A Plague Tale Requiem im Test: Tolle Fortsetzung, der es an Feinschliff fehlt

77
Test Christian Dörre Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 44,99 €
A Plague Tale Requiem im Test: Tolle Fortsetzung, der es an Feinschliff fehlt
Quelle: Focus Home Interactive

Am 18. Oktober 2022 erscheint mit A Plague Tale: Requiem endlich der Nachfolger des 2019er Überraschungshits A Plague Tale: Innocence. Wir haben uns also erneut ins Fantasy-Mittelalter von Amicia und Hugo begeben und uns dort an etlichen Wachen und Ratten vorbeigeschlichen, um euch in diesem Test verraten zu können. ob die Fortsetzung qualitativ an den Erstling heranreicht.

A Plague Tale: Innocence war wohl der Überraschungshit des Jahres 2019. Das vom französischen Asobo Studio entwickelte Action-Adventure rund um die junge Amicia und ihren kleinen Bruder Hugo, die inmitten der grassierenden Pest von der Inquisition verfolgt werden, überzeugte Spieler sowie Kritiker mit einer emotionalen Story, stimmungsvoller Optik, unverbrauchtem Setting und spaßigem Stealth- und Rätsel-Gameplay. Da der Titel eine so positive Überraschung war, fielen dessen Schwächen kaum ins Gewicht. Die KI war teilweise dämlich, die Gameplay-Elemente zum Teil repetitiv und die Geschichte driftete gerade im letzten Drittel zu sehr in überzogene Fantasy ab. Mit A Plague Tale: Requiem sollen diese Schwächen der Vergangenheit angehören. Der Bonus der Erstlingsüberraschung ist aber weg, und Asobo Studio muss sich der Erwartungshaltung der Fans stellen. Bereits vor Release kündigten die Entwickler daher mehr Gameplay-Möglichkeiten und größere Spiel-Areale an. In unserem Test entpuppen sich diese Elemente meist als gute, konsequente Weiterentwicklung des ersten Teils, allerdings hat Requiem auch Probleme im Gepäck, die wie nervige kleine Ratten am Spielspaß nagen.

Das Mädchen und der Rattenjunge

A Plague Tale: Requiem setzt ziemlich direkt nach dem Vorgänger ein. Auf Erklärungen und Zusammenfassungen von Innocence verzichtet das Spiel. Wer also das erste Plague Tale nicht gezockt hat und mit Requiem starten möchte, weil es direkt zum Release im Game-Pass ist, wird nur Bahnhof verstehen. Das Spiel setzt voraus, dass ihr den Erstling gezockt habt, sowohl was die Story, als auch was das Gameplay betrifft, doch dazu später mehr. Da es nicht möglich ist, die Story von Requiem ohne Bezug auf die Geschichte von Innocence zusammenzufassen, empfehlen wir allen Interessierten, die Teil 1 nachholen möchten, unseren Test vorerst zu meiden. Ihr seid also gewarnt: Nagetiere und Spoiler zu Teil 1 voraus!

Requiem setzt relativ zügig an das Ende des Vorgängers an. Wer den nicht gespielt hat, versteht nur Bahnhof. Quelle: PC Games Requiem setzt relativ zügig an das Ende des Vorgängers an. Wer den nicht gespielt hat, versteht nur Bahnhof.

Nachdem Amicia, Hugo, deren Mutter und der junge Alchemistenlehrling Lucas der Inquisition und den Ratten entkommen sind, entscheidet sich die Gruppe, in die Stadt Arles im Süden Frankreichs zu reisen. Dort soll sich ein Mitglied des Ordens der sich weiter in Hugos Blut ausbreitenden Macula annehmen. Wie sollte es anders sein, geht einiges schief. Amicia legt sich mit Soldaten an, der Ordensbruder ist arrogant und anscheinend machtlos, Hugo geht es immer schlechter. Als der Junge seiner Schwester von einem wiederkehrenden Traum erzählt, in dem er auf einer mysteriösen Insel Heilung findet, fasst Amicia den Entschluss, ihren Bruder dort hinzubringen. Die Suche nach der Insel entpuppt sich jedoch als gefährliches Abenteuer, in dessen Verlauf die Geschwister de Rune nicht nur neue Freunde finden, sondern sich vor allem viele Feinde machen und schockierende Wahrheiten erfahren, die besser nicht ans Licht kommen sollten.

Hatte der Vorgänger erzählerisch Probleme im letzten Drittel der Geschichte, sind die bei Requiem im ersten Drittel vorhanden. Die Geschichte kommt zunächst nicht so ganz vom Fleck, sondern wirft euch erstmal etliche Fieslinge um die Ohren. Dabei erzählt Requiem auch die Nebenhandlung, dass Amicia aufgrund der Erlebnisse aus Teil 1 ihren Verstand zu verlieren droht und nun unter plötzlichen Gewaltausbrüchen leidet. Das wird leider stümperhaft dargestellt und wirkt vollkommen unpassend, wenn Amicia auf einmal wie eine Wahnsinnige schreit, dass all ihre Feinde sterben müssen.

77
    • Kommentare (77)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Hot_Grzb Spiele-Novize/Novizin
        Ich hab mir Requiem am Tag der Veröffentlichung geholt und in den letzten Wochen ganz entspannt durchgespielt. Ich kann das Spiel nur eingeschränkt empfehlen, muss aber auch gestehen, dass ich den Vorgänger bereits überschätzt fand.

        Requiem sieht toll aus und das Szenario ist interessant. Das waren die Stärken. Alles andere ist mal besserer, mal schlechterer Durchschnitt. Die Story macht neugierig, zündet aber nie so richtig. Die Charaktere sind nicht uninteressant, nerven aber am Ende teils, teilweise wirken sie nicht glaubwürdig. Glaubwürdigkeit ist überhaupt das größte Problem des Spiels, andauernd bricht die Immersion durch bescheuerte Schnitte / Storyschwenker. Das Gameplay ist zu vorhersehbar und eindimensional, aber nicht grundsätzlich schlecht - sieht man mal von den größeren Kämpfen ab. Es gibt ein paar kleine Episoden, die ich schon fast billig fand. Stichwort Bootstour, mir würden noch mehr einfallen. Sound- und Musik ist gut, oder wären es, wenn der Umfang größer wäre - leider bedient sich das Spiel aber der immer gleichen drei Musikstücke (bzw. des immer gleichen einen in drei Variationen) und dem immer gleichen "Achtung, hier wirds gleich gruselig weil Ratten!"-Sound. Schade.

        Am Ende bin ich leicht enttäuscht. Ich hab mich schon okay unterhalten gefühlt - vor allem, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Zusammengenommen leistet sich das Spiel aber viele Schwächen, die in der Summe doch stören und das Gefühl geben, das alles so viel besser hätten sein können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das Spiel jemals ein zweites Mal spielen werde; das liegt nicht am Genre, es liegt daran, dass ich nur eingeschränkt Spaß hatte. Plague Tale will ein The Last of Us in alternativen Setting sein, kann aber nur in der Kategorie Edelgrafik wirklich überzeugen.
      • Von Hot_Grzb Spiele-Novize/Novizin
        Ich hab mir Requiem am Tag der Veröffentlichung geholt und in den letzten Wochen ganz entspannt durchgespielt. Ich kann das Spiel nur eingeschränkt empfehlen, muss aber auch gestehen, dass ich den Vorgänger bereits überschätzt fand.

        Requiem sieht toll aus und das Szenario ist interessant. Das waren die Stärken. Alles andere ist mal besserer, mal schlechterer Durchschnitt. Die Story macht neugierig, zündet aber nie so richtig. Die Charaktere sind nicht uninteressant, nerven aber am Ende teils, teilweise wirken sie nicht glaubwürdig. Glaubwürdigkeit ist überhaupt das größte Problem des Spiels, andauernd bricht die Immersion durch bescheuerte Schnitte / Storyschwenker. Das Gameplay ist zu vorhersehbar und eindimensional, aber nicht grundsätzlich schlecht - sieht man mal von den größeren Kämpfen ab. Es gibt ein paar kleine Episoden, die ich schon fast billig fand. Stichwort Bootstour, mir würden noch mehr einfallen. Sound- und Musik ist gut, oder wären es, wenn der Umfang größer wäre - leider bedient sich das Spiel aber der immer gleichen drei Musikstücke (bzw. des immer gleichen einen in drei Variationen) und dem immer gleichen "Achtung, hier wirds gleich gruselig weil Ratten!"-Sound. Schade.

        Am Ende bin ich leicht enttäuscht. Ich hab mich schon okay unterhalten gefühlt - vor allem, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Zusammengenommen leistet sich das Spiel aber viele Schwächen, die in der Summe doch stören und das Gefühl geben, das alles so viel besser hätten sein können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das Spiel jemals ein zweites Mal spielen werde; das liegt nicht am Genre, es liegt daran, dass ich nur eingeschränkt Spaß hatte. Plague Tale will ein The Last of Us in alternativen Setting sein, kann aber nur in der Kategorie Edelgrafik wirklich überzeugen.
      • Von AzRa-eL Hobby-Spieler/in
        Zitat von DarkSamus666
        Naja, das heutige Französisch hat mit dem des Mittelalters relativ wenig zu tun. Amicia dürfte, da aus dem Norden kommend, wohl eher eine der altfranzösischen Sprachen gesprochen haben.
        Mich stören Untertitel, deshalb spiele ich entweder in Englisch oder, wenn auch nur vereinzelt, in Deutsch.
        Lass mir bitte meine Illusion, dass das authentisch ist!

        Trotzdem danke für die Erklärung^^
      • Von DarkSamus666 Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von AzRa-eL
        Ich werde es - genau wie den 1. Teil - in OTon französisch mit UT spielen, damit die Authentizität komplett greift^^
        Naja, das heutige Französisch hat mit dem des Mittelalters relativ wenig zu tun. Amicia dürfte, da aus dem Norden kommend, wohl eher eine der altfranzösischen Sprachen gesprochen haben.
        Mich stören Untertitel, deshalb spiele ich entweder in Englisch oder, wenn auch nur vereinzelt, in Deutsch.
      • Von AzRa-eL Hobby-Spieler/in
        Ich werde es - genau wie den 1. Teil - in OTon französisch mit UT spielen, damit die Authentizität komplett greift^^
      • Von DarkSamus666 Spiele-Enthusiast/in
        Bin durch und hatte sehr viel Spaß mit dem Spiel. Mir gefiel die mMn sehr gut ausbalancierte Mischung aus Stealth, Knobelspiel und Action mit kleinen "Walking-Simulator"-Einlagen vA aufgrund der grandiosen Atmosphäre.
        Der Soundtrack ist sehr stimmig, die Schauplätze variantenreich und sehr schön gestaltet, die Charaktere sind gut geschrieben und prägnant.
        Aber auch spielerisch bietet es eine gute Ballance aus teils sehr forernden Stealth-Passagen und durchdachten Rätseln mit Boni für Wagemutige und kommt im Allgemeinen viel offener in Sachen Herangehensweise daher.
        Wer als Spieler gerne schleicht und die Gegner an der Nase rumführt wird genauso glücklich wie der, bei dem die Schleuder sehr locker sitzt, gerne Gegner in Brand setzt oder die Ratten auf sie hetzt.
        Die "Spaziergänge" zwischendurch lockern die Atmosphäre gut auf und entschleunigen, lassen den Charakteren die Möglichkeit, sich entspannter zu präsentieren und die Actionsequenzen sind mMn eine nette Dreingabe, mal mit mehr, mal mit weniger Anspruch an den Spieler, aber sich nie wiederholend, ok, bis auf die Fluchtsequenzen.

        Leider gab es zu Beginn den einen oder anderen kleinen Bug, KI-Fehler und auch mal nen Hänger, aber das hielt sich schon sehr in Grenzen, ab Kapitel 5 war davon nichts mehr zu sehen.

        Ich kann das Spiel jedem ans Herz legen, der gerne in eine mittelalterliche Fantasy-Welt abtaucht.

        Von der Präsentation/Optik kann man sich kein TLoU2 erwarten, da es halt schlicht ein Indie-Titel ist, das mekt man halt im Motion-Capturing, in den Wasser-Effekten und beim Facetracking. Alles ist aber trotzdem sehr anständig, teils sogar atemberaubend gemacht und man kann hoffen, dass die Entwickler durch einen Erfolg die hauseigene Engine noch mehr auf Fordermann bringen können.
        Ein kleiner Kritikpunkt ist die englische Synchro von Lucas, die etwas zu maskulin für sein zartes Alter ist.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk