Assassin's Creed steht am Scheideweg und könnte untergehen
Die Zukunft von Assassin's Creed steht auf Messers Schneide, sollte Ubisoft die Serie mit Mirage und den neuen Ankündigungen nicht auf Spur bringen, findet Lukas Schmid.
Diese Kolumne ist ein gewisses Risiko. Ich schreibe sie recht kurz, bevor Ubisoft - vermutlich - im hauseigenen Livestream die absehbare Zukunft von Assassin's Creed thematisieren wird. Und hier sitze ich jetzt und sage: Genau diese Zukunft von Assassin's Creed, die sieht schlecht aus! ...also, vielleicht! Lasst mich erklären. Erst einmal: Eventuell zaubert Ubisoft im Livestream etwas völlig Irrwitziges aus dem Hut, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe und das meine gesamte Argumentation über den Haufen wirft. Kann sein, und falls ihr dieses Video erst später guckt und es so war, könnt ihr jetzt herzhaft über mich lachen. Ich habe es verdient. Tatsächlich ist meine Argumentation aber relativ unabhängig von dem, was da geschehen wird oder geschehen ist, und sie bezieht sich schon auch auf das, was noch kommt, aber vor allem das, was Assassin's Creed jetzt schon ist, nämlich: völlig orientierungslos.
(Zu) simple Anfänge
Um den ursprünglichen Grund dafür zu finden, warum das so ist und warum wir jetzt da sind, wo wir uns befinden, müssen wir weit zurückgehen, nämlich zum zweiten Spiel der Reihe. Das folgte dem konzeptuell interessanten, aber spielerisch schlussendlich nicht wirklich guten ersten Assassin's Creed.
In diesem Artikel
Teil 2 war da in absolut allen Belangen massiv besser und gilt nicht umsonst vielen Fans bis heute als bester Teil der Reihe. Und es hatte etwas, das heute bei der Diskussion über das Spiel gerne vergessen wird: ein verdammt gutes Ende!
Der Cliffhanger deutete klar auf ein Gegenwarts-Setting im nächsten Spiel und einen Abschluss der über die ersten beiden Spiele hinweg gesponnenen Handlung hin. Ja, da gab es eine klar erkennbare Struktur, und man mag es nicht glauben, der Krieg zwischen Templern und Assassinen wirkte noch nicht völlig an den Haaren herbeigezogen!
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Der Erfolg der Spiele, vor allem von Teil 2, war aber viel zu groß, um mit dem nächsten Spiel, von dem man damals annahm, es würde Assassin's Creed 3 heißen, einen Schlusspunkt für die Reihe zu setzen.
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed steht am Scheideweg und könnte untergehen (4)
Mehr Meuchelmord
Stattdessen wurden sehr gute, aber dennoch schlussendlich für die Handlung belanglose, beziehungsweise diese sogar torpedierende Zwischenspiele entwickelt. Dann kam der nummerierte dritte Teil, der genau gar nix befriedigend zu einem Abschluss führte, und dann ging es immer so weiter, zu Beginn ja sogar im Jahrestakt.
Das war der lang gezogene Moment, als Assassin's Creed seinen Story-Fokus nicht nur verlor, sondern, wenn man so mag, mit Wucht in die Jauchegrube pfefferte. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Weil man nicht immer nur Assassin's Creed 2 mit kleinen Adaptionen entwickeln konnte, wurden Experimente gemacht.
Auf einmal war's in Black Flag ein Piratenspiel, schon in Revelations gab es wirre Tower-Defense-Minispiele, danach Seeschlachten, Kutschenkämpfe, Seilwerfer, Dörfer zum Ausbauen und so weiter und so fort. Immer mehr große bis kleine Gimmicks wurden reingestopft. Mal gab es riesige Städte, dann wieder komplette Landstriche.
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed steht am Scheideweg und könnte untergehen (3)
Keine Frage, das Ergebnis waren meist gute, manchmal sehr gute Open-World-Spiele. Was sie nicht mehr waren: Schleichspiele, und auf jeden Fall keine Titel mit Fokus auf Assassinationen von gemeinen Schurken mehr. Ihr wisst schon, Meuchelmorde? Das, was in einem Spiel mit dem Namen Assassin's Creed ja doch irgendwie möglicherweise unter Umständen gewissermaßen im Mittelpunkt stehen sollte?

Also alles noch offen:
Entweder kommt tatsächlich ein wahres AC zurück oder derselbe Murks wie die letzten 5 Jahre.
Keine RPG Elemente mehr? Gern. Nur noch eine, dafür große Stadt (eventuell + Umland)? Klar, her damit. Die Dialogoptionen und einige andere Elemente, die vor allem mit Origins eingeführt wurden, hätte ich dennoch gern wieder.
Eigentlich stört mich bei AC nur, dass die Rahmenhandlung immer absurder wird. Vielleicht sollte man die einfach mal komplett weg lassen. Ebenso wie den Gegenwarts-Part, der spätestens seit Black Flag einfach nur grausig ist. Zurückbesinnen auf das Wesentliche. Eine von mir aus epische, aber in sich abgeschlossene Geschichte, die sich nicht sinnbefreit und schlecht fortgeführt über mehrere Spiele zieht.
Aber letzteres kann ich wohl vergessen, wenn die Hauptfigur in Mirage Basim sein soll, der ja schon in Valhalla vorkam. Aber vielleicht wird ja daraus wenigstens wieder eine gute Story gestrickt, die nicht mehr sein will, als sie kann.