Close to the Sun in der Vorschau: Atmosphärischer Horror mit Herz
Eine Mischung aus Soma, Outlast und Firewatch - so beschreiben die Entwickler von Storm in a Teacup ihr neuestes Werk Close to the Sun. Das klingt erst einmal nach einer etwas seltsamen Mischung, machte uns aber durchaus neugierig. Wir haben uns das kleine aber charmante Indie-Horror-Adventure daher einmal angeschaut und verraten euch unsere ersten Eindrücke.
Wenn ein Spiel mit Bioshock verglichen wird, kann das durchaus als Erfolg bezeichnet werden. Entsprechend dürften sich die Entwickler von Storm in a Teacup ziemlich gefreut haben, als ihr neuestes Werk Close to the Sun (jetzt kaufen )in diversen News-Artikeln oder Youtube-Kommentaren mit dem Ego-Shooter von 2007 in Verbindung gebracht wurde. Sollte man zumindest meinen. Tatsächlich zeigen sich die Macher von diesem Umstand zwar "geschmeichelt" wie uns Game Designer Joel Hakalax in einem Gespräch verriet, dennoch möchte man doch lieber für die eigenen Qualitäten wahrgenommen werden. "Wir fühlen uns geehrt, mit einem Spiel verglichen zu werden, das wir ebenfalls sehr mögen", erklärte uns der Schwede im Interview. "Schließlich ist das ein Zeichen dafür, dass wir einiges richtiggemacht haben. Abgesehen von einigen Ähnlichkeiten beim visuellen Konzept haben wir allerdings nicht viel mit Bioshock gemeinsam. Wir machen etwas komplett Anderes."
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Close to the Sun in der Vorschau: Die Wunder der Wissenschaft
Quelle: Storm in a Teacup
Zu Beginn eures Abenteuer werdet ihr von einem autonom fahrenden Boot zur Helios gebracht.
Konkret arbeitet das italienische Indie-Studio an einem kleinen, charmanten Horror-Adventure, das euch in eine alternative Welt des 19. Jahrhunderts entführt. Dort konnte Nikola Tesla den Stromkrieg mit Konkurrent Thomas Edison für sich entscheiden und schwang sich in der Folge zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit auf. Besonders seine Entdeckungen auf dem Feld der Elektrotechnik brachten die Menschheit um Lichtjahre voran. Sein Meisterwerk, die Krönung seines Schaffens stellte schließlich ein riesiger Schiffskomplex namens Helios dar, auf dem ein Kollektiv von Forschern frei ihren Ideen nachgeht - ungestört von äußeren Einflüssen wie Politik oder Religion. Der kroatische Wissenschaftler wurde so zum modernen Prometheus, der das Feuer des Wissens in die Welt hinaustrug und die Menschheit aus der Dunkelheit führte.
Das ist nur eine von vielen Anspielungen an die griechische Mythologie, die das Spiel auf Lager hat. Sogar der Name Close to the Sun selbst ist etwa eine Referenz zur Geschichte von Daedalus und Ikarus. Wie in der antiken Sage, in der Vater und Sohn mit angeklebten Federn zur Sonne schweben, folgt aber natürlich auch im Adventure irgendwann der unvermeidliche Absturz. Und die feine Gesellschaft an Bord der riesigen Arche des Wissens muss ihrem zunehmenden Übermut und Größenwahn letztendlich Tribut zollen.
Quelle: Storm in a Teacup
Die Welt von Close to the Sun hat einige Geheimnisse parat, die ihr durch Sammelgegenstände und Erkundung der Umgebung stückweise enthüllt.
Wie es der Zufall so will, begebt ihr euch natürlich ausgerechnet in diesen stürmischen Zeiten auf zu Teslas selbsternannte Tüftler-Paradies. Dabei schlüpft ihr in die Rolle der jungen Journalistin Rose, die dort auf eine mysteriöse Einladung hin ihre Schwester Ada, eine Wissenschaftlerin an Bord der Helios, besuchen will. Nach eurer Ankunft müsst ihr allerdings feststellen, dass es dort nicht mehr ganz so gemütlich aussieht wie ihr ursprünglich gedacht hattet. Große Teile des Schiffs liegen in Trümmern, Teile des Komplexes sind von der Stromversorgung abgeschnitten, vereinzelt wurden kryptische Nachrichten in roter Farbe an die Wände geschmiert. Eure Aufgabe ist es nun, euch durch das zerstörte Schiff zu schlagen, nach Gründen für den Niedergang der hiesigen Gesellschaft suchen und natürlich eure Schwester finden, die sich noch irgendwo an Bord aufhält.
Close to the Sun in der Vorschau: Kein Walking Simulator
Quelle: Storm in a Teacup
An Bord der Helios erwarten euch zahlreiche Gefahren, seien es nun schwelende Feuer oder mordlüsterne Passagiere.
Dazu streift ihr durch die verschiedenen Ebenen des riesigen Ozeankreuzers und sammelt Hinweise, meist in Form von Schriftstücken. Später stolpert ihr auch über diverse Arten von Hologrammen, die man so vergleichsweise schon aus Everybodys gone to the Rapture kennt: Golden schimmernde Silhoutten aus winzigen Lichtpartikeln lassen euch dann vergangene Gespräche und Aktionen der Passagiere noch einmal erleben. Allerdings, so betonen die Entwickler, soll Close to the Sun kein Walking Simulator werden, in dem ihr einfach nur stur von A nach B lauft. Stattdessen streut das Adventure immer wieder auch Interaktionsmomente mit lebenden Personen mit ein. So trefft ihr im Laufe des Spiels beispielsweise auf Aubrey, einen anderen Gefangenen an Bord, der euch per Funk dabei hilft, von der Helios zu verschwinden. Diese Dialoge sollen in der finalen Version sogar auf Deutsch vertont sein.
Darüber hinaus konfrontiert euch das Adventure mit einigen kleineren und größeren Rätseln, die sich zu Beginn noch relativ simpel gestalten. Da gilt es etwa, einen Safe zu knacken oder die richtige Tastenkombination für das Öffnen einer Tür zu finden - was dank der kontextsensitiven Steuerung, die euch alle Gegenstände in der Umgebung anzeigt, mit denen ihr interagieren könnt, auch relativ gut funktioniert. Später werden die Puzzles dann aber schon wesentlich herausfordernder.
Quelle: Storm in a Teacup
Verstümmelte Leichen und blutige Nachrichten an der Wand - Close to the Sun spart nicht mit Schockmomenten.
Für den nötigen Adrenalin-Kick sorgen zudem zahlreiche Grusel-Elemente, die Close to the Sun überhaupt erst zu einem Horror-Titel machen. Besonders die angespannte Stimmung mit ihrer beklemmenden Soundkulisse und das düstere Game-Design haben uns richtig gut gefallen. Die Entwickler haben hier mithilfe der Unreal Engine 4 eine sehr atomsphärische Welt erschaffen, die später dank NVIDIA Ansel auch noch richtig gut aussehen soll. Bereits jetzt machen die von Art déco und Art Nouveau inspirierten Schauplätze, vermischt mit moderner Technologie, einen richtig guten Eindruck. Storm in a Teacup inszeniert hier eine faszinierende Steampunk-Welt, nur eben mit Elektrizität statt mit Dampf. Pompöse Ballsäle und Theater mischen sich mit sterilen Laboratorien und menschenleeren Tesla-Museen. Alle Kulissen sind wunderschön anzuschauen, jagen einem aber auch einen kalten Schauer über den Rücken. Man fragt sich die ganze Zeit, was wohl an Bord vorgefallen ist. Und ob hinter der nächsten Ecke nicht etwas Gefährliches lauert.
Close to the Sun in der Vorschau: Gruseln geht anders
Quelle: Storm in a Teacup
Die Entwickler beschreiben die Welt von Close to the Sun als ein Steampunk-Universum, nur eben mit Strom statt Dampf.
Tatsächlich glänzt Close to the Sun auch mit dem ein oder anderen kleinen Jumpscare, der euch unerwartet aus dem Sitz katapultiert. Für Herzrasen sorgen allerdings besonders Konfrontationen mit anderen Schiffspassagieren, die größtenteils eher weniger freundlich gesinnt und durchaus mal auf euer Leben aus sind. In diesen Momenten haben sich die Macher sichtlich an Outlast und Soma orientiert. Das heißt im Klartext: Ihr habt keine Waffen, um euch einem Angreifer entgegenzustellen. Euer Charakter ist hilflos und verletzlich. Es kommt gar nicht erst die Illusion auf, dass ihr euch verteidigen könntet. Eure einzige Möglichkeit ist die Flucht. Ihr lauft oder ihr sterbt.
So entstehen rasante Verfolgungssequenzen, in denen ihr etwa von einem blutdurstigen, messerschwingenden Freak verfolgt werdet und mit ordentlich Tempo durch die enge Gänge der Helios stürzt. Dabei habt ihr verschiedene Fluchtwege zur Auswahl, die mal mehr, mal weniger zum Erfolg führen. Springt ihr etwa über Hindernisse, verschafft ihr euch einen Vorteil gegenüber eurer Verfolger. Die sind nämlich meist nicht so flink unterwegs.
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Leider funktionieren die Hetzjagden nicht immer einwandfrei: Ihr bleibt gerne mal an Gegenständen hängen, verlauft euch oder werdet trotz gedrückter Sprintentaste eingeholt - was darin resultiert, dass euer Verfolger euch mit ein paar Stichen zu Boden bringt.
Das ist zum einen recht frustrierend, da ihr so dieselbe Sequenz noch einmal spielen müsst. Zum anderen raubt diese ständige Wiederholung dem Spiel auch schnell seinen Schrecken. Sobald ihr das erste Mal einen eurer Gegenspieler erblickt und ihn ihm einfach nur ein generisches, teils recht statisches Charaktermodell erkannt habt, stellt er keine wirkliche Bedrohung mehr dar. Die bisher gezeigten Gegner hatten nichts an sich, wovor es sich wirklich zu fürchten lohnte. Unsere Vorstellung dessen, was uns in den dunklen Weiten der Helios erwarten würde war letztendlich doch wesentlich gruseliger als das, was dort tatsächlich hauste. Und diese Erkenntnis ließ uns dann doch beinahe enttäuscht zurück.
Quelle: Storm in a Teacup
Eines steht schon zu Beginn zweifellos fest: Auf der Helios geht einiges nicht mit rechten Dingen zu.
Zumal euer Tod offenbar keinerlei Konsequenzen nach sich zieht und die Horror-Passagen, zumindest während unserer Anspielsession, klar definiert waren. Ihr lebt also nicht wie in Alien: Isolation oder Amnesia in der ständigen Gefahr, gleich hinter der nächsten Ecke von einem Monster angesprungen zu werden. Stattdessen spaziert ihr zeitweise komplett sorglos durch das Schiff. Klar: Das kann in der finalen Version alles noch etwas anders aussehen, schließlich haben wir bis dato nur einen Bruchteil des knapp sechsstündigen Abenteuers gesehen. Für ein Spiel, das sich selbst als Horror-Titel beschreibt, war die bisherige Erfahrung allerdings ein wenig mau.

Wenn man sowas wünscht, da ist man bei solchen Spielen falsch. Ist jetzt nicht böse oder abwertend gemeint. Da muss man sich nach anderen Spielen, nach Actionspielen umschauen.
Das will so ein Spiel wie hier aber nicht sein.
Ansel ist doch einfach ein Foto-Modus, oder nicht? Was hat das mit dem Aussehen des Games zu tun? Dass man gute Screenshots machen kann, find ich toll. Aber besser wird das Game dadurch nur für "Fotografen". Muss gestehen, dass ich da aber damit meine Freunde habe.