Cloudpunk im Test: Cyberpunk-Spaß mit Voxel-Optik
Mit Kurierfahrerin Rania geht es in Cloudpunk durch eine ereignisreiche Nachtschicht in der düsteren, großen und vor allem vertikalen Mega-Metropole Navalis. Das Cyberpunk-Adventure kommt vom Berliner Entwicklerstudio Ion Lands und ist das zweite Projekt der Macher. In unserem Test klären wir, ob der Titel nicht nur atmosphärisch, sondern auch spielerisch überzeugen kann.
Was kann während einer Nachtschicht schon alles schiefgehen? Diese Frage hätte sich Protagonistin Rania besser stellen sollen, bevor sie bei der zwielichtigen, namensgebenden Kurierfirma Cloudpunk zu arbeiten angefangen hat. In einer nicht näher bestimmten Cyberpunk-Zukunft finden wir uns in Ranias Gestalt in Nivalis wieder, einer sehr vertikal aufgebauten Mega-Metropole, mit nichts Anderem als jeder Menge Schulden und unserem Kopf auf der Fahndungsliste der Polizei im Gepäck und somit außerstande, das von Beginn an fragwürdige Jobangebot abzulehnen.
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Also kämpft Rania sich, gemeinsam mit ihrem Robo-Hündchen Camus, während der etwa acht- bis neunstündigen Kampagne durch eine einzige, aber umso ereignisreichere Nachtschicht. Was als normaler Paketboten-Dienst anfängt, entpuppt sich schon bald als ein lebensgefährlicher Spießroutenlauf voller Geheimnisse, Korruption und Verschwörungen.
Das wird spätestens zu dem Zeitpunkt klar, als die Protagonistin bemerkt, dass sie gerade eine Bombe ausliefert.
The longest night
Quelle: PC Games
Das Fliegen mit dem HOVA-Car macht in der Cyberpunk-Stadt besonders viel Spaß.
Die Geschichte von Cloudpunk (jetzt kaufen 19,90 € ) wird größtenteils mittels komplett vertonter Dialoge erzählt, in welchen der Spieler immer wieder zu moralischen Entscheidungen gedrängt wird. So kann man sich beispielsweise angesichts eines potenziell tödlichen Gaslecks entscheiden, ob man es für einen großen Batzen Mammon vorzieht, eine Gruppe reicher Schnösel zu retten, oder ob man lieber moralisch integer bleibt und weiteren bedrohten Individuen wie einer gutherzigen Ärztin zur Hilfe eilt. Die gut geschriebenen Dialoge und die spannende Story stellen definitiv das Herzstück des Abenteuers dar.
Zu Lande und in der Luft
Quelle: PC Games
Auch zu Fuß müssen wir als Kurierien einige Male unterwegs sein.
Der zweite Grundpfeiler des Spiels ist das Fliegen und Laufen. Als Kurierfahrerin der Zukunft sitzt man nicht schnöde am Fahrrad oder im Auto, sondern nimmt in sogenannten HOVA-Cars Platz, einem fliegenden Vehikel á la Blader Runner, und liefert damit in einer offenen 3D-Welt Pakete aus. Die Steuerung unseres ersten HOVAs funktioniert gut und fühlt sich flüssig an. Jedoch lassen sich unsere Ersatz-HOVAs, die wir nach einem Diebstahl des Firmenwagens bekommen, weniger gut kontrollieren. Oft passiert es dann, dass man von anderen Fahrzeugen einfach zur Seite gerammt wird, oder aus Versehen gegen Gebäude oder Streben fliegt.
Jedoch, immer sind wir ohnehin nicht motorisiert unterwegs. Nicht alle unsere Lieferziele erreichen wir mit dem HOVA, also müssen wir aussteigen und per pedes unseren Dienst erledigen. Das ist aber nur bedingt Grund zur Freude. Das Herumlaufen funktioniert klobig und nervig, nicht nur, weil man naturgemäß bedeutend langsamer ist als mit dem HOVA. Rania kann sich nämlich nur in vier Richtungen bewegen. Während der Zu-Fuß-Abschnitte kommt es nicht selten vor, dass sich die Kamera so unvorteilhaft dreht, dass man direkt gegen eine Wand läuft. All dieser Macken zum Trotz kreiert Cloudpunk aber eine absolut großartige Atmosphäre.
Eine Stadt mit Charakter
Quelle: PC Games
Sämtliche Dialoge zwischen den Charakteren sind komplett vertont.
Gewaltige, heruntergekommene Gebäude, die bis in den Himmel reichen; an jeder Ecke Neonschilder, flackern, verlockend, verstörend; und die konstante Beschallung durch Werbung und die diabolischen Durchsagen der Regierung, die uns etwa die Todesstrafe für den Genuss von Jazzmusik androhen, was die bedrückende Stimmung weiter unterstreicht. Im Kontrast dazu zeigen sich die anderen Aspekte des futuristischen Stadtlebens durch stimmige Elektro-Beats, die allgegenwärtigen Androiden und generell durch viele Details, die zum grandiosen Worldbuilding beitragen. Cloudpunk gelingt eine fantastische Cyberpunk-Atmosphäre, die durch die simple und doch eindrucksvolle Voxel-Grafik noch verstärkt wird.
Die verschiedenen, glaubwürdigen Charaktere, denen man während der Kampagne begegnet, tragen weiter dazu bei dass sich Nivalis mitsamt ihrer Bewohner wie ein realer Ort anfühlt. Zivilisten, die einfach nur durch den Tag kommen wollen, Polizisten, die vor allem das eigene Wohl im Sinn haben und drogenabhängige Berühmtheiten sind nur einige der verschiedenen Personen, denen man begegnet. Einer der interessantesten Charaktere ist Huxley, ein alter Spionage-Android, der auf der Suche nach einem entführten Mädchen ist und ständig von sich in der dritten Person spricht, als wäre er der Held in seinem eigenen Film. Und dann ist da zum Beispiel noch William, der sich vom einfachen Staubsauger-Androiden zum Gebäudemanager "hocharbeitet".
Nix los in Nivalis
Quelle: PC Games
Die Stadt ist düster und hat so einige heruntergekommene Orte.
Atmosphärisch ist Cloudpunk also ein Brett, nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden vertonten Dialoge. Frei von Fehlern ist es aber nicht. Wir beziehen uns dabei nicht nur auf die störrische Steuerung sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Autos, sondern auch darauf, dass wir einiges an verschenkten Potenzial für ein noch intensiveres Spielgefühl sehen. Aus der großen und offenen Spielwelt hätte man noch einiges mehr herausholen können. Es gibt zwar Nebenmissionen, die sind aber kaum der Rede wert.
Wir hätten uns sehr über ausführlicher erzählte Zusatzgeschichten gefreut, die uns noch tiefer in die Geschichte Nivalis' eintauchen lassen. Und warum nicht ein paar Action-Passagen integrieren? Klar, Cloudpunkt ist primär ein Adventure. Die Spielwelt hat aber so viel Potenzial für weitere Spielelemente, die aber bestenfalls angedeutet werden, und fungiert somit als wenig mehr denn eine beeindruckende Kulisse. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Ausflug nach Nivalis sehr, wenn man bereit ist, über diese Schwächen hinwegzusehen.
Das Cyberpunk-Adventure mit Rollenspielelementen wurde vom Berliner Studio Ion Lands entwickelt und ist aktuell für den PC über Steam erhältlich. Versionen für Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch sollen noch in diesem Jahr folgen.
Die Vertonung ist mitunter das schlechteste was ich in letzter Zeit gesehen habe, emotionslos und amateurhaft. Ein kleines Mädchen wurde von einer erwachsenen Frau gesprochen und die Tonhöhe angehoben, so dass sie sich wie auf Helium anhört. Ich war echt perplex, sowas reißt einen sofort aus der Immersion, jedes Mal wenn sie spricht...
Auch sonst von der Spielmechanik her bietet das Spiel eigentlich nichts. Keine Abwechslung im Missionsdesign, immer nur fahre von A nach B. Die Steuerung der HOVAs ist passabel, aber Spaß macht es nicht, besonders nicht wenn man ewig nach einem Parkplatz sucht und dann hakelig einparkt. Das führt mich zu den Zu-Fuß-Passagen, die mich jedesmal nervten. Man ist gefühlt ein Drittel des Spiels zu Fuß, muss ewig zum Ziel laufen, bleibt ständig überall hängen, muss teilweise auf Aufzüge warten, und nach der Lieferung den ganzen Weg wieder zurück, ich verstehe nicht was man sich dabei gedacht hat. Sammelwahn gibts auch, leider sieht man die Gegenstände kaum in der Spielwelt und muss sich nach den Markierungen auf der Karte orientieren, manchmal selbst wenn man direkt davor steht.
Generell vermisse ich Abwechslung. Nicht nur im Missiondesign sondern auch in den Umgebungen, die zwar wirklich gut designed sind, aber die Stadtteile sich letztlich doch sehr ähneln, selten sieht man wirklich markante Gebäude, so dass auch die Orientierung sehr schwer fällt. Dass die Karte dabei immer nur einen Teil der Stadt zeigt und es keine komplette Karte gibt macht es noch schlimmer.
Es spricht ja nicht dagegen hieraus kein GTA zu machen mit Action und mehr Interaktionsmöglichkeiten sondern sowas wie NeoCab, aber dann muss auch die Story und die Charaktere stimmen, was hier leider nicht der Fall ist. Der ganze Fokus der Entwickler war hier wohl das Design der Stadt, an der hat man sich nach circa einer Stunde satt gesehen, danach nervt einfach alles nur und man hat das Gefühl das Spiel verschwendet Zeit. Schade, es wäre wirklich viel mehr drin gewesen...
Sorry, aber in meinen Ohren klingt die so teilnahmslos und mit wenig Emotion drin
"Die Steuerung unseres ersten HOVAs funktioniert gut und fühlt sich flüssig an."
Uff.. ich finde schon der erste steuert sich wie ein Haufen Rotz.
Das ist überhaupt eines der Hauptprobleme des Spieles. von der MECHANIK her macht nix an dem Ding wirklich Spaß (Atmosphäre und Story sind dagegen was ganz anderes.)
"Toll geschriebene und vertonte Dialoge"
Uff.
Uff, Uff, Uff....
Also, es gibt einige Sprecher, die sind wirklich gut (Camus, die "Hunde" KI die einen laufend begleitet mit an vorderster Front).
Andere sind mittelmäßig, andere klingen wie begabte Amateure.
Von den Aufnahmen her klingt es teilweise wie unter wechselnden Bedingungen zusammengeschnitten... dass die Übergänge zwischen den Sprechern nicht passen ist da nur eine Sache, passiert zugegebenermaßen aber auch aufwendigeren Produktionen.
Aber WAS mich stört ist der Hauptcharakter.. die klingt wie erfolgreich mehrfach sediert.
Sorry, aber in meinen Ohren klingt die so teilnahmslos und mit wenig Emotion drin.. die Sprecher, die Androiden im Spiel verkörpern kommen manchmal deutlich menschlicher rüber als sie,
und sie ist ja geradezu die Anti-These der Nivalis Bewohner.
Das hätte ich angekreidet. So toll manch anderes auch ist, aber es ist ingesamt ein sehr durchwachsenes Werk nach meinem bisherigen Spielstand. Aber ich bezweifle dass ausgerechnet die Steuerung und das Voice-Acting jetzt noch besser wird.