Solo-Entwicklung aus Deutschland: Craftlings im Test

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Solo-Entwicklung aus Deutschland: Craftlings im Test
Quelle: Ariano Games

Was passiert, wenn Lemminge sesshaft werden? Craftlings kombiniert Aufbau, Wirtschaft und Logistik zu einem ungewöhnlich tiefen Strategiespiel - entwickelt von nur einer Person aus Deutschland.

Noch bevor Rockstar Games mit GTA 6 den größten Hype der Videospielgeschichte auslöste - und lange bevor es Grand Theft Auto überhaupt gab -, entwickelte das Studio das Kultspiel Lemmings.

Die namensgebenden kleinen Wesen marschierten damals stoisch geradeaus, stürzten von Klippen oder liefen gegen Wände. Eure Aufgabe war es, ihr Ableben zu verhindern und sie mit Werkzeugen sicher zum Ausgang zu lotsen.

Was wäre, wenn die Lemminge ihre Werkzeuge nicht für die ständige Flucht genutzt hätten, sondern sesshaft geworden wären? Genau diesem Gedanken widmet sich Craftlings. Statt Hindernisse zu überwinden, errichten die kleinen Wesen hier Holzfällerhütten, Bauernhöfe und Minen, fördern Ressourcen, schmieden Ausrüstung und stellen sich am Ende sogar Skeletten, Frostriesen und Drachen.

Entwickelt wurde das alles von einer einzigen Person aus Deutschland.

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Hinter Craftlings steckt der Entwickler Ariano, der 2005 als Erasmus-Student aus Polen nach Berlin kam und heute in Brandenburg lebt. Mit der Entwicklung begann er 2021 komplett allein: Programmierung, Gamedesign und kreative Leitung lagen in einer Hand. Später kam punktuell externe Unterstützung für Grafik, Musik und Sound hinzu - die kreative Kontrolle und die finale Umsetzung blieben jedoch stets bei ihm. Auch das Marketing stemmt er inzwischen selbst.

Spielprinzip von Craftlings: Aufbau und Berufe

Zu Beginn einer Partie stolpern die Craftlinge wie ihre Vorbilder erst einmal blindlings Richtung Abgrund. Anders als bei Lemmings könnt ihr sie jedoch jederzeit mit einem Klick umlenken. So gewinnt ihr Zeit für euer erstes Gebäude: das Rathaus.

Es ist das Zentrum eures Fortschritts. Mit jeder Ausbaustufe schaltet ihr neue Technologien, Baupläne und Ressourcen frei. Anders als bei Lemmings behalten Craftlinge ihre Berufe aber nicht dauerhaft: Nach jeder Aktion fällt der Job weg. Ein Holzfäller wird nach dem Fällen eines Baumes wieder zum Träger - und braucht für den nächsten Einsatz erneut eine Axt.

Dieser ständige Wechsel erzeugt einen Gameplay-Loop, der stark an klassische Aufbauspiele erinnert. Die zweite große Inspiration ist damit schnell klar: Die Siedler.

Craftlinge müssen manchmal weite Wege hinter sich legen. Außer ihr optimiert eure Logistik, dann geht es auf einmal ganz fix. Quelle: PC Games Craftlinge müssen manchmal weite Wege hinter sich legen. Außer ihr optimiert eure Logistik, dann geht es auf einmal ganz fix. Passend dazu hieß Craftlings ursprünglich sogar Settlings - ein Arbeitstitel für frühe Prototypen, die Ariano ab 2021 als GIFs im Internet verbreitete. Mit wachsendem Umfang, neuer Grafik, neuem Soundtrack und klarerer rechtlicher Abgrenzung wurde daraus schließlich Craftlings - ein eigenständiges Spiel mit eigener Identität.

Gebäude und Produktionsketten in Craftlings

Siedlerveteranen werden sich bei Produktionsketten und Gebäuden sofort zu Hause fühlen. Holzfäller, Förster, Sägewerk und Steinbruch bilden das Fundament eurer Bauwirtschaft. Für den Erzabbau braucht es Spitzhacken - und satte Bergleute.

Deren Mägen füllt ihr mit Hühnerfleisch. Für die Hühnerzucht braucht ihr wiederum Weizen aus euren Bauernhöfen. Aus den gewonnenen Erzen schmiedet ihr schließlich Waffen, mit denen ihr euren Gegnern ordentlich zusetzt. Für die ultimative Waffe, das Schwert, sind sogar mehrere verzahnte Produktionsketten nötig, um Knochen, Keulen, Brot und Wein bereitzustellen.

Als globale Währung dient Gold, das für zahlreiche Waren und Abläufe im Spiel benötigt wird, insbesondere für Startgebäude. Gerade zu Beginn seid ihr also öfter mal notorisch pleite - es sei denn, ihr errichtet frühzeitig einen Markt, auf dem ihr eure überschüssigen Waren zu Geld machen könnt.

Damit ihr hier nicht in einen Softlock geratet - durch den ihr keine neuen Ressourcen erzeugen könnt, weil euch das Geld fehlt -, treibt in regelmäßigen Abständen ein Fass mit Waren an eurer Siedlung vorbei. Ein Klick darauf bringt euch eine kleine Menge Gold - eine Art Starthilfe, die den Wirtschaftsmotor wieder in Gang setzt. Habt ihr euch mal verbaut und keine Hämmer hergestellt, die für jedes Gebäude zwingend nötig sind, enthalten die Fässer dann sogar genau dieses Werkzeug. An solchen Stellen zeigt sich, dass der Entwickler mitgedacht hat.

Logistik und Warenverteilung: So funktionieren Transport und Automatisierung

Um eure Waren von A nach B zu transportieren, müsst ihr allerdings ein wenig umdenken. Craftlinge greifen nämlich stets zum nächstbesten Gegenstand und laufen damit stur von links nach rechts - und wieder zurück -, bis sie ihn irgendwo abliefern können. Dieses Verhalten in sinnvolle Bahnen zu lenken, erinnert stellenweise eher an ein Automatisierungsspiel als an ein klassisches Aufbauspiel.

Durch die richtigen Schilder kann die Produktion des Holzfällers und der Baumschule deutlich verbessert werden. Quelle: PC Games Durch die richtigen Schilder kann die Produktion des Holzfällers und der Baumschule deutlich verbessert werden. Mit Blockern, Schildern und später Aufzügen, Ballons oder Drohnen lenkt ihr diesen Strom gezielt durch die Levels. Sollen die kleinen Kerlchen etwa ausschließlich in einem klar abgegrenzten Bereich neue Bäume pflanzen, errichtet ihr ein Schild, das Craftlinge mit Setzlingen in der Hand nicht weiter passieren lässt.

Waren lagert ihr in Kisten, Werkzeuge in Regalen. Wer Laufwege klug plant, kann große Teile seiner Wirtschaft komplett automatisieren. Dann müsst ihr auch deutlich weniger mit der Maus arbeiten und könnt einfach mal dem Gewusel zusehen.

Zauber und Mana-System: Ebenen, Verteilung und Effizienz

Bis es so weit ist, wartet allerdings noch einiges an Klickarbeit auf euch. Um eure Arbeitskräfte auf die verschiedenen Ebenen zu verteilen, nutzt ihr auch Zauber: Damit lasst ihr eure kleinen Leute per Fallschirm auf die darunterliegende Ebene herabsinken oder in einer schwebenden Blase in das nächsthöhere Stockwerk aufsteigen.

Und ihr werdet viel verteilen müssen: Spätestens zur Mitte einer Partie wird das effiziente Zuweisen eurer Arbeitskräfte zur zentralen Aufgabe, bis ihr eure Produktionsketten schließlich optimal ausgetüftelt habt. Damit euch dabei nicht das Mana für eure Zauber ausgeht, opfert ihr Lebensmittel in einem Kessel - was wiederum eigene Produktionsketten nach sich zieht, die eng mit der Warenherstellung verzahnt sind. Ihr merkt schon: Für eure fleißigen Craftlinge gibt es eigentlich immer etwas zu tun.

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  1. Seite 1 Aufbau, Logistik und Zauber - Was ist Craftlings?
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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Dominik Pache Leitender Redakteur Video
        Dann spiel auf jeden Fall noch weiter! Mir hat es ab Level 4 erst den richtigen Kick gegeben. Da war dann auch das gröbste Tutorial rum. Die Rankings für die Zeiten gehen übrigens bis Großmeister :B
      • Von Dominik Pache Leitender Redakteur Video
        Dann spiel auf jeden Fall noch weiter! Mir hat es ab Level 4 erst den richtigen Kick gegeben. Da war dann auch das gröbste Tutorial rum. Die Rankings für die Zeiten gehen übrigens bis Großmeister :B
      • Von Rhodaner Anfänger/in
        Ich habe gestern die ersten 3 Level gespielt und fand es bisher hervorragend. Keine Bugs und sehr spaßig und knifflig. Die Level motivieren auch, sie nochmal zu spielen, um eine bessere Bewertung zu bekommen. Das Spiel ist ein schönes Beispiel für ein gut durchdachtes Indiespiel, das sich fokussiert und seine Mechaniken voll ausspielt, dazu liebevoll gemacht ist. So etwas schaffen AA oder AAA Spiele nur selten, da sie allen gefallen sollen und selten etwas riskieren. Bisher kann ich es nur empfehlen. Und naja, manchmal ist es auch witzig, wenn einige Craftlinge draufgehen, dann ist mir die Platinmedaille am Ende eher egal :) .
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