El Paso, Elsewhere im Test: Max Payne - Vampirjäger
El Paso, Elsewhere ist ein stylisher Third-Person-Retro-Shooter, in dem wir in bester Max-Payne-Manier gegen die Schergen unserer Ex-Freundin, der Vampirherrscherin Draculae bestehen müssen. Angetrieben von Hip-Hop-Beats und verschreibungspflichtigen Drogen ballern wir uns durch 50 Levels, bis wir der Schurkin gegenüberstehen.
Ein Motel in El Paso, Texas. Der Raum, in dem wir uns befinden hat keine Decke. Es scheint nur noch dieses Gebäude überhaupt zu existieren. Vor der Tür wabern Streifen von Licht und erhellen das alles verschlingende Nichts. Alles, was zählt ist das, was sich vor dem Lauf unserer Waffe befindet. Von allen Seiten drängen sich monströse Kreaturen ins Bild, die uns in Stücke reißen wollen. Aus den Boxen wummert Rap-Musik. Wir halten eine Pistole in jeder Hand. Alles läuft in Zeitlupe. Wir hechten einer Gruppe Monster entgegen und entladen unsere Magazine auf die höllische Brut. Wir schmeißen eine Schmerztablette ein, von denen sich mittlerweile schon hunderte in unserem System befinden müssen. Befreien eine kauernde Geisel aus den Fängen der Vampire. Plötzlich wird die ganze Welt in grelles Neon-Rot getränkt. Kurz durchatmen. Nachladen. Weiterballern. Zum Ausgang. Der Aufzug wartet. Wir steigen ein. Der Schacht führt immer nur nach unten. Die Türen öffnen sich. Nächstes Level. Repeat.
Neon-Noir aus der Anderswelt
El Paso, Elsewhere ist ein adrenalingeladener Shooter des Indiestudios Strange Scaffold, bekannt für schrullige Titel wie An Airport for Aliens Currently Run by Dogs und Space Warlord Organ Trading Simulator. Beim neuesten Streich der Firma handelt es sich um eine offensichtliche Hommage an die Max-Payne-Reihe. Selbst eine Mischung aus den Filmgenres Heroic Bloodshed und Film Noir, stand der Third-Person-Shooter von Remedy und Rockstar Games eindeutig Pate hinsichtlich Inszenierung und Gameplay. Eine begleitende Voice-Over-Erzählung darf also ebenso wenig fehlen wie spektakuläre Bullet-Time-Sequenzen, zynischer Humor und die Möglichkeit, mit zwei Knarren schießend durch die Luft zu fliegen.
Der Look des Spiels ist dementsprechend düster, aber nicht auf eine klare Farbpalette festgenagelt. Entsättigte, deprimierende Brauntöne wechseln sich ab mit kräftigen, pulpigen Neonfarben, die man eher aus modernen Noir-Filmen kennt.
Auch die Geschichte trieft vor genretypischer Melancholie. Unser Held James Savage befindet sich auf einer Selbstmordmission. Er hat seit Tagen nicht geschlafen, blutet und kann seinen Körper nur durch den extremen Konsum von Schmerzmitteln überhaupt noch auf den Beinen halten. Egal, ob er sein Ziel erreicht oder nicht, dieses Abenteuer wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu seinem letzten Trip. Sein Leben mag ein großer Einsatz sein, gemessen an dem, was auf dem Spiel steht, ist es jedoch ein Preis, den Savage locker bereit ist zu zahlen: Draculae, die Herrscherin der Vampire, steht kurz davor, die Welt zu vernichten und er ist der Einzige, der in der Lage ist, sie noch aufzuhalten. Ein pikantes Detail bei der Sache: Es handelt sich bei ihr nicht um irgendein beliebiges Monster, sondern ausgerechnet um seine Ex-Freundin.
Quelle: PC Games
Als geschickter Pistolero und Sachverständiger für Mythologie und paranormalen Krempel hat es Savage zu seiner Aufgabe gemacht, mit Waffengewalt gegen das Böse und seine mächtige Magie zu kämpfen. Gegen die Kraft der Liebe ist aber auch er nicht gefeit, was seinem letzten Gefecht eine besonders bittere Note verleiht.
Der Beziehung zwischen James und seiner blutsaugenden Ex wird erstaunlich viel Raum gegeben und die Geschichte schreckt nicht davor zurück, Grenzüberschreitungen seiner ehemaligen Partnerin auch als solche zu präsentieren. James ist ein harter Typ, aber auch ein zutiefst verletzter Mann, der unter den komplizierten Gefühlen zu seiner Exfreundin leidet.
Seine Erinnerungen an die Beziehung zu Draculae plagen ihn gleich auf mehrere Weisen. In dem Motel in El Paso, wo das Spiel startet, beginnt die Realität bereits auseinanderzufallen und seine Gedanken und persönlichen Dämonen verändern die Umgebung. Immer wieder finden wir auch Bruchstücke von persönlichen Unterhaltungen auf Band, die den Zerfall der nun zu Feinden gewordenen Liebenden dokumentieren und alte Wunden aufreißen.
Doch auch Kreaturen aus anderen Existenzebenen brechen in unsere Welt und der Aufzug, der am Ende jedes Levels wartet, führt nicht zwangsweise in ein anderes Stockwerk des Gebäudes, sondern in komplett andere Umgebungen wie ägyptische Grabmäler oder mittelalterliche Burgen und Kathedralen. Wir bekämpfen Vampirmumien, Werwölfe, Engel, dunkle Ritter und gefallene Pharaonen.
Altbewährtes in neuem Gewand
Dieser wilde Mix mag erst einmal sehr willkürlich, fast sogar albern anmuten, wird jedoch innerhalb der Lore des Spiels nachvollziehbar erklärt und ohne ironisches Augenzwinkern präsentiert. Merkwürdige Momente gibt es in El Paso, Elsewhere zwar genug, in trashige Gefilde driftet das Spiel aber bewusst nie ab.
Überhaupt ist der Titel eine interessante Hochzeit aus dem Schrägen und dem Konventionellen. Das Gameplay liegt hinsichtlich Timing und Bewegungsanimationen extrem nah an der Vorlage Max Payne und ist so simpel, dass sich auch komplette Neulinge schnell zurechtfinden sollten. Die Levelstruktur ist ebenfalls immer gleich. Wir ballern uns durch alle Räume, deren Türen wir bereits öffnen können, sammeln Schlüssel, befreien Unschuldige und kehren dann an zuvor verschlossene Passagen zurück. Haben wir alle Geiseln Draculaes befreit, geht es zurück zum Aufzug und ab ins nächste Level. Vereinzelt lockern Kämpfe gegen Elitegegner oder das Finden eines neuen Schießeisens wie etwa einer Tommy Gun oder eines Granatwerfers das Gameplay auf. Komplett absurde Waffen wie Laserkanonen, Magie oder Schwerter gibt es aber nicht. Die einzige Nahkampfwaffe im Spiel sind Holzpflöcke, die bei Benutzung zerbrechen. Mit ihnen können wir Gegner meist mit nur einem Treffer ausschalten. Da uns häufig viele Feinde auf einmal auf die Pelle rücken und der eigene Lebensbalken flott aufgebraucht ist, ist es hilfreich, immer ein paar von ihnen auf Vorrat zu haben, falls wir uns schnell einen Weg aus der Gefahrenzone bahnen müssen.
Quelle: PC Games
El Paso, Elsewhere ist mechanisch auf positive Art altmodisch und trotz der außergewöhnlichen Story auch sehr schlicht und unaufdringlich erzählt. Old School Gameplay, Old School Präsentation. Plug and Play, das unsere Zeit nicht verschwendet.
Seine Eigenartigkeit zeigt sich stattdessen in anderen Bereichen, wie etwa dem Soundtrack. Der besteht größtenteils aus Rap-Poesie mit Synthie-, Rock- und Electro-Einflüssen und unterstreicht den Flow der Action an sich hervorragend. Dass die Lyrics von Hauptentwickler und Studiochef Xalavier Nelson Jr. persönlich vorgetragen werden, der obendrein auch die Hauptfigur spricht, ist hingegen etwas unorthodox und beim ersten Hören auch etwas verwunderlich. Hat Protagonist James in der Cutscene vorher gerade noch einen schwermütigen Voice-Over-Monolog vorgetragen, rappt er in der nächsten Szene aus dem Off darüber, Sachen kaputtzuschlagen.
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Schade, dass das (soweit ich weiß zumindest) kein Spiel seitdem wieder so hinbekommen hat. Das war auch, was mich an MP3 am meisten gestört hat.
Werde hier dennoch mal reinschauen, klingt trotzdem sehr spannend.
wäre da nur nicht die optik: wirkt teilweise ja wirklich cool und stylisch, überwiegend aber leider einfach nur kackhässlich. :S