007 First Light angespielt: Weit mehr als ein Hitman mit James-Bond-Anstrich
Einen knappen Monat vor dem Release von 007 First Light durften wir das neue Spiel von IO Interactive erstmals selbst ausprobieren. Ob dabei echtes Bond-Feeling aufkam, verraten wir in der Vorschau.
Im Dienste Ihrer Majestät ... war ich Mitte April nicht unterwegs. Sondern im Dienste der PC Games. Der Arbeitsort war trotzdem derselbe: das Zuhause von King Charles, Krone und königlichem Geheimdienst - das regnerische London an der Themse. Und auch der Auftrag hatte etwas von geheimer Mission. Streng vertraulich, hinter verschlossenen Türen durfte ich mit einer Handvoll ausgewählter Kollegen einen ersten Blick auf 007 First Light werfen.
Da fühlte man sich direkt selbst ein bisschen wie ein Topagent. Zunächst wegen der Einladung in eines der erlesensten Hotels der Stadt. Und noch viel mehr, als uns nach einer kurzen Präsentation dann endlich ein Controller in die Hand gedrückt wurde, um selbst in die Rolle des legendären James Bond zu schlüpfen.
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14 Jahre ist es her, dass der notorische Martini-Trinker über einen Computerbildschirm geflimmert ist. Entsprechend groß ist der Druck, der auf dem Entwicklerstudio IO Interactive lastet, ihm ein gelungenes Comeback zu bescheren. Zumal sich die Dänen auch noch eine zusätzliche Herausforderung aufgeladen haben: Statt auf eine der etablierten Film- oder Buchvorlagen zu setzen, versucht man sich an einer Origin-Story à la Tomb-Raider-Reboot mit einem komplett neuen, jungen Bond. Ein doppeltes Wagnis. Aber eines, das komplett aufgeht, wie unsere ersten drei Stunden mit dem Action-Adventure zeigen.
A View to Kill
Los ging's passenderweise mit dem Prolog, der uns für die Rettung von ein paar Wissenschaftlern nach Island schickt: Hier gibt IO Interactive direkt den Grundton vor und stimmt darauf ein, was einen spielerisch und erzählerisch über die kommenden Stunden erwartet: ganz großes Kino! In den ersten Minuten kracht und rummst es spektakulär. Helikopter werden aus dem Himmel geschossen, Menschen stürzen metertief ins Nichts, ganze Strände werden in Flammen gebadet.
Und mittendrin: ein komplett wehrloser Bond, der noch weit, weit weg ist vom Doppel-Null-Status. Er ist nicht mal Soldat, sondern nur Teil der Pilotencrew. Entsprechend hat er den maskierten Typen, die ihm an Land begegnen, erst mal nicht viel entgegenzusetzen. Flucht steht auf der Tagesordnung.
Quelle: IO Interactive
Schon bei den Zwischensequenzen zeigt sich: 007 First Light hat qualitativ hohe Ansprüche.
Dabei wird schnell klar, warum 007 First Light immer wieder mit Uncharted verglichen wird. Das Hitman-Studio hat bei der Produktionsqualität einen enormen Schritt nach vorn gemacht. Haare, Haut, Klamotten: Bei Texturen und Details hat das schon fast Triple-A-Dimensionen. Auch die Partikel- und Lichteffekte können sich echt sehen lassen. Gerade, wenn ihr dann noch Pathtracing und DLSS aktiviert. Zudem wechselt der Titel immer wieder fließend aus Zwischen- in Spielsequenzen, was für ein richtig cineastisches Erlebnis sorgt. Ein paar kleine Quick-Time-Events dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Man kann auch ausgiebig die schöne Aussicht bewundern, weil sich das Gameplay zunächst in Grenzen hält: Ihr huscht auf Knopfdruck von Deckung zu Deckung oder versteckt euch im hohen Gras, inklusive klassischer Sichtbarkeitsanzeige. Dazu kommen ein paar Kletterpassagen, in denen ihr in bester Nathan-Drake-Manier durch die Gegend hangelt. Wo es langgeht, zeigen dabei ein paar blaue Planen. Eine sonderlich lange Leine lässt man euch aber ohnehin nicht. Es gibt immer einen klar vorgegebenen Weg, auf dem auch gerne mal das Blockbuster-typische "Quetsche dich durch diesen schmalen Spalt, während wir im Hintergrund den restlichen Level laden" vorkommt. Die Entwickler sprechen hier von "Guided Gameplay": etwas schlauchig, linear, aber dafür gut durchgetaktet.
Quelle: IO Interactive
An Regenrohren nach oben klettern: Das hat sich 007 von Agent 47 abgeschaut.
Aus Schlauch wird Sandbox
An anderer Stelle öffnet sich dann die Welt und bietet mehr Raum zum Erkunden. Ihr dürft Forschungszelte untersuchen und Hinweise sammeln. Dabei habt ihr die (relativ) freie Wahl, wo ihr wie ansetzen wollt: Ihr könnt euch durch ein Seitenfenster in einen Wohncontainer schleichen oder ein Radio anschalten, um die Wache vor der Eingangstür wegzulocken. Oder ihr wählt halt eben doch Gewalt als beste Lösung.
Nichtsahnende Gegner können von hinten mit einem Takedown ausgeschaltet werden. Dabei fällt direkt auf, mit wie viel Bums die Nahkämpfe in 007 First Light inszeniert sind. Schläge haben richtig Gewicht, was vor allem durch das Vibrationsfeedback des Controllers gut rübergebracht wird. Auch die Soundeffekte scheppern ordentlich. Das macht Laune.
Quelle: IO Interactive
Die Takedowns sind kontextsensitiv. Wenn ein Gegner vor einem Abgrund steht, könnt ihr ihn auch einfach schubsen.
Ich war auch davon beeindruckt, mit wie viel Varianz Bond seine Gegner schlafen schickt: Mal gibt's einen Schlag in die Niere, mal zieht er einen Typen um eine Ecke und verpasst ihm einen saftigen Kinnhaken. Ein gutes Vorzeichen für das, was später noch kommen soll.
Bei alledem hat Bond übrigens einen "Handler" des MI6 im Ohr - eine Führungsoffizierin, die ihn durch die Mission lotst. Das hat beinahe was von der Dynamik zwischen Agent 47 und Diana Burnwood, auch wenn für meinen Geschmack fast ein wenig zu viel gequatscht wurde: Warum schickt der Secret Service seine Männer nach Island? Woran wird auf der geheimen Forschungsstation hier gearbeitet? Und welches Interesse hat die montenegrinische Mafia daran? Da wird einem etwas zu viel aufs Brot geschmiert.
Immerhin, das Ganze sorgt auch für den allerersten Bond-Moment, wenn sich James am Ende des Auftrags den Anweisungen von oben widersetzt und den gesamten Laden einfach in die Luft jagt. Schnitt. Das Intro rollt und Lana Del Rey umschmeichelt einem sanft das Ohr. Gänsehaut pur! Auf der nächsten Seite unserer 007-First-Light-Vorschau findet ihr Details zu den Gadgets, dem Kampfsystem und mehr.

Bin gespannt, wie viel Freiheiten man hat, oder einem die Aktionen praktisch vorgegeben werden.
Wäre echt schön, wenn man das verknüpfen könnte.
:/