Deus Ex: The Fall im Test - Der kleine, hässliche Bruder von Human Revolution - Update mit Testvideo
Ist The Fall ein neues, richtiges Deus Ex? Nein, nur die PC- und Konsolen-Adaption eines lauwarmen Human Revolution-Aufgusses für Tables und Smartphones. Unser Test des Schleich-Rollenspiels deckt alle eklatanten Schwächen von Deus Ex: The Fall auf und verrät euch, warum auch beinharte Deus Ex-Fans lieber davon Abstand nehmen sollten, mit Protagonist Benjamin Saxon den Trip zurück in die Cyberpunk-Zukunft zu wagen.
Deus Ex: The Fail. So würde die PC-Umsetzung des 2013 für iOS- und Android-Geräte veröffentlichten Deus Ex-Ablegers The Fall (zu Deutsch, treffenderweise: der Absturz) in einer perfekten Welt heißen, in der Hersteller dazu gezwungen wären, ihre Produkte transparent und ehrlich zu betiteln. Oder auch: The Moneymaker. Oder: The Bad Human Revolution. Was letztes Jahr auf mobilen Plattformen eine beachtliche technische Leistung darstellte, ist am Heimrechner nämlich nur noch ein erbärmlicher Versuch, mit möglichst geringen Aufwand aus dem Deus Ex-Markennamen Kapital zu schlagen. Überraschen sollte das eigentlich niemanden, denn im Gegensatz zum hervorragenden dritten Deus Ex-Teil Human Revolution stammt The Fall nicht von Serien-Entwickler Eidos Montreal, sondern vom Mobil-Spezialisten N-Fusion.
Ein Mini-Deus Ex
Quelle: PC Games
Im Kampf habt ihr immer die Wahl zwischen tödlichen und betäubenden Angriffen.
Als Spiel für iOS und Android stach The Fall 2013 aus dem Meer lieblos zusammengeklatscher Spiele-Software heraus: Im Grunde handelt es sich bei dem Action-Rollenspiel um den kleinen Bruder von Human Revolution. The Fall verwertet Cyberpunk-Szenario, Waffen, Grafik-Design (goldene Farbtöne überwiegen) und sogar den Soundtrack des Originals wieder. Auch am Spielprinzip hat sich nicht viel geändert: Aus der Ego-Perspektive marschiert ihr durch mehrere Hub-Levels mit Zivilisten, Auftraggebern, versteckten Gegenständen und feindlich gesinnten Wächtern. Eure Missionen erfüllt ihr, wie ihr es für richtig haltet: Je nach eigener Vorliebe schleicht ihr unbemerkt an Gegnern vorbei, schaltet sie im Nahkampf aus, ballert mit Schrotflinte und Maschinenpistole um euch, kriecht durch Lüftungsschächte, hackt Türschlösser, schaltet Kameras ab oder polt Wachroboter um, die fortan auf eurer Seite kämpfen.
In diesen Kernkompetenzen macht The Fall eine durchweg gute Figur. Obwohl das Leveldesign nicht an Human Revolution herankommt und man sich viel zu oft durch enge, graue Ventilationsschächte zwängt statt etwa über Dächer zu sprinten oder Feuerleitern zu erklimmen, gibt es dennoch jede Menge unterschiedlicher Pfade durch die Umgebungen. Von Anfang an stoßt ihr beim Spielen auf schwere Objekte, die euch den Weg versperren, oder Türschlösser mit hoher Hacking-Stufe, vor denen euer Protagonist mit seinen bescheidenden Programmierfähigkeiten vorerst kapitulieren muss. Doch wie in Human Revolution verdient ihr durch das Erfüllen von Aufträgen und das Ausschalten von Feinden sowie das aufmerksame Durchforsten zahlloser Geheimverstecke Praxispunkte. Damit dürft ihr euren Charakter nach Belieben formen: In The Fall stehen dieselben Augmentationen wie in Human Revolution zur Auswahl. Mit den richtigen Skills macht ihr euch etwa für kurze Zeit unsichtbar oder legt euch ein paar mechanische Muckis zu, um durch das Verschieben schwerer Kisten neue Routen zugänglich zu machen.
Quelle: PC Games
Feuergefechte sind potenziell tödlich, erst durch Panzer-Upgrades verträgt der Protagonist mehr als drei Treffer.
Das Erfahrungspunktesystem belohnt überlegtes Vorgehen: Wer sich blindwütig durch die Levels ballert, bekommt weniger XP als intelligente Schleicher, die Feinde durch Takedowns ausschalten und sie nur schlafen legen statt auf tödliche Gewalt zu setzen. Allerdings sammeln halbwegs begabte Spieler innerhalb der mit fünf Stunden Spielzeit nicht allzu umfangreichen Solo-Kampagne von The Fall automatisch derart viele Praxispunkte, dass sie gegen Ende einen begabten Allround-Charakter an der Hand haben. Durch den grundsätzlich sehr niedrigen Schwierigkeitsgrad (es gibt nur eine Stufe) mäht man sich dadurch irgendwann sehr fix durch die Reihen der Widersacher, erst recht wenn man Erfahrung mit dem deutlich anspruchsvolleren Human Revolution vorzuweisen hat. Davon unabhängig kommt trotz sich ins Nichts auflösender Feinde, die ihr nicht mehr in dunkle Ecken zerren müsst, gelegentlich der alte Nervenkitzel beim Schleichen auf, wie man ihn vom großen Vorbild kennt. Zusammen mit durchdachten, aus der Vorlage übernommenen Features wie dem vielschichtigen Hacking-Minispiel, dem Deckungssystem oder den modifizierbaren Schießeisen rettet das The Fall vor dem Absturz in Wertungsregionen unter der magischen 50-Punkte-Grenze.
Lieblose PC-Umsetzung
Quelle: PC Games
In Dialogen ist selten Überzeugungsarbeit nötig.
Das bedeutet aber nicht , dass sich die Entwickler von Deus Ex: The Fall nicht reichlich Mühe gegeben hätten, um eben jene Grenze zu unterschreiten. Obwohl, wenn wir darüber nachdenken, hat sich N-Fusion tatsächlich keinerlei Mühe gegeben - zumindest nicht mit der Portierung des Titels für den PC. Das fängt bei den Menüs an, die nicht perfekt auf Maus- oder Gamepad-Eingaben abgestimmt sind. So wirkt etwa die Schnellauswahl von Waffen, Granaten und Verbrauchsgütern, die Energie und Gesundheit des Helden aufladen, unnötig kompliziert. Die Benutzeroberfläche orientiert sich zwar optisch am Look von Deus Ex: Human Revolution, nervt aber mit einem arg begrenzten Blickfeld, zu großen Anzeigen und einer am rechten Bildschirmrand eingeblendeten Waffe, die beinahe ein Viertel des Bilds einnimmt. Nebenbei lässt sich die vorgegebene Tastenbelegung auch nicht verändern. Herrje nochmal ...
Schwerer als diese kleinen Störfaktoren wiegen jedoch die Probleme mit dem Speichersystem. The Fall speichert automatisch an bestimmten Checkpoints, zusätzlich lässt sich der Spielstand im Menü sichern. Dabei gibt es aber weder eine praktische Quicksave-Funktion noch mehrere Speicherstände: Wer den Spielstand manuell sichert, überschreibt den automatischen Speicherpunkt. Warum das ein Problem ist? Weil The Fall im Test mehrmals unter einem unsäglichen Bug litt, der den neuesten manuellen Speicherstand ignorierte und uns beim Laden stattdessen an eine zuvor bereits gemeisterte Stelle zurückversetzte. Einmal verschwanden im Rahmen dieses Ereignisses sogar alle Gegner aus einem Levelabschnitt. Wir konnten zwar weiterspielen, trotzdem sind derartige Bugs natürlich unentschuldbar. Besonders Schleich-Fans müssen in The Fall aufgrund der inkonsistent handelnden, manchmal argusäugigen, manchmal dümmlichen KI-Gegner öfter einen älteren Spielstand laden. Wenn das dann nicht wie gewünscht funktioniert, ist Frust programmiert.
Quelle: PC Games
Die Takedowns werden von hässlichen Clipping-Fehlern geplagt.
Beim Betrachten der begleitenden Screenshots dürfte es euch schon aufgefallen sein: The Fall sieht mau aus. "Auch das noch", möchte man seufzen. War Human Revolution 2012 schon kein Wunderwerk der Technik, weckt der für PC umgesetzte Mobile-Ableger Erinnerungen an das allererste Deus Ex aus dem Jahr 2000! Besonders die Gesichter der 3D-Figuren sehen übel aus: Abgesehen von den aus Human Revolution übernommenen Modellen der Hauptbösewichter und - mit Abstrichen - dem Protagonisten besitzen alle Charaktere furchtbar eckige Visagen. Bei einigen Gesichtszügen lassen sich sogar die Polygone einzeln zählen, die ein oder andere Drogenabhängige in den Slums sieht mit ihrer unnatürlich breiten Nase aus wie ein außerirdisches Wesen. Dass einem diese hässlichen Charaktermodelle dann auch noch dank der Klon-NPCs in vielfacher Ausführung über den Weg laufen, macht die Sache auch nicht besser. Dazu kommt die durch die Bank niedrige Texturqualität.
Ebenfalls unschön: Die Hände des Protagonisten in der Ego-Perspektive und die Animationen bei den aus Third-Person-Sicht gezeigten Nahkampf-Takedowns. Bei jenen Special-Moves kommt es zudem auch immer wieder zu auffälligen Clipping-Fehlern: Die Kamera gleitet durch Wände oder Gegner fallen durch feste Objekte hindurch. Technisch fehlt Deus Ex: The Fall nicht viel zur Katastrophe. Immerhin läuft das Spiel flüssig und die Anzeigefehler nerven lediglich Ästheten.
Quelle: PC Games
Im Item-Shop kauft ihr für Spielgeld neue Ausrüstung.
Ein weiteres unerfreuliches Kapitel in der Mär von der hochwertigen HD-Portierung des Mobile-Spiels ist der Item-Shop. Auf Tablets und Smartphones bot Square Enix darin zahlungswilligen The Fall-Spielern die Möglichkeit, Schießeisen, Munition, Waffen-Mods oder sogar Praxispunkte gegen echtes Geld zu erwerben. Gute Nachrichten: Für die Umsetzung auf PC, Playstation 3 und Xbox 360 hat Entwickler N-Fusion diese Mikrotransaktionen entfernt. Schlechte Nachrichten: Der Shop ist immer noch im Spiel enthalten und lässt sich mit verdienten virtuellen Credits füttern, was unheimlich albern wirkt. So könnt ihr auch mitten im finalen Kampf des Spiels fix einen Raketenwerfer kaufen, der wie aus dem Nichts im Inventar des Helden auftaucht. NPC-Händler gibt es in Deus Ex: The Fall nicht, alle Transaktionen laufen über den Item-Shop ab. Ein befremdliches Konzept, das die eigentlich gute Cyberpunk-Atmosphäre des Spiels torpediert.
Quelle: PC Games
Gegnertypen, Geschütze und Waffen wurden 1:1 aus dem großen Bruder Human Revolution übernommen.
Stimmiges Design, belanglose Story
Quelle: PC Games
Die aus Human Revolution bekannten Bösewichter spielen eine wichtige Rolle in The Fall.
Bei der Gestaltung seiner Spielwelt weist The Fall ebenfalls Parallelen zu Human Revolution auf, sowohl im Positiven wie im Negativen. Die Hub-Levels bieten somit einerseits eine Menge Raum zum Erkunden; an jeder Ecke findet sich eine verschlossene Garage oder ein Schließfach, in dem nützliche Gegenstände auf einen warten. In den Levels herumstehende NPCs wirken andererseits aber arg leblos und die Spielwelt macht einen statischen Eindruck - ganz wie beim großen Bruder. The Fall setzt aber noch einen drauf (oder eher drunter), denn spannende Nebenaufträge finden sich hier keine und die Entfernung der Sprungtaste (der Held kann lediglich über hüfthohe Hindernisse hinwegsetzen, wenn er zuvor dahinter in Deckung geht) knabbert an der Glaubwürdigkeit der Spielwelt. Trotzdem: Das futuristische Panama, in dem ihr euch in The Fall herumtreibt, versprüht über weite Strecken eine ordentliche Stimmung und erinnert Serienveteranen ständig auf positive Weise an das geliebte Detroit aus Human Revolution.
In Sachen Handlung gibt es ebenfalls Berührungspunkte mit dem letzten "richtigen" Deus Ex. Ihr schlüpft in die Rolle des Ex-Söldners Benjamin Saxon, der sich auf Panama zusammen mit der ebenfalls flüchtigen Anna Kelso vor den Tyrants versteckt, den aus Human Revolution bekannten Bossgegnern. Der Plot schließt an das Buch Deus Ex: Icarus Effect an und enthält einige nette Anspielungen für beinharte Serien-Fans. Allerdings merkt man The Fall schnell an, dass es ursprünglich lediglich als erste Episode eines größeren Handlungsrahmens konzipiert war: Die Geschichte kommt lange nicht in Fahrt und macht anfangs einen nahezu trivialen Eindruck, während Ben und Anna versuchen, Medikamente zu besorgen, um die Abstoßung ihrer Cyber-Implantate zu verhindern. Erst nach und nach zeigen sich die Ansätze einer Deus Ex-typischen Verschwörung, aber da ist das Spiel auch schon vorbei: Nach fünf Stunden verlässt Ben Panama, um dem Hauptquartier der vermuteten Bösewichter einen Besuch abzustatten.
Quelle: PC Games
Ein paar hübsche Örtlichkeiten gibt es in The Fall auch. Die Cyberpunk-Atmosphäre wird größtenteils gut transportiert.
Einen befriedigenden Schluss gibt es nicht, auf die Auflösung müsst ihr wohl ewig warten. Die zweite Episode von The Fall erschien nämlich trotz gegenteiliger Ankündigungen nie für mobile Endgeräte. Der Cliffhanger, mit dem das Spiel endet, entfaltet übrigens allenfalls nach Lektüre des Buches seine volle Wucht: Zu blass bleiben die Charaktere über die gesamte Spielzeit, zu profillos wirkt Protagonist Ben. Es fällt schwer, für diesen Mann Sympathie oder Mitgefühl zu empfinden, schwerer als für Adam Jensen, die leidgeprüfte Hauptfigur von Human Revolution. Das mag vielleicht auch an Saxons Stimme liegen, denn die ausschließlich englischen Sprecher (deutsche Untertitel sind enthalten) liefern eine durchwachsene Leistung ab. Sie hadern aber auch zweifellos mit dem schwachen Skript und den belanglosen, langweilig geschriebenen Dialogen. In diesen Gesprächen gibt es im Vergleich zu Deus Ex: Human Revolution deutlich weniger Möglichkeiten, wichtige Entscheidungen zu treffen - auch das Überzeugen von Gesprächspartnern per Pheromonen spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Das passt: The Fall ist nunmal nur ein abgespecktes Mini-Deus Ex.
Deus Ex: The Fall ist am PC ausschließlich über Steam verfügbar und kostet rund zehn Euro. Den gleichen Preis ruft Publisher Square Enix für die Konsolenversionen auf den Online-Marktplätzen von Xbox 360 und Playstation 3 auf.

Nochmal zum Spiel: Wie gesagt, ueber die meisten Technischen Schnitzer koennte ich hinwegsehen (auch wenn diese eine Frau schon krass aussieht), die unfertige Story laesst mich aber dann doch zurueck schrecken.
Herrlich Zynisches Auseinandernehmen von dem ... DING
das passt auch irgendwie besser für sowas, besser als das Video zu Rambo
Nachdem ich hoerte, dass the Fall auf dem Smartphone ziemlich gut war hatte ich doch tatsaechlich auf einen neten PC-Snack fuer zwischendurch gehofft. Leider sieht es ja nun nicht danach aus und das ist wirklich schade. Ml abgesehen von den technischen Aspekten finde ich eine unfertige cliffhanger-Story geht gar nicht. Da fange ich lieber gar nicht erst an. Leider kommt es immer haeufiger (auch bei "ordentlichen" PC Spielen) vor, dass einfach keine gescheiter Schluss mehr geschrieben wird. Hier scheint es ja ein Extremfall zu sein aber das regt mich jedes mal auf. Wenn die Credits laufen will ich mich zuruecklehnen und sagen koennen "Yep, das wars, sehr schoen!" und im besten Fall noch anschliessen "Wow, gleich nochmal von vorne" (siehe z.B. Outcast damals oder KotOR). Das gilt uebrigens auch fuer Teile von Serien (Mass Effect 1 hat das damals super hinbekommen). Wie gesagt, leider wird es mit den cliffhangern oder schlichtweg miesen Enden immer schlimmer.
Aber zurueck zu The Fall: Ich werd dem ganzen fern bleiben.