Atlas Fallen im Test: Wüstenspektakel mit Sand im Getriebe

19
Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Atlas Fallen im Test: Wüstenspektakel mit Sand im Getriebe
Quelle: PC Games

Deck 13 hat Lust auf etwas Neues: Das neue Werk der Frankfurter ist ein sehenswertes Wüstenspektakel, das lässiges Sand-Surfen mit wuchtigen Kämpfen verbindet - ganz ohne Souls-like. Doch schnell zeigen sich Schwächen, die an der Wertung nagen - im Test zu Atlas Fallen klären wir, was euch erwartet. Update: Jetzt auch mit Video-Review.

Wenn ihr eine Rüstung aufstuft, erhaltet ihr auch Perk-Punkte, damit schaltet ihr dauerhafte Upgrades frei. Zum Beispiel höhere Essenzerträge, verbesserte Heilung oder schnelleren Energiegewinn im Kampf. Weil einige Perks aber viel nützlicher sind als andere, hat man das System sehr schnell durschaut. Es ist also überhaupt nicht nötig, jeden Perk freizuschalten, zumal man die Punkte jederzeit umverteilen darf. Wer aber wirklich jedes Upgrade haben will, wird gegen Spielende eine Weile grinden müssen, bis man die nötige Essenz dafür zusammengekratzt hat.

Dialoge zum Wegdrücken

Im Gegensatz zu Lords of the Fallen und The Surge setzt Deck 13 diesmal wieder stärker auf eine Story mit umfangreicher Hauptquest - das wäre ein dickes Lob wert, wenn die Handlung nicht so vor sich hindümpeln würde. Der Plot wird nie überraschend oder interessant, setzt euch aber trotzdem jede Menge ausgewalzte Dialoge vor, in denen es immer wieder ums Gleiche geht: Thelos ist böse, dem Land geht's schlecht und überhaupt war früher alles besser. Spätestens nach ein paar Stunden laden die Gespräche zum Wegdrücken ein, daran können auch die Sprecher nicht mehr viel ändern, was schade ist - ein paar Rollen sind nämlich gut besetzt. Szenen, die anrührend sein sollten, verpuffen in ihrer Wirkung: Da werden Charaktere eingeführt, die wir überhaupt nicht kennen, für die wir uns aber bitteschön interessieren sollen - und zwar am besten sofort.

Erst auf der dritten Ausbaustufe erhält eure Rüstung besondere passive Eigenschaften. Quelle: buffed Erst auf der dritten Ausbaustufe erhält eure Rüstung besondere passive Eigenschaften. Auch der namenlose Held bleibt von Anfang bis Ende blass. Und wenn es doch mal größere Ereignisse gibt, so finden diese stets im Off statt - von einer angreifenden Armee oder einer dramatischen Burgeroberung erfahren wir zum Beispiel erst, wenn die Show schon gelaufen ist. Überhaupt fehlt es der Spielwelt an Leben: Alle NPCs bleiben an Ort und Stelle stehen, niemand läuft umher, es gibt kaum Zufallsereignisse oder Überraschungen, die etwas Dynamik in die hübsche Spielwelt bringen könnten. Natürlich haben wir von Atlas Fallen kein neues Gothic 2 erwartet - doch etwas mehr hätte es schon sein dürfen.

Zähe Dialoge, ständige Wiederholungen und ein fader Held: Die Story ist keine Stärke von Atlas Fallen. Quelle: PC Games Zähe Dialoge, ständige Wiederholungen und ein fader Held: Die Story ist keine Stärke von Atlas Fallen. Auch das Questdesign kann das nicht ausgleichen. Die meisten Nebenaufgaben sind schlichte Botengänge oder Suchaufträge, das geht zwar in Ordnung, begeistert aber nicht. Und dann gibt es noch ein paar Sidequests, die fast schon deplaziert wirken. Als wir etwa für einen empörten Obsthändler zehn verlorene Äpfel sammeln sollen, wurden wir neugierig: Das klingt so banal, da kommt doch bestimmt noch eine spannende Folgequest, ein raffinierter Dialog oder zumindest eine interessante Nebenfigur? Doch leider Fehlanzeige: Dem Händler geht's wirklich nur um seine Äpfel.

Einfach dem Hirsch nach

Immerhin gibt es aber ein paar freiwillige Aktivitäten, die man prima im Vorbeigehen erledigen kann. Man darf sich zum Beispiel mit Schatzsuchen beschäftigen, für die man mehrere Kartenteile sammeln muss. Oder man arbeitet nach und nach die Siegeltotems ab, die überall auf den Maps verteilt sind. Die erzeugen dann für kurze Zeit einen Lichtstrahl zu einem weiteren Totem, das man dann Hals über Kopf erreichen muss - das ist zwar nie knifflig, sorgt aber für ein bisschen Nervenkitzel und macht Spaß.

Die Spielwelt ist vollgestopft mit Schätzen, von denen wir das Meiste aber gar nicht brauchen. Quelle: PC Games Die Spielwelt ist vollgestopft mit Schätzen, von denen wir das Meiste aber gar nicht brauchen. Das komplette Gegenteil sind dagegen die Wildtierschätze: An bestimmten Orten tummeln sich Schweine und Hirsche, von denen uns ein zufälliges Tier zu einem vergrabenen Schatz führt. Dazu müssen wir uns dem Tier vorsichtig nähern, aber gleichzeitig auch eine gewisse Distanz wahren, sonst büxt uns der Vierbeiner nämlich einfach wieder aus. Das spielt sich nicht nur öde, es will auch einfach nicht so recht in ein Spiel passen, das doch eigentlich mit satten Kämpfen und schneller Fortbewegung punkten will.

Koop-Spaß für zwei

Seine Stärken kann Atlas Fallen zum Glück aber in seinem Koop-Modus ausspielen: Ihr könnt das komplette Abenteuer gemeinsam mit einem Freund erleben, denn der Multiplayer wird direkt nach dem Intro freigeschaltet. Klasse! Beachtet, dass es sich um reinen Online-Koop handelt, einen lokalen Spielmodus via Splitscreen gibt es nicht. Eine Spielersuche (Matchmaking) hat man sich aber leider gespart, ihr dürft nur Freunde direkt in euer Spiel einladen. Und auch Crossplay wird nicht unterstützt, ihr könnt also nur mit Freunden auf der gleichen Plattform zocken.

Wer mag, kann das komplette Spiel im Online-Koop bestreiten. Quelle: PC Games Wer mag, kann das komplette Spiel im Online-Koop bestreiten.

Dafür werden aber die Fortschritte für beide Gruppenteilnehmer gespeichert, wenn sie ungefähr den gleichen Stand in der Geschichte erreicht haben. Dadurch könnt ihr eure Charaktere später auch alleine weiterspielen, wenn ihr das wollt. Im Koop wird der Schwierigkeitsgrad für jeden Spieler angeglichen, was in unserem Test auch ziemlich gut funktioniert hat. Da Atlas Fallen im Kern aber trotzdem ein Solo-Abenteuer bleibt, gibt es keine besonderen Koop-Aktivitäten, Team-Aufgaben oder Wettbewerbe. Wenn ihr also lieber alleine spielt, entgeht euch absolut nichts. Für Koop-Partien gibt es lediglich ein paar Essenzsteine, die auch euren Mitspieler stärken oder heilen können - als Solo-Spieler hat man da keinen Nachteil.

Die Technik

Technisch zeigte sich Atlas Fallen meistens gut in Form. Auf der PS5 lief das Spiel im Performance-Modus butterweich, die Weitsicht war klasse und die Levels wirkten schick ausgeleuchtet. Auch die flüssigen Kampfanimationen sind echte Hingucker, was man aber leider nicht über die Charaktere sagen kann: Gerade in den langatmigen Dialogen sind viele Figuren nur spärlich animiert und wirken damit aus der Zeit gefallen. Beim Erkunden fielen uns auch einige unschöne Pop-Ups auf, hier soll der Day-1-Patch nachbessern. In unserem Test kam es auch mehrmals zu Abstürzen, wodurch uns allerdings nie Spielfortschritt verloren ging - immerhin! Auch die PC-Fassung haben wir stundenlang getestet. Die Technik hinterließ einen guten Ersteindruck und die Performance war unter DX11 sauber. Wir empfehlen zum Spielen aber Gamepad, damit gehen die hektischen Kämpfe etwas besser von der Hand als mit Maus und Tastatur. Für mehr Infos zu PC-Technik und Performance schaut bitte bei unseren Kollegen von PC Games Hardware vorbei, die Atlas Fallen ebenfalls getestet haben.

Wertung zu Atlas Fallen (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Atlas Fallen (PS5)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Wuchtige Action, Koop-Modus und ein schicker Sandkasten zum Surfen: Atlas Fallen zeigt gute Ideen, zieht aber nicht alle Register: Die dünne Story enttäuscht und auf Dauer fehlt es einfach an Abwechslung, Tiefgang und einer lebendigen Spielwelt.


Atlas Fallen online kaufen


Für die Hauptquest sollt ihr laut der Entwickler etwa 15 bis 20 Stunden einplanen. Wir haben für unseren Test etwa das Doppelte investiert und dabei alle Sidequests abgehakt, alle Rüstungen maximiert und alle Perks freigeschaltet. Bis auf ein paar optionale Schätze gab es da nicht mehr zu tun und der Wiederspielwert tendiert gegen Null, da Story und Quests streng linear verlaufen und es auf Dauer einfach an Abwechslung fehlt. Atlas Fallen ist somit ein Spiel, das zwar immer gut beschäftigt, aber nur selten begeistert. Zumindest hat es mit seinem Koop-Modus aber einen Pluspunkt, der vielen anderen Spielen fehlt und der unsere Wertung noch knapp auf eine 7 wuchtet. Ist Atlas Fallen deshalb ein schlechtes Spiel? Natürlich nicht, es hat viele Stärken! Doch wuchtige Kämpfe und launiges Sandsurfen allein genügen einfach nicht für einen Top-Titel - und das zeigen leider auch die vielen durchwachsenen Wertungen auf Metacritic, die das Spiel bislang eingefahren hat. Atlas Fallen ist für PC, PS5 und Xbox Series S/X erhältlich, der Preis liegt bei 50 Euro (PC) bzw 60 Euro (Konsole).

19
    • Kommentare (19)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Gast1705533002 Mitglied
        Zurück zum Thema:
        Hab jetzt ca. acht bis neun Stunden im Spiel verbracht und bisher ist es für mich eine 8 von 10. Deck 13 hat hier großartige Arbeit mit einem sehr schönen AA-Titel abgeliefert. Optisch ist es in diesem Sinne ein Brett, ich spiele mit maximalen Details in nativem 4K60 (RX 6950 XT). Doch gerade auch stilistisch gefällt mir das alles sehr gut, wie es auch schon ein Lords of the Fallen vermochte. Allein das Rüstungsdesign ist wieder eine wahre Freude und erinnert mich erneut wohlig an die Spawn Comics. Die deutsche Synchro ist großartig, nicht nur, aber auch gerade auch wegen der Stimmen von Ben Stiller, Julia Roberst oder Nicolas Cage.

        Der Gameplay-Loop weiß bislang prächtig bei Laune zu halten. Überall gibt es etwas zu entdecken. Für mich fühlt es sich wie ein BotW an, nur für Berufstätige :D Soll heißen, die Spielwelt hat genau die richtige Größe ohne Längen, Füller oder sonstwie unnötigem Kram. Die Kämpfe sind wuchtig und bieten ein richtig derbes Trefferfeedback, das es nur so schmatzt und latzt!

        Feiner Titel, den sich kein Action-Adventure Freund entgehen lassen sollte und mich jedenfalls besser als so manch verhunzter AAA-Titel der letzten Monate unterhält.
      • Von Gast1705533002 Mitglied
        Zurück zum Thema:
        Hab jetzt ca. acht bis neun Stunden im Spiel verbracht und bisher ist es für mich eine 8 von 10. Deck 13 hat hier großartige Arbeit mit einem sehr schönen AA-Titel abgeliefert. Optisch ist es in diesem Sinne ein Brett, ich spiele mit maximalen Details in nativem 4K60 (RX 6950 XT). Doch gerade auch stilistisch gefällt mir das alles sehr gut, wie es auch schon ein Lords of the Fallen vermochte. Allein das Rüstungsdesign ist wieder eine wahre Freude und erinnert mich erneut wohlig an die Spawn Comics. Die deutsche Synchro ist großartig, nicht nur, aber auch gerade auch wegen der Stimmen von Ben Stiller, Julia Roberst oder Nicolas Cage.

        Der Gameplay-Loop weiß bislang prächtig bei Laune zu halten. Überall gibt es etwas zu entdecken. Für mich fühlt es sich wie ein BotW an, nur für Berufstätige :D Soll heißen, die Spielwelt hat genau die richtige Größe ohne Längen, Füller oder sonstwie unnötigem Kram. Die Kämpfe sind wuchtig und bieten ein richtig derbes Trefferfeedback, das es nur so schmatzt und latzt!

        Feiner Titel, den sich kein Action-Adventure Freund entgehen lassen sollte und mich jedenfalls besser als so manch verhunzter AAA-Titel der letzten Monate unterhält.
      • Von Garfield1980 Mitglied
        Ich hab den Eindruck die Jugend von heute nutzt garkeine Foren mehr.
      • Von Gast1705533002 Mitglied
        Zitat von fud1974
        Ach herrjeh, hab mich nicht angegriffen gefühlt.

        Das hier ist ein Old-School Forum, da kommen nicht mehr so viele Junge dazu... die sind auf anderen Medien unterwegs.
        Generell sagt man, Forensysteme sind eher so für die Leute ab 40 aufwärts, zumindest mitte 30.
        Insofern ist man in Foren dann in dem Alter doch eher unter Gleichgesinnten.. äh... gleich.. "Jungen". Ja, jung wollte ich sagen. :P

        Wir hatten glaube ich mal ne informelle Umfrage hier für das Alter, ist aber ewig hier und viele sind ja auch seitdem weg, keine Ahnung wie sich das jetzt gestaltet, aber schon damals war das Durchschnittsalter eher höher. Viele waren ja auch wirklich schon viele Jahre hier.
        Ok, dann ist ja alles gut :]
        Ja, umso besser, ich kann mit Social Media Gedöns einfach nichts anfangen. War schon immer der Forenmensch und bin ja froh, dass es noch so kleine, aber feine Ecken wie hier gibt. Bin auch im englischsprachigen Resetera Forum (und davor im zuletzt unrühmlichen NeoGAF) unterwegs und wenn da das Alter zur Sprache kommt, ist es ganz ähnlich. In der Regel sind die Leute auf jeden Fall über die 30, eher Mitte 30 und nach oben dann Open End sozusagen.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von Holzkerbe
        Meine Güte, wollte jetzt niemanden angreifen hier.
        Ach herrjeh, hab mich nicht angegriffen gefühlt.

        Zitat von Holzkerbe
        Keine Ahnung, wie das Durchschnittsalter der PCG-Leser oder der User hier im Forum aussieht, aber zumindest auf vielen anderen Onlineplattformen gehört man mit um die 40 definitiv zu den "alten Säcken".
        Das hier ist ein Old-School Forum, da kommen nicht mehr so viele Junge dazu... die sind auf anderen Medien unterwegs.
        Generell sagt man, Forensysteme sind eher so für die Leute ab 40 aufwärts, zumindest mitte 30.
        Insofern ist man in Foren dann in dem Alter doch eher unter Gleichgesinnten.. äh... gleich.. "Jungen". Ja, jung wollte ich sagen. :P

        Wir hatten glaube ich mal ne informelle Umfrage hier für das Alter, ist aber ewig hier und viele sind ja auch seitdem weg, keine Ahnung wie sich das jetzt gestaltet, aber schon damals war das Durchschnittsalter eher höher. Viele waren ja auch wirklich schon viele Jahre hier.
      • Von Gast1705533002 Mitglied
        Zitat von fud1974
        Mit "der 39 nähern" gilt man jetzt schon als "alter Sack"? WTF?

        Was soll ich dann machen.. mich sofort selbst kompostieren?
        Meine Güte, wollte jetzt niemanden angreifen hier. Felix ist 40 und bezeichnet sich auch als alter Sack :B
        Keine Ahnung, wie das Durchschnittsalter der PCG-Leser oder der User hier im Forum aussieht, aber zumindest auf vielen anderen Onlineplattformen gehört man mit um die 40 definitiv zu den "alten Säcken". Ganz unabhängig davon, ob ich mich jetzt wirklich alt fühle (und das tu ich nicht 8)).
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk