Freelancer im Retro-Special: Chris Roberts' Ambition trifft knallharte Realität

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Special David Benke - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Freelancer im Retro-Special: Chris Roberts' Ambition trifft knallharte Realität
Quelle: Digital Anvil | Microsoft

Happy Birthday, Freelancer! Die Weltraumsimulation von Genre-Ikone Chris Roberts feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Wir haben uns aus gegebenem Anlass nochmal in den Sirius-Sektor gestürzt und mit Held Trent ein paar feindliche Schiffe versenkt. Warum das auch heute noch einen enormen Charme hat, verraten wir im Retro-Special.

"Ein Universum voller Möglichkeiten". Mit diesem Claim kündigte Entwickler-Ikone Chris Roberts, der Schöpfer von Wing Commander, im Jahr 1997 sein neues Werk Freelancer an. Der Plan? Eine Weltraumsimulation mit komplett dynamischer Spielwelt, die im dauerhaften Wandel sein sollte: Städte wachsen und gehen zugrunde, das Wetter schlägt spontan um, die komplette Ingame-Ökonomie ist einer steten Fluktuation unterworfen. Preise schwanken, je nachdem, was die computergesteuerten Händler gerade so importierten und exportierten. Und inmitten dieser lebendigen, atmenden Welt darf der Spieler tun und lassen, was er will und seine Umgebung so aktiv mitgestalten. Die ultimative Freiheitsfantasie - in Space.

Die Folge? Enormer Hype! Auf der E3 1999 heimste Freelancer vier Awards ein, darunter den für das beste Spiel der gesamten Show. Leute standen teilweise 90 Minuten Schlange, um nur einen kurzen Blick auf eine Demo werfen zu können. Nicht wenige waren sich einig: Das Ding wird die Spiele-Industrie revolutionieren!

Star Citizen, before it was cool

Was danach folgte, könnte dem geneigten Chris-Roberts- oder Star-Citizen-Follower seltsam vertraut vorkommen: Die riesigen Ambitionen, die immer zahlreicheren Features, ließen sich technisch einfach nicht umsetzen. Es kam zu unzähligen, mehrmonatigen Release-Verschiebungen. Das Projekt verschlang unfassbar viel Kohle und wollte einfach nicht fertig werden.

Ein Raumschiff schießt mit Lasern auf seine Gegner Quelle: PC Games Ende 2000 zog man schließlich die Reißleine: Das zuständige Studio Digital Anvil wurde von Microsoft aufgekauft, Roberts vom Projekt abgezogen und zum externen Berater degradiert, die Features wurden enorm eingedampft. Trotzdem dauerte es danach noch fast drei Jahre, bis Freelancer endlich das Licht der Welt erblicken würde. Von der kolportieren Revolution war zu dem Zeitpunkt nicht mehr viel übrig.

Das Weltraumabenteuer war gut, aber nicht herausragend. Nichtsdestotrotz erfreute es sich enormer Beliebtheit, die sogar bis heute noch anhält. Fans basteln munter weiter an Mods zum Spiel, Rufe nach einem Remaster oder einem Sequel wollen einfach nicht verstummen - besonders jetzt, da der Titel sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Aber warum eigentlich? Was war so besonders an Freelancer? Das wollen wir uns heute mal etwas näher anschauen.

Weg mit dem Joystick!

Man kann natürlich ganz nüchtern an die Sache rangehen und sagen: Im Jahr 2003 war im Genre der Space Sims einfach nicht mehr so viel los. Klar, es gab Egosofts X-Serie. Die schreckte mit ihrer Komplexität aber viele Leute ab. Und EVE Online war dann doch mehr Weltraum-MMO als Piloten-Abenteuer. Freelancer stand also allein auf weiter Flur.

Zur Wahrheit gehört aber eben auch, dass das Spiel - trotz seiner Unzulänglichkeiten - immer noch jede Menge Qualitäten hatte, allem voran in Sachen Gameplay. Hier ging Digital Anvil einen schon beinahe ketzerischen Weg: Statt wie bis dahin üblich auf eine Steuerung via Joystick zu setzen, entschied man sich für Maus und Tastatur als Eingabegeräte. Ihr nehmt also mit dem Cursor Gegner ins Visier und eröffnet dann mit einem Klick das Feuer. Mit der anderen Hand bewegt ihr euer Schiff vorwärts, rückwärts, aber auch seitwärts. Ihr könnt quasi wie in einem Ego-Shooter strafen. Entsprechend zeigt euch Freelancer die Weltraum-Action auch aus der Heck-Ansicht, nicht der Cockpit-Perspektive.

Was man Freelancer ankreiden kann, wenn man es denn unbedingt möchte: Es gibt keine Ausweichmanöver oder Fassrollen, keine Anweisungen für eure Verbündeten. Es fehlt dem Spiel also ein wenig an taktischer Tiefe. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Es steuert sich so simpel, so intuitiv und so präzise, dass sich selbst Neueinsteiger nach ein wenig Eingewöhnungszeit in packende Dogfights stürzen können - oder einfach nur entspannt durchs Weltall kurven.

Open Word, nicht ganz so "open"

Für heutige Standards ist die Open World von Freelancer gar nicht mal so "open". Die einzelnen Systeme im Spiel sind durch Sprungtore miteinander verbunden. An Planeten müsst ihr mit Hilfe eines Rings andocken, statt einfach durch die Atmosphäre und dann auf die Oberfläche zu fliegen. Und auch sonst ist die Umgebung deutlich simpler gehalten, als ursprünglich geplant. Vom dynamischen Sternensystem fehlt jede Spur.

Das Panorama einer Sci-Fi-Metropole Quelle: PC Games Hardware Aber Digital Anvil hat sich trotzdem eine Menge Mühe dabei gegeben, euch eine Spielwelt vorzusetzen, die euch zumindest etwas Vergleichbares vorgaukelt. Es gibt Nachrichtenkanäle, auf denen ihr euch über Aktuelles aus der Galaxie informieren könnt. In Bars dürft ihr jeden Gast und jeden Kellner doof anlabern und alle haben euch irgendwas zu erzählen. Und wenn ihr in eurem Schiff unterwegs seid, trefft ihr überall auf Militärpatrouillen, Transportkonvois, Räuber und andere Zeitgenossen.

Ihr werdet angegriffen, euer Frachtraum wird gescannt, manchmal schmeißt man euch per Funk auch einfach nur einen dummen Spruch an den Kopf. Das führt dazu, dass man sich stets involviert fühlt, wie ein wichtiger Teil des Spielgeschehens. Freelancer setzt euch ein lebendiges, atmendes Universum vor, in dem - zumindest augenscheinlich - auch Dinge passieren, ohne dass ihr sie erst explizit lostreten müsst.

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        Hihi, ich lad mir gerade die Crossire Mod fuer Freelancer runter. Wird als grosse Erweiterung und ein inoffizielles Freelancer 2 gehandhabt.

        Werd dann nachher wohl Edison Trent wiedersehen :D
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        Hihi, ich lad mir gerade die Crossire Mod fuer Freelancer runter. Wird als grosse Erweiterung und ein inoffizielles Freelancer 2 gehandhabt.

        Werd dann nachher wohl Edison Trent wiedersehen :D
      • Von Neawoulf Mitglied
        Hat mich damals ziemlich enttäuscht, muss ich zugeben. Lag aber vor allem an der Maussteuerung und 3rd Person Perspektive. Ich hätte mir da eher was a la Wing Commander erhofft.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Hab es auch immer noch auf dem Rechner, physische englische und deutsche Version im Schrank :D

        Haben es damals auch immer auf LANs gespielt, teilweise auch im Internet und mit Star Wars Mods usw.

        Ein grandioses Game, auch heute noch - weil nichts vergleichbares - wert gezockt zu werden.

        Schaumkrautschmuggler 4 life :B
      • Von groe69 Spiele-Novize/Novizin
        Zuletzt vor 2 Jahren die Kampagne durchgespielt. Multiplayer schon lange nicht mehr gespielt, da die Kumpels nicht mehr so drauf stehen. Aber immer noch ein geiles Spiel und als Hardcopy-Original-Version ein Highlight in meiner Spiele-Sammlung. Auch deswegen Early Packer bei Star Citizen geworden.
      • Von DJSR Mitglied
        Auch heute noch meine Lieblings-Space Sim. Fand für damalige Verhältnisse besonders die gesichtsanimation gut gelungen. Wenn Juni die Augenbrauen bewegt hat das selbst für die altbacken Grafik schon massig Emotionen rübergebracht. Denke es ist mal wieder Zeit mit King, Walker und Juni auf Nomadenjagt zu gehen, Präsidentin Jacobi zu befreien und mit Dexter Hovis ein Rennen zu Fliegen. Gibt nicht viele so alte Spiele wo ich mich noch bei so viele Charaktere an die Namen erinnern kann
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