Überraschungsangriff aufs Echtzeit-Genre: Panzers kommt, sieht und fegt Blitzkrieg, Afrika Korps und Konsorten einfach fort.
Es gibt da so ein paar Worte aus der deutschen Sprache, die auch Joe Sixpack geläufig sind. "Blitzkrieg" ist so eins, "Panzer" auch. Ersteres hat dem Karlsruher Publisher CDV bereits Glück gebracht. Das gleichnamige Taktikspiel fand weltweit zigtausend Fans. Letzteres soll nun das neueste Projekt zum Erfolg führen, vermittelt es doch auch der internationalen Kundschaft auf einen Blick, was sie erwartet: Panzerschlachten im Zweiten Weltkrieg.
Dabei stammt Codename: Panzers (jetzt kaufen 99,00 € / 11,99 € ) eigentlich aus Ungarn, genauer gesagt aus den Budapester Büros von Stormregion. Der Name sagt Ihnen nichts? Kein Wunder: Swine, das Erstlingswerk der Entwickler, fand vor rund drei Jahren nur wenige Käufer - trotz guter Kritiken. Den meisten war die Märchenwelt, in der Hasen gegen Schweine Krieg führten, einfach zu abgedreht. Sicher widerfährt Codename: Panzers ein besseres Schicksal. Denn das Echtzeit-Spektakel gehört schlicht zu den besten Spielen, die je erschienen sind.
Bildergalerie
Gestatten, von Gröbel
Für ein Strategiespiel, zumal eines mit historischem Hintergrund, legt Codename: Panzers ungewöhnlich viel Wert auf die Story. Statt sich wie Blitzkrieg oder Sudden Strike mit Schlachtberichten, Frontverläufen und Schwarz-Weiß-Fotos zufrieden zu geben, inszeniert Stormregion nahezu filmreif die ganz persönlichen Erlebnisse von vier Charakteren. Aleksander Vladimiriov heißt die Hauptfigur der russischen Kampagne, Hans von Gröbel die der deutschen. Auf der Seite der Westalliierten ziehen der Amerikaner Jeffrey S. Wilson und der Brite James Barnes mal abwechselnd, mal gemeinsam in den Kampf. Von professionellen Synchronsprechern vorgetragene Tagebucheinträge, Fotos und Briefe erzählen die Geschehnisse zwischen den Einsätzen. In den Missionen selbst treiben mithilfe der Spiel-Engine erstellte Zwischensequenzen die Handlung voran. Weil die Bewegungen mit echten Schauspielern aufgezeichnet wurden, wirken sie ausgesprochen lebensecht. Dass die 3D-Figuren beim Sprechen nicht ihre Lippen bewegen, ist allerdings ein unschöner Stilbruch. Trotzdem: So aufwendig rücken nur wenige Kollegen ihre Geschichten ins Licht, nur Blizzard und Westwood schaff(t)en das - dank prämierter Render-Abteilungen - bislang noch besser.
Raubkatzen-Dompteur
Das Beste: Die Story wirkt nicht einfach aufgesetzt, denn die Helden treten auch im Spiel selber auf - als extrastarke Sondereinheiten. Hauptmann von Gröbel knackt beispielsweise mit seinem Kampfwagen Tiger die Sowjet-Panzer gleich dutzendweise, Sergeant Barnes führt seine Fallschirmjäger höchstpersönlich zum Sieg. Im Spielverlauf werden einem die Männer regelrecht sympathisch. Insbesondere die ständigen Hänseleien zwischen Barnes und Wilson, die sich um Ruhm und Frauen zanken, geben immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Besonders cool: In den parallel verlaufenden Geschichten begegnen sich die Verfeindeten mitunter sogar. Wer beispielsweise erst die deutsche Kampagne spielt und später für die US Army ins Feld zieht, wird überrascht sein, wer da in Frankreich plötzlich mit seinem Tiger aus dem Wald rumpelt ... Gut, weder Handlung noch Handelnde gewinnen Nobelpreise, sacken aber auch nicht unter das (Spannungsroman-)Niveau eines C&C Generäle.
Schützen Sie die Veteranen!
In drei Kampagnen erwarten Sie insgesamt 30 Aufträge, zwölf davon aufseiten der Wehrmacht, die Feldzüge für die Rote Armee und die Westalliierten haben jeweils neun. Je nach Kartengröße müssen Sie pro Einsatz rund 60 bis 90 Minuten einplanen, sodass Codename: Panzers auf eine Gesamtdauer von satten 35 bis 40 Stunden kommt - dreimal mehr als Leichtgewichte wie C&C Generäle auffahren. Allerdings gleicht der Ablauf auch eher Afrika Korps oder Praetorians als Command & Conquer. Wie im Taktik-Genre mittlerweile üblich, konzentrieren Sie sich aufs Kämpfen. Der typische Basisbau fehlt ebenso wie Ressourcenmanagement und Truppenproduktion. Ihre Streitmacht stellen Sie sich im Voraus zusammen. Dazu steht Ihnen eine bestimmte Menge an Prestigepunkten zur Verfügung. Ein Panzer ist beispielsweise für 200 zu haben, eine Gruppe Gewehrschützen schon für 40. Zusatzpunkte gibt's für überzeugend abgeschlossene Einsätze. Einmal angeheuert, bleiben Ihnen Ihre Männer bis zum bitteren Ende treu - solange Sie gut auf sie Acht geben. Nicht nur deshalb lohnt sich vorsichtiges Vorrücken: Ihre Untergebenen gewinnen im Spielverlauf an Erfahrung und erhöhen damit ihre Schlagkraft. Gefallene Veteranen sind nur schwer zu ersetzen. Upgrades sind dagegen für ein Butterbrot zu haben: Wer seiner kampferprobten Panzerbesatzung einen nagelneuen T-34 spendieren und den rostigen BT-7 verschrotten will, zahlt nur den Differenzbetrag. Wie die Schlachten orientiert sich auch die Ausrüstung an historischen Vorlagen, ohne es jedoch sehr genau zu nehmen - allzu große geschichtliche Ungleichheiten haben die Entwickler zugunsten der Spielbarkeit ausgebügelt.
Ein Hoch auf die Pausetaste
Auf drei Seiten erleben Sie die Landung der Alliierten in der Normandie, die Schlacht um Stalingrad und den Vormarsch auf Paris mit. In den Missionen selbst dominiert das von Blitzkrieg bekannte Puzzlespiel. Nicht die Aufgaben sind das Spannendste - obwohl die Macher die üblichen Aufträge der Marke ""robere Punkt X und halte dann Punkt Y" mit Skript-Ereignissen und Story-Einlagen aufgepeppt haben -, sondern die Kämpfe selbst. Beispiel: Scharfschützen haben an einer Straßenkreuzung eine kleine Verteidigungsstellung der Deutschen ausgemacht. Eine Pak, ein Maschinengewehr, ein Mörser. "Kein Problem", denken Sie und schicken die Infanterie vor. Dann passiert Folgendes: Die Infanterie schaltet die Bedienmannschaft der Pak schnell aus, kommt dann aber unter Feuer des MGs und des Mörsers. Zu allem Übel schlagen nun auch noch Granaten von einer schweren Artilleriestellung ein, die die Verteidiger irgendwo außerhalb ausgehoben haben. Und dann heulen Dieselmotoren auf und zwei Panther-Tanks poltern ins Blickfeld. Der Finger schnellt zur Pausentaste - zum Glück lassen sich auch in der Auszeit Befehle erteilen. Die Infanterie wird auf dem schnellsten Weg zurückbeordert, denn auf Artilleriebeschuss reagiert sie äußerst allergisch. Stattdessen werden zwei T-34/85 zur Unterstützung gerufen. Die können die beiden Panther dank Kampferfahrung im Duell überwältigen, geraten dann aber erneut unter Feuer von der Panzerabwehrkanone, die die Deutschen inzwischen wieder bemannt haben. Der Gesundheitsbalken des einen Sowjet-Tanks ist bereits im roten Bereich, jetzt heißt es schnell handeln. Auf Knopfdruck wird Luftunterstützung angefordert - zwei Sekunden später taucht ein Sturmovik-Kampfflugzeug auf die Verteidiger herab und beendet den Einsatz der Pak ein für alle Mal.
Keine Artillerie-Duelle
Solche Momente sind es, die Codename: Panzers so spannend machen. Das Stein-Schere-Papier-Spiel zwischen Infanterie, Panzerwagen und Artillerie, zwischen Abwehrstellungen und Angreifern. Gerade weil man - verglichen mit Warcraft und Konsorten - so kleine Abteilungen befehligt: Mehr als ein Dutzend Einheiten werden es nur in Ausnahmefällen. Einen Tank zusammen mit ein paar Fußsoldaten durch enge Straßenzüge zu lotsen, die Artillerie in Stellung zu bringen, gegnerische Konterattacken in die Falle zu locken, das macht den Reiz aus. Dabei haben es die Entwickler geschafft, die ermüdenden Artillerie-Duelle von Blitzkrieg und Sudden Strike fast komplett zu vermeiden und das Tempo zu erhöhen. Aus zwei ganz simplen Gründen. Erstens halten die Truppen einfach mehr aus. Wenn der Sherman unvermittelt auf eine Mine rumpelt oder sich zwei Panzerfaustschützen gegenübersieht, ist das nicht gleich das Ende. Rückwärtsgang eingelegt und Reparaturwagen angefordert, schon ist wieder alles in Butter. Und auch die sonst so verwundbare Infanterie hält mal einen Frontalangriff aus. So arten die Einsätze nicht in Savegame-Orgien aus, bei denen vor jeder Straßenbiegung abgespeichert wird. Die zweite Verbesserung betrifft die KI: Der Computergegner hockt nicht stur in seinen Stellungen, sondern geht schon mal in die Offensive, unterstützt beispielsweise in Bedrängnis geratene Verbündete. Das macht die Scharmützel viel dynamischer als etwa im Oldie Sudden Strike. Nur manchmal trifft man auf Verbände, die den Beschuss einfach über sich ergehen lassen. Da ist noch etwas Feintuning am Programmcode vonnöten.
Zeig mir den Weg!
Die künstliche Intelligenz gibt allerdings nicht nur Anlass zur Freude. In einer Standarddisziplin haben die Programmierer leider geschlampt. Die Wegfindung der Einheiten ist nämlich alles andere als perfekt. Mangels echter Formationsbefehle kann schon die simple Aufforderung an die vordere Panzerlinie, doch mal bitte für fünf Meter Gas zu geben, zu heillosem Durcheinander führen. Und Sanis und Reparaturfahrzeuge stürzen mit ihrem Drang, dem Patienten möglichst nahe zu sein, ständig die eigenen Reihen ins Chaos. In der Praxis bedeutet das vor allem in Städten oder Dörfern sowie an anderen Engstellen aufwendiges Micro-Management. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran, Schritt für Schritt vorzugehen.
Blumenschmuck im Vorgarten
Optisch ist CDVs Taktik-Hit dagegen ein absolutes Highlight. So gut wie Panzers sieht einfach kein anderes Echtzeit-Strategiespiel aus. Selbst Effektwunder wie das in dieser Nummer getestete Ground Control 2 oder C&C Generäle verweisen die Ungarn auf die Plätze. Das haben sie vor allem ihrer schier unglaublichen Liebe zum Detail zu verdanken. In Städten sehen kaum zwei Gebäude gleich aus. Wer nah genug heranfährt, was dank der frei beweglichen Kamera ohne Probleme möglich ist, erkennt die Vorhänge hinter den Fensterscheiben, kann die Hausnummer lesen, findet sogar Briefkästen und Klingelschilder. Bauerndörfer wirken nicht wie vom Reißbrett, sondern organisch gewachsen, mit matschigen Traktorenspuren zwischen den Feldern, Ställen, in denen sich sogar Schweine suhlen, Heuhaufen und blumengeschmückten Vorgärten. Selbst aus den üblichen Sommer-/Winterlandschaften haben die Grafiker feine Details herausgekitzelt: 1941 bleibt vor Moskau die deutsche Offensive in dichtem Schneegestöber stecken. Bei der Frühjahrsoffensive Konrad nahe Budapest weicht dichter Regen das Eis auf und Flecken grün-braunen Grases schimmern durch das Weiß.
Genial auch die Animationen: Panzer setzen sich schaukelnd in Bewegung, rasseln wippend über Sandsack-Barrieren, fahren Strommasten um, die funkensprühend zu Boden stürzen, drehen langsam ihren Turm Richtung Ziel und zucken beim Feuern zurück. Selbst die Explosionen sind dermaßen traumhaft, dass man am liebsten die eigenen LKWs bombardieren möchte. Etwas Besseres als Stormregions Projekt bekommen Sie derzeit nirgendwo zu sehen. Zu hören allerdings schon: Während die Soundeffekte auch verwöhnten Ohren gefallen werden, überzeugen nicht alle Synchronsprecher. Vor allem die "Russen" tragen mit ihrem rollenden Akzent arg dick auf.
Mann gegen Maschine
Eitel Sonnenschein für Solo-Generäle also, aber was ist mit der Multiplayer-Fraktion. Für die fährt Stormregion ebenfalls schweres Geschütz auf: Da wäre etwa ein Kooperativ-Modus - das gab's im Echtzeit-Genre schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. Zusammen mit einem Freund stellt man sich dann dem PC-Feldherrn, die Einheiten werden einfach aufgeteilt. Insgesamt zehn Abenteuer aus der Singleplayer-Kampagne lassen sich auf diese Weise erneut erleben. Mangels Kommunikationsmöglichkeiten kein Hit, aber zumindest eine nette Abwechslung.
Für klassische Duelle Mann gegen Mann stehen drei Varianten mit satten 15 Karten offen: Deathmatch, Domination und Assault. Über Ersteres müssen keine Worte mehr verloren werden. Domination erweitert das Taktikspiel um eine strategische Komponente: Auf den Maps findet sich eine Handvoll Fabrikanlagen, die alle paar Minuten neue Einheiten produzieren. Wer die Umgebung kontrolliert, darf die Frischlinge in seinen Reihen willkommen heißen. Assault drängt ein Team in die Defensive, während das zweite, besser ausgestattete, diese Stellung einnehmen muss. Alles in allem also ein sehr solider Multiplayer-Modus, unter den Taktikspielen der momentan beste. Lediglich der Computergegner, der in Skirmish-Partien wahlweise Opponenten aus Fleisch und Blut vertritt, kann nicht so ganz überzeugen: Er ist einfach zu forsch.

Nur die Entwickler kommen aus den osteuropäischen Ländern und mit denen lässt sich immer gut zusammen arbeiten, was Softwareentwicklung angeht - zumindest. ;-)
Oder was meint Ihr?
Ausser der T-34-Missions-Bug hat bei mir zu einigem Kopfzerbrechen geführt.
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