Close to the Sun im Test: Wenig Horror an Bord von Teslas Traumschiff
Bereits im Februar hatten wir Entwickler Storm in a Teacup bei uns zu Gast, um uns ihr neuestes Werk Close to the Sun anzusehen. Nun ist das charmante Indie-Horror-Adventure endlich erschienen und wir konnten uns ausführlich davon überzeugen, was das Spiel rund um Nikola Tesla zu bieten hat.
Dass große Ozeandampfer durchaus etwas Unheimliches an sich haben, kann wohl jeder nachvollziehen, der sich einmal intensiver mit dem Schicksal der Titanic auseinandergesetzt oder auch nur eine einzige Folge des Traumschiffs gesehen hat. Auf der Helios, dem Schiff, das im Zentrum von Close to the Sun (jetzt kaufen ) steht, herrscht ebenfalls der Horror - allerdings nicht in Form von Sascha Hehn oder seichter Vorabend-Unterhaltung. Stattdessen erwarten euch dort verrückte Wissenschaftler, messerschwingende Mörder und eine Gesellschaft in Trümmern.
Auf dieser Seite
- 1 Close to the Sun im Test: Willkommen auf Teslas Traumschiff
- 2 Close to the Sun im Test: Rapture lässt grüßen
- 3 Close to the Sun im Test: Radio Gaga
- 4 Close to the Sun im Test: Horror aus den falschen Gründen
- 5 Close to the Sun im Test: Ein Schrecken ohne Ende
- 6 Close to the Sun im Test: Fazit und Wertung
Close to the Sun im Test: Willkommen auf Teslas Traumschiff
Quelle: PC Games
Willkommen an Bord! Der Eingang zur Helios erinnert ein wenig an die Himmelspforte.
Aber beginnen wir vielleicht besser einmal ganz von vorne: Close to the Sun entführt euch ins späte 19. Jahrhundert einer alternativen Zeitlinie. Dort hat sich Nikola Tesla, Vater des Wechselstroms und einer der hellsten Köpfe seiner Zeit, zu einer der prägendsten Figuren der Welt entwickelt. Mit seiner Forschung auf dem Gebiet der Elektrotechnik veränderte er bleibend die Menschheitsgeschichte und versorgte Tausende Haushalte mit kostenloser Energie.
Als sein größtes Werk kann allerdings die Helios angesehen werden - ein riesiges Schiff in internationalen Gewässern, das als Tummelort für die wissenschaftliche Elite der Welt dient. Diese kann dort, ungestört von anderen Einflüssen wie Politik und Religion, ihrem Forschungsdrang nachgehen und so die Grenzen des menschlich Denkbaren immer wieder aufs Neue ausloten. Es handelt sich quasi um ein schwimmendes Utopia, eine unabhängige Gesellschaft, die nur den eigenen Regeln unterworfen ist. Entsprechend aber auch von der Außenwelt durchaus skeptisch beäugt wird.
Quelle: PC Games
Quarantäne in blutroter Schrift? Das heißt wohl nichts Gutes!
Auch eure Spielfigur, die junge Journalistin Rose Archer, ist sich nicht ganz sicher, was sie davon halten soll, dass sie eines Tages durch eine geheimnisvolle Nachricht auf die Helios eingeladen wird. Da der Brief allerdings von ihrer Schwester Ada unterzeichnet ist, macht sie sich natürlich trotzdem auf den Weg, dem Ursprung des teils kryptischen Schreibens auf den Grund zu gehen. Schon kurz nach eurer Ankunft an Bord müsst ihr allerdings feststellen, dass sich die Helios nicht ganz so einladend präsentiert wie ihr das gedacht hättet. Euch erwartet kein Begrüßungskommittee, nicht einmal ein einziger Hafenmitarbeiter ist in Sicht. So müsst ihr euch wohl oder übel selbst einen Weg ins Schiffsinnere suchen.
Close to the Sun im Test: Rapture lässt grüßen
Auch dort findet ihr ein wenig erfreuliches Bild vor: Der Stahlkoloss scheint nämlich vollkommen verwahrlost. Teile des Schiffs sind von der Stromzufuhr abgeschnitten. Es liegt der faulige Geruch von Tod in der Luft. Umdrehen ist aber natürlich keine Option, ihr stoßt also weiter in die finsteren Untiefen der Helios vor und versucht, eure Schwester zu finden und zu klären, was hier eigentlich vorgefallen ist. Eines wird dabei allerdings schon recht schnell klar: Es kann nichts Gutes gewesen sein. Denn auch, wenn ihr in den ersten Minuten keiner Menschenseele begegnet, eure Umgebung erzählt euch bereits eine eindeutige Geschichte.
Quelle: PC Games
Ist Nikola Tesla nun der neue Heilsbringer oder doch gar die Inkarnation des Bösen? Da sind sich selbst die Wissenschaftler an Bord nicht einig.
Die vielen Gänge und Räume rufen mit ihrem schönen Art-Nouveau-Stil versetzt mit Hightech-Elementen Erinnerungen an Bioshock hervor. Und wie auch in Rapture habt ihr stets das Gefühl, dass die Helios ihre besten Zeiten wohl schon lange hinter sich hat. Interne Sicherheitsprotokolle berichten von Spionen und Schläfern. Zeitungen schreiben von Überfällen auf Wissenschaftler. Blutige Verhörräume lassen darauf schließen, dass hier der sogenannte "Stromkrieg" gegen Konkurrent Thomas Edison auch schon mal mit härteren Bandagen geführt wurde.
So baut sich schnell eine unangenehme Stimmung auf, die durch die gelungene Musik und Soundkulisse noch einmal ordentlich verstärkt wird. Eure Situation wirkt stets bedrohlich, eure Neven stehen stets unter Spannung. Diese lösen die Entwickler immer wieder durch kleinere Jumpscares (etwa einen Funkenschlag oder eine sich plötzlich schließende Tür) auf. Hier mussten wir, obwohl wir durch die Demo bereits wussten, was uns erwartete, öfters mal durchpusten. Die Atmosphäre in Close to the Sun entfaltet gerade zu Spielbeginn beeindruckend ihre Wirkung. Besonders mit Kopfhörern und in einem abgedunkelten Raum kann euch das Spiel schon mal den einen oder anderen Schrecken einjagen.
Close to the Sun im Test: Radio Gaga
Glücklicherweise müsst ihr euren Horrortrip an Bord der Helios aber nicht alleine durchstehen. Ab einem gewissen Zeitpunkt seid ihr mithilfe eines Headsets in stetem Kontakt mit anderen Figuren. Neben eurer Schwester Ada ist das vor allem ein seltsamer Wissenschaftler namens Aubrey, der euch bei vereinzelt auftauchenden Rätseln hilft und Türen für euch öffnet. Die Dynamik dieses Funkkontakts erinnert dabei - wie könnte es anders sein - wieder einmal ein wenig an BioShock. Wie während eurer dortigen Gespräche mit Atlas, könnt ihr euch in Close to the Sun nie so wirklich sicher sein, wie vertrauenswürdig eurer Gegenüber ist. Zumal Aubrey oftmals einen psychisch labilen Eindruck macht, während er sich etwa mit der Leiche seines toten Freundes Benny unterhält.
Quelle: PC Games
Wissenschaftler Aubrey, mit dem ihr per Funk in Kontakt steht, hilft euch gelegentlich, indem er Türen öffnet.
Lobend hervorheben muss man an dieser Stelle die ordentliche Vertonung. Die deutschen Synchronsprecher (unter anderem Lara Trautmann alias "Lara Loft" als Rose Archer) machen durchweg einen guten Job. Das gilt auch für die diversen "Begegnungen der dritten Art", während der Figuren aus schwebenden, goldleuchtenden Partikeln euch vergangene Gespräche und Handlungen noch einmal durchleben lassen. So erfahrt ihr noch einmal mehr über die verhängnisvollen Vorkommnisse an Bord. Nett fanden wir ebenfalls vereinzelt eingestreute Witze in Form von kleinen Notizen. Auf diesen beschwerte sich etwa ein Nachbar über den nächtlichen "Lärm" im Zimmer eines Wissenschaftlers. Oder der der Hausmeister wünschte einem Klopapier-Dieb, er möge doch an einer rektalen Blutung draufgehen.
Close to the Sun im Test: Horror aus den falschen Gründen
Quelle: PC Games
Spring oder stirb! Wenn ihr während einer Verfolgung an einem Hindernis hängenbleibt, bedeutet das meist den Tod.
Apropos draufgehen: Wie bereits eingangs erwähnt ist Close to the Sun übrigens kein Walking Simulator, sondern ein Horror-Adventure. Deshalb verfügt das Spiel auch noch über einige (zumindest vermeintlich) gruselige Verfolgungssequenzen, in denen ihr etwa vor einem messerschwingenden Mörder namens Ludwig davonrennt (denn natürlich musste der böse Gegenspieler ein Deutscher sein). Diese sind, wie wir bereits in unserer Vorschau schrieben, leider aber noch immer die offensichtliche Schwachstelle des Titels.
Der ideale Weg während dieser Abschnitte ist leider oft nicht direkt ersichtlich. Zu allem Überfluss lassen sich Hindernisse nur mit einem Druck auf die linke Maustaste überspringen - allerdings auch nur, wenn ihr sie richtig anvisiert habt. So kann es schon mal passieren, dass ihr mehrmals herumklicken müsst, bevor Rose endlich über einen umgestürzten Abfalleimer hüpft. Das kostet nicht nur Nerven, sondern auch kostbare Zeit.
Im Regelfall hat euch eurer Verfolger nämlich schon nach nur einem schwerwiegenden Fehler direkt eingeholt - was dann einen qualvollen Bildschirm-Tod nach sich zieht. Nun, mehr oder weniger. Tatsächlich sticht euer Gegner einfach nur mehrmals lieblos auf euch ein, danach startet die Verfolgungssequenz einfach wieder von vorne. Konsequenzen: Fehlanzeige. Abgesehen von dem Umstand, dass ihr der Abschnitte ziemlich schnell überdrüssig werdet.
Quelle: PC Games
Kurz und schmerzlos - Tode in Close to the Sun sind nur wenig angsteinflößend und ziehen keinerlei Konsequenzen nach sich.
Close to the Sun im Test: Ein Schrecken ohne Ende
Zum Horror eines Soma oder Outlast, von deren Gameplay sich die Macher deutlich haben inspirieren lassen, fehlt einfach ein gutes Stück. Das Design eurer Gegner ist nicht abstoßend genug. Ihrem Auftreten fehlt ohne die passenden Bild- und Soundeffekte einfach der nötige Nachdruck. Zudem fühlen sich die Gruselmomente in Close to the Sun zu geskripted an. Gefahren erwarten euch immer nur an den vorhergesehenen Stellen. Eine stets präsente Bedrohung gibt es nicht.
Quelle: PC Games
So eindrucksvoll wie hier präsentiert sich Close to the Sun leider nur selten.
Zum enttäuschenden Horror-Aspekt gesellen sich dann auch noch einige andere Defizite. Die Grafik der Unreal Engine 4 macht über weite Strecken zwar einen soliden Eindruck, immer wieder begegnen euch aber kleinere Ruckler. An vielen Stellen ist das Spiel zudem viel zu dunkel. Auch die Figuren wirken mit ihren statischen Gesichtern und hölzernen Animationen nur wenig lebhaft. Am ärgerlichsten fanden wir jedoch das überraschend abrupte Ende von Close to the Sun, das zumindest bei uns noch einige Fragen offen ließ. Hier hatten wir fast den Eindruck, den Entwicklern sei die Zeit ausgegangen. Oder Storm in a Teacup plane bereits ein Sequel bzw. einen DLC, um die Geschichte rund um Tesla und die Archer-Schwestern noch irgendwie zu einem befriedigenden Ende zu bringen. Schade.
Close to the Sun erschien am 2. Mai für den PC - vorerst exklusiv über den Epic Games Store. Ein Release auf PS4 und Xbox One ist für die kommenden Monate geplant.
Close to the Sun im Test: Fazit und Wertung
Meinung
Bildergalerie
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Der Tester ist lustig. :D "denn natürlich musste der böse Gegenspieler ein Deutscher sein". Komisch oder, ist auch in vielen Filmen und Spielen so, sehen die meisten Menschen (Milliarden) auf der Erde so gar nicht, da geilen sich blos ein paar Hansel im sogenannten Westen daran auf, welche unsere "Freunde" sind. Die Frage ist ja, warum läßt man sowas als deutscher Konsument mit sich durchgehen, läuft ja schon seit Jahrzehnten? Freut sich gerade noch dran. Dezent geisteskrank, so sieht man das jedenfalls im psychiatrischen Bereich.