Seit dem ersten Teil sind lockere 30 Jahre vergangen und nachdem man im Vorgänger noch einen knallharten Kampf ums Überleben geführt hat, ist das diesmal nicht so super dringlich.
Wir haben die Stadt im Vorgänger ja schließlich durchs Gröbste durchgeführt. Danach konnte man sich vergleichsweise entspannen und die Stadt ausbauen und absichern. Deswegen ist der Fokus von Frostpunk 2 wesentlich weiter gezogen.
Quelle: 11 Bit Studios
Anstatt mit einer Handvoll Leute mitzufiebern, wie sie sich um einen kleinen Kohleofen drängen, und jedes Mal zu zögern, wenn wir jemanden in die Kälte schicken müssen, haben wir jetzt direkt zum Spielstart fast 10.000 Leute in der Stadt. Ja, mir ist klar, dass das einer Menge Leute nicht gefallen dürfte. Also den Leuten, die das richtig gut fanden, dass man im ersten Teil jeden seiner Einwohner sehen konnte.
Allerdings bedeutet das nicht, dass man jetzt eine komplett anonyme Masse an Arbeitskräften durch seine Stadt und die verschiedenen Distrikte scheucht, im Gegenteil. So versuchen die Entwickler, die Einwohner weiterhin grafisch abzubilden. Zoomt man ganz nah rein, sieht man durchaus die Leute durch die automatisch angelegten Straßen wuseln und in den Bezirken arbeiten.
Mehr Einwohner, lautere Stimme
Das ist natürlich eher für die Atmosphäre und weniger repräsentativ dafür, was in der Stadt genau passiert. Für die Wuselfreunde ist das aber zumindest etwas. Allerdings bekommen wir unsere Einwohner auch in anderer Form ständig zu Gesicht, und zwar mittels ihrer Gedanken.
Immer wieder ploppen kleine Textblasen und größere Mini-Storys über der Stadt auf, die aktuelle Gedankengänge der Bewohner zeigen; wie sie Geschehnisse finden, was sie selbst erlebt haben und wie sie ganz allgemein die Entwicklung der Stadt finden. Das Feature geht nämlich Hand in Hand mit einem der wichtigsten Kernelemente von Frostpunk 2: dem Demokratiesystem.
Quelle: Medienagentur plassma
Wir sehen und steuern unsere Einwohner vielleicht nicht mehr im Detail, doch wir hören ihre Stimme dafür umso lauter. Unsere Bevölkerung will Mitspracherecht und deswegen formieren sie sich in verschiedene Fraktionen, die im Ratsgebäude mit über Gesetzesentwürfe entscheiden und die Zukunft der Stadt mitentscheiden.
Ich als Spieler agiere dabei als Stellvertreter, Präsident, Bundeskanzler - wie auch immer man es nennen will. Ich habe aber auf jeden Fall mehr Befugnisse als so manch anderes Staatsoberhaupt. Ich kann neue Gebäude und Bezirke eigenhändig in Auftrag geben, starte auch die Forschung relativ frei und zumindest lege ich auch Gesetze vor, über die dann abgestimmt wird.
Bildergalerie
Die Konsequenzen für mein Handeln bekomme ich dann im Nachhinein aufgetischt. Das ist also so ein wenig die Aufbauspieleform der Entscheidungen in The Witcher 3, deren Konsequenzen sich erst später auswirken. In Frostpunk wirkt sich jede Entscheidung, die ich treffe, ein wenig auf die Fraktionen und deren Stimmung aus. Wenn ich da nicht aufpasse, steigen mir die Leute irgendwann Leute aufs Dach. Und zwar richtig!

Ich bin eigentlich kein Typ mehr, der sich in Foren registriert und dort aktiv ist. Viel mehr bin ich ein anonymer Leser. Anfang der 2000er habe ich genug in Foren "gelebt". Diese Zeit ist eigentlich für mich vorbei. :)
Nun habe ich aber dieses Video gesehen, weil mir deine Videos immer eine Freude bereitet haben, und wollte mich, nach der gestrigen Wahl im Bundesland Brandenburg, aufheitern lassen.
Nun Ja, aufgeheitert hast du mich jetzt nicht, aber das Problem angesprochen, für die Gamer unter uns, die sich mit spielen in eine virtuelle Realität von der echten Welt, abkoppeln wollen, da sie vielleicht nichts in der echten Welt bewirken können oder wollen.
Aber du sprichst es an.
Du beschreibst es gut, das wir, jeder einzelne Mensch, in einer Demokratie, etwas bewirken können.
Und ja, es ist langwierig und nervt, etc.
Auch mich stört es massiv, auf Arbeit oder im Bekanntenkreis die Lügen auszumerzen, mit Fakten zu untermauern. Die dennoch keine Beachtung finden, da einfach der glaube herrscht: "die da oben".
Dazu kommt, das auch bei mir im Dorf, Gemeinde gar im ganzen Land Brandenburg, es einfach zu viele Menschen gibt, die sich selbst als Opfer sehen, die unsere Gesellschaft als zu komplex erleben aber es sich einfach machen, in schwarz/weis denken und einfachste Erklärungen zulassen, die aber wissenschaftlich nicht standhaft sind.
Bei mir in der Gemeinde leben genug Menschen, die in einer geselligen dorfrunde in der Dorfkneipe, dem Osterfeuer oder sogar bei der freiwilligen Feuerwehr, bei einem Dienstabschlussbier, rassische Äußerungen abgeben und diese akzeptiert und sogar gefeiert werden.
Ich will mich einfach nur Mitteilen, das es mich runter zieht, freue mich aber über dein Video und finde es klasse das du, oder besser gesagt, ihr, PCGames Team, solch ein Video erstellt habt! Ich zoll meinen Respekt dafür und stehe hinter euch! Danke dafür!