Dicke Drachen und Sex mit Schleimen: Die "Dungeons & Dragons"-Regisseure im Interview - Seite 2

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Special Christian Fussy - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Dicke Drachen und Sex mit Schleimen: Die "Dungeons & Dragons"-Regisseure im Interview - Seite 2
Quelle: Paramount Pictures

Wir haben Jonathan Goldstein und John Francis Daley, die Regisseure von Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben, sowie Produzent Jeremy Latcham in Berlin zum Interview getroffen. Wir reden mit den Kreativköpfen ausgiebig über den speziellen Tonfall des Films, Vetos von Wizards of the Coast und ihre Probleme mit "Cinematic Universes".

PCG: Es gab ja bereits den Versuch einer Verfilmung in den 2000ern, aber der war mehr oder weniger ernst. Wann haben sich Hasbro oder Paramount oder wer auch immer dazu entschieden, dass Comedy überhaupt der richtige Ansatz ist? Wie kam das zustande?

John Francis Daley: Ich glaube, in dem Moment, in dem wir letztendlich unseren Ansatz gepitcht haben. Die Tatsache, dass Humor und Schrulligkeit vorhanden ist beim D&D-Spielen, zumindest bei einer unterhaltsamen Kampagne, macht es frisch und lässt es herausstechen aus dem typischen High-Fantasy-Kram. Es gibt da draußen so viel Fantasy-Content. [Dieser Film] hat uns eine natürliche Möglichkeit geboten, die Lücke zwischen einem Genre, mit dem jeder vertraut ist und diesem lustigen, frischen Ansatz zu schließen.

Jeremy Latcham: Leute erwähnen dieses Found-Family-Thema als etwas, das wir schon gesehen haben. Aber wenn man sich eine D&D-Kampagne anschaut, ist das wirklich, was es ist. Du triffst dich mit einer Gruppe Freunden und gehst auf eine Quest und am Ende der drei Jahre, die du diese Quest spielst, werdet ihr zur Familie. Das ist deine De-Facto-Beratergruppe, deine Therapiegruppe, ihr trefft euch miteinander und lacht jeden Samstag für drei Stunden. Es ist sehr natürlich, dass das Found-Family-Ding am Ende das ist, worum es im Film geht. Das ist, worum es bei D&D geht. Das ist der Geist davon.

Klassen, Männer, Frauen und NPCs

PCG: Was wirklich erfrischend ist, ist, dass Michelle Rodriguez' Charakter und ihre Beziehung zu Chris Pine das Herz des Films ist, es sich aber nicht um eine romantische Beziehung handelt.

John Francis Daley: Richtig! Das war definitiv die Intention, diesen neuen Blick auf eine Beziehung zwischen Mann und Frau zu haben. Sie ist keinesfalls romantisch, komplett platonisch und was auch spaßig ist, ist, dass sie komplett verschieden sind. Ihre Persönlichkeiten und ihr Weltbild ähneln sich kein bisschen, aber das hält sie nicht davon ab, beste Freunde zu sein.

Holga (Michelle Rodriguez) und Edgin (Chris Pine) als Gefangene in Dungeons and Dragons: Ehre unter Dieben. Quelle: Paramount Pictures PCG: Wie habt ihr die Auswahl getroffen, welche verschiedenen Rassen und Klassen ihr in der Hauptgruppe repräsentieren wollt?

Jonathan Goldstein: Wir wollten eine diverse Gruppe, die reflektiert, was für eine Party du auch im Spiel hast. Wir wollten verschiedene Fähigkeiten, verschiedene Stärken und Schwächen. Nicht jeder sollte ein Magienutzer sein. Jemand sollte das physische Kämpfen übernehmen können, auf eine coole Art. Es hat sich so einfach angeboten.

Der Paladin, Regé [Jean Page] bot einen guten Kontrast zu unserer Kerngruppe, weil die aus Außenseitern besteht. Und dieser Typ ist ein Superheld.

John Francis Daley: Xenk repräsentiert den traditionellen Fantasy-Charakter. Es ist immer spaßig, das zu kontrastieren mit unserer Gruppe Deppen.

Jeremy Latcham: Wenn du eine Kampagne startest, willst du ja auch nicht, dass das Team nur aus jedermanns Level-20-Charakter besteht und alle sind super badass. Das ist weniger unterhaltsam. Du willst sie am Anfang ihres Fähigkeitenlevels sehen. Du willst sehen, wie Simon (Justice Smith) auflevelt.

PCG: Basiert das auf einer echten Erfahrung? Dass ihr D&D gespielt habt und dann kam jemand mit seinem Level-20-Charakter an und half euch aus?

John Francis Daley: Er könnte zwei verschiedene Dinge repräsentieren. Entweder er ist, wie du sagst, der Typ, der alles super ernst nimmt und humorlos ist, aber auch unglaublich begabt. Oder er ist ein NPC, den der Dungeon Master kreiert hat.

Jeremy Latcham: Ich mag die Idee, dass er jemandes extrem hübscher Freund ist, der für eine Weile dachte, er will D&D spielen. Und dann hat er sich umentschieden, stattdessen Basketball am Samstag zu spielen. Aber für drei Wochen war er voll dabei (lacht).

Dungeons and Dragons: Ehre unter Dieben Quelle: Paramount

Fehler Kino-Universum: "Ein Film ist keine Pilotfolge für eine TV-Serie"

PCG: Wenn ihr jetzt anfangen würdet, an einer Fortsetzung zu arbeiten, was wären die Elemente, die ihr unbedingt einbauen wollen würdet, die wir bisher nicht gesehen haben?

John Francis Daley: Wir wissen es nicht. Wir haben uns noch überhaupt keine Gedanken über eine Fortsetzung gemacht. Nicht, weil wir abergläubisch sind, sondern weil wir all unsere Aufmerksamkeit und Energie in diesen Film gesteckt haben. Es war ein vierjähriger Prozess und wie Jeremy immer sagt: Sehr oft spannen Filmstudios den Pflug vor den Ochsen und denken über Filme in einem Makro-Sinn. Sie wollen ein Kino-Universum erschaffen. Das ist ein Fehler. Du verlierst aus den Augen, woran du eigentlich arbeiten solltest.

PCG: Es gab keinen Sequelbait und keine offenen Handlungsstränge. Der Film war einfach wie ein Film.

John Francis Daley: (lacht) Ja. Wie ein echter Film. Er ist keine Pilotfolge für eine TV-Serie.

Jeremy Latcham: Selbst die Szene am Ende ist darauf ausgerichtet, auf den Film selbst anzuspielen. Sie bricht die vierte Wand wahrscheinlich am ehesten im gesamten Film. Wir wollten einfach einen Film machen, der Leute unterhält und sie hoffentlich daran erinnert, warum sie ins Kino gehen. Um eine gute Zeit zu haben, nicht um für die nächsten zwanzig Jahre ihres Lebens Übersicht über eine Kontinuität zu behalten.

PCG: Es hat eine gewisse Ironie, dass ihr bei einem großen Franchise wie D&D, das endlose Möglichkeiten bietet, sagt: Nein, wir machen nur das.

Jeremy Latcham: Wir wollten mal ein bisschen Zurückhaltung zeigen und einfach einen Film machen. Ich glaube, das Schwere daran, einen solchen Film zu vermarkten ist, dass wir in einer Welt leben, in der alles eine Fortsetzung ist. Es gibt John Wick 4 und Shazam 2 und Ant-Man 4. Alles ist heutzutage ein Sequel. Wir hatten die Schwierigkeit im Marketing, Leute dazu zu bewegen, für einen ersten Teil zu erscheinen. Sie sind so gewohnt daran, immer und immer wieder zu der gleichen Story zurückzukehren. Marketing hatte die Sorge: Wie beginnen wir diese Story und erzählen Leuten, worum es geht? Der Film ist schwer zu vermarkten. Schlussendlich ist es nur ein charaktergetriebenes Stück über Freundschaft. Eine sehr simple Story.

Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben Quelle: Paramount Pictures John Francis Daley: Das ist einer der Gründe, warum wir alle diese frühen Screenings machen. Wir wollen, dass es sich rumspricht. Der eigenartige Tonfall, den man gesehen haben muss. Außerdem ist es ein Vertrauenszeichen vom Studio. Wir haben etwas gemacht, das anders ist und hoffentlich bei Leuten ankommt, die es sehen.

PCG: Gab es dieses Vertrauen von Anfang an oder gab es Momente, bei denen ihr verhandeln musstet. Wollte das Studio ursprünglich, dass ihr bestimmte Szenen einbaut?

Jonathan Goldstein: Weniger Szenen, mehr Tonfall. Einige Leute beim Studio waren besorgt, dass ein Joke an einer bestimmten Stelle die Bereitschaft des Publikums untergraben könnte, sich in die Geschichte und ihre Gefahren hineinzuversetzen. Wir waren der Meinung, man könne ein Gleichgewicht aus beidem herstellen. Leute werden sich trotzdem noch für die Reise interessieren, auch wenn sie über etwas lachen.

John Francis Daley: Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Sie haben uns den Film machen lassen, den wir essenziell machen wollten. Klar gab es Schlachten auszutragen, wie bei jeder Produktion. Aber sie haben uns so weit vertraut, dass der Geist des Filmes durchscheint. Wir holen weit aus.

Jeremy Latcham: Wie Jonathan sagt, es war der Tonfall. Zum Beispiel [die Szene] im Underdark. Es gibt viel Humor, während wir von einem Drachen verfolgt werden. Der Drache selbst ist auch recht humorvoll [inszeniert]. Die Sorge war, dass das zu affig wird. Aber ich denke, wenn du alles zusammen siehst und die Effekte so real und der Drache so gefährlich wirken, auch wenn er albern aussieht, versetzt du dich noch in die Bedrohung hinein, der unsere Helden ausgesetzt sind. Das ist etwas, für das wir sehr hart gekämpft haben. Den Spaß am Leben zu erhalten. diese Figuren zu behalten und sie nicht zu Superhelden zu machen.

PCG: Der Drache stammt auch direkt aus der Lore. Seid ihr da einfach draufgestoßen?

John Francis Daley: Wir hatten immer eine Idee, wie wir uns den Drachen vorgestellt haben, was er repräsentieren soll. Als wir dann nach Seattle gegangen sind und mit den Lore-Meistern gesprochen haben, sagten sie: Oh, es gibt einen Drachen in der Lore namens Themberchaud, der zu der Beschreibung passt, die ihr sucht. Das ist ein Beleg dafür, wie ausgebaut diese Welt ist.

Jeremy Latcham: Themberchaud lebt normalerweise auch nicht dort, wo wir ihn im Film vorfinden. Das wird aber in den Dialogen angesprochen. Wenn Regé sagt: Er muss einen neuen Hort gefunden haben. Es wurde bedacht, dass Themberchaud nicht da ist, wo er normalerweise wäre.

John Francis Daley: So lange es nicht zum Nachteil des Film selbst oder seines Unterhaltungswerts passiert, versuchen wir uns so getreu wie möglich an die Regeln und die etablierte Lore zu halten.

PCG: Gibt es noch andere Gesellschaftsspiele, aus denen ihr gerne einen Film machen würdet?

Jonathan Goldstein: (lacht) Scharade. Wir machen einen Scharade-Film.

"Dungeons and Dragons: Ehre unter Dieben" läuft seit dem 30. März 2023 in den deutschen Kinos. Neben Chris Pine ("Star Trek") als Edgin sind Michelle Rodriguez ("Fast & Furious") als Holga, Sophia Lillis ("Es") als Doric, Justice Smith ("Pokémon: Detektiv Pikachu") als Simon und Regé-Jean Page ("Bridgerton") als Xenk als Abenteurer zu sehen. Die Rolle des schurkischen Widersachers übernimmt Charmebolzen Hugh Grant.

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