Quelle: Warner
Die so genannten Unsterblichen, die Elitetruppe des Perserkönigs, erweisen sich als durchaus sterblich.
Die Männer am Lagerfeuer lauschen aufmerksam der Geschichte des Erzählers, als hörten sie sie zum ersten Mal. Der Mann (David Wenham) erzählt von einem Jungen, der zur Prüfung seiner Stärke in die Wildnis geschickt wurde und sich dort nicht nur mit Hunger und Kälte, sondern auch mit einer Bestie von Wolf konfrontiert sah - und sie alle bezwang. Der Name des Jungen: Leonidas. Leonidas, König von Sparta (Gerard Butler), steht im Jahre 480 v. Chr., als erwachsener Mann, einer neuen Bestie gegenüber. Das gigantische, hunderttausende Krieger zählende Perserheer des Großkönigs Xerxes ist auf dem Weg, sich ganz Griechenland zu unterwerfen.
Doch der persische Bote, der die Forderung der Unterwerfung überbringt, hat nicht mit der Freiheitsliebe der Spartaner gerechnet. Seine Arroganz kostet ihn das Leben. Wie es Brauch ist, befragt Leonidas das Orakel, ob er sein Heer rüsten soll, aber die gierigen Priester tragen ihm auf, in Sparta zu bleiben und der Dinge zu harren. Doch Leonidas weiß, dass dies das Ende des freien Spartas bedeuten würde. Mit 300 Getreuen macht er sich auf den Weg zu einem engen Gebirgspass, dem "heißen Tor" der Thermopylen. Denn dort, wo nur eine Handvoll Männer nebeneinander stehen können - so weiß er -, kann eine kleine Gruppe tapferer Kämpfer ein ganzes Heer zwar nicht besiegen, aber in Schach halten.
Wenige Tage später zerschellt Welle für Welle der persischen Flut an den eisernen Lanzen todesmutiger Spartaner. Und obwohl Großkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) vor Wut darüber kocht, dass weder Nashörner noch Kriegselefanten, weder Pfeilhagel noch seine Garde der Unsterblichen den Wall aus griechischen Schilden in den ersten beiden Kampftagen zu sprengen vermag, scheint das Leben der 300 angesichts der feindlichen Übermacht dennoch besiegelt. Derweilen kämpft Leonidas' Gattin Gorgo (Lena Headey), die Königin, daheim einen angesichts intriganter Ratsmitglieder ebenso schier aussichtlosen Kampf in dem Versuch, den Rat von Sparta dazu zu bewegen, dem König beizustehen.
Brachial-derbes Schlachtfest
Quelle: Warner
Bild: Der verfremdete Comic-Look in Metall- und Terrakotta-Tönen ist optisch ungemein berauschend.
Vergessen Sie Gladiator, Troja oder gar die Sandalenschinken der 60er-Jahre. Dieses Kriegerepos ist mit nichts vergleichbar, was bisher an Antikeepen auf der Leinwand zu sehen war. In einer Optik, die an eine Mischung aus Comic, Gemälde alter Meister und der Bildhauerkunst der alten Griechen erinnert, liefert Regisseur Zack Snyder hier ein brachial-derbes Schlachtfest, das es in sich hat. Dabei ist der gesamte Bronze- und Eisenerzlook so stimmig mit einem teils elegischen, teils martialischen Soundtrack verwoben, dass diese Videoclip-Ästhetik einen so berauschenden Eindruck hinterlässt, wie ihn keine noch so realistische Ausstattung erzeugen könnte.
Ganz klar: Dieses opulente Historienepos will gar nicht historisch sein. Es erzählt vielmehr eine Abenteuergeschichte mit Buckligen, Aussätzigen, teils Tolkien-artigen Monsterwesen, die einen so packt, wie es die eigentlich triviale und klischeebeladene Story ohne diese Optik sonst gar nicht könnte. Aber Vorsicht: Diese stilistisch lustvolle Metzelsuppe ist ein nur für echte Kerle geegnet. Zwar schwächt der comicartige Look die Darstellung der Gewalt automatisch ab, doch hier spritzt das Blut und türmen sich die Leichenberge, dass Kinogängern mit schwachem Magen ganz anders werden könnte. Auf dieses blutig-brutale Schlachtengemälde muss man sich einzulassen verstehen. Dann aber wird man mit einem faszinierenden Kinoerlebnis belohnt werden.
