Final Fantasy 16: Wo sind die echten RPGs hin? - Kolumne
Final Fantasy 16 ist ein tolles Spiel - aber es hat nichts mit einem RPG zu tun, findet Stefan. Warum wird "Rollenspiel" immer mehr zum Marketing-Buzzword?
Trotzdem würde es mich nicht wundern, wenn dieser neue Teil die Fanbase mal wieder spaltet, denn als das reine Actionspiel, das es für mich ist, verkauft Square Enix Final Fantasy 16 nicht. "Das erste echte Action-RPG" der Hauptreihe, steht auf der Website. Aber wenn FF16 ein Action-Rollenspiel ist, dann ist der Multiplayer von Call of Duty auch eins, Star Wars Jedi: Survivor auch und alle Assassin's Creeds nach dem ersten sowieso. Sogar noch bevor Ubisoft sie so genannt hat, um den Anschein von spielerischer Tiefe zu erwecken.
Und das ist auch mein Hauptproblem an dieser Sache. Ich habe absolut nichts gegen unkomplizierte Actionspiele, ich muss mich nicht zwingend in Menüs vergraben, Builds planen und schicksalhafte Entscheidungen treffen, um mit einem Spiel wie Final Fantasy 16 meinen Spaß zu haben. Aber den Titel als Rollenspiel zu verkaufen, weckt vermutlich mit voller Absicht eine Erwartungshaltung, von der den Entwicklern klar sein muss, dass ihr Produkt sie nicht erfüllen kann.
Im Rollenspiel muss ich eine Rolle spielen
"Rollenspiel", das suggeriert für mich Tiefe, Entscheidungsfreiheit, den Einfluss der eigenen Kreativität, etwas, das eher mit dem Kopf als mit flinken Fingern gespielt werden muss. Und dass das alles Features sind, die jeder gerne auf der Packungsrückseite stehen hat, ist wohl auch der Grund, warum gerne mal alles mit einem Skillbildschirm als Rollenspiel bezeichnet wird. Aber warum werden diese Kriterien dann so selten erfüllt?
Nun, es ist wohl kein Geheimnis, dass der kleinste gemeinsame Nenner, also unkomplizierte Action, im Regelfall mehr Leute abholt. Spiele wie Fallout 4, Cyberpunk 2077 oder The Outer Worlds müssen zuallererst als Ego-Shooter gut funktionieren, weil die meisten Nutzer sie vermutlich so spielen werden, und weil das Schießen einen Großteil der Spielzeit ausmacht. Bei Final Fantasy 16 sollen die Kämpfe möglichst actionreich und zugänglich sein. Dafür fällt der Rollenspielpart dann gerne auch mal hinten runter.
Quelle: Square Enix
Ob etwas ein richtig gutes Rollenspiel ist, sieht man auch nicht in hochpolierten Werbevideos oder in den zehn Minuten, die man jemandem auf Twitch dabei zuschaut. Das merkt man, nachdem man sich viele dutzend Stunden reingefuchst hat, entsprechend schwer ist die Vermarktung. Fette Action und hübsche Kulissen eignen sich dagegen ideal für Trailer, und dann ist es auch egal, wenn im fertigen Spiel nichts dahintersteckt.
Im Falle von Cyberpunk waren sich die Entwickler offenbar selbst nicht sicher, als was sie ihr Spiel eigentlich verkaufen wollen. Zeitweise war von einem Rollenspiel die Rede, dann nur noch von einem Action-Adventure, und jetzt ist es ein Open-World-Action-Adventure-RPG.
Dass der vermutlich wichtigste Bestandteil des Marketings, nämlich das Genre, so gezielt verändert wird, beweist für mich, dass hier bewusst mit Erwartungshaltungen gespielt wird. Dass sehr genau überlegt wird, wie man gerade noch als das Produkt durchgehen kann, das viele Käufer erwarten. Das führt dann dazu, dass die RPG-Mechaniken in sogenannten RPGs oft alibimäßig wirken. Und als Spieler fühlt man sich dann gerne mal etwas hinters Licht geführt, wenn es wieder mal heißt ...
"Wir machen ein Rollenspiel. Ihr dürft schließlich hin und wieder eine bessere Waffe ausrüsten und den nächsten vorgegebenen Punkt im Skillmenü freischalten. Ab und zu sagt auch mal ein Bauer zu euch, dass ein paar Banditen sein Schaf entführt haben. Und dann lassen wir euch die freie Wahl: Seid ihr der strahlende Held, der zwei Minuten seiner Zeit dafür opfert, das Schaf zu retten? Oder seid ihr der gewissenlose Bösewicht, der das ... ohne Konsequenzen nicht tut? Wir machen ein Rollenspiel!"

Square Enix ist das Bioware/EA des Ostens, da machen sie gar keinen Hehl drum.
Während es bei Bioware schon in der "Goldenen Ära" hieß: "We want Call Of Duty's audience!", waren es bei Square hier: "We want GTA's audience!" Und spätestens sowohl Veilguard als auch FF16 liefen unter den Erwartungen -- und das nicht nur unter den Erwartungen vieler langjähriger Fans.
Gefreut haben sich darüber Larian und Sandfall Interactive, die auf ihrem Produktions-Niveau nicht arg viel Konkurrenz hatten. Äkschn-Adventures mit RPG-Elements gibts spätestens seit dem Smash des dritten Hexersinne-Hexers so viele, dass sie demnächst eine eigene Postleitzahl und Kategorie in der PC Games bekommen sollten. Denn auch Ubisoft mussten jetzt natürlich mit. Generell ist der Markt vollgestopft mit Titeln -- und pretty Grafix hat jeder davon, der ein bisschen Taschengeld dahinter hat. Wer hier noch auffallen will, muss sich strecken.
Meanwhile kann ein Belgier in Ritterrüstung den Raum betreten und Köpfe verdrehen, weil da niemand mehr wie er drin ist. Apropos Ritterrüstung: Auch einigen Tschechen ist das neulich gelungen. Bezeichnend: Auch diese kamen an ihrer Wurzel aus einer (Crowdfunding-)Nische. Denn ihr Kingdom Come war nicht gleichgeschaltet genug, um SED-Parteichefs, Gaming-CEOs oder "Wir müssen mehr wie GTA sein"-Marktforschern das "Risiko" wert zu sein.
Bei FF XV hält mich einfach die offene Spielwelt und die stupiden Fetchquests davon ab es nochmal zu spielen. Diese Fetchquests haben absolut keinen Mehrwert für den Spieler, sie existieren nur um das Spiel irgendwie zu füllen. Das Problem ist aber, wenn sie da sind, kann ich nicht wirklich daran vorbei gehen, ich habe immer das Gefühl ich habe nicht alles gemacht, wenn ich nicht auch die dummen fetchquests mache.
Bei FFXV musst du denken wie ein Noob. Einfach die Story machen bis du nicht mehr weiterkommst. DANN Quests machen. ^^
Ich bin jetzt nicht unbedingt dafür, XIII und XV zu remaken/rebooten, da ich mit den Spielen im Großen und Ganzen zufrieden war. Die Teile hatten viele erinnerungswürdige Szenen, die in *besseren* Spielen evtl. nicht so rüberkämen. Aber den Tease mit der Fabula Nova Crystallis werd ich auch nicht so schnell vergessen. Aus "Agito" wurde ja auch etwas anderes. Verrückt, wenn man bedenkt, dass 13 (was 2 Nachfolger erhalten hat), 15 und das PSP Game Type-0 ursprünglich auf irgendeine Weise miteinander verbunden hätten sein sollen.
Bei FF XV hält mich einfach die offene Spielwelt und die stupiden Fetchquests davon ab es nochmal zu spielen. Diese Fetchquests haben absolut keinen Mehrwert für den Spieler, sie existieren nur um das Spiel irgendwie zu füllen. Das Problem ist aber, wenn sie da sind, kann ich nicht wirklich daran vorbei gehen, ich habe immer das Gefühl ich habe nicht alles gemacht, wenn ich nicht auch die dummen fetchquests mache.
Ich bin jetzt nicht unbedingt dafür, XIII und XV zu remaken/rebooten, da ich mit den Spielen im Großen und Ganzen zufrieden war. Die Teile hatten viele erinnerungswürdige Szenen, die in *besseren* Spielen evtl. nicht so rüberkämen. Aber den Tease mit der Fabula Nova Crystallis werd ich auch nicht so schnell vergessen. Aus "Agito" wurde ja auch etwas anderes. Verrückt, wenn man bedenkt, dass 13 (was 2 Nachfolger erhalten hat), 15 und das PSP Game Type-0 ursprünglich auf irgendeine Weise miteinander verbunden hätten sein sollen.
Die waren halt ursprünglich als etwas ganz anders gedacht.
Mich stören lineare Spiele nicht. FF X war auch linear und es zählt mit zu meinen Lieblingsspielen. Die Stille Ebene, die die offenste Zone im Spiel ist, ist für mich auch die nervigste Zone im Spiel. Ich bin immer froh wenn ich da durch bin. Es gibt einen Haufen sehr guter lineare Spiele. Bei FF XIII ist eher das Problem, dass man quasi durch die linearen Level gescheucht wird ohne mal durchatmen zu können. Dadurch sorgt die Linearität für eine schlechte Spielerfahrung.
Aber ja, FF XIII und such FF XV hatten eine wirklich problematische Entwicklungsgeschichte. Ich hätte gerne gesehen, wie die Spiele ausgesehen hätten ohne diese ganzen Probleme bei der Entwicklung.
Mir wären Remakes von FF XIII und XV auch lieber, als von den Teilen, wo das Original bereits gelungen ist. Bei diesen Remakes hätte man eine zweite Chance aus diesen tollen Welten eine gute Spielerfahrung zu gestalten. Natürlich dürften das dann keine 1:1 Remakes sein sondern eher Reboots, wo auch die Story neu geschrieben wird.