Neue Namen, gewohntes Gameplay
Wenn die Westliche Allianz mit ihren Streitkräften anrückt, bleibt meist kein Stein auf dem anderen.
Der 1. März 2003 war in gewissem Sinn ein denkwürdiger Tag für deutsche Computerspieler. Bereits zwei Wochen nach Erscheinen wurde der neueste Teil der Command & Conquer-Serie per Eilantrag indiziert, da die Parallelen zum gerade ausgebrochenen Irak-Krieg angeblich zu groß und vor allem geschmacklos gewesen seien - dabei war der Titel mit einer Altersempfehlung "Ab 16 Jahren" gekennzeichnet. Einen Monat später - mit In-Kraft-Treten des neuen Jugendschutzgesetzes - wäre eine Indizierung damit unmöglich gewesen. Electronic Arts klagt bereits gegen das Urteil und hofft derweil, mit einer entschärften Fassung bislang entgangene Kunden zu gewinnen.
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Quelle: EALA
Die IGB bringt ihre Kampfroboter in windschiefen Behausungen unter und lässt die Ressourcen von Hand sammeln.
Deutsche Fans der Echtzeitstrategie-Serie erleben deshalb die Rückkehr der mechanischen Roboter-Infanteristen, die sich hierzulande bereits seit dem 1995 ausgebrochenen Tiberiumkonflikt die Blechschädel einschlagen. Grundlegende Änderungen am Szenario gibt es dabei nicht. Nach wie vor wird die freie Welt von einer terroristischen Organisation bedroht, während sich die asiatischen Staaten klammheimlich zur Weltmacht aufschwingen. Allerdings wurde aus den Vereinigten Staaten von Amerika die Westliche Allianz, China hört ab jetzt auf den Namen Asiatischer Pakt und die Globale Befreiungsarme kämpft jetzt als Internationale Befreiungsgruppe, deren Kürzel IBG den Charme einer Gewerkschaftsvereinigung versprüht. Außerdem toben die Schlachten der drei Parteien nun nicht mehr an realen Schauplätzen wie Kasachstan und auch um Bagdad wird nicht mehr gekämpft. Stattdessen schicken Sie Ihre blechernen Streitkräfte politisch korrekt in entmilitarisierte Zonen und liefern sich Straßenschlachten im ausgestorbenen Twin Sword City oder am Drei-Turbinen-Damm.
Schnipp, schnapp
Die Einzelspielerkampagne umfasst 20 Missionen: je sieben Einsätze aufseiten des Asiatischen Pakts sowie der Westlichen Allianz und lediglich sechs Missionen im Dienste der IBG, die durch Wegfall einer Mission, in welcher die Terrorgruppe UN-Konvois angriff, etwas zu kurz kommt. Eingeleitet werden die Missionen durch knappe Briefings, in denen jeweils drei kurze Stichpunkte die Missionsziele umreißen. Nur eine Hand voll der Missionen wird noch durch gesprochene Texte eröffnet, da Electronic Arts offenbar alle Passagen ersatzlos gestrichen hat, in denen Begriffe enthalten waren, die in Generäle nicht mehr vorkommen. Ein absoluter Atmosphäre-Killer sind auch die komplett entfallenen Endsequenzen nach erfolgreichem Abschluss der Kampagnen. Die Zwischensequenzen in Spielgrafik blieben dagegen erhalten, verlieren durch die neue Sprachausgabe jedoch einiges an Atmosphäre. Um den Eindruck der Robo-Soldaten perfekt zu machen, wurden alle Sprachsamples digital verfremdet. Vor allem von der IBG und ihren mit arabischem Akzent brabbelnden Blechkameraden versteht man dadurch in so mancher Zwischensequenz leider kein einziges Wort.
Neue Namen, gewohntes Gameplay
Am eigentlichen Spielablauf hat sich jedoch nichts geändert. Wie in Echtzeitstrategie-Spielen üblich, kümmern Sie sich zu Beginn jeder Mission um den Aufbau einer Basis und den Abbau von Rohstoffen. Command & Conquer Generäle beschränkt sich dabei auf eine Ressource: Kisten mit unbekanntem, aber Gewinn bringendem Inhalt. In den entmilitarisierten Zonen finden sich diverse größere Kistenlager oder versteckte kleinere Stapel des kostbaren Gutes. Eroberte Ölbohrtürme sorgen für zusätzlichen Geldfluss. Das Besondere an C&C Generäle ist die unterschiedliche Spielweise der drei Parteien. Während sich die Westliche Allianz vorrangig auf moderne Technik verlässt, ihren Widersachern durch eine überlegene Aufklärung immer einen Schritt voraus ist und mit Comanche-Helikoptern oder Tarnkappenbombern die Lufthoheit besitzt, setzt der Asiatische Pakt auf pure Kraft. So wird der mächtige Overlord-Panzer - eine kettengetriebene Hommage an den Mammutpanzer der GDI - durch optionale Upgrades zur wuchtigen Kampfmaschine und MG-Cyborgs lässt die asiatische Führungsspitze gleich im Doppelpack vom Fließband laufen. Die Internationale Befreiungsgruppe zieht dagegen aufgrund knapper Finanzlage mit vergleichsweise schwach gepanzerten Streitkräften in die Schlacht, die jedoch perfekt für gezielte Angriffe geeignet sind. Ein halbes Dutzend der schnellen Raketen-Buggys demontiert beispielsweise selbst einen Overlord-Panzer binnen Sekunden. Neu in Generäle ist die fahrende Bombe, ein Dynamitfass auf Rädern, das sich bei Bedarf sogar hinters Steuer eines Autos klemmt, um schneller ans Ziel zu gelangen. Diese Einheit ersetzt den Selbstmordattentäter der Originalfassung.
Mehr Spieler, mehr Probleme?
Inhaltlich ebenso unangetastet blieb der Mehrspielermodus von Command & Conquer Generäle, das zu allen internationalen Versionen kompatibel ist und so problemlos via Netzwerk oder Internet gespielt werden kann. Die umfassenden taktischen Möglichkeiten des Spiels werden dabei derzeit von diversen Cheats und Programmfehlern überschattet, durch die beispielsweise Verbindungsabbrüche falsch gewertet und so
die Statistiken der Spieler verfälscht werden. Ein Ärgernis, das hoffentlich mit Erscheinen des Add-ons der Vergangenheit angehört.
