Quelle: Warner
Das Bild der Soldaten, die die US-Flagge hissen, ging um die Welt.
Der Pazifikkrieg im Februar 1945. Gerade robbten sie noch mit ihren Kameraden unter schwerstem Beschuss durch den von Blut rotgefärbten Schlamm von Iwo Jima: der bedächtige Navy-Sanitäter "Doc", der fesche Marine Rene und der introvertierte Indianer Ira. Wenige Zeit später finden sie sich durch einen Wink des Schicksals herausgeputzt in Uniform in der US-Heimat wieder, weil sie zufällig zusammen mit drei Kameraden auf einem Berg eine Flagge gehisst hatten und ein Kriegsfotograf im richtigen Moment abgedrückt hatte. Ein Bild, das in den USA für einen neuen Patriotismus-Schub sorgt. Und während ihre Freunde im Kugelhagel des Pazifikkrieges elendig verreckten, werden die drei jungen Männer als Helden gefeiert, ohne zu wissen, wie ihnen geschieht - und keiner fragt nach dem tatsächlichen Geschehen. Stattdessen machen ihre Vorgesetzten unmissverständlich klar: Sie brauchen die drei, um neue Kriegsanleihen zu erhalten. Doch während John alles nur als staunender Beobachter erlebt und Rene die Popularität regelrecht genießt, beginnt der um das Schicksal seiner noch kämpfenden Brüder bangende Ira, an dem ständigen Händeschütteln und Gefeiertwerden langsam, aber sicher zu zerbrechen.
Wenn sich Clint Eastwood auf seine alten Tage noch einmal eines Kriegsfilmthemas annimmt, darf davon ausgegangen werden, dass dabei kein hehres Schlachtengemälde herauskommen wird. Zwar zeigt Flags of Our Fathers zu Beginn mit seinem einheitsfarbenem Look und der eindringlichen, erschreckend realen Darstellung der Brutalität des Krieges deutliche Anleihen bei Der Soldat James Ryan - kein Wunder, schließlich fungierte Steven Spielberg als Produzent. Doch statt wie das Vorgängerwerk von 1998 in ein Heldenepos von edlen Rettern und wackeren Kämpfern abzudriften, schwenkt Eastwoods Werk in eine ganz andere Richtung. Sein Film versteht sich vielmehr als eine Kritik an den Mechanismen der Propaganda, die ohne Rücksicht auf das Schicksal Einzelner und auf die Wahrheit junge Soldaten für ihre Zwecke missbraucht. Denn über das Argument hinaus, wie wichtig es sei, daheim die Werbetrommel zu rühren - damit Geld in die Kriegskassen kommt und ihre Kameraden an der Front neue Munition erhalten -, werden die drei "Helden" von ihren Vorgesetzten an der Heimatfront gnadenlos im Stich gelassen. Niemand hilft ihnen, das Erlebte zu verarbeiten. Niemand denkt daran, dass sie mit jedem Plakat, jedem Monument und - ja, tatsächlich - jedem Pudding, der ihr Bildnis zeigt, an die Kameraden erinnert werden, die in ihren Armen starben. Doch die Wahrheit interessiert keinen. Was bleibt, ist eine Show à la Hollywood.
Seine Darsteller hat Clint Eastwood für seine Zwecke gut gewählt: Hauptsächlich junge, wenn auch nicht völlig unbekannte Gesichter prägen seinen Film, wobei vor allem Adam Beach (Windtalkers) als der Native American Ira besonders überzeugend hervorsticht. Zu kritisieren ist jedoch, dass die vielen verschiedenen Figuren, Namen und Sprechrollen es einem so manches Mal erschweren, der Handlung gänzlich zu folgen. Dazu tragen auch die ständigen Wechsel in der Chronologie bei, springt der Film doch im weiteren Verlauf stetig zwischen dem Geschehen in der Heimat, dem Erlebten auf Iwo Jima und einer Gegenwart hin und her, in der der Sohn des gealterten Doc die Erlebnisse seines Vaters von damals nachzuverfolgen versucht. Eine Geschichte, die auf wahren Geschehnissen beruht. Denn das von Paul Haggis (Million Dollar Baby) und William Broyles (Jarhead) verfasste Drehbuch basiert auf der Buchvorlage von James Bradley - dem echten Sohn des wahren "Doc", über dessen Geschicke der Film berichtet; und alles zusammen natürlich auf dem berühmten historischen Foto, das im Februar 1945 entstand und für die USA noch heute als Symbol ihres Nationalstolzes gilt.
Bleibt zuletzt noch anzumerken, dass die aus Eastwoods Film herauszulesende Kritik selbstverständlich allein auf die Obrigkeit gerichtet ist, nicht auf die Soldaten selbst. Kleine Seitenhiebe auf den Irakkrieg lassen sich entdecken, wo man sie finden will. Die jungen Kämpfer werden als Opfer gezeigt, physisch und psychisch. Der Film ist jedoch definitiv keine neue Auseinandersetzung mit einer wie auch immer gearteten Kriegsschuld. Der Feind bleibt ohne Gesicht.
