Assassin's Creed Rogue im Test: Gameplay, Gegenwart, Fazit
Templer statt Piraten, Eisberge statt Palmen: Für Rogue recycelte Ubisoft den Vorgänger Black Flag im November 2014 mit neuer Story und frischen Missionen. Jetzt gibt's endlich auch die PC-Version. Wir machen den Test: Wie gut funktioniert die Steuerung mit Maus und Tastatur? Erwartet PC-Spieler ein Technik-Debakel wie bei Assassin's Creed: Unity?
All diese kleinen Probleme geraten aber schnell in Vergessenheit, wenn ihr während eines Schneesturms mit meterhohen Wellen kämpft, an Eisbergen vorbeigleitet oder durchs virtuelle New York schlendert. Hunde bellen, Soldaten unterhalten sich, Menschen grummeln, wenn Shay sich an ihnen vorbeidrängt. Der schmutzigen, trotz ihrer Größe eher provinziellen Stadt geht zwar der Metropolis-Charme früherer Serien-Schauplätze wie Rom oder Konstantinopel ab. Trotzdem beeindruckt die Detailverliebheit, mit der Ubisoft Sofia das Nordamerika des 18. Jahrhunderts akribisch nachgebaut hat.
Quelle: PC Games
Mit Mörsern und Breitseiten knackt ihr schwer befestigte Forts, die ansonsten Segelrouten auf der Weltkarte blockieren.
Ein Beispiel: Als wir Fuß auf ein bis dato unerforschtes Schiffswrack im ewigen Eis setzen, werden wir von einer zuckersüßen Szene überrascht. Eine Kolonie von Pinguinen steht aufgereiht am Rand einer Eisscholle. Als wir uns nähern, springen die Vögel in einer fließenden Bewegung und mit einem lauten Platschen ins Wasser. Wir sind im ersten Moment verzückt. Dann fragen wir uns: "Pinguine? Im Nordatlantik?" Und schließlich lesen wir auf Wikipedia nach: Das sind gar keine Pinguine, sondern heutzutage ausgestorbene Riesenalke! Ubisoft hat seine Hausaufgaben gemacht.
Zurück in die Gegenwart
Quelle: PC Games
Als Rahmen für Shays Geschichte dient erneut eine aufgesetzt wirkende Gegenwarts-Story um das Templer-Unternehmen Abstergo.
Assassin's Creed: Rogue hält nicht nur an der Authentizitätsversessenheit seiner Urväter fest, es besteht auch auf der Fortführung seiner parallel ablaufenden Gegenwartsgeschichte. Ihr verkörpert einen namenlosen Angestellten des Templer-Unternehmens Abstergo Entertainment, der per Animus Shays Erinnerungen nachspielt. Gelegentlich reißt euch das Spiel aus seiner historischen Welt und schickt euch auf belanglose Botengänge im Abstergo-Gebäude. Das ist nach dem Vorbild des Ubisoft-Studios im kanadischen Montreal gestaltet und vollgepackt mit zu hackenden Computern.
Darauf finden begeisterte Serien-Fans Hintergrundinformationen zum Konflikt zwischen Assassinen und Templern. Alle anderen machen drei Kreuze angesichts der Tatsache, dass das damit verbundene Hacking-Minispiel bis auf wenige Ausnahmen optional ist. Nicht vermeiden lässt sich die Auseinandersetzung mit einer Reihe von unausstehlichen Vorgesetzten; der ganze Abstergo-Plot wirkt wie schon in Teil 4 aufgesetzt und unnötig.
Quelle: PC Games
Dank des übermächtigen Kontersystems sind die meisten Kämpfe ein Klacks. Der Schwierigkeitsgrad ist niedrig.
Flüssig mit allen Details nur am PC
Quelle: PC Games
Volumetrische Rauchwolken beim Abfeuern der Kanonen gibt es nur am Rechner (PC).
Mit Rogue verabschiedet sich die Assassin's Creed-Serie von der alten Konsolengeneration. Gut so, denn die Limitierungen der unzeitgemäßen Hardware machen sich im Vergleich zu aktuellen, von Beginn für Playstation 4 und Xbox One entwickelten Spielen stark bemerkbar. Zwar sind die Ladezeiten mit einer Länge von maximal 20 Sekunden auf den Konsolen erträglich, dafür treten stellenweise nachladende Texturen auf. Die Grafik leidet unter genereller Detailarmut und Schatten kommen entweder sehr grob daher oder fehlen ganz. Gelegentliche Miniruckler piesacken zudem empfindliche Naturen auf Playstation 3 und Xbox 360. Dafür bietet Rogue schöne Sonnenuntergänge feil und punktet mit einem herrlich natürlichen Wellengang auf hoher See. Bei Animationen und Objekten betreibt Ubisoft Sofia viel Recycling; die Bäume und Schneetexturen stammen beinahe unverändert aus Assassin's Creed 3, Schiffe und die Bewegungen des Helden wurden 1:1 aus Black Flag übernommen.
Die mittlerweile veröffentlichte PC-Version bietet all das in höherer Qualität mit niedrigeren Ladezeiten, volumetrischen Pulverschwaden beim Schiffskampf und einer im Test konstanten Framerate mit 60 Bildern pro Sekunde. Wer also ein ähnliches Technik-Debakel wie bei Assassin's Creed: Unity befürchtet hat, wird glücklicherweise enttäuscht. Als Kopierschutz kommt bei der Retail-Version Ubisofts eigene Online-Plattform Uplay zum Einsatz; die Steam-Version benötigt eine doppelte Aktivierung auf beiden Plattformen.
Eine Klasse für sich ist übrigens der Sound, egal ob Stimmengewirr in der Stadt oder epochale Musikuntermalung. Die englische Sprachausgabe haucht den Figuren spielend Leben ein; die deutsche Lokalisation ist gelungen, aber die Sprachausgabe der Passanten wird nicht übersetzt.
Nachschub für Piraten-Fans
Quelle: PC Games
Der Granatwerfer verschießt Explosiv-, Schlaf- oder Berserkerprojektile. Perfekt für den Kampf gegen mehrere Feinde geeignet.
Letzten Endes ist Assassin's Creed: Rogue ein erfrischend ehrliches Spiel. Es gaukelt niemandem vor, mehr zu sein, als es ist: ein in Details verbessertes Black Flag, das all jenen gefallen dürfte, die den Schiffskampf im ungleich ambitionierteren Xbox-One-Teil Unity vermissen. Wären da nicht die technischen Limitierungen der Playstation 3 und Xbox 360, die kleinen Bugs und die seit jeher unpräzise, zwischen Felsen und Bäumen noch hakeligere Klettersteuerung, wäre Rogue ein famoses Spiel. Zumindest wenn wir das alles nicht schon in ähnlicher Form vor einem Jahr in Assassin's Creed 4: Black Flag gespielt hätten.
In diesem Artikel
Assassin's Creed: Rogue gibt's für Playstation, Xbox 360 und - ab dem 10. März 2015 - den PC. Kostenpunkt: um die 40 Euro.

Ich hoffe,die bekommen das wieder mal so hin wie mit Ezio/Desmond, es bereichert den Ausflug in die Geschichte bzw. gibt dem einen Sinn.
Zu den Glitches: Es gab nur sehr wenige KI-Aussetzer und einige vernachlässigbare Clipping-Fehler, die bei einem Open-World-Spiel praktisch nicht zu vermeiden sind. Der Vollständigkeit halber wollte ich sie aber erwähnen. Zum Vergleich: Durch die Spielwelt gefallen wie in Unity bin ich bei Rogue nicht einmal. Alles im Rahmen meiner Meinung nach.
edit: Ach ja, die Skriptsequenzen. Schau dir mal das Video bei Minute 01:35 an. Das ist ein Ausschnitt einer dieser bösen, bösen Skriptsequenzen. Es sind einfach interessante Situationen, in denen mal etwas Cooles passiert wie die Zerstörung von Lissabon. Das ist natürlich geskriptet, aber trotzdem spielst du ja und schaust nicht nur zu. Verstehe da deine Aufregung nicht ganz, vielleicht ist es einfach nur eine Frage der Wortinterpretation.
Das ganze vom Text kahm mir bisserl negativ rüber, wodurch sich bei mir das Bild eines BF-Singelplayers breit machte, wo es exorbitant viele Skriptscenen gibt. Dadurch hat sich dann ein gesamt Bild ergeben, wo die negativ Punkte stärker ausgeprägt sind als die positiven, ebenso erschien es so, als ob vieles 1:1 übernommen wurde oder leicht abgeändert.
Dann habe ich das ganze in einem falschen Licht gesehen, aber bevor ich mich über eine Beurteilung meckere, frage ich lieber nach und lasse es mir erklären. Denn so kann ich nun sagen, das ich es in einem anderen Licht gesehen habe, als es ist und kann nun auch die Beurteilung voll und ganz nachvollziehen.
Danke Peter
Würde aber Black Flag nicht besser bewertet? Woran liegt's, hat sich das Genre durch Unity so stark weiterentwickelt?