Ary and the Secret of Seasons im Test: Humorvolles Abenteuer im Disney-Style
Noch nie die Möglichkeit gehabt, die Jahreszeiten zu bestimmen? In Ary and the Secret of Seasons schlüpft ihr in die Rolle des namengebenden kleinen Mädchens Ary, die mithilfe der unterschiedlichen Jahreszeiten dem Chaos in ihrer Heimat auf den Grund geht. Ob sich das Abenteuerspiel vom Publisher Modus Games lohnt, haben wir für euch getestet.
Eigentlich könnte kein Ort perfekter sein als das Land Valdi, in dem Ary and the Secret of Seasons spielt. Es existieren unterschiedliche Jahreszeiten und Vegetationszonen nebeneinander, der böse Magier, der das Land vor unendlich vielen Jahren bedroht hat, wurde besiegt und in den Dom der Jahreszeiten eingesperrt. Darauffolgend wurde ein Bund aus vier Wächtern geschlossen, die jeweils die Macht einer Jahreszeit besitzen und mit dieser das Gefängnis schützen. Der Schutzauftrag wurde über die Jahre zu einem Traditionsding, bei dem der Wächtertitel an die Söhne weitergegeben wurde, Frauen sind explizit ausgeschlossen. Und da taucht dann plötzlich Ary auf, die sich mit der Wächtermacht ihres Vaters der neu auftauchenden Bedrohung einer unbekannten höheren Macht anlegen will. Ob das gut geht? Wir haben das Spiel, das für den PC, Xbox One, PS4 und Switch erschienen ist, unter die Lupe genommen.
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Quelle: PC Games
Ary ist ein junges Mädchen aus dem Dorf Yule, das sich mutig auf die Suche nach der Ursache für das Jahreszeiten-Chaos in ihrer Heimat macht.
Emanzipatorisch angehauchte Story
Aryelle, Kurzform Ary, wohnt zusammen mit ihren Eltern in einem schicken Häuschen in der Stadt Yule. Eigentlich wohnt Arys Bruder Flynn noch bei ihnen, jedoch ist er während der Wächterausbildung verschwunden und für tot erklärt worden. Das stürzt Arys Vater, Wächter des Winters, in ein tiefes Loch. Er scheint depressiv zu sein und spielt auch während der Geschichte keine besondere Rolle. Arys Mutter ist aber für ihre Tochter da, auch wenn sie von den Ideen ihres Nachwuchses nicht immer begeistert ist.
Als Ary auf dem Weg zum Marktplatz von Hyänen überrascht wird, die das Schwert ihres totgeglaubten Bruders bei sich tragen, zweifelt sie an dem Tod ihres Bruders. Lange kann sie jedoch nicht darüber nachdenken, denn plötzlich spielen die Jahreszeiten in Yule verrückt. Statt mit einem eiskalter Winter müssen die Bewohner nun mit sommerlichen Temperaturen klar kommen. Um dem Chaos und dem Verschwinden ihres Bruders auf den Grund zu gehen, beschließt sie, da ihr Vater dazu nicht im Stande ist, die Rolle des Winterwächters auszuüben und als erste Frau an der Sitzung des Wächterbundes teilzunehmen. Dafür reißt sie den Winterkristall an sich, der im Keller ihres Hauses versteckt ist. Am Dom angekommen entdeckt sie, dass der Wächterbund die ruhmreichen zu den Rum-reichen Tagen erklärt hat (ok, im Spiel wird über Saft geredet, aber warum sind die Wächter dann so komisch drauf?). Nach einem halbwegs ausgearteten Umtrunk stellen die Wächter des Frühlings, Sommers und Herbst fest, dass ihre Kristalle verschwunden und von einer mysteriösen schwarzen Gestalt geklaut worden sind. Skeptisch beäugen sie das kleine Mädchen, dass die Traditionslinie aufbricht. Ihnen bleibt aber nichts anderes übrig, als auf die Suche nach den Kristallen zu schicken. Dabei deckt Ary eine ausgefuchste Intrige auf.
Storytechnisch kann Ary total überzeugen. Als erste Wächterin wird ihr zunächst Skepsis entgegengebracht, da sie zu jung und dann noch weiblich ist. Diese Skepsis wandelt sich jedoch in Akzeptanz und Respekt um, auch wenn man sich an einigen Stellen noch mehr Bezüge zu ihrer besonderen Rolle gewünscht hätte.
Im Laufe unserer Reise entdecken wir auch einige Nebenquests, die inhaltlich von klassischen Sammelquests bis hin zu Bring-Mir-Mal-Quests reichen. Sonderlich Zeitaufwendig sind sie nicht, wodurch die Hauptquest nicht auf der Strecke bleibt. Unterwegs gefundene Truhen beinhalten Münzen, die zum Anschaffen von neuer Kleidung, Charakter-Upgrades oder neuer Bewaffnung gedacht sind. Leider haben Waffen und Kleidung nur einen gestalterischen Nutzen.
Quelle: PC Games
Die Sphären können sich von der Größe her unterscheiden, das passiert meistens, wenn diese in der Nähe einer anderen Spähre aufgerufen werden.
Don't call her Elsa
Die Charaktere sind sehr gut geschrieben. Ihr Aussehen ähnelt dabei den neueren Walt-Disney-Filmen. Aber nicht nur da entsteht ein Bezug zu Disney: Ähnlich wie Elsa aus "Die Eiskönigin" kann Aryelle (noch ein interessanter Disney-Bezug) auf Knopfdruck mit dem Winterkristall ihres Vaters Schnee und an bestimmten Stellen auch Eis beschwören. Dazu entsteht eine Sphäre um sie herum, deren Mittelpunkt sie ist.
Im Laufe des Spieles erlangt sie die Befähigung, weitere Jahreszeiten anzuwenden. Diese sind elementar wichtig für das Gameplay des Abenteuers. Denn damit müssen Gegner geschwächt werden, die beispielsweise ein Eisschild haben und somit immun gegen ihre Wintersphäre sind. Auch werden die Rätsel mithilfe der Sphären gelöst, indem wir Eisblöcke beschwören, um Hindernisse zu überwinden, Pflanzen mithilfe des Frühling herbeizaubern, Wasser wegzaubern und Gegenstände hin und her ziehen.
Quelle: PC Games
Um Rätsel lösen zu können, ist die Anwendung der unterschiedlichen Jahreszeiten wichtig.
Die Sphärenerzeugung geht einfach von der Hand. Bei der Anwendung ist jedoch einiges zu beachten: Die Sphäre ist begrenzt, es entstehen nur kleine Blasen, in denen die jeweilige Jahreszeit auftaucht. Größer geht es nur mithilfe von Monolithen, an dem man die Sphäre entstehen lässt. Das vergrößert nämlich den Radius. Außerdem können mehrere Jahreszeiten-Sphären gleichzeitig ausgeführt werden, jedoch kann nur jeweils eine Blase pro Jahreszeit gleichzeitig laufen. Die Spähren können sich auch nicht überschneiden, denn dann löst sich die vorherige Sphäre auf. Dadurch ist etwas Hirnschmalz von Nöten, wie man die Rätsel löst.
Die Kämpfe mit den Gegnern, die größtenteils aus Hyänen, Waschbären und sonstigen Tier- und Pflanzenarten bestehen, sind nicht sonderlich anspruchsvoll. Zwischendurch kommt es auch mal vor, dass die Gegner euch gar nicht angreifen, obwohl ihr direkt vor ihnen steht. Wenn man ohnehin zu faul ist, den Kampf anzutreten, kann man einfach durchlaufen. Die Gegner hören nach kurzer Zeit auf, Ary zu verfolgen. In der Vielzahl können Arys Feinde schnell gefährlich werden. Schlimm ist das Sterben aber nicht, man taucht kurz danach in der Nähe der Gegner wieder auf und darf nochmal von Vorne beginnen. Bei Bosskämpfen ist das ein bisschen anders, denn der Lebensbalken des Bossgegners füllt sich nach dem eigenen Tod nicht wieder auf. Der Frustrationslevel bleibt dadurch niedrig. Will man es etwas herausfordernder haben, kann der Schwierigkeitsgrad in den Optionen erhöht werden.
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Was zur Hölle kann der Herbst?
Im Laufe des Spiels lernen wir, wie schon gesagt, alle Jahreszeiten und ihre Fähigkeiten kennen. So ist beispielsweise der Frühling hilfreich, um vorhandenes Wasser verschwinden zu lassen. Nur beim Herbst ist es schwierig, eine Existenzberechtigung in dem Spiel zu finden. Es fängt einfach nur zu regnen an und wirkt daher wie eine "Notfallssphäre", bei der den Entwicklern die Ideen ausgegangen sind und die viel zu selten zum Einsatz kommt. Denn nur gelegentlich werden alle Jahreszeiten gleichzeitig benötigt. Außerdem sind einige Fähigkeiten nur für einen einzigen Bosskampf nützlich und verschwinden danach in der Bedeutungslosigkeit.
Das plötzliche Auftauchen der Fähigkeit von Herbst und Frühling während des Spiels ist ein Wendepunkt vom guten Spiel zum eher mäßigen Spiel. Es wird nicht erklärt, welche Funktionen diese beiden Jahreszeiten haben, sodass man es nur durch Zufall herausfindet. Ein weiterer Negativ-Punkt ist die Map. Die fällt für ein Action-Adventure zwar ziemlich groß und vielfältig aus, jedoch zeigt sie bei einigen Missionen den Questmarker nicht mehr an. Man eiert also rum und löst Rätsel, bis man irgendwann nicht mehr weiter weiß, nur um dann zurückzukehren, weil man meint, sich auf dem falschen Weg zu befinden.
Gute Musik, mäßige Untertitel, schlechte Übersetzung
Die Musik von Ary and the Secret of Seasons (jetzt kaufen 26,33 € ) trägt zur Atmosphäre des Spiels bei. Leider ist Ary and the Secret of Seasons nicht komplett vertont. Alle Gespräche, die nicht in Zwischensequenzen stattfinden, sind in lesbaren Kästen untergebracht. Spieler, die nicht gerne (deutsche) Untertitel lesen und keine guten Englischkenntnisse besitzen, werden um das Adventure vermutlich einen Bogen machen, denn leider hat es keine deutsche Vertonung. Die Übersetzung ist an einigen Stellen mangelhaft und deutsche Untertitel wurden teilweise weggelassen. Das ist gerade bei dem Charakter Dagdann, der Wächter des Sommers, richtig schade, da er doch den ein oder anderen Witz raushaut, der leider nicht untertitelt ist. Dafür ist die englische Vertonung gut. Es wird sogar kindergerecht geflucht ("Son of a cow!").
Quelle: PC Games
Das Repertoire an Bugs ist riesig. So ist Ary hier unsichtbar und kann keine Sphären erzeugen.
Bugs, Bugs, Bugs
Leider gibt es etwas zu lange Ladezeiten, welche durch das Gebietswechseln entstehen. Was Bugs angeht, hat (außer von Spielabstürzen) Ary and the Secret of Seasons das gesamte Repertoire an Fehlern vorrätig. So ist in unseren Testdurchläufen beispielsweise der Bossgegner in die Luft geflogen und war unerreichbar. Da hilft dann nur noch das Neuladen des Spielstandes, der übrigens nicht zum punktgenauen Respawnen an der gleichen Stelle führt. Es ist an einigen Stellen möglich, durch Wände zu gehen, durch Gegenstände zu fallen und mit Ary irgendwo hängen zu bleiben. Auch darstellungstechnisch haben sich einige Fehler in das finale Spiel geschlichen. Zwischendurch verschwindet Arys Narbe einfach aus ihrem Gesicht, die Haare sind auf einmal wieder lang und abgesetzte Hüte sind in Zwischensequenzen immer noch zu sehen. Um das Spiel aber richtig genießen zu können, sollten die Entwickler die Fehler in kommenden Patches unbedingt beseitigen. Denn ohne Bugs wäre Ary and the Secret of Seasons ein herausragendes Spiel.
Ary and the Secret of Seasons hat (ohne zu viel wegnehmen zu wollen) storytechnisch noch einiges offen gelassen. Das schreit nach einem zweiten Teil, ob es jedoch wirklich einen Nachfolger geben wird, bleibt abzuwarten.
