Fantastische Reifeprüfung
ANGESCHLICHEN Während die Wache noch am Sicherungskasten schraubt, rüstet sich Ihr Kampftrupp schon zum Angriff.
Die Helden aus Final Fantasy scheinen endlich erwachsen geworden zu sein. Nachdem der letzte Teil mit seinen eher an mutierte Teletubbies erinnernden Helden viele potenzielle Fans verschreckt haben dürfte, setzt Squaresoft jetzt auf einen deutlich reiferen Look.
Hauptfigur und Aushängeschild von Final Fantasy 8 ist Squall Leonhart, ein schweigsamer junger Mann, der auf einer Militärakademie namens Garden seine Ausbildung zum SEED absolviert. SEEDs sind Elitesoldaten, die an besonders gefährlichen Missionen und Sondereinsätzen teilnehmen dürfen - und davon gibt es wahrlich einige, seit die globale Supermacht Garbadia Squalls Heimatland Dole den Krieg erklärt hat. Doch bevor es den ersten ernst zu nehmenden Feindkontakt gibt, müssen Sie Squall erst einmal zur Aufnahme in das Elite-Team verhelfen und ihm bei seiner Abschlussprüfung unter die Arme greifen. Schon in den ersten zwei Stunden begegnen Sie dabei vielen Charakteren, die Squall auf seiner späteren Reise durch Dole und die angrenzenden Länder begleiten oder als wichtige Schlüsselfiguren fungieren werden. Da wäre zunächst einmal sein Mitschüler Cifer, der charakterlich das genaue Gegenteil von Squall darstellt: Der SEED-Kadett ist arrogant, machthungrig und rücksichtslos. Beide werden ausgebildet von Quistis Trepe, einer hübschen, intelligenten, aber Äußerst labilen Lehrerin, die in Kämpfen hervorragend mit der Peitsche umgehen kann - aber das ist bei attraktiven jungen Damen heutzutage ja keine Seltenheit mehr. Die zweite wichtige Frau in Squalls Leben heißt Rinoa Heartilly - auch wenn er dies zu Beginn des Spiels noch nicht so recht glauben kann. Rinoa führt eine Widerstandsgruppe gegen die Garbadianer an. Schon der Vorspann suggeriert, dass sich zwischen ihr und Squall mehr als eine nur professionelle Beziehung entwickeln könnte ...
Die Eröffnungsphase des Spiels läuft in recht gemÄchlichem Tempo ab. Während Sie Squall bei den letzten Aufgaben seiner Ausbildung begleiten, machen Sie sich ganz nebenbei mit der Steuerung und Bedienung vertraut, die leider etwas umständlich geraten ist - die Konsolenherkunft der Final Fantasy-Reihe macht sich vor allem in unübersichtlichen und ausgesprochen hässlichen Menüs und einer fehlenden Maussteuerung deutlich bemerkbar. Trotzdem haben die Entwickler das Problem der Bedienung recht gut gelöst: Sie steuern Squall, dem sich im Laufe der Zeit bis zu drei Begleiter anschließen können, mit Hilfe der Pfeiltasten durch wechselnde starre Bildhintergründe, die aus verschiedenen Perspektiven gezeigt werden. Alle wichtigen Aktionen (Gegenstände untersuchen, Dialoge führen, in Kämpfen Zaubersprüche anwenden oder Waffen wählen) werden einfach durch Druck auf die X-Taste ausgelöst. Gerät Ihr Team in einen der zahlreichen Kämpfe, von denen einige durch Zufall ausgelöst werden und andere an vorgeschriebenen Stellen fest eingeplant sind, wechselt die Ansicht zu einer 3D-Darstellung des Geschehens. Nun kann Ihr eingeschworener Kampftrupp auf altbewährt rundenbasierte Art gegen angreifende Monster, mechanische Riesenspinnen, feindliche Soldaten und Roboter vorgehen. Neben konventionellen Waffen wie Peitschen oder Schwertern, die gegen größere Gegner allerdings nicht gerade viel Schaden anrichten, stehen auch verschiedene Zaubersprüche zur Verfügung: Mit Hilfe von Eis-, Wasser- und Feuermagie lassen sich beachtliche Erfolge erzielen. Ferner können Sie Ihre angeschlagenen Kollegen im Kampf heilen oder dem Feind eigene Spells stehlen. Gegen besonders mÄchtige Monster können Squall und seine Kollegen aber auch noch ganz spezielle Geheimwaffen einsetzen: die so genannten Guardian Forces. Bei diesen mystischen Gestalten handelt es sich um Schutzengel, von denen jeder Charakter eine festgelegte Anzahl nutzen kann. Die fantastischen Helfer haben eine beeindruckende Zerstörungskraft und unterscheiden sich in ihren Vorgehensweisen stark voneinander. Die Sirene beispielsweise überflutet erst das gesamte Kampfgelände mit Wasser, setzt sich dann auf einen Felsen in der Brandung und entlockt ihrer Harfe tödliche Klänge. Die Guardian Force namens Quetzacoatl dagegen entfacht einen Gewittersturm und lässt mÄchtige Lichtblitze auf den Feind hinabfahren. Die Spezialattacken sind absolut atemberaubend inszeniert: Rasante Kamerafahrten, monumentale Explosionen und tonnenweise Spezialeffekte machen die Kämpfe in Final Fantasy 8 zum interessantesten und temporeichsten Element des Spiels. Der Rest fällt dagegen qualitativ klar ab: Die Umgebungsgrafik und die Gestaltung der Spielmenüs wirken oft sehr grob; auch die Animationen der Figuren sind sehr ruckelig ausgefallen und wirken unnatürlich. Geradezu katastrophal ist der Sound: Da es keine Sprachausgabe gibt, müssen Sie sich in den zahlreichen Dialogsequenzen durch viele, viele graue Textfenster klicken, während Sie einer Hintergrundmusik lauschen, die schon in kürzester Zeit extrem an den Nerven zerrt.
