Gehasst und geliebt: Hypes in Spielen - Was ist das und gibt es sowas überhaupt?
Unter Spielern rangiert das Wort Hype auf der Liste der unerquicklichsten Begriffe scheinbar noch vor Festplattencrash, BPjM und Analthrombose. Warum das so? PC Games liefert die Antwort.
Was haben das iPad und Daniela Katzenberger gemeinsam? Beides sind geile Geräte, beiden haftet aber auch der Ruf an, "nur gehypt" zu sein. Unter Spielern scheint das Wort "Hype" (Medienrummel) besonders viele Vorurteile zu generieren. Nicht selten begegnen uns Foreneinträge wie diese: "Crysis? Außer der netten Grafik war das Game Müll hoch 3. Meistens sind die größten Hype-Games der größte Schrott, das trifft zu 95% zu." Fast könnte man meinen, dass Spieler grundsätzlich von Hypes genervt sind und gehypte Spiele per se für schlechte Spiele halten. Warum ist das so?
"Unter Medienhype (engl. Hype – von Hyperbel für besonders spektakuläre, mitreißende Werbung, die Begeisterung auslöst) werden meist kurzlebige, in den Massenmedien aufgebauschte oder übertriebene Nachrichten verstanden, die gezielt von Interessenträgern zur Werbung für bestimmte Ideen, Personen oder Produkte lanciert wurden." –
Wikipedia.de
Spiele-Hypes sind so alt wie die Branche. "Schon in den Achtzigern hatten wir Lizenztitel, angeberische Anzeigenmotive, Nachfolger zu Hits, beharrliche Pressesprecher oder ominöse exklusive erste Tests mit unerklärlich hohen Wertungen", erinnert sich Heinrich Lenhardt, einer der erfahrensten deutschen Spiele-Journalisten. Dass die meisten Spieler heutzutage Nörgler sind, glaubt er nicht. Es hätten sich immer schon stets die Unzufriedenen gemeldet, während die Zufriedenen schweigen. Unsachliche Kritik komme von einem leidenschaftlichen, lauten, aber kleinen Teil der Spieler. "Mit Sicherheit spielt die Jugend und die damit verbundene Emotionalität eine Rolle – kombiniert mit der Anonymität von Foren ist das eine explosive Mischung mit der psychologischen Komponente eines quasi-religiösen Eifers."
Verschwörungstheorien
Hype-Weltrekordhalter samt Brief, Siegel und Guinness-Buch-Urkunde ist mit Assassin's Creed 2 ein Titel, den zumindest die von uns befragten Spieler (vergleiche Top 10) nicht auf dem Radar hatten. Binnen zwölf Monaten machten 127 Publikationen in 32 Ländern Ezios Abenteuer zum Titelthema. Steckt dahinter nun eine Verschwörung, geschmiedet von bestechlichen Journalisten und Publisher Ubisoft, der die Schreiberlinge mit Goldbarren bewarf, bis sie bluten? "Die Aufgabe des Journalisten ist auch die eines Filters für den Leser, also vorzuselektieren und für interessante Themen mehr Material zu bieten als für die, die langweilig sind", sagt Boris Schneider-Johne, Produktmanager der Firma Microsoft und ehemaliger Kult-Redakteur.
Platz 10 der Hype-Top 10: Gothic 3 - Es war nicht weniger als der Nachfolger einer der beliebtesten Rollenspiel-Serien Deutschlands. Die Erwartungen waren riesig.
Verschwörungstheoretiker hingegen müssen wir enttäuschen: Geld und Ferraris von Herstellern im Gegenzug für redaktionelle Berichterstattung zu nehmen, hört sich zwar reißerisch an, trifft aber nicht zu. Allein die Logik gebietet es, dass die Presse auf Dauer nur darauf erpicht sein kann, ihre Leser zufriedenzustellen. Um Interna des Computec-Verlags auszuplaudern, der auch das vor Ihnen liegende Heft produziert: In die Themen- und Umfangsplanung fließen etliche Überlegungen ein. Wie viel berichtet wird, darüber entscheiden zuvorderst Ersteindrücke über die Qualität eines Produkts, die man bei Entwicklerbesuchen, Messen oder mit spielbaren Betas gewinnt. Das Wort "Erst-eindruck" verrät, dass menschliche Irrtümer nie ausgeschlossen sind.
Entgegenkommen eines Publishers kann sein, dass er ein Magazin mit Exklusivinhalten versorgt, weil er sein Produkt dort am besten aufgehoben sieht. Im Gegenzug fällt der Umfang der Artikel meist größer aus, schließlich bietet man etwas, was die Mitbewerber nicht oder später liefern. Und ja, am Ende des Tages geht's auch um Kommerz: Was die Leser interessiert, schließen Redakteure aus der Resonanz zu Themen auf ihren Webseiten, Umfragen, allgemeinen Genre-Markttrends, Umfragen, Vorbe-stellerzahlen und Umfragen. Auch die "Beliebtheit" von Entwicklerstudios kann entscheiden. Wem das alles zu unromantisch klingt: Immer wieder hieven Redakteure auch Spiele ins Heft, auf die sie sich selbst freuen. So schaffen es Geheimtipps in den Mittelpunkt. Titelstorys entstehen wie bei Spiegel, Focus & Co. auch: Welches Thema verkauft Hefte? Der Thilo Sarrazin der Spielewelt heißt nun mal Starcraft 2.
Bestechung?
Was denken Spiele-Fans denn nun über Hypes? Wir haben in Foren viele kontaktiert, wobei sich die Theorie vom Quengler, der nur anonym mutig ist, verhärtete: Denen, die Publishern Lug und Betrug und/oder den Magazinen Korruption nachsagen, fehlt es an Lust, Zeit oder Cojones, Stellung zu beziehen. Einige fanden wir dennoch, deren Meinungen über Journalisten und Spielehersteller nicht zwingend angepasst bequem waren. Eine "gewisse Käuflichkeit" der Medien hält beispielsweise Alexander Weniger (23) aus Münster für möglich – und zwar insofern, dass sie über Produkte intensiver berichten, wenn ein großes Unternehmen und damit finanzstarke Marketingmaschinerie dahinterstehen, die mehr Input liefern. "Dass hier und da auch Gelder fließen, kann und will ich ebenso nicht ausschließen."
Der Kölner Baran Friedrich Fundermann (18) vermutet, dass hohe Wertungen in der Presse eventuell auch deshalb zustande kommen, weil Journalisten die Beziehungen zum Hersteller verbessern möchten und sich so einen Informationsvorsprung versprechen. Ebenfalls zu hören bekamen wir, dass es die Medien manchmal an der nötigen Objektivität fehlen lassen. Spieler vergessen überdies nicht, liebe Publisher: Einer nannte uns das exakte Datum, an dem Activision erklärte, die deutsche Fassung von Modern Warfare 2 sei nicht geschnitten, was sich euphemistisch formuliert als Marketingstrategie entpuppte.
Quelle: PC Games Hardware
Platz 3 der Hype-Top 10: Black & White - Peter Molyneux hat vieles für den Titel versprochen und den Spielern damit den Mund wässrig gemacht.
David Ficke aus dem brandenburgischen Zeesen spricht geschönte Screenshots im Zusammenhang mit dem Flight Simulator X an und meint zudem, dass Hersteller ab und an revolutionäre Features ankündigen, damit Magazine den Hype gezielt schüren. Wenn's um Versprechungen geht, hat der 32-jährige Qualitätsauditor sofort einen Namen im Kopf: Peter Molyneux. Der Kultdesigner wurde 1989 durch Populous bekannt. Im Jahr 2001 schuf er mit Black & White einen Titel, der bei vielen als missglücktes Hype-Spiel gilt, obwohl es Magazine weltweit durchschnittlich mit fast 90 Punkten* bewerteten. An nachbearbeitete Screenshots bei Command & Conquer: Tiberian Sun erinnert sich der Freiburger Julian Hennig (24), der zudem ebenfalls Peter Molyneux und Black & White nennt. "Heraus kam ein halbgares Strategiespiel mit Tamagotchi-Einschlag, das viele gute Ideen enthielt, die aber nicht wie angepriesen funktionierten."
In diesem Artikel
Galerie: Die Hype-Top-10
Wir wollten von Spielern wissen: Welches is das Hype-Spiel unter den Hype-Spielen? Unsere Liste basiert auf Eigenumfragen in Foren sowie via Twitter und Facebook. Wir haben weder Titel noch eine Definition des Wortes Hype vorgegeben.

Ich kann die Leute auch nicht verstehen, die Spiele nur der Grafik wegen zocken, aber naja ...
Eine negative Wertschätzung fand meinerseits nicht statt.
"Für misch? NON!!! " :B
Oh ich bin berühmt *freu*. Jetzt steht Haralds Artikel hier auch nochmal - zwar n halbes Jahr später als in der Powerplayer aber immerhin. Zum Hype hat jeder seine Meinung , doch es gibt nur eine Wahrheit. Und die wurde versucht zu finden. Natürlich meint jeder Gamer, dass seine Wahrheit am wahrsten ist....
:D
Also für Leute die zwischen Farbtönen (hell und dunkel) unterscheiden können dürfte es nicht so schwer sein in einer Liste auis hellen und dunklen Überschriften sich nur auf die hellen zu konzentrieren ;)
Ich steh auch auf Übersichtlichkeit und ich hatte schon wesentlich schlimmere Questlogs in meinem Leben (Morrowing *hust*)
Ich gebe Dir natürlich sofern Recht dass es nicht optimal gelöst ist und man es sehr viel Übersichtlicher hätte machen können. Dafür wird einem in der Karte genau angezeigt wo man jeder Quest machen soll, also vom Quest erledigen her ist es schon sehr "übersichtlich'" :D
den wert eines spiels ausschließlich an der der qualität des questlogs festzumachen, halte ich für reichlich überspannt. außerdem finde ich den questlog von tw2 zwar auch unübersichtlich, aber doch verwertbar. auf meinen fortschritt im spiel (hab jetzt 30 stunden runter) hat das kaum bis keinen einfluss. wenn das spiel deiner meinung nach wg. solcher nichtigkeit in die grabbelkiste gehört, dann müssten da folgerichtig alle games landen: solche nickligkeiten gibt´s in jedem spiel.
die vorschau zu tw2 fand ich übrigens informativ und realitätsnah, was man nicht von allen vorschauen bei pcg behaupten kann - aber doch von vielen.
ich kann mich leider nicht der friede-freude-eierkuchen-mentalität anschließen, was hype angeht. es geht bei hype eben nicht darum, dass "ein paar millionen die köpfe zusammenstecken" und sich wie die kinder über etwas neues kommendes freuen.
hype ist in kurzlebig dasselbe, was eine marke auf dauer ausmacht: ein bewusst gesteuerter, positiv wirkender (massen-)eindruck von einem verkaufsobjekt, der wenig bis nichts mit dessen realen eigenschaften zu tun hat. dieser eindruck wird durch ansprechen von unbewussten reizen erzeugt, deren wirkung sich die zielperson (der potenzielle käufer) bewusst nicht entziehen kann. bestes beispiel dafür sind die apple-produkte wie ipad oder iphone, die von den allermeisten nicht gekauft werden, weil sie besser sind als konkurrenzprodukte, sondern weil man sich damit (angeblich) so schön von der breiten masse abheben kann (wir sind anders, wir sind modern: angespielt wird auf den individualisierungstrieb) - ein hype eben.
mittlerweile haben auch die publisher von spielen gemerkt, dass sich ihre (oft - aber nicht immer - nur durchschnittlichen) produkte über die erzeugung von hype deutlich besser verkaufen lassen. bsp dragon age (1 und 2): man muss nur die publikationskanäle oft genug wiederholen lassen, dass dies ein spiel in bester tradition (anspielung auf eine alte marke wie baldur´s gate) mit viel klassischem rollenspieltiefgang und gleichzeitig hohem wiederspielwert ist, dann wird das irgendwann geglaubt. angespielt wird dabei auf den unterbewussten wunsch, testierte qualität zu kaufen. das kann zwar objektiv keiner von den potenziellen käufern beurteilen, aber das testat wird trotzdem geschluckt. erst nach dem schlucken dieser marketing-pille findet die aktive beteiligung der spieler durch weitererzählen des hörensagens statt. in szene gesetzt wurde der hype aber von publishern im verbund mit den medien.
auch wenn´s euch vll. nicht so gefällt: an der entstehung von hype seid ihr redakteure sicher deutlich mehr beteiligt als eure konsumenten. das hat mit der vermutung, dass redakteure "mit goldbarren blutig beworfen werden" rein gar nichts zu tun - der ausdruck im artikel war wohl eine typische schutzbehauptung. dass der hype dann von der breiten spielermasse "weitergepflegt" wird, ist unbestritten.