Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde

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Special Sebastian Göttling - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde
Quelle: Shout! Factory

Es war eine Fernsehserie, die eine ganze Generation an Kindern prägte: Autor Sebastian Göttling blickt zurück auf Kult-Alien und Katzen-Connaisseur Alf!

Er erlaubte sich Freiheiten in den Dialogen und wurde an vielen Stellen unnötigerweise, aber doch wunderbar, lyrisch. Im Original sagt Alf gelegentlich zwar "no problem", aber das entwickelt sich über die Serie hinweg nicht zu einer Catchphrase, ganz anders als das ikonische "Null Problemo", das Rabe daraus machte.

Außerdem wurden viele der US-Popkulturreferenzen durch in Deutschland verständlichere ersetzt. Denn wer wusste 1988 schon etwas mit dem Namen Sally Struthers anzufangen? Als die Tanners überlegen, Urlaub in San Diego zu machen, sind sie ganz angetan davon, dass am dortigen Theater Bernie Kopell aus der Serie "The Love Boat" den Hamlet spielt.

In der deutschen Fassung wurde daraus ulkigerweise "Pascha Trehn" vom Traumschiff, womöglich weil man sich keine rechtlichen Probleme mit Sascha Hehn einfangen wollte. Man bleibt daran beim ersten Hören hängen, es wirkt vollkommen sperrig, doch meine Freunde und ich reden auch heute noch von Pascha Trehn.

Und auch darüber, dass der Ballen oder Berliner in manchen Gegenden Deutschlands als Krapfen bezeichnet wird; eine Bezeichnung, die wir als Kinder zum ersten Mal bei Alf hörten, als dieser versucht, den Familienkater Lucky per Hypnose in ein Süßgebäck zu verwandeln. (Im Original war es ein Bagel.)

Willie und Alf am Sofa Quelle: Warner Bros. Auch bei der Auswahl der Sprechenden gelangen absolute Glücksgriffe. Ich schaue Alf ebenso gerne auf Deutsch wie im Original, wobei ich mich im Englischen zunächst mehrere Folgen lang an den kehligeren Alf von Paul Fusco gewöhnen musste, nachdem ich als Kind nur die markante Darbietung von Tommi Piper kannte, dem Schlagersänger, Synchronsprecher und Krimiseriendarsteller, dessen Foto im Lexikon unter "R" zu finden sein müsste neben dem Eintrag "Reibeisenstimme".

Piper selbst wurde aufgrund des Synchronjobs zu einer Berühmtheit und tingelte als die Stimme von Alf durch deutsche Fernsehshows, weswegen er der erste Synchronsprecher war, von dem ich als Kind wusste, wie er aussieht. Außerdem steuerte er eigenes Merchandising bei, doch dazu später mehr.

Ihm gegenüber als ständig enervierter Familienvater Willie spricht Niels Clausnitzer, eine Stimme, die gleichzeitig markant und doch wie ein Chamäleon ist. Ohne sich stimmlich zu verstellen, aber dennoch mit feinen Charakternuancen, schafft Clausnitzer es, den nerdigen Willie zu sprechen, obwohl er mindestens genauso bekannt war als die deutsche Stimme von James Bond in der Version von Roger Moore.

Wobei ich sagen muss, dass ich, was Willie Tanner angeht, nach dem ersten Hören des Originals nicht mehr zur Synchro zurückwollte, denn Max Wright ist eine absolute Offenbarung.

Noch ein Synchro-Funfact: Kaum zu glauben, aber im Jahr 1988 war Alf die allererste US-Fernsehserie in Deutschland, welche die Lachkonserve mit Erfolg beibehielt.

Vorherige Versuche stießen beim deutschen Publikum auf Ablehnung und waren extrem kurzlebig. Wer heutzutage eine deutsche Folge von "Mork vom Ork" anschaut oder auch die erste Synchronisation der Bill-Cosby-Show, die auf dem ZDF unter dem Titel "Bill Cosbys Familienbande" lief, der wundert sich über die merkwürdigen Dialogpausen.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Buster81 NPC
        Ganz großes Lob an die beiden Autoren! Ihr habt hier eine unheimliche liebevolle Hommage an eine Serie geschrieben, die wie keine andere unsere Generation prägte. ALF ist sowas von Kult und einfach unerreicht. Schade, dass die Serie so abrupt endete...
      • Von Buster81 NPC
        Ganz großes Lob an die beiden Autoren! Ihr habt hier eine unheimliche liebevolle Hommage an eine Serie geschrieben, die wie keine andere unsere Generation prägte. ALF ist sowas von Kult und einfach unerreicht. Schade, dass die Serie so abrupt endete...
      • Von Desotho Spiele-Enthusiast/in
        David Hasselhoff war/ist ja auch durchaus haarig.
      • Von Loosa Senior Community Officer
        Zitat von Nevrion
        Knight Rider, das A-Team, Hart aber Herzlich usw. fanden sicher ihren Weg, wurden aber alle erst durch RTL oder SAT1 wirklich einem größeren Publikum bekannt.
        Das habe ich etwas anders in Erinnerung.
        Alles Genannte, plus Alf und Co, waren erstmal absolute Straßenfeger im Öffentlichen. Nachdem es nur drei Stationen gab, und nicht auf allen Unterhaltung lief, guckte die Masse der Zuschauer dieselben Inhalte. Und am nächsten Tag wurde darüber auf der Straße geredet.

        Als das Privatfernsehen Mitte der 80er kam, brachte das massig mehr Content. Ein Batzen irrer Eigenproduktionen, viel Wrestling. Endlos Wiederholungen. Straßenfeger aber immer weniger.
        Ausnahme: Wetten dass? :D
      • Von xaan Spiele-Kenner/in
        Zitat von Nevrion
        "Eine schreckliche nette Familie" nimmt vielleicht noch mal eine Sonderstellung ein. Die Serie lebte durch ihre völlige Überspitzung und der Darstellung der amerikanischen Arbeiterklasse.
        Der Treppenwitz ist ja, wenn man aus heutiger Perspektive sieht, dass sich ein einfacher Schuhverkäufer ein eigenes Haus und vierköpfige Familie leisten konnte. Ein Grad an Wohlstand von dem heutzutage Arbeiter in Retailgeschäften nur noch träumen können.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat von Haehnchen81
        Ansonsten... das Privatfernsehen war der große Türöffner für die amerikanischen Serien... Knight Rider, A-Team, Magnum, Al Bundy (wobei ich das nie mochte, war mir zu plump)... überhaupt... so ziemlich jede 80er Serie lief auf privaten Sendern nach recht kurzer Zeit. ARD und ZDF nahmen da doch eher Abstand zu... ja Dallas und sowas lief auf ARD, so.... halt die amerikanischen Lindenstraße Formate... ALF wurde das erste mal auf ZDF gesendet, später lief es aber rauf und runter auf privaten Sendern, und das bis Heute.
        "Eine schreckliche nette Familie" nimmt vielleicht noch mal eine Sonderstellung ein. Es war die Antwort auf die Bill Cosby Show und die vielen anderen heiteren Familie-Serien, die bis in die 1980iger gesendet worden und zu der auch ALF gehörte. Die Serie lebte durch ihre völlige Überspitzung und der Darstellung der amerikanischen Arbeiterklasse. Am Ende konnten sich Menschen mit oder über den einfach gestrickten Schuhverkäufer amüsieren, dessen einziges Highlight im Leben er darin sieht 6 Touchdowns in einem College Footballspiel geschafft zu haben. Während in anderen Familien-Sitcoms immer das Happy End im Vordergrund stand, war es hier halt die tragische Komödie.
        Selbst ich kenne heute noch mehr von Al's 9 Geboten als die biblischen 10. Sowas könnte man heute aber nicht mehr zeigen, denn wenn jüngere Generationen die Serie Friends bereits problematisch finden, dann wäre eine schreckliche nette Familie wohl der Overkill.
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