FEAR
Der zweite Versuch ist erfolgreicher: Wie ein Verlorener streifen Sie durchs Gewölbe des Wolkenkratzers, vorbei an zischelnden Leitungen, durch Lüftungsschächte hindurch und auf Leitern nach oben. Keine Menschenseele weit und breit. Oft erzittert das Bild unter einem Beben, das die Lampen schaukeln lässt. Licht huscht dann gespenstisch über die Wände, Klaustrophobie macht sich breit. Einmal, es ist alles ruhig, öffnet sich ein Gitter mit einem metallischen Klicken, dahinter springt ein Ventilator an, der Staub durch den Raum pustet. Würde F.E.A.R. dieses Niveau durchgehend halten, man müsste den Entwicklern Genialität attestieren.
Horror in der Hauptrolle
Der Titel F.E.A.R. wurde nicht zufällig gewählt. Einerseits steht er für First Encounter Assault and Recon (Feindkontakt, Angriff und Aufklärung). Andererseits macht er auch klar, dass es um die nackte Angst geht. Als Gruselerzeuger hat Monolith neben Menschenfresser Fettel ein Mädchen namens Alma erfunden. Alma ist jung, sieben Jahre vielleicht, sie trägt ihre Haare lang und steckt in einem roten Kleid, das farblich mit dem Blut an ihren nackten Füßen harmoniert. Sie ist das ganz große Fragezeichen im Spiel. Ihre sporadischen Auftritte wecken die Furcht im Spieler, mit geisterhafter Flüchtigkeit erscheint sie hinter Ecken, hinter Türen, nur um blitzschnell wieder zu verschwinden. Die Musik schwillt in diesen Momenten an, man kennt diesen Brauch ja aus Hollywood.
Wer bist du, Alma? Botschaften auf Anrufbeantwortern geben ein Bild vom Geschehen, man kann sich Theorien zusammenreimen, wenn einem der Sinn danach steht. Doch F.E.A.R. gefällt sich im Verwischen von Vermutungen, tröpfchenweise kommen neue Informationen dazu, der Raum für Spekulation wächst. Die Sprache, mit der sich die Story entfaltet, ist eine unverblümte: F-Wörter dringen so oft aus den Boxen, dass man mit dem Zählen nicht mitkommt. In Sachen Aussprache und Betonung lassen sich die Sprecher der getesteten englischen Version nichts zu Schulden kommen. Für die deutsche Fassung hat Vivendi Leute vom Fach bestellt, Hans-Werner Bussinger (Steve Martin) und Thilo Schmitz (Gul Dukat aus Deep Space 9) beispielsweise. Das schafft Vertrauen in die Synchronisation.
Einer Erwähnung würdig ist der Soundtrack: In einigen Kämpfen spielt Orchestermusik, treibend und bombastisch, in anderen Szenen unterstützen melodielose, vom Rhythmus getragene Klänge die Atmosphäre, in die indisch angehauchte Gesangslinien eingewoben sind. Das ergibt thematisch zwar keinen Sinn, hört sich aber fantastisch an. Und, natürlich, es gibt auch jene Stücke, die leise und subtil im Hintergrund arbeiten. Die einen glauben lassen, dass gleich etwas Fürchterliches geschieht. Professionalität steckt hier in jeder Note.
Taktischer Mehrspielermodus
Die Spielmodi Deathmatch, Capture the Flag und Elimination (der Letzte, der übrig bleibt, gewinnt), inklusive dazugehöriger Team-Varianten, sind nach Norm gebaut. Abseits des Gewöhnlichen funktionieren die Slow-Motion-Matches: Hier liegt ein Reflex Booster im Level, um den sich die Teilnehmer mit Waffengewalt reißen. Wer ihn in den Händen hält, darf nach einer kurzen Aufladephase, beschleunigt durch das Abschießen von Feinden, die Zeitlupe aktivieren: Der Benutzer rennt und schießt doppelt so schnell, das Tempo der Mitspieler ist gedrosselt.

Wirklich verwunderlich, warum in den gigantischen Weiten des Internetzes und all seiner selbsterkorenen Spielekritiker so gut wie niemand den obengenannten Punkt anspricht- nämlich dass FEAR (im Gegensatz zu Doom 3, auch wenn der Vergleich etwas zu oft bemüht wurde) auf einer vom sonstigen Spielgeschehen völlig entkoppelten Ebene gruselt- statisches Knistern im Commlink, aha, da wird wohl nichts Gutes hinter der nächsten Wegbiegung lauern, zumeist überraschungsarmer Auftritt Almas oder Fettels und weiter geht's. Diese "Fearvents" sind wirklich, wirklich gut inszeniert und nutzen sich auch nach der zehnten Spielstunde nicht nennenswert ab. Und sie haben wenigstens mir die angenehmsten Schauer seit "Das Geisterschloss" den Rücken rauf- und runtergejagt. Aber das ist eben gleichzeitig das Problem, das hartgesottenes Doom 3-Veteranenblut nicht nennenswert in Wallung bringen kann- nach einigen solcher Sequenzen ist klar, dass man nie um seine Gesundheit fürchten muss und sich in diesen Gruseabschnitten vielmehr vom ziemlich strapaziösen Geballer erholen kann (mal ganz davon abgesehen, dass Fearvents stellenweise so ungünstig plaziert sind, dass man ohne die Knister-Ankündigung oder sonstige Effekte ungerührt daran vorbeilaufen würde- oft musste ich sogar Quickloaden und habe erst beim wiederholten Durchlaufen erkennen können, womit ich da zu gruseln versucht wurde).
DAS ist der Unterschied, der, entgegen allen Unkenrufen, Doom 3 für mich zum unangefochtenen Panicmaker erhebt, denn dort ist der Horror neben dem Horror auch noch substantielle und allgegenwärtige Bedrohung für Leib und Leben des Spielers. Die ersten Paar Stunden Doom 3-Spielens hatten mch seinerzeit jedenfalls locker um ein Jahrzehnt altern lassen :)
FEAR ist und bleibt ein brillanter Shooter, auch wenn sowohl Variationsarmut in Sachen Gegner- wie auch Mapdesign das Vergnügen hinreichend schmälert. Aber mal von der Handvoll Stealth-Ninjas abgesehen, die mich dann wirklich in nackte, panische Furcht versetzen konnte, wirkt es auf mich vielmehr als intelligenter Shooter mit tollen, überwiegend kinoreif inszenierten Gruseleffekten. Aber wie im Kino eben vollkommen harmlos.
F.E.A.R. das erste Spiel bei dem ich mehrfach fast einen Herzkasper gekriegt hätte und immernoch kriege! Sicher die grafik ist etwas in die Jahre gekommen und kann sich mit anderen Titeln kaum noch messen, aber die geniale und unvorhersehbare Story macht es immernoch kaufenswert und Lust auf die Add-Ons und den 2. Teil !!!
Also ich weiß nicht, ich bin normalerweise jemand, der bei gruseligen Spielen echt Angst kriegt, und "The Ring" hat mich echt geschockt, aber FEAR hat mich gruseltechnisch völlig kalt gelassen!!!
Ja, es ist grafisch genial, die Baller-Action macht Spass, das Leveldesign ist ziemlich eintönig und die Story belangslos und dürftig präsentiert, aber die Horrorelemente haben mich nur ein paar mal wirklich erschreckt, die Flashbacks fand ich zwar interessant inszeniert, auch wenn da noch viel mehr hätte drin sein können, aber nie wirklich gruselig.
Und ich weiß auch wieso:
1. Die Zeitlupe nimmt der Situation den Schrecken. Kommt etwas unerwartet oder man erwartet das Unerwartete, kann man jederzeit das Geschehen verlangsamen und entweder planen wie man vorgeht oder einfach jeden Gegner einen nach dem anderen mit Kopfschüssen wegballern. Das macht das Spiel zu einfach und beschädigt die Gruselatmosphäre.
2. Die Auftritte von Alma wiederholen sich in der Struktur und man weiß eigentlich, das sie einem nichts tut. Man weiß das einfach nie was passieren wird, auch in den Flashbacks (mit einer Ausnahme). Nett anzusehen und einige gute Ideen, aber gruselig? Höchstens ein wenig beklemmend.
3. Die Waffen sind zu mächtig, und in Verbindung mit der Zeitlupe kriegt man ein Gefühl von Sicherheit, was meiner Meinung nach ein echter Grusel-Atmo-Killer ist. Ja es ist in erster Linie ein Ego-Shooter, und zwar ein richtig Guter, aber die Horror-Elemente leiden darunter.
Wie auch immer, 85% wär meine Wertung für das Spiel, geben auch die meisten Magazine.