Dakar 18: Dakar 18 im Test: Die härteste Rallye der Welt ist leider nicht die beste
Nach vielen Jahren rollt endlich wieder ein Spiel zur Rallye Dakar aufs Offroad-Feld. Kann Dakar 18 dem eigenen Anspruch einer realistischen Simulation der berühmt-berüchtigsten Rallye der Welt gerecht werden? Das zeigt unser Test von Dakar 18.
Fahrer und Untersatz werden bis an die Grenze belastet. Im Vergleich zu einer Dakar-Rallye ist normaler Rallye-Sport fast wie ein Kindergeburtstag. Die Strecken sind anspruchsvoller, hat man doch keine abgesteckten Rallye-Kurse vor sich, sondern muss sich seinen eigenen Weg bahnen, teilweise durch Wüsten, die jeden Tag anders aussehen können. Zur Navigation zwischen den Wegpunkten dient meist nur das Roadbook mit Entfernungsangabe, einer Skizze (die so genannte Tulpe) und Gefahrenhinweisen. Der Nutzen des Roadbooks schwindet allerdings, sobald man sich in den weiten Umgebungen Perus, Argentiniens oder Boliviens verfahren hat. Dann wird die Navigation so richtig knifflig. Die Zielgruppe von Dakar 18 (jetzt kaufen 14,95 € ) ist durch die spezielle, herausfordernde Thematik sicherlich arg begrenzt. Werden Dakar-Freunde für das Lange Warten mit einer realistischen Simulation des berühmtesten Offroad-Rennens der Welt belohnt, wie es Entwickler Bigmoon verspricht? Dies klären wir im Test.
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Ein herausforderndes Abenteuer
Zentrales Element von Dakar 18 ist der Abenteuer-Modus. Hier bestreitet ihr 14 bis zu 900 km lange Etappen durch Peru, Bolivien und Argentinien. Ihr überquert hohe Sanddünen, brettert über felsiges Gelände, schleudert Tonnen loser Erde durch die Gegend und weicht Bäumen oder Gemäuern aus. Wie in der echten Dakar-Rallye dürft ihr dabei aus fünf Fahrzeug-Kategorien wählen: Auto, Motorrad, Truck, Quad und SXS-Geländewagen.
Zu Beginn eines Abenteuers müsst ihr euch auf eine Fahrzeug-Kategorie festlegen, dürft also nicht von Etappe zu Etappe wechseln. Möchtet ihr doch lieber auf ein Motorrad, ein Quad oder ein Fahrzeug derselben Kategorie umsteigen, habt ihr ein neues Profil anzulegen und das Abenteuer wieder bei der ersten Etappe zu beginnen. Das heißt, dass ihr alle weiteren Etappen erneut freizuschalten habt. Dies ist zwar realistisch und unterstreicht den Simulations-Anspruch von Dakar 18. Aus Gründen der Spielbarkeit hätte man einen Fahrzeugwechsel aber zumindest optional ermöglichen oder dafür sorgen können, dass einmal freigeschaltete Etappen auch beim Fahrzeugwechsel anwählbar bleiben.
Keine Simulation
Bei der Fahrphysik schwächelt Dakar 18 leider. Diese erinnert eher an einen Fun-Racer wie Forza Horizon 4 als an eine reinrassige Offroad-
Quelle: PC Games
Schlampigkeiten ,wie das sich eigenständig aufrichtende Motorrad, schmälern die Atmosphäre.
Simulation. Ob am Lenker eines Motorrades, eines Trucks oder eines Rallyecars, die Gefährte steuern sich viel zahmer als in der Realität und verhalten sich teilweise merkwürdig, zum Beispiel bei Sprüngen. Tuning-Möglichkeiten fehlen überdies komplett. Wer die Abstimmung seines Gefährtes ändern möchte - etwa beim Wechsel von Wüste zu Felsenlandschaft - , hat dazu keinerlei Möglichkeit.
Ähnlich inkonsequent waren die Dakar 18-Macher beim Schadensmodell, das gerade bei einem Offroad-Spektakel deutlich explizitere optische Schäden vertragen hätte. Selbst nach mehrfachen Überschlägen halten sich die sichtbaren Auswirkungen arg in Grenzen. Immerhin lassen sich mit der Zeit jede Menge physische Schäden verursachen, etwa an Kühler, Bremsen, Kupplung, Öltank oder Elektronik. Mit verdienten Dakar-Points, etwa durch das Abschleppen eines liegengebliebenen Kontrahenten, lassen sich Schäden reparieren. Auch seltsam: Dünne Holzzäune bremsen unser tonnenschweres Gefährt komplett ab und nach einem Motorrad-Crash richtet sich unser Bike wie von Geisterhand auf. Offenbar wollte man sich die betreffende Hochwucht-Animation sparen. Derartige Schlampigkeiten passen so gar nicht zu einer Simulation und lassen ebenso Luft aus der Atmosphäre-Blase, wie die unzeitgemäßen Lauf- und Sprunganimationen der Fahrer.
Grafisch liefert das Entwicklerstudio dafür am PC mehr als ordentliche Arbeit ab, auch wenn man von der nahezu fotorealistischen Optik des Ankündigungstrailers ein gutes Stück entfernt ist. Dennoch: Autos und Fahrer sind durchaus detailliert gestaltet, auch Licht-, Partikel- sowie Wettereffekte können sich absolut sehen lassen. Sandstürme und Gewitter gehören zu den optischen Highlights von Dakar 18. Auf Konsolen (selbst auf PS4 Pro und Xbox One X) ist der Detailgrad merklich niedriger, wodurch einiges an Atmosphäre flöten geht - siehe Bildergalerie unten.
Quelle: PC Games
Der Schatzjagd-Modus kann zur nervigen Sucharbeit ausarten.
Nervige Schatzjagd
Im Tutorial und Trainingsmodus lernen Dakar-Einsteiger sich zu orientieren und Gefahren wie tiefem Schlamm aus dem Weg zu fahren. Dazu bietet euch das Spiel noch einen Schatzjagd-Modus, in dem ihr in ebenfalls 14 Etappen Objekte wie eine Panflöte oder einen Filzhut finden müsst. Hierfür fahrt ihr 20 Minuten oder länger zu einer auf der Karte verzeichneten Schatztruhe, steigt aus dem Auto oder vom Motorrad und sucht zu Fuß nach einer kleinen Kiste, in der sich das Objekt befindet. Der Modus bringt zwar etwas Abwechslung ins Spiel, artet aber derart in Sucharbeit aus, dass er uns schon nach kurzer Zeit mehr genervt als Spaß bereitet hat.
Quelle: PC Games
Dakar 18 bietet sogar einen Splitscreen-Modus – eine Seltenheit in PC-Rennspielen.
Im Splitscreen oder online mit bis zu sieben Mitstreitern könnt ihr euch ebenfalls in den Modi Dakar Rally und Schatzjagd austoben. Allerdings fiel es uns beim Test schwer Mitspieler zu finden, die Server waren ähnlich menschenleer, wie eine peruanische Wüste. Überdies leidet Dakar 18 noch unter Bugs. So fehlt nach einem Rücksetzer zum letzten Wegpunkt plötzlich die Grad-Angabe am Kompass und bei einer Schatzjagd ist uns kurz vor dem Ziel einmal das Spiel abgeschmiert. Immerhin ist Bigmoon fleißig am Patchen, was die Hoffnung nährt, dass Dakar 18 bald unfallfrei läuft, wenngleich sich das Potenzial auf Grund der genannten Schwächen nicht vollends entfalten kann.

Über die Schwächen kann ich hinwegsehen, aber da wird der Preis noch gut fallen müssen bis ich es mir holen werde, da gibt es doch weitaus besseres.