Dying Light im Test - Handwerk, Nächte, Koop-Modus und Technik + Fazit
Dying Light im Test bei PC Games: Ist Techlands neues Zombie-Spiel ein Open-World-Hit für Fans der verfaulten Untoten? Oder hat sich Techland zu freigiebig an Skyrim, Mirror's Edge und Far Cry bedient? Unser Test samt Video-Review verrät, ob sich die vielen Elemente des Parkour-Actionspiels mit Shooter-Anteilen zu einem spaßigen Ganzen zusammenfügen.
Dying Light ist kein Survival-Spiel wie Day Z, dafür händigt Techland gerade in der zweiten Spielhälfte viel zu großzügig Ressourcen wie Geld und Bauteile aus. Dennoch gibt es ein Crafting-System, das an die populären Zombie-Spiele aus der Indie-Sparte erinnert. Anders als in vielen Early-Access-Titeln braucht ihr zwar weder Fleisch zu kochen noch Blockhütten zu bauen, dafür lässt sich so ziemlich alles andere selbst herstellen.
In diesem Artikel
Aus Mullbinden und Alkohol wird im Handwerksmenü ein Medikit, per Doppelklick erstellt ihr Brandsätze und Böller. Das ist simpel und leicht verständlich, zumal ihr so viele Materialien mitschleppen dürft, wie ihr wollt - das spartanische Listen-Inventar beschränkt lediglich die Anzahl der zugleich mitgeführten Waffen. Da diese wie erwähnt schnell kaputt gehen, lohnt es sich, eine Reihe von Skills zu erlernen, die dieses Limit erhöhen.
Quelle: PC Games
Das Inventar ist schmucklos, aber erfüllt seinen Zweck. Am PC vermissen wir lediglich eine Drag&Drop-Unterstützung.
Die entsprechenden Talente stammen aus der "Überlebender"-Kategorie, in der ihr ausschließlich durch das Erfüllen von Aufgaben Erfahrungspunkte erhaltet. Dazu gibt es noch Fähigkeiten aus den Bereichen "Kraft" und "Akrobatik". Das Upgrade-System setzt auf Learning-by-doing: Indem wir viel rennen, springen und unter Hindernissen hindurchschlittern, verdienen wir Erfahrungspunkte im Akrobatik-Talentbaum. Für das Vermöbeln der allgegenwärtigen Zombies schreiten wir in Sachen Kraft voran.
Das entpuppt sich als eine äußerst motivierende Mechanik, weil wir so ständig Belohnungen erhalten. Statt dem gefürchteten Grind vieler (Online-)Rollenspiele erwartet uns eine organische Auflevel-Mechanik, bei der wir quasi nebenbei immer stärker und agiler werden. Es macht dadurch gerade zu Anfang einen irren Spaß, die offene Spielwelt mit dem akrobatischen Protagonisten zu navigieren und unterwegs die Rübe von ein paar Zombies einzudreschen. Auf Dauer verliert der montone Spielablauf aber an Faszination.
Finster war's, der Mond schien helle
Dying Light setzt auf einen dynamischen Tag-Nacht-Wechsel. Sobald die Sonne untergeht, wird es auf den Straßen der beiden frei begehbaren Spielgebiete von Dying Light ungemütlich. Nachts treiben sich nicht nur deutlich mehr normale Zombies als tagsüber herum; sogenannte Schattenjäger suchen zudem aktiv nach dem Spieler, wenn er sich unvorsichtigerweise in ihr Sichtfeld begibt. Weil diese Spezialgegner genauso gut zu Fuß sind wie der Held und sogar an Wänden hochkraxeln, ist es ziemlich knifflig, die Verfolger wieder abzuhängen. Daher ist es schlauer, im Dunkeln leise herumzupirschen und die Nacht zumindest anfangs zu meiden.
Quelle: PC Games
Die Schattenjäger sind nachts unterwegs und verfolgen uns hartnäckig.
Zwei Umstände sprechen dagegen: Erstens laufen einige Missionen bei Nacht ab und zweitens gibt es in der Finsternis für alle "Kraft"- und "Athletik"-Aktionen die doppelte Punktzahl. Ihr steigt also doppelt so schnell im Level auf. Ob einem diese Belohnung das Risiko wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Ein weiterer Anreiz: Wer die Nacht außerhalb designierter Sicherheitszonen verbringt, bekommt einen fetten "Überlebener"-XP-Bonus. Letztlich haben wir aber nur einen kleinen Teil der Spielzeit im Dunkeln verbracht. Da es keine nennenswerte Schleichmechanik gibt, ist das Vermeiden der Schattenjäger eher anstrengende Pflichtaufgabe als spannender Nervenkitzel. Die ersten paar Ausflüge nach Sonnenuntergang überzeugen zwar noch durch eine dichte Atmosphäre, die bedrohliche Soundkulisse und viel Adrenalin beim unvermeidlichen Sprint in Sicherheit. Doch bald schon hat man die rudimentäre KI der Gegner durchschaut und erforscht die Spielwelt lieber bei Sonnenschein.
Kasperletheater
Quelle: PC Games
Die Geschichte bleibt bis zum Ende klischeehaft und wenig mitreißend.
In Sachen Story reiht sich Dying Light souverän neben Zombie-Trash-Filmen der B-Klasse ein. Als Undercover-Agent helfen wir den Überlebenden der Seuche in Harran bei der Suche nach einem Heilmittel, zusätzlich angespornt dadurch, dass der Held selbst von einem Untoten gebissen wurde. Ein klischeehafter Bösewicht und künstlich vor der Kamera herumstaksende Figuren mit merklichem Uncanny-Valley-Effekt torpedieren die tollpatschigen Versuche der Entwickler, den Spieler durch ein paar (melo-)dramatische Situationen zu Tränen zu rühren. Zu beliebig sind die Dialoge, zu unglaubwürdig ist die Charakterzeichnung. Immerhin taugt die Geschichte als Vehikel für unseren Erkundungsdrang.
Sei der Zombie - theoretisch
Neben der Solokampagne bietet Dying Light auch eine Reihe von Multiplayer-Features. Bis zu vier Spieler können die Story Seite an Seite im Koop-Modus erleben. Auch bereits laufende Solo-Partien lassen sich nachträglich für andere Spieler öffnen. Die Koop-Partner spielen alle denselben Charakter, es gibt lediglich optische Unterschiede durch Outfits, die keinen spielerischen Vorteil liefern.
Quelle: PC Games
Im Mehrspielermodus lauern wir als ein besonders weniger Superzombie anderen Spielern auf. Ausprobieren konnten wir das bislang aber noch nicht.
Hinter dem Menüpunkt "Rollentausch" verbirgt sich für Besitzer des entsprechenden Vorbesteller-DLCs eine weitere Spielvariante. Darin seid ihr als Zombie unterwegs, der sich wie Tarzan an einer Liane durch die Spielwelt schwingt und in die Partien anderer Spieler eindringt - ein ähnliches Konzept wie bei den Invasionen von Dark Souls 2. Allerdings zwingt euch das Spiel bei einer dieser Invasionen in einen separaten Spielmodus, eine Variante von Domination. Dabei gilt es, Zombie-Nester zu vernichten beziehunsweise zu beschützen. Schöner wäre es gewesen, wenn man den Überlebenden in der offenen Spielwelt auflauern könnte. Wer auf diesen Modus keine Lust hat, kann die Invasionen übrigens komplett abstellen. Leider haben wir bei unseren Versuchen kaum Mitspieler für Rollentausch gefunden. Und wenn doch, scheiterte das Multiplayer-Spaß bislang an Verbindungsproblemen.
Stotternde Technik
Die PC-Version von Dying Light punktet mit durchdachten Menüs samt Maus-Unterstützung, einer frei belegebaren Steuerung, anpassbarem Sichtfeld (Field of View) und vielen Optionen, um die Grafikqualität anzupassen. Dummerweise ist die Performance stark abhängig von einem leistungsstarken Prozessor; Techland nutzt die Leistungsreserven mehrerer Kerne kaum, sondern verlangt vor allem nach jeder Menge roher Kraft. Siehe dazu auch den Technik-Check auf PCGamesHardware.de. Mittlerweile hat Techland auf die Probleme reagiert und ein Update veröffentlicht, das einige der Hänger beseitigt. Tipp für alle, die trotzdem keine 60 Fps schaffen: Sichtweite reduzieren!
Quelle: PC Games
Die Engine von Dying Light schafft es spielend, mehrere Dutzend Zombies gleichzeitig auf dem Bildschirm darzustellen.
Rein optisch macht Dying Light eine gute Figur. Die Lichteffekte beim Sonnenuntergang gehören zu den absoluten Höhepunkten. Aber auch die sich im Wind bewegende Vegetation und die vielfältigen Zombies, die bei Kontakt mit unseren Waffen in blutige Einzelteile zerfallen, wissen zu beeindrucken. Die Welt könnte aber ein paar mehr Besonderheiten vertragen: Sowohl die Slums mit ihren Wellblechhütten als auch die Altstadt samt Hotels und Parks verwenden viele ähnliche Elemente auf kleinem Raum; es riecht nach Copy & Paste. So sind es vor allem die Missionen und der Drang, die ganze Karte aufzudecken, die uns hinaus in die Welt locken. Herausstechende Sehenswürdigkeiten suchen wir vergebens, alles sieht irgendwie gleich aus. Dazu kommen zahllose Klon-NPCs mit stoischen Gesichtsausdrücken.
Kleine Bugs trüben den Spielspaß, so konnten wir im Test zwei Mal nicht mehr mit Gegenständen und Personen interagieren. Ein Neustart aus dem Hauptmenü schaffte Abhilfe. Im Vergleich zu Techlands vorherigem Zombie-Actionspiel mit offener Spielwelt (das mit der Insel ^^) macht Dying Light aber einen weitaus ausgereifteren Eindruck.
Unser Fazit
Keine Frage: Dying Light ist extrem brutal und gehört nicht in Kinderhände. Aber es wäre unfair, Techlands Actionspiel auf diesen einen Aspekt zu reduzieren und es lediglich Zombie-Fans mit einem Faible für abgehackte Polygon-Arme und kompromisslose Nahkämpfe zu empfehlen. Als Open-World-Spiel stößt Dying Light zwar nicht in die Oberklasse der Marke Far Cry oder Skyrim vor, steht aber neben B-Ware wie Mittelerde: Mordors Schatten locker seinen Mann. Techland hat es geschafft, den Kern des Spielerlebnisses unterhaltsam und motivierend zu gestalten: Das flinke Manövrieren über Häuserdächer und durch zombieverseuchte Gassen ist ein großer Spaß, die stetigen Verbesserungen unseres Helden und seiner Ausrüstung motivieren. Mit mehr Abwechslung im Spielverlauf und den Kämpfen sowie einer besseren Geschichte wären höhere Weihen möglich gewesen.

Die geht sogar in Deutschland.
PCGames durch das neue Dragon Age wohl zu hart vorbelastet :-D
Von mir gibts 83 Punkte
Von mir gibts 83 Punkte