Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde

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Special Sebastian Göttling - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde
Quelle: Shout! Factory

Es war eine Fernsehserie, die eine ganze Generation an Kindern prägte: Autor Sebastian Göttling blickt zurück auf Kult-Alien und Katzen-Connaisseur Alf!

Neulich fiel mir eines dieser alten Freundebücher in die Hände. Ihr wisst schon, diese etwas sachbezogenere Variante des Poesiealbums. Eine Kladde, die in der Schulklasse kursiert, und in der jede Klassenkameradin, jeder Klassenkamerad - eigentlich völlig Wurst, ob Freund oder nicht - eine Doppelseite ausfüllt. Name, Foto (obwohl nur die wenigsten wirklich eines einklebten, denn das war in analogen Zeiten nicht ganz ohne), Geburtstag.

Aber auch die wirklich spannenden Kategorien, die etwas über die Person an sich verraten: Hobbys (der Klassiker lautet "Reiten, Schwimmen, Lesen"), Lieblingsschulfach, aber auch die Favoriten unter den Stars und Fernsehserien. Dieses spezielle Freundebuch, das im Herbst 1989 kursierte, zu Recherchezwecken ausgeliehen von einem Bekannten, war genau das gleiche, dass ich selbst in der fünften Klasse besaß: ein Disney-Lizenzprodukt, das von Kopf bis Bürzel auf Duck Tales eingestellt war.

Dementsprechend war just diese Animationsserie bei vielen Kindern in der Kategorie Lieblingsserie zu lesen, weil sie frisch im April 1989 mit großem Erfolg im deutschen Fernsehen angelaufen war. Noch häufiger als Dagobert Duck & Co. wurde der Mann genannt, der exakt fünf Wochen vor der Duck-Tales-Premiere am 4. März 1989 bei "Wetten dass..?" seinen Erfolgshit "I've Been Looking for Freedom" schmetterte und so in Deutschland zum absoluten Megastar wurde: David Hasselhoff.

Doch Hasselhoff, diese explosive Mischung aus Actionserien-Star und Schnulzensänger, war nicht das erste Mal in den ausgehenden 80ern, dass der deutsche Erfolg eines US-Imports den in seinem Herkunftsland bei Weitem übertraf und zu einer regelrechten Hysterie wurde. Ebenfalls bestens vertreten im Freundebuch, nämlich auf Platz 2 - nach David Hasselhoff, aber noch vor Duck Tales - war Gordon Shumway, der kleine, braune Zottelaußerirdische vom Planeten Melmac, besser bekannt als Alf.

Der krachte am 5. Januar 1988 mit seinem Raumschiff nicht bloß ins Garagendach der Familie Tanner, sondern auch mit der Premierenepisode Hallo, da bin ich (Originaltitel A.L.F., nur echt mit Abkürzungspünktchen) in deutsche Fernsehgeräte. Beinahe hätte ich nicht eingeschaltet, obwohl ich mit zarten neun Jahren bereits der Fernsehexperte in unserer Familie war.

In dem Fall aber waren es meine Eltern, die in der Fernsehzeitschrift von der neuen Serie gelesen hatten und meinten, das sollte ich mir doch ansehen. Als ich beim Blättern in der TV Hören und Sehen das Foto von der biederen Familie mit dem merkwürdigen Nasenbären gesehen hatte, hielt ich es für eine dieser spießigen deutschen Familienserien Marke "Ich heirate eine Familie", nur eben mit einer braunen Puppe.

Keine Freundebuch-Doppelseite ohne Alf, DuckTales oder David Hasselhoff Quelle: Jan Trimpop Keine Freundebuch-Doppelseite ohne Alf, DuckTales oder David Hasselhoff Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich aufgrund meiner Schulfreunde wenige Wochen später ohnehin auf den Alf-Hype-Train mit aufgesprungen wäre, aber Vater und Mutter sei Dank, dass ich von Anfang an mit dabei war. Denn ich schaltete ein am 5. Januar und war sofort hin und weg, ein Fan der ersten Stunde.

Tatsächlich begriff ich erst während des Ansehens der Folge, dass es sich um keine deutsche Produktion handelte. Das machte ich nicht einmal an der offensichtlichen Synchronisation und der sehr amerikanischen Einrichtung des Hauses Tanner fest, sondern an dem Look der Serie an sich. Heute weiß ich, dass das verwendete Videomaterial und die amerikanische Bildwiederholrate einfach unverkennbar sind, damals war das einfach ein schwammiges Gefühl.

Die Serie traf komplett meinen Nerv. Ohnehin mochte ich als Kind alles, was mit Außerirdischen, Robotern, Zauberern und/oder Dinosauriern aufwarten konnte. Ich war noch immer ein wenig traurig, dass ich Weihnachten 1982 zu jung war, um E.T. - Der Außerirdische im Kino gesehen haben zu dürfen, obwohl mir die älteren Teenager aus dem Bekanntenkreis davon wahnsinnig vorgeschwärmt hatten.

Nun hatte ich mit Alf meinen eigenen E.T., der zudem auch noch unfassbar lustig war. Keine zehn Sekunden vergingen ohne einen flotten Spruch ("Null Problemo") oder einen Sight-Gag. Komplett begeistert und mich schüttelnd vor Lachen saß ich dienstags vor dem Fernseher und konnte die nächste Woche überhaupt nicht abwarten.

Doch für alle, die hinterm Dave leben (laut Alf der zehnte Planet unseres Sonnensystems), eine kurze Zusammenfassung des Serienkonzepts. In einem Vorort von Los Angeles leben die Tanners, eine typische Mittelschichtfamilie. Vater Willie ist Sozialarbeiter und sympathischer Wissenschafts-Nerd, Mutter Kate das um eine Haaresbreite strengere Familienoberhaupt, Teenagerin Lynn und Knirps Brian die äußerst wohlerzogenen, aber nicht überspießigen Kinder.

In dieses Idyll hinein platzt ein Außerirdischer, den die Familie bei sich aufnimmt und fortan vor der Öffentlichkeit verstecken muss. Das Problem ist nur, dass es sich bei dem Untermieter aus dem All um das "Es" im freudschen Sinne handelt: Gesteuert wird Alf von seinen Lüsten, sei es nach Essen, Fernsehen, Nichtstun, dem Verzehr des Familienkaters Lucky und dem Stören der Intimsphäre sämtlicher Familienmitglieder.

Faszinierend in dieser Konstellation sind das Nachbarehepaar Raquel und Trevor Ochmonek, die zwar nichts von Alf erfahren dürfen, ihm in ihrer Art aber näher sind als den Sauberleuten Tanner. Die Ochmoneks sind laut, neugierig, etwas ungepflegt, übergriffig und nervtötend. Die meisten Geschichten haben ihren Ursprung darin, dass Alf ständig für die Eskalation alltäglicher Situationen sorgt.

Nichts kann er nur ein bisschen machen, auch Mittelmaß ist ihm fremd, Alf muss in allem grundsätzlich übertreiben. Als er sich Sorgen um die nukleare Zerstörung der Erde macht, ruft er den US-Präsidenten an und bringt so Familienvater Willie in den Knast.

Bildergalerie

Um bei Geldproblemen zu helfen, wird er zum Vertriebsmitarbeiter eines Kosmetik-Franchise und lässt palettenweise Ware ins Haus schicken, welche die Tanners in Tupper-ähnlichen Partys unters Volk bringen müssen. Eine von Alf Heimatplaneten mitgebrachte Kakerlake wächst zu monströsen Dimensionen an und muss bekämpft werden. Um lediglich drei Geschichten der ersten Staffel anzureißen.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Buster81 NPC
        Ganz großes Lob an die beiden Autoren! Ihr habt hier eine unheimliche liebevolle Hommage an eine Serie geschrieben, die wie keine andere unsere Generation prägte. ALF ist sowas von Kult und einfach unerreicht. Schade, dass die Serie so abrupt endete...
      • Von Buster81 NPC
        Ganz großes Lob an die beiden Autoren! Ihr habt hier eine unheimliche liebevolle Hommage an eine Serie geschrieben, die wie keine andere unsere Generation prägte. ALF ist sowas von Kult und einfach unerreicht. Schade, dass die Serie so abrupt endete...
      • Von Desotho Spiele-Enthusiast/in
        David Hasselhoff war/ist ja auch durchaus haarig.
      • Von Loosa Senior Community Officer
        Zitat von Nevrion
        Knight Rider, das A-Team, Hart aber Herzlich usw. fanden sicher ihren Weg, wurden aber alle erst durch RTL oder SAT1 wirklich einem größeren Publikum bekannt.
        Das habe ich etwas anders in Erinnerung.
        Alles Genannte, plus Alf und Co, waren erstmal absolute Straßenfeger im Öffentlichen. Nachdem es nur drei Stationen gab, und nicht auf allen Unterhaltung lief, guckte die Masse der Zuschauer dieselben Inhalte. Und am nächsten Tag wurde darüber auf der Straße geredet.

        Als das Privatfernsehen Mitte der 80er kam, brachte das massig mehr Content. Ein Batzen irrer Eigenproduktionen, viel Wrestling. Endlos Wiederholungen. Straßenfeger aber immer weniger.
        Ausnahme: Wetten dass? :D
      • Von xaan Spiele-Kenner/in
        Zitat von Nevrion
        "Eine schreckliche nette Familie" nimmt vielleicht noch mal eine Sonderstellung ein. Die Serie lebte durch ihre völlige Überspitzung und der Darstellung der amerikanischen Arbeiterklasse.
        Der Treppenwitz ist ja, wenn man aus heutiger Perspektive sieht, dass sich ein einfacher Schuhverkäufer ein eigenes Haus und vierköpfige Familie leisten konnte. Ein Grad an Wohlstand von dem heutzutage Arbeiter in Retailgeschäften nur noch träumen können.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat von Haehnchen81
        Ansonsten... das Privatfernsehen war der große Türöffner für die amerikanischen Serien... Knight Rider, A-Team, Magnum, Al Bundy (wobei ich das nie mochte, war mir zu plump)... überhaupt... so ziemlich jede 80er Serie lief auf privaten Sendern nach recht kurzer Zeit. ARD und ZDF nahmen da doch eher Abstand zu... ja Dallas und sowas lief auf ARD, so.... halt die amerikanischen Lindenstraße Formate... ALF wurde das erste mal auf ZDF gesendet, später lief es aber rauf und runter auf privaten Sendern, und das bis Heute.
        "Eine schreckliche nette Familie" nimmt vielleicht noch mal eine Sonderstellung ein. Es war die Antwort auf die Bill Cosby Show und die vielen anderen heiteren Familie-Serien, die bis in die 1980iger gesendet worden und zu der auch ALF gehörte. Die Serie lebte durch ihre völlige Überspitzung und der Darstellung der amerikanischen Arbeiterklasse. Am Ende konnten sich Menschen mit oder über den einfach gestrickten Schuhverkäufer amüsieren, dessen einziges Highlight im Leben er darin sieht 6 Touchdowns in einem College Footballspiel geschafft zu haben. Während in anderen Familien-Sitcoms immer das Happy End im Vordergrund stand, war es hier halt die tragische Komödie.
        Selbst ich kenne heute noch mehr von Al's 9 Geboten als die biblischen 10. Sowas könnte man heute aber nicht mehr zeigen, denn wenn jüngere Generationen die Serie Friends bereits problematisch finden, dann wäre eine schreckliche nette Familie wohl der Overkill.
      Direkt zum Diskussionsende
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