Civilization: Beyond Earth im Test: Quests, Fazit, Wertung

50
Test Stefan Weiß - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
In Civilization: Beyond Earth bauen wir blühende Zivilisationen mit futuristischer Technologie auf einem fremden Planeten auf. Ob das Spaß macht, verrät unser Test.
Quelle: PC Games

Civilization: Beyond Earth versucht sich an der Darstellung einer eindringlichen Zukunftsvision: Wie wird die Menschheit sich verhalten, wenn sie tatsächlich einmal auf einem anderen Planeten Fuß fassen sollte? Welchen Weg werden unsere Nachfahren einschlagen, die eine neue Heimat irgendwo im All besiedeln? Ob Sid Meier damit ein neuer Meilenstein im Rundenstrategie-Genre gelungen ist, verrät unser Test.

Motivierende Quest-Entscheidungen

Die Entwickler von Civilization: Beyond Earth haben sich eine der Maximen ihrer Firma sehr zu Herzen genommen: den Spieler ständig vor interessante Entweder-oder-Auswahlmöglichkeiten zu stellen. Daher gibt es in Civilization: Beyond Earth ein Quest-System, das einerseits die kompletten Siegbedingungen für eine Partie steuert, andererseits aber oft kleine Story-Entscheidungen von uns verlangt, bei denen wir über das Schicksal unserer Kolonie entscheiden müssen: Dämmen wir zum Beispiel einen außer Kontrolle geratenen Wildwuchs irdischer eingeschleppter Nutzpflanzen ein oder lassen wir das terranische Unkraut sprießen?

Civilization: Beyond Earth - Dank des neuen, motivierenden Quest-Systems lassen sich unsere Gebäude mit Spezial-Boni aufwerten. Zur Wahl stehen immer zwei Verbesserungen, von denen wir eine annehmen können. Quelle: PC Games Civilization: Beyond Earth - Dank des neuen, motivierenden Quest-Systems lassen sich unsere Gebäude mit Spezial-Boni aufwerten. Zur Wahl stehen immer zwei Verbesserungen, von denen wir eine annehmen können. Die meisten Quest-Entscheidungen betreffen jedoch unsere Stadtgebäude. Sobald wir ein Exemplar eines Gebäudetyps errichtet haben, ploppt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine zugehörige Quest auf, die uns vor die Wahl stellt, das jeweilige Gebäude auf eine von zwei Arten zu modifizieren: So produzieren unsere Standard-Thoriumreaktoren normalerweise drei Energiepunkte pro Runde. Mit der passenden Gebäudequest rüsten wir alle Gebäude des gleichen Typs so auf, dass sie entweder gleich fünf Energie produzieren – oder weiterhin drei Energiepunkte und einen Produktionspunkt. Oft gibt es bei diesen Entscheidungen aber durchaus eine "bessere" Wahl, welche die Alternative deutlich aussticht.

Nicht ganz ausbalanciert

Ein gutes Beispiel für das nicht ganz überzeugende Balancing in Beyond Earth stellen die Ultraschall-Zäune dar. Einmal errichtet, verhindern diese praktischen Gebäude, dass sich Aliens unseren Städten auf mehr als zwei Felder nähern. Mit der Upgrade-Quest haben wir die Wahl, diesen Radius auf drei Felder zu erhöhen – oder gleich sämtliche Handelskarawanen mit einem portablen U-Schall-Generator auszurüsten, was all unsere Handelsflotten und Konvois effektiv unverwundbar gegenüber Alien-Angriffen macht. Da Handelsrouten in Civilization: Beyond Earth sowieso weitaus lohnender sind als noch in Civilization 5, geht die Spielbalance damit ein wenig in die Binsen. Man stelle sich vor, die Handelsschiffe und -Karawanen in Civilization 5 wären immun gegen Barbaren-Angriffe! Zu allem Überfluss richtet sich die Anzahl der verfügbaren Karawanen für eine Fraktion nach der Anzahl der Städte: Jede Siedlung darf zwei, später sogar drei Handelseinheiten losschicken. In Verbindung mit dem neuen Gesundheitssystem, das das alte Glücklichkeits-Feature aus Civilization 5 ablöst und das die Gründung von vielen Städten nur durch einen sehr laschen Malus von zehn Prozent Kultur- und Forschungspunkten ahndet, gibt es keinen Grund mehr, sich bei der Landnahme einzuschränken und mit wenigen Städten zu spielen.

Einheitenbaukasten light

Trotz aller Lektionen der Vergangenheit wird auch die Zukunft der Menschheit von Kriegen und Konflikten innerhalb der eigenen Spezies bestimmt. Die acht Fraktionen, die die Besiedelung der neuen Welt weit, weit enfernt von der Erde durchführen, sind einander genauso wenig gewogen wie die zänkischen Staatsoberhäupter aus dem "klassischen" Civilization. Vor allem, da sie sich im Lauf einer Partie Beyond Earth verschiedenen Ideologien anschließen können, von denen jede einen Archetypen menschlicher Fortentwicklung repräsentiert: Reinheits-Anhänger betrachten die unveränderte menschliche Form als das Nonplusultra, Überlegenheits-Jünger predigen die Vereinigung von Mensch und Maschine, während die Harmonie-Begeisterten sich voll auf die Gegebenheiten des neuen Planeten einlassen und sich dafür sogar per Gentechnik modifizieren.

Civilization: Beyond Earth - Im Aufrüst-Menü verteilen wir nach Stufenaufstiegen im Affinitätslevel Spezialfähigkeiten an unsere Truppen: Auf Stufe zwei wird beispielsweise das Kampffahrzeug zum Panzer ausgebaut. Quelle: PC Games Civilization: Beyond Earth - Im Aufrüst-Menü verteilen wir nach Stufenaufstiegen im Affinitätslevel Spezialfähigkeiten an unsere Truppen: Auf Stufe zwei wird beispielsweise das Kampffahrzeug zum Panzer ausgebaut. Der in Alpha Centauri enthaltene, üppige Einheiten-Editor, bei dem aus Chassis, Panzerung und Waffe die unterschiedlichsten Truppen zusammengestöpselt werden konnten, ist Geschichte. Beyond Earth hat in diesem Punkt deutlich abgespeckt, neu dafür ist, dass ihr die Einheiten je nach verfolgter Ideologie (Affinität) unterschiedlich entwickelt. Dabei dürfen wir unsere Truppen ideologisch passend in vier Stufen aufrüsten. Die meisten Affinitäts-Punkte erhalten wir über bestimmte, einer jeweiligen Affinität zugeordnete Forschungsprojekte.

Ein Soldat, der zu Beginn des Spiels wie ein NASA-Astronaut mit Sturmgewehr aussieht, kann je nach Affinität zu einem dick gepanzerten Space Marine im Kampfanzug werden (Reinheit), zu einem kybernetisch verbesserten Robo-Soldaten (Überlegenheit) oder zu einem grünen Guerilla-Kämpfer (Harmonie). Auch hier müssen wir wieder Entscheidungen treffen: Bei jedem Stufenaufstieg eines Truppentyps können wir eine von zwei Spezialfähigkeiten vergeben (ähnlich den Beförderungen für die Soldaten in XCOM: Enemy Unknown), die dann wiederum für alle Ausgaben dieser Einheitenart gilt.

Kämpfen unsere Truppen gut und verdienen sich im Feld Erfahrungspunkte, sind leider nur noch langweilige Veteranenbeförderungen möglich, die 10 Prozent Kampfkraft pro Stufe ergeben. Das macht das Kriegführen in Beyond Earth etwas weniger vergnüglich als noch im historischen Hauptteil der Reihe, aber das ist Kritik auf höchstem Niveau. Mit all seinen ineinander greifenden Systemen, all den durchdachten Spielelementen und dem hohen Wiederspielwert ist Civilization: Beyond Earth ein sehr gutes Rundenstrategiespiel geworden, das eine schöne Alternative zum bisher immer gleich gebliebenen historischen Civ-Setting bietet.

Meinung

Wertung zu Civilization: Beyond Earth (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Technologie-Netz ermöglicht strategische Planung in für Civ ganz neuem AusmaßAffinitäts-Ausrichtung bestimmt Optik der eigenen FraktionElegantes InterfaceViele Starteinstellungen möglichHoher WiederspielwertKonsequente Weiterentwicklung des Civ-GameplaysNeues Quest-System mit relevanten EntscheidungenSchicke Grafik und Animationen
Einheiten-Veteranenbeförderungen fallen langweilig ausAbgespeckter Einheiten-EditorZu viele Handelskonvois, die obendrein zu mächtige Erträge daraus entstehen lassenFür Civ-Verhältnisse nur geringe Fraktionszahl
Fazit

Das modernisierte Civ-Konzept geht gut auf und bietet reichlich Spielspaß. Veteranen der Reihe seien jedoch gleich die hohen Schwierigkeitsgrade empfohlen, da die KI erst dann fordernd wird. An Genreprimus Civilization 5 kommt Beyond Earth jedoch nicht heran, bietet aber eine hübsche Science-Fiction-Alternative mit leichterem Einstieg.

Bildergalerie

50
  1. Seite 1 Civilization: Beyond Earth im Test: Spielstart, Forschungsnetz
  2. Seite 2 Civilization: Beyond Earth im Test: Quests, Fazit, Wertung
    • Kommentare (50)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Herbboy Mitglied
        Jo, grad deswegen ist ja ärgerlich, dass man einer Spielweise, die an sich Civ ausmacht (Land kennenlernen und sich da ansiedeln) es schwerer wird... mir geht es auch nicht nur um den reinen Sieg - DASS man auch mit nur 1-2 Städten gut gewinnen kann, hab ich auch schon gemerkt ;)
      • Von Herbboy Mitglied
        Jo, grad deswegen ist ja ärgerlich, dass man einer Spielweise, die an sich Civ ausmacht (Land kennenlernen und sich da ansiedeln) es schwerer wird... mir geht es auch nicht nur um den reinen Sieg - DASS man auch mit nur 1-2 Städten gut gewinnen kann, hab ich auch schon gemerkt ;)
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Klar, jeder hat seinen eigenen Spielstil, aber ich achte mittlerweile von Anfang an auf ein "optimales" Gesundheitswachstum, die Boni ab "utopisch (= 20+ Gesundheit) sind nicht zu verachten (jeweils 10% mehr Produktion, Wissenschaft und Kultur, 20% schnelleres Wachstum und 50% Malus für gegnerische Agenten, Schaden anzurichten). :-)
      • Von Herbboy Mitglied
        Zitat von Spassbremse


        Die Aliens kann man eigentlich getrost ignorieren, die tun (fast) nichts und dienen in erster Linie wohl dazu den eigenen Einheiten zu XP zu verhelfen. Zumindest haben die inklusive Schwierigkeitsgrad "Sojus" bei mir noch nie wirklich Stress gemacht, "Apollo" habe ich noch nicht gespielt. Außerdem verschwinden sie, wenn man überall das Miasma entfernt; spielt man "Harmonie", isses später eh egal. Handelskonvois lassen sich sehr früh im Spiel (Event) komplett schützen und auch Erkunder lassen sich relativ schnell schützen.
        dieser Event kommt bei mir manchmal nicht oder nur sehr spät.

        Ich hab ja allein schon Probleme, unbeschadet mehr als ich sag mal 20 Felder um die Stadt herum zu erkunden - allein deswegen bau ich auch rel. früh lieber schon 2-3 weitere Städte, um "mit mir selbst" zu handeln.

        Zitat

        Außerdem braucht man, je nach Spielstil, gar nicht alle Ressourcen. Als Domination-Spieler brauchst Du z.B. keine Xenomasse und schwebende Steine. Die "basic ressources" sind dagegen eher nice to have. Klar, manche sind zwingend Voraussetzung für bestimmte Gebäude, aber wirklich spielentscheidend sind die nicht.
        das ist klar, aber es macht ja auch Spaß, alle Gebäude, die man bauen könnte, wirklich zu bauen - zB gibt es ja auch Gebäude, die dies oder jenes brauchen und dann direkt fette Boni auf Wissenschaft geben, was wiederum den Weg zum Sieg beschleunigt.
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Zitat von Herbboy
        naja, ohne Expansion bist Du irgendwann von Aliens nur so eingekreist, dann hast Du später irre viel Arbeit, um aufzuräumen, wenn du dann noch expandieren willst. Dazu kommt, dass man sich ja einige Ressourcen sichern will - das geht mit nur 2 Städten eigentlich nicht. Mehr als 4-5 hab ich zwar auch nur selten, aber nur 1-2? ^^
        Die Aliens kann man eigentlich getrost ignorieren, die tun (fast) nichts und dienen in erster Linie wohl dazu den eigenen Einheiten zu XP zu verhelfen. Zumindest haben die inklusive Schwierigkeitsgrad "Sojus" bei mir noch nie wirklich Stress gemacht, "Apollo" habe ich noch nicht gespielt. Außerdem verschwinden sie, wenn man überall das Miasma entfernt; spielt man "Harmonie", isses später eh egal. Handelskonvois lassen sich sehr früh im Spiel (Event) komplett schützen und auch Erkunder lassen sich relativ schnell schützen.

        Außerdem braucht man, je nach Spielstil, gar nicht alle Ressourcen. Als Domination-Spieler brauchst Du z.B. keine Xenomasse und schwebende Steine. Die "basic ressources" sind dagegen eher nice to have. Klar, manche sind zwingend Voraussetzung für bestimmte Gebäude, aber wirklich spielentscheidend sind die nicht.
      • Von Herbboy Mitglied
        Zitat von Spassbremse
        Sehr spät? Bionik liegt im zweiten "Ring", d.h., wenn Du gezielt darauf hinforschst, kannst Du das innerhalb der ersten 100 Runden problemlos kriegen. Bei etwas wahlloserer Verteilung zwischen Runde 150-200, schätze ich. Ich hatte die Dinger jedenfalls immer schon locker im midgame.
        150-200 ist meiner Ansicht nach recht spät, zumindest bezüglich der Tatsache, dass man bei 3-5 Siedlungen da kaum eine Chance hat, nicht im roten Bereich der Gesundheit zu landen. Da fallen dann nur deswegen einige Boni weg. Und so oder so: die ersten 100 Runden dauert es pro Tech selbst im ersten Ring 15-25 Runden, und wenn man nach 2 Techs dann eine des 2.Rings erforschen will, dauer der 25-30 Runden... - da krieg ich vlt. 6 Techs erforscht inkl. 1-2 Nebentechs. Wenn ich diese Brunnen erforschen wollte, müsste ich wiederum zb auf den Abbau von den lila Schwämmen und Firaxit verzichten.

        Zitat
        Wichtigste Strategie ist imho, wenig zu expandieren. bis Runde 100 vlt. ein erster Außenposten, dann bis 200 ein zweiter. Insgesamt hatte ich nie mehr als maximal 5 Siedlungen - dann gibt's auch mit der Gesundheit keine Probleme, selbst auf den höheren Schwierigkeitsgraden nicht.
        naja, ohne Expansion bist Du irgendwann von Aliens nur so eingekreist, dann hast Du später irre viel Arbeit, um aufzuräumen, wenn du dann noch expandieren willst. Dazu kommt, dass man sich ja einige Ressourcen sichern will - das geht mit nur 2 Städten eigentlich nicht. Mehr als 4-5 hab ich zwar auch nur selten, aber nur 1-2? ^^
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk