Civilization Beyond Earth: Rising Tide - Technologienetz, Affinitäten, Fazit
Sid Meier's Civilization: Beyond Earth - Rising Tide im Test: die erste große DLC-Erweiterung zu Beyond Earth knöpft sich Schwachstellen des Hauptspiels vor und bringt zahlreiche Neuerungen ins Science-Fiction-Rundenstrategiespiel. Im Test prüfen wir, wie sich das Add-on auf den Spielspaß auswirkt und ob sich ein Kauf für euch lohnt.
Tech-Web 2.0 - das neue Technologienetz
Quelle: PC Games
Das überarbeitete Forschungsmenü in Rising Tide ist zwar bunter, aber nicht übersichtlicher geworden.
Um das Thema Aqua-Gameplay noch zu intensivieren, hat Firaxis Games auch das bestehende Technologienetz aus Beyond Earth kräftig überarbeitet. Optisch lassen sich jetzt die vielen Icons für Gebäude, Einheiten, Wunder, Technologien etc. viel besser auseinander halten. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche neue Gebäude und Technologien, die nur für Wasserstädte nutzbar sind, andere nur für Landsiedlungen. So schön die Bereicherung der Forschung aber auch ist, sorgt es nicht gerade für mehr Übersichtlichkeit. Im Gegenteil, das bunte Wirrwarr an Icons muss man sich immer noch recht mühsam erarbeiten, um durchzublicken. Das schlägt sich auch in der jetzt viel länger ausfallenden Produktionsliste nieder. Hier wäre es praktisch, wenn das Spiel gerade nicht platzierbare Gebäude ausblenden würde. Wenn ich beispielsweise den Stadtbildschirm einer Landsiedlung geöffnet habe, interessiert es mich nicht die Bohne, welche Nur-auf-Wasser-platzierbare Gebäude ich erforscht habe und umgekehrt.
In diesem Artikel
Die Mischung macht's - die neuen Affinitäten in Rising Tide
Eines der Ziele von Beyond Earth war es, dem Spieler zu ermöglichen, sich im Verlauf einer Spielpartie einer bestimmten Ideologie, der so genannten Affinität zu verschreiben. Das wirkte sich auf globale Boni für die Spielerfraktion und vor allem auf die Entwicklung der Militäreinheiten aus. Wer sich die Eigenheiten des Affinitäts-Systems in Erinnerung rufen möchte und was sich die Entwickler dazu vorgenommen hatten, erzählten sie erst kürzlich in einem Video zu Rising Tide.
Auch wenn man sich für strikt für die Affinität Reinheit, Überlegenheit oder Harmonie entschied, entwickelten viele Spieler auf dem Weg zu einem bestimmten Forschungsziel zwangsweise Technologien, die Punkte für ungewollte Affinitäten einbrachten, aber nutzlos blieben, das war doof. Das ist mit Rising Tide anders - denn jetzt stehen euch Mischaffinitäten zur Verfügung. Dadurch profitiert zum Beispiel eure gewählte Sponsor-Fraktion, denn im Affinitäts-Menü gibt es jetzt neue Vergünstigungen (Perks), wenn ihr Punkte der drei Affinitäten miteinander kombiniert. Selbst bei den militärischen Einheiten lässt sich diese Kombination anwenden und ihr erhaltet somit neue Militär-Units, so genannte Hybriden.
Aufgerüstet - mehr Militär dank Hybrid-Affinitäten
Quelle: PC Games
Auch die Einheiten profitieren vom Hybridsystem. So lassen sich zahlreiche neue Upgrades für euer Militär entwickeln.
Bedingt durch das neue, aquatische Gameplay und durch die Hybrid-Affinitäten steht euch mit der Erweiterung ein aufgemotztes Militärarsenal zur Verfügung. Insgesamt 30 Basis-Einheiten sind nun verfügbar (11 neue Truppentypen spendiert das Add-on). Neben U-Boot- und Schwebe-Fahrzeugen gibt es auch frische Landtruppen. Militäreinheiten lassen sich nach wie vor bis zur Tier-3-Stufe upgraden. Neu dabei ist, dass auch hier das Hybrid-System Anwendung findet. Sprich, bei vielen Einheiten könnt ihr auch Upgrades für Mischformen der drei Affinitäten vornehmen und damit neue Boni- und Kampfwerte generieren. Damit gewinnt der kämpferische Teil des Spiels gehörig an Vielfalt. Sehr schön dabei ist, dass ihr endlich von Beginn an Einblick in alle 30 Basiseinheiten und deren mögliche Upgrades habt. Somit lässt sich eure Wunscharmee viel besser planen. Zur Erinnerung: In Beyond Earth musste man erst eine Einheit erforschen, um deren Attribute einsehen zu können. In den Kämpfen selber sind uns allerdings keine gravierenden Unterschiede zum Hauptspiel aufgefallen, höchstens, dass es aufgrund der neuen Einheitenkombinationen einen Tick schwieriger ist, effektive Armeen auszutüfteln, besonders auf den hohen Schwierigkeitsgraden. Je nach Truppenzusammenstellung kann die Belagerung von Städten immer noch in ein nerviges Geduldspiel ausarten, auch die Luftwaffe ist für unseren Geschmack noch zu unterrepräsentiert.
Für Entdecker und Sammler - die Artefakte in Rising Tide
Quelle: PC Games
Im Test zu Rising Tide hat uns das Artefaktsystem viel Spaß bereitet. Items sammeln, kombinieren, zu Sets zusammensetzen und so tolle Boni abstauben - eine motivierende Sache.
Ein schönes neues Schmankerl der Erweiterung stellt das Artefaktsystem im Spiel dar. Als Belohnung für erfolgreiche Expeditionen oder bei der Zerstörung von Alien-Nestern und Städten fallen euch immer wieder Artefakt-Items vor die Füße. Diese lassen sich in einem speziellen Inventar sammeln. Die Gegenstände sind unterschiedlicher kultureller Herkunft (Alte Erde, Alien, Progenitoren) und kommen in drei verschiedenen Qualitätsstufen daher. Jedes Artefakt besitzt einen spezifischen Bonus. Im Artefaktmenü lassen sich bis zu drei solcher Items zu einem Set zusammensetzen, was in der Regel einen geheimen Bonus erzeugt. Das kann ein neues Spezialgebäude oder auch ein Wunder sein. Wie ihr die Items miteinander kombiniert, bleibt ganz euch überlassen. Das zu erwartende Ergebnis bekommt ihr zum Glück schon angezeigt, wenn ihr die Gegenstände in die dafür vorgesehenen Kombinations-Slots einsetzt. Dadurch lässt es sich prima tüfteln, bis man das Set seiner Wahl gefunden hat. Sobald ihr die Kombination aktiviert, verbraucht ihr die dafür eingesetzten Items. Irgendwie erinnert uns das an einen gewissen Horadrim-Würfel, aber lassen wir das.
Soll ich Rising Tide kaufen oder nicht?
Neue Sponsor-Fraktionen, ein generalüberholtes Diplomatie- und Charaktersystem, Aqua-Gameplay, Hybrid-Affinitäten, mehr Militär, Artefakte und zahlreiche kleine Detailverbesserungen - keine Frage, Civilization Beyond Earth gewinnt durch die Erweiterung Rising Tide an Spielspaß. Viel Grund zu meckern gibt's eigentlich nicht, oder doch? Das kommt ganz darauf an, was man sich als Civ-Spieler von einem solchen Add-on erhofft. Im Vergleich zu den beiden Top-Add-ons Brave New World und Gods & Kings für Civilization 5 hinkt Rising Tide hinterher. Warum zum Beispiel gibt es keine spannenden Einzelszenarien, am besten auf die einzelnen Sponsoren und deren Anführer zugeschnitten? Auch die Rolle der Aliens auf dem zu besiedelten Planeten ist weiterhin nur von bescheidener Natur und die Handelsrouten mit dem früh im Spiel erhältlichen Alien-Immun-Status sind immer noch zu spielstark. Zwar gibt es in Sachen Quests eine quantitative Steigerung, doch nützt das nix, wenn Aufgaben qualitativ meistens nur langweilig gestaltet und mit öden Textfenstern präsentiert sind. Die wichtigste Frage, um einen Kauf der Erweiterung zu bejahen, lautet: "Hat mir das Hauptspiel schon Spaß gemacht?" Bei wem das der Fall ist, bekommt durch die sinnvollen Neuerungen in Rising Tide ein Spielspaß-Plus auf die Festplatte serviert. Wer sich jedoch erhofft, dass die Erweiterung dramatische Änderungen im Kernspiel vornimmt und dabei massig neue Zusatzinhalte beisteuert, der wird nach wie vor eher beim Genre-Primus Civilization 5 hängen bleiben.
Quelle: 2k Games
Civilization: Beyond Earth - Rising Tide
Ob Besitzern des Hauptspiels der mit 30 Euro happig ausgefallene Preis für die Erweiterung zusagt, ist ebenso fraglich. Für Neukäufer fallen im Bundlepaket 60 Euro an. Eine Anbindung an ein gültiges Steam-Konto ist zudem Pflicht. Falls ihr noch keinen Kontakt mit dem Hauptspiel Beyond Earth hattet und euch erst noch mal über dessen Stärken und Schwächen informieren wollt, erfahrt ihr das in unserem Test zu Civilization: Beyond Earth. Angst vor einem allzu schweren Einstieg braucht man nicht zu haben. Die im Hauptspiel als auch im Add-on enthaltene, optional wählbare Beraterhilfe sowie die üppige Enzyklopädie sind sehr hilfreich, erfordern aber eine gehörige Portion Lesefleiß.

Mal sehen, wie lange das vorhält.
Mal sehen, wie lange das vorhält.
Und Danke Stefan für den schönen Test.