Abbitte
Quelle: Universal
Cecilia (Keira Knightley) kokettiert mit ihrem Sex-Appeal.
Abbitte leisten - das bedeutet so viel wie: um Verzeihung bitten oder Reue zeigen. Selbiges tut die verbohrte Wohlstandstochter Briony erst sehr spät in ihrem Leben. Dabei hat sie als 13-Jährige eine unfassbare Schuld auf sich geladen und damit die Schicksale mehrerer Menschen in qualvolle Bahnen gelenkt. Vom Ursprung ihrer Missetat und den schmerzlichen Konsequenzen für alle Beteiligten handelt dieses Melodram des britischen Regisseurs Joe Wright. Dieser hatte bereits mit seiner mehrfach oscarnominierten Jane-Austen-Verfilmung Stolz und Vorurteil (2005) ein großartiges Talent für prachtvolle Poesiealbum-Bilder gezeigt.
Wrights visuelles Können kommt nun in Abbitte noch eindrucksvoller zur Geltung. Sein Film schwelgt in malerischen Szenerien und inszeniert die Darsteller stets in sinnlich-pittoresken Posen. Ein Bilderrausch, an dem man sich nicht satt sehen kann - der alleine aber auch nicht satt macht. Leider kann der Plot mit der optischen Opulenz nicht mithalten; hier gibt's arge Längen und Verzettelungen.
Die Geschichte beginnt - wie sollte es bei einem Gefühlsdrama anders sein? - mit einer verhängnisvollen Affäre. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs lässt sich die hochmütige Boheme-Beauty Cecilia (Keira Knightley) mit dem einfachen Arbeitersohn Robbie (James McAvoy, Der letzte König von Schottland) ein. Die beiden werden in flagranti von Cecilias kleiner Schwester Briony erwischt. Diese bezichtigt daraufhin aus Wut, Beschämung oder Eifersucht (man weiß es lange nicht) den armen Robbie, ein Mädchen vergewaltigt zu haben. Mit ihrer Lüge tritt Briony eine Lawine des Leidens los, die sowohl ihr Leben als auch das von Cecilia und Robbie für immer überschattet.
Die mehrere Jahrzehnte umspannende Handlung gleitet gemächlich vor sich hin, stoppt aber immer wieder ganz abrupt, um sich selbst zurückzuspulen und das bisher Geschehen aus einer neuen Perspektive zu zeigen. Eine interessante Verschachtelung der Ereignisse - aber auch dieser kunstvolle Kniff ändert nichts daran, dass die Geschichte selbst nur wenig Spannung bietet. Teilweise wirkt der Film, als habe er vergessen, was er eigentlich erzählen wollte. Die Figuren bleiben distanziert und die bittersüße Tragik ihrer Schicksale wird eher durch viele schöne, wehmütige Bilder suggeriert als durch eine ausgefeilte Figurenporträtierung. So ist Abbitte zwar ein handwerklich gut gemachter Film, doch sein zäher Mammutplot lässt eher kalt.
