Castle Strike
Thorwald, der Eroberer
So schön ordentlich reihen sich die Soldaten bestenfalls vor der Schlacht auf oder eben in Zwischensequenzen.
Noch öfter als in der Rolle des Bauern finden Sie sich in der des Eroberers wieder. Ihre Gegner haben teils gigantische Festungen gezimmert, die Sie in mühevoller Kleinarbeit erstürmen müssen. Deshalb steht neben den üblichen Nah- und Fernkämpfern auch eine Reihe von Belagerungsgeräten auf Abruf bereit. Da gibt es Ballisten, Katapulte, Mörser und gewaltige Kanonen, Schutzschilde genauso wie Rammböcke und Sturmleitern. Eines haben die Kriegsmaschinen gemeinsam: Sie sind langsam und extrem verwundbar. Wenn Sie Ihre Triböcke und Belagerungstürme in Stellung bringen, müssen Sie jederzeit auf einen Ausfall gefasst sein. Es genügen schon ein paar Bogenschützen auf den Zinnen, um die Bedienmannschaft auszuschalten und das teure Gerät vorübergehend außer Gefecht zu setzen - im schlimmsten Fall übernehmen die Gegner die Angriffswerkzeuge kurzerhand und richten sie gegen ihre früheren Besitzer.
Kämpfer-Streik
Um die meist ungeschützte Siedlung nicht zu gefährden, sollte ein Teil der Armee stets als Garnison verbleiben.
Was Castle Strike fast das Genick bricht, ist die völlig unzureichende künstliche Intelligenz von Freund und Feind. Das geht bei der Wegfindung los: Auf längeren Strecken bleiben die eigenen Jungs mit schöner Regelmäßigkeit an Hindernissen hängen, nehmen unsinnige Umwege oder marschieren gleich mitten ins andere Lager. Richtig schlimm wird's im Clinch mit dem Gegner. Wer da nicht aufpasst, findet seine Gruppen nach wenigen Sekunden in alle Himmelsrichtungen zerstreut, weil jeder Soldat einen anderen Rivalen jagt. Solche Alleingänge lassen sich zwar mit der Order "Stellung halten" unterbinden. Dann arten die Gefechte aber vollends in Arbeit aus, weil so jedes einzelne Ziel eigenhändig vorgegeben werden muss. In den Abenteuer-Missionen, wo selten mehr als ein, zwei Dutzend Männer zu befehligen sind, wiegen diese Mängel nicht gar so schwer. Aber bei großen Feldschlachten oder Belagerungen fallen binnen Minuten zig KI-Kämpfer ihrem Wagemut zum Opfer.
Vom Orden des Kanten
Ansonsten macht Castle Strike technisch gar keine schlechte Figur. Gut, die Grafik löst nicht gerade tosenden Applaus aus, zumal sie selbst auf High-End-Rechnern gelegentlich ins Stottern kommt. Dazu wirken beispielsweise die Ritter und Rösser zu kantig und ihre Bewegungen zu abgehackt. Auch quillt die Umgebung nicht vor Details über und ein paar schönere Texturen hätten auch nicht geschadet. Dafür haben die Leveldesigner wirklich eindrucksvolle Festungen und heimelige Dörfer konstruiert und alle drei Dimensionen der Engine ausgenutzt - für zerklüftete Felsen, schroffe Schluchten und alles überthronende Burghügel. Und das ist ja schließlich die Hauptsache.
