Anno 117: Diesmal wird Sklaverei nicht ignoriert - so wird das Thema im Spiel umgesetzt
Anno 1800 hat das schwierige Thema Sklaverei quasi komplett außen vorgelassen. In Anno 117: Pax Romana gehen die Entwickler das anders an. Redakteur Vik erläutert, wieso er die Lösung angemessen findet.
Anno 1800 ist ein tolles Spiel. Gut, das ist jetzt keine allzu kontroverse Aussage, schließlich ist es für große Teile der Community das beste Anno überhaupt. Doch obwohl die Spieler Anno 1800 von Beginn an feierten, kann ich mich auch an eine Diskussion in den Weiten des Internets erinnern, wo die Meinungen zum Spiel stark auseinander gegangen sind. Das Thema war Sklaverei und wie sie im Spiel umgesetzt ist. Oder besser gesagt, wie sie es nicht ist. Denn bis auf eine kleine Erwähnung in einer Item-Beschreibung und eine Andeutung durch einen NPC wird das Thema gar nicht aufgearbeitet. Für manche war das viel zu wenig.
Da wurde dann argumentiert, dass Sklaverei zu der Zeit, in der Anno 1800 spielt, noch ein großes Thema war - vor allem im Hinblick auf die Neue Welt und die dortigen Plantagen. Also hätte es auch stärker im Spiel aufgegriffen werden müssen. Wahrscheinlich hätte sich dieser Teil der Community eine Umsetzung gewünscht, ähnlich zu dem, was Paradox Games mit Europa Universalis 5 vorhat. Dort wird man Sklaven entsprechend der Historie als Waren handeln können und danach werden sie durch das Populationssystem als Teil der Bevölkerung in den jeweiligen Gebieten simuliert.
Anno war nie historisch akkurat
Aber da gibt es einen zentralen Unterschied: Die Spiele von Paradox setzen schon immer darauf, historisch möglichst akkurat zu sein. Die Anno-Spiele dagegen sind schon immer historische Fiktion gewesen. Sie orientieren sich zwar an der jeweiligen Epoche, nehmen sich aber immer Freiheiten raus. Man muss sich nur mal die Kampagne von Anno 1701: Fluch des Drachen ansehen, um das sofort zu verstehen. Ich meine, da lässt der Bösewicht mit einem Artefakt wie von Zauberhand ganze Meteoriten auf unsere Siedlung herabregnen.
Es ist aber auch nicht so, als würde Anno grundsätzlich keine kontroversen Themen anpacken. Anno 2070 dreht sich zum Beispiel komplett um den Klimawandel und die Ausbeutung beziehungsweise die Erhaltung der Natur. Da ist einer der wichtigsten Aspekte die Wahl zwischen den auf Nachhaltigkeit setzenden Ecos und den schwerindustriellen Tycoons. In Anno 1404 kann ich dagegen entscheiden, wie ich mit Obdachlosen umgehe. Scheuche ich sie einfach aus der Stadt oder baue ich ihnen Armenhäuser, wo sie ein Dach über dem Kopf haben und eine Mahlzeit bekommen? Und in Anno 1800 ist Kinderarbeit in Form von ein paar Items sogar lose in die Spielmechanik integriert.
Bei der Sklaverei haben die Entwickler in Anno 1800 aber eine klare Linie gezogen. Und das finde ich auch völlig okay.
Sollten Themen wie Sklaverei überhaupt in Anno vorkommen?
Denn von einem Anno erwarte ich sowas auch einfach nicht. Wenn ich Anno anwerfe, dann möchte ich gemütlich etwas aufbauen und dabei zusehen, wie mein kleines Inselreich zu etwas Großem heranwächst. Da tüftle ich am idealen Aufbau meiner Wohngebiete und überlege mir, wo und wie ich die Warenketten am besten auf die Inseln packe. Das heißt aber nicht, dass ich ernste Themen grundsätzlich störend finde in einem Anno. Wichtig ist mir da nur, dass sie gut umgesetzt werden und nicht auf Biegen und Brechen ins Spiel eingebaut werden, nur um drin zu sein.
Wie ist das also in Anno 117: Pax Romana mit der Sklaverei? Dort spielen wir ja zu Zeiten des Römischen Reichs und das wurde nunmal zu großen Teilen auf den Schultern von Sklaven erbaut. Der Sklavenstand war also ein signifikanter Teil der damaligen Gesellschaft. Womöglich gehen die Entwickler genau deshalb diesmal einen anderen Weg als in Anno 1800. Ich habe bereits über zehn Stunden Anno 117 (jetzt kaufen 34,99 € ) gespielt und dabei ist mir aufgefallen, dass Sklaverei diesmal aktiv im Spiel aufgegriffen wird. Sklaven sind zwar nicht als Bevölkerungsschicht oder dergleichen als direkte Spielmechanik enthalten. Jedenfalls nicht in den bisher gespielten Abschnitten. Stattdessen werden Sklaverei und Menschenhandel durch verschiedene Charaktere im Spiel abgebildet.
Quelle: PC Games
Der Sklave Ben-Baalion dient im Spiel als Berater und Tutorial-Helfer.
Vernünftiger Mittelweg
Die Anno-Entwickler setzen diesmal also auf einen Mittelweg und das halte ich für eine gute Lösung. Das Thema wird nicht totgeschwiegen aber auch nicht um jeden Preis in die Mechaniken reingezwängt, um für Gesprächsstoff zu sorgen. Wenn sich beispielsweise die neutrale NPC-Händlerin Valeria vorstellt, macht sie keinen Hehl draus, dass sie ihre Marktstände ebenso Menschenhändlern wie auch Fischhändlern zur Verfügung stellt. Noch einen Schritt weiter geht das Spiel mit dem Piraten-Anführer Caeso, der sich direkt als Sklavenhändler outet. Wie in früheren Annos steht es mir frei, wie ich mit den Piraten umgehe. Ob ich eine Kriegsflotte aufbaue und versuche, ihr schick gestaltetes Versteck niederzureißen. Oder ob ich über Diplomatie an einer Waffenruhe mit den Schuften arbeite.
Aus einem ganz anderen Blickwinkel wird Sklaverei in Anno 117 durch unseren eigenen Berater Ben-Baalion gezeigt. Ben übernimmt im Spiel die Rolle als Tutorial-Erklärbär und dient dem Imperator oder der Imperatorin. Denn welcher der beiden möglichen Charaktere die oberste Person im Römischen Reich ist, kann man im Spiel selbst entscheiden.
Ben wird uns quasi als rechte Hand ausgeliehen, da er gebildet ist und uns als angehende Gouverneure gute Ratschläge geben kann. Er gibt einem im Spiel also Tipps oder macht uns auf Quest-Entscheidungen aufmerksam. Ich rechne außerdem damit, dass Ben in der Kampagne sicherlich eine gewisse Rolle in der Story spielen wird. Und vielleicht bekommen wir dadurch auch tiefere Einblicke in seine persönliche Erfahrung als Sklave am Kaiserhof.
In der Kampagne wird man diesmal übrigens allgemein mehr Entscheidungsmöglichkeiten haben. Je nachdem, welche Hauptfigur man wählt, wird sich das auf die Handlung auswirken. Und je nachdem, ob man der keltischen Provinz Albion ihre lokale Kultur belässt oder sie römisch prägt, stehen andere Forschungen zur Verfügung. Da könnte ich mir auch eine Entscheidung vorstellen, ob man den Kaiser davon überzeugt, Ben-Baalion die Freiheit zu schenken. Jedenfalls habe ich Vertrauen in die Entwickler, dass sie das Thema angemessen umsetzen werden. Auch wenn es letztendlich sowieso nur eine Nebensache im Spiel sein wird. Denn, wenn Anno 117: Pax Romana im Wintrer 2025 für PC, PS5 und Xbox Series erscheint, gilt weiterhin: Anno bleibt Anno.

Ich finde es ehrlich gesagt extrem seltsam wie man mit der Thematik umgeht, da wird bei Star Wars nicht mehr von Slave Leia gesprochen oder der Slave I als Boba Fett oder bei Elektronik Slave-Master System problematisiert. Und gerade wenn es dann historisch wird einfach mal ausgeblendet - auch zum Nachteil eigentlich passender und kreativer Optionen.
Wenn ich da diesen Satz lese: "Das Thema wird nicht totgeschwiegen aber auch nicht um jeden Preis in die Mechaniken reingezwängt, um für Gesprächsstoff zu sorgen." klingt das für mich eigentlich eher danach, dass es ein Klientel gibt, dass genau in die Kerbe des eben genannten spricht und ganz bewusst sich eigentlich über Nichtigkeiten aufregen will und so wie das formuliert ist klingt das glatt als wenn der Autor da selbst dazugehört, weil wer käme denn auf die Idee bspw. in Anno sich über Sklaven als Bevölkerungsschicht aufzuregen? IMO wäre das eher positiv, weil vielfach beim Blick in die Antike doch eher so ein Gefühl vorherrscht als ob es zwar Sklaven gab aber die gar nicht so signifikant waren, dabei war das je nach Region sogar extrem signifikant, gerade in Italien und auch nicht nur im Römischen Reich. Gibt ja auch manche die glauben, die Spartaner wären alles so Gerard Butlers, dabei kam auf einen Gerard Butler gut sieben Sklaven und die berühmten 300 wurden von 1000 Heloten begleitet.
Ich würde sogar sogar sagen, im antiken Setting machen Sklaven als Mechanismus und als deutlich sichtbarer Bevölkerungsteil (wie als Bevölkerungsstufe) mehr Sinn als im 19. Jahrhundert, weil das antike Setting ist quasi durchgängig sklavistisch.