Dungeons & Dragons: Dark Alliance im Test: Chaotisch, nicht unbedingt gut
Mit Dungeons & Dragons: Dark Alliance will Wizards of the Coast einen geistigen Nachfolger zu den damals von Snowblind Studios entwickelten Konsolenkloppern Baldur's Gate: Dark Alliance 1 & 2 erschaffen und zudem an moderne Trends anschließen. Gelingt die Neuinterpretation der Reihe?
Als Baldur's Gate: Dark Alliance Anfang der 2000er für Xbox, GameCube und Playstation 2 erschien, zeigte sich die Fachpresse beeindruckt vom flotten Gameplay und vor allem den Wassereffekten der neuen Snowblind-Engine. Viele Fans des Franchise waren jedoch auch ein bisschen ernüchtert, dass es sich bei dem Ableger nicht um ein klassisches Rollenspiel handelte, sondern um ein Action-RPG nach Art von Diablo. Seine Anhänger fand Dark Alliance trotzdem. Und diese haben nun möglicherweise das gleiche Gefühl gegenüber Dungeons & Dragons: Dark Alliance, dem jüngst erschienenen geistigen Nachfolger zur Reihe. Der verlegt das Hack&Slash-Gameplay in die Third-Person-Ansicht und hat außer der Möglichkeit, die eigene Figur ab und an aufzuleveln, nur noch wenig mit Blizzards richtungsweisendem Monster-Gekloppe gemeinsam.
Auf dieser Seite
Wie viel Dark Alliance steckt in D&D: Dark Alliance?
Quelle: Wizards of the Coast
Nach einem Stufenaufstieg könnt ihr Attributspunkte auf die klassischen D&D-Werte verteilen.
Das Spielprinzip bedient sich vielmehr an der Koop-Action eines Warhammer: Vermintide: Ihr wählt eine von vier Figuren, ein Level und einen Schwierigkeitsgrad und kämpft euch durch ein Areal bis zum Bossgegner durch. Jeder Charakter verfügt über genau einen Waffentyp, verschiedene Attacken und Startwerte.
Unterwegs findet ihr Waffen, Schmuck und Rüstungsteile mit unterschiedlichen Seltenheitsstufen. Diese wandern allesamt in eure Beutetruhe im Lager und bekommen beim Öffnen diverse Werte und Eigenschaften zugewiesen, die zu eurer gerade ausgewählten Figur passen. Danach könnt ihr sie anlegen, verkaufen oder mit gefundenen Materialien verbessern. Außerdem gibt es in den Levels Sammelobjekte zu finden und Nebenquests zu erledigen, die euch bei der Auswertung einen Erfahrungsbonus verleihen.
Im Kampf könnt ihr leichte und schwere Attacken sowie zwei Zaubersprüche ausführen, die sich von Figur zu Figur unterscheiden. Jede Attacke kostet Ausdauer und kann daher nicht beliebig oft hintereinander ausgeführt werden. Ist eure Ausdauer nämlich erschöpft, werden eure Aktionen langsam und ineffektiv und ihr zum leichten Ziel für feindliche Angriffe.
Quelle: Wizards of the Coast
Die Zielfunktion hatte in unserem Spieldurchgang zahlreiche Aussetzer und sollte definitiv noch überarbeitet werden.
Drückt ihr den rechten Stick, könnt ihr damit einen bestimmten Gegner anvisieren, mit L2 zielt ihr hingegen manuell. Mit dem unteren Knopf wird gesprungen, mit dem rechten könnt ihr ein Ausweichmanöver durchführen. Links aktiviert ihr Hebel und sammelt Gegenstände ein und auf dem oberen Button liegen die Zaubersprüche. Über das Steuerkreuz lassen sich Gegenstände wie Granaten oder Heiltränke auswählen.
Die Stärke der Gegner lässt sich zu Beginn eines jeden Levels einstellen. Die Empfehlung richtet sich nach eurem Heldenlevel, also einer Summe aus verschiedenen Werten eurer Figuren. Je stärker die Gegner eingestellt sind, desto mehr Erfahrung gibt es. Spätere Level bringen nicht zwangsweise mehr Erfahrung oder bieten stärkere Gegner, nur unterschiedliche Gegnertypen und Bosse.
Wie viel D&D steckt in D&D: Dark Alliance?
Die vier Figuren, aus denen ihr wählen könnt, wurden der Buchreihe The Legend of Drizzt von R.A. Salvatore entnommen. Neben Titelfigur Drizzt Do'Urden, einem Dunkelelf mit zwei Säbeln, der bereits in den Baldur's Gate: Dark Alliance-Spielen als freischaltbarer Charakter verfügbar war, gibt es noch die Möglichkeit, als Bogenschützin Catti-brie, Zwerg Bruenor Heldenhammer und Barbar Wulfgar in die Schlacht zu ziehen. Jede Figur kann bei Levelaufstieg mit Attributspunkten und Talentpunkten verbessert werden, die unter anderem die Ausdauerregeneration, den Schadenswert und die Abklingzeit eurer Zaubersprüche beeinflussen. Außerdem gibt es einen separaten Kampftechniken-Baum, wo ihr mit gefundenem Geld neue Manöver freischalten könnt.
Die Charaktergestaltung ist sehr oberflächlich gehalten und auch das Aussehen eurer Figur kann nicht beeinflusst werden. Ihr könnt lediglich gegen Geld unterschiedliche Skins für eure Rüstungen und Waffen erwerben. Eine Rollenspielkomponente im klassischen Sinne, also die Möglichkeit, Einfluss auf die Entscheidungen eurer Figuren zu nehmen, gibt es nicht. Bis auf die Namen der Monster und Charaktere hat Dark Alliance allgemein nicht sonderlich viel mit dem Tabletop-Rollenspiel gemeinsam. Selbst die Zauber und Angriffe haben nicht dieselben Namen oder Effekte wie im Regelwerk, sondern sind generische, extra für dieses Spiel entwickelte Fähigkeiten.
Auch die Story entstammt keinem Roman oder offiziellen Abenteuer, sondern ist vielmehr ein loses Gerüst, das die einzelnen Level sehr rudimentär miteinander verbindet. Spannende Lore oder gar eine emotionale Grundlage bietet das jedoch absolut nicht.
Geteiltes Leid ist halbes Leid
Nachdem wir jetzt geklärt haben, was D&D: Dark Alliance ist bzw. nicht ist, kommen wir zu dem, was am Ende als einziges zählt: Wie gut ist das neue Spielprinzip umgesetzt und macht das Ganze Spaß? Die Antwort hängt auch stark davon ab, ob ihr euch allein oder mit Freunden in den Kampf stürzt. Statt wie in Vermintide Bots zur Seite gestellt zu bekommen, wenn ihr nicht Teil einer Gruppe seid, müsst ihr in Dark Alliance im Solomodus nämlich tatsächlich allein losziehen, was sich als extrem frustrierende Angelegenheit herausstellt und klar enthüllt, in welchen Bereichen das Spiel schlicht nicht fertig ist.
Quelle: Wizards of the Coast
Ein Klassiker: Der Gegner will mit dem Kopf durch die Wand
So reagieren die Gegner nur extrem oberflächlich auf die Spielfiguren und es ist teilweise möglich, ganze Horden aus der Ferne mit Bogen und Wurfmesser zu erledigen, ohne dass ein Monster überhaupt eure Anwesenheit bemerkt. Selbst direkt anvisierte und attackierte Feinde bleiben oft statisch in der Gegend stehen und machen keine Anstalten, euch entgegenzugehen oder zu verfolgen. Stürzt ihr euch hingegen mitten ins Getümmel, wird das Spiel schnell extrem unübersichtlich. Wollt ihr den Gegner anvisieren, der sich in der Mitte eures Blickfelds befindet, geht das meist noch relativ unproblematisch, es kann jedoch sein, dass die Funktion erst funktioniert, wenn ihr eine gewisse Distanz zu eurem Ziel überbrückt habt. Habt ihr den Kontrahenten dann aber erledigt, springt die Markierung entweder unwillkürlich herum als sei sie von einem bösen Kobold besessen oder ihr müsst sie gänzlich neu aktivieren. Das sorgt besonders dann für Frust, wenn ihr allein unterwegs seid und sich ohnehin alle Gegner nur auf euch konzentrieren und von sämtlichen Seiten gleichzeitig angreifen.
Wir haben außerdem des Öfteren bemerkt, dass Eingaben vom Spiel nicht registriert wurden. So wurden manche Sprünge nicht ausgeführt, Pfeile nicht geschossen oder Rettungs-Aktionen nicht gestartet, was im besten Fall zu einem unangenehmen Spielgefühl und im schlimmsten Fall zu einem verfrühten und extrem mit Frust behafteten Ableben führen kann. Im Solomodus bedeutet das, dass ihr nach einem Countdown zum Anfang des Levels zurückgesetzt werdet und die Strecke zu eurem aktuellen Questziel erneut laufen müsst, was sich jedes einzelne Mal angefühlt hat wie die Höchststrafe. Im Koop-Modus ereilt euch dieses Schicksal nur, wenn alle Mitglieder einer Gruppe gefallen sind und sich niemand mehr gegenseitig aufhelfen kann.
Für Solisten ist D&D: Dark Alliance ein echter Graus und das kann man wirklich nicht anders sagen. In der Gruppe sind die erwähnten Probleme dann natürlich ebenfalls vorhanden, fallen aber nicht mehr ganz so schwer ins Gewicht. Schon eine einzige zusätzliche Person kann den Unterschied machen zwischen haarsträubendem Elend und milder Unterhaltung.
Quelle: Wizards of the Coast
Kämpfe sind häufig unübersichtlich. Blöd, wenn dann auch noch Bugs wie ein nicht verschwinden wollender "Klettern"-Promt dazukommen.
Langweilige Dungeons & zu wenige Dragons
Auch wenn am Launchtag noch kaum andere Spieler unterwegs waren, gelang es uns einmal, tatsächlich eine Vierergruppe zusammenzubekommen, was das Erlebnis deutlich aufwertete. Trotzdem vermitteln die Bugs und einige ärgerliche Designentscheidungen den Eindruck, dass dieses Spiel einfach noch nicht bereit zur Veröffentlichung war.
Quelle: Wizards of the Coast
Fallen, Gruben und Oberflächen können Elementarschaden verursachen. Am nervigsten stellte sich bei unserer Spielerfahrung Gift heraus, das die Lebensleiste im Nullkommanix aufbraucht.
Viele Levels wirken lieblos zusammengeschustert und uninteressant, die Statuseffekte, die von Gift, Feuer, Eis und diversen Buffs und Debuffs ausgelöst werden, benötigen Balancing und die Gegnertypen ähneln sich vor allem in den anfänglichen Gebieten genauso wie die immer gleichen Plateaus, auf denen die Kämpfe ausgetragen werden. Spezielle Herausforderungen, Belohnungen oder neuer Content fürs Endgame wie in Vermintide oder Left 4 Dead könnte natürlich immer nachgeliefert werden, so wie das Spiel jetzt aussieht, sorgt es allerdings höchstens für ein-zwei komplette Durchgänge für Unterhaltung. Vorausgesetzt, man hat eine feste Gruppe auf Abruf und ist nicht darauf angewiesen, mit Fremden zu spielen. Selbst dann ist der Kaufpreis von rund 40 Euro allerdings nicht gerechtfertigt.
Auch, wenn das Konzept an sich nicht schlecht ist, das Loot-System ganz gut funktioniert und dankenswerterweise zumindest auf Mikrotransaktionen jeglicher Art verzichtet wurde, wird in Dungeons & Dragons: Dark Alliance (jetzt kaufen ) einfach zu wenig geboten. Die KI muss grundsätzlich überarbeitet werden, die Charakterentwicklung benötigt mehr Möglichkeiten zur Individualisierung, mehr spaßige Talente und Kombos und die zahlreichen Bugs müssen zwingend ausradiert werden, bevor hier eine Empfehlung ausgesprochen werden kann.

Ich habe mehr den Eindruck eines klassischen 6(0) von 10(0)-Spiels: solide Durchschnittskost ohne gröbere Fehler aber eben auch keine besonderen Stärken. Als Action-Happen für Zwischendurch scheint mir Dark Alliance bis jetzt jedenfalls durchaus zu taugen - zumindest im Gamepass...
Wäre doch jetzt auch kein Hindernis mehr gewesen das Spiel mal zu starten, um sicher sein zu können, ob es für dich was taugt oder nicht, hat dich doch nicht einmal Geld gekostet.
Wäre doch jetzt auch kein Hindernis mehr gewesen das Spiel mal zu starten, um sicher sein zu können, ob es für dich was taugt oder nicht, hat dich doch nicht einmal Geld gekostet.