Weiterverkauf eingeschränkt: Wie Publisher den Gebrauchtspielmarkt kontrollieren wollen

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Über viele Jahre hinweg blieb er unberührt: Der florierende Markt mit den Gebrauchtspielen schien die Publisher nur wenig zu kümmern. Doch in Zeiten schwächelnder Konjunktur und sinkender Umsätze fand ein Umdenken statt. Alle wollen plötzlich an dem Geschäft mit Second-Hand-Ware mitverdienen - und setzen dabei auf umstrittene Methoden.

Computer - und Videospiele können ein teures Hobby sein. Mit bis zu 60 Euro schlägt der Kauf aktueller Top-Hits zu Buche. Über ein Jahr gesehen kann sich das schnell zu einem stolzen Sümmchen läppern. Wer auf grandiose Titel wie Starcraft 2, Mafia 2 und God of War 3 zum Zeitpunkt der Neuveröffentlichung nicht verzichten will, am Ende aber auch kein tiefes Loch im Geldbeutel hinterlassen möchte, greift eben zur vergünstigten Gebrauchtware. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Viele Publisher beklagten in jüngster Zeit herbe Umsatzverluste und machen nach den verteufelten Raubkopien nun auch den Second-Hand-Markt für die Misere mitverantwortlich.

Dabei sollte man ihnen daraus nicht kategorisch einen Strick drehen. Schließlich verdienen die Hersteller an dem Verkauf gebrauchter Games keinen einzigen Cent. Gleichzeitig stiegen die Kosten für die Entwicklung hochwertiger Titel in den letzten Jahrzehnten rasend an. Rückmeldung bekommen sie von der kürzlich veröffentlichten Studie der Analysten-Gruppe Cowen & Company. Die Verkaufszahlen der PlayStation 3 und Xbox 360-Titel aus dem Jahr 2009 würden 20 Prozent unter dem liegen, was 2003 die PS2 / Xbox erreicht hätten. Neidische Blicke wandern zu den Händlern, wie der Kette GameStop, die mit Second-Hand-Ware gute Geschäfte machen und jüngst sogar Rekord-Umsätze vermeldeten. Da sich eine direkte Beteiligung an dem Verkauf von Gebrauchtspielen als schwierig erweist, entwickelten die Publisher alternative Methoden.

EAs mutiger Vorstoß...

Den Vorstoß wagte Electronic Arts schon im letzten Jahr mit Dragon Age: Origins. Dem Rollenspiel-Schwergewicht liegen freischaltbare Extras, wie eine zusätzliche Mission und eine Ingame-Rüstung bei. Einmal aktiviert, gehen die Boni permanent in den Besitz des Spielers über und werden unweigerlich mit einem zuvor angelegten Account verknüpft. Käufer eines gebrauchten Exemplars blieb nur die Möglichkeit, die Inhalte nachzukaufen. Auch die nächsten Games aus dem Hause EA setzten auf ein ähnliches System. Als Beispiel heranführen lässt sich etwa Battlefield: Bad Company 2 mit seinem VIP-Code, das den Zugriff auf kostenlosen Content ermöglicht.

Die Idee, Käufer eines neuen Spiels mit Extras zu belohnen, klingt blumig, erzielte aber offensichtlich nicht die erwünschte Wirkung. Das Vorenthalten eher geringfügig wertvollen Contents (etwa zusätzliche Waffen und Skins) schien sich vermutlich kaum auf den Absatz neuer Ware auszuwirken, weshalb EA im Mai mit der Einführung des Online-Pass die zweite Phase im Kampf gegen den Second-Hand-Markt einläutete. Beginnend mit Tiger Woods PGA Tour 11 werden alle künftigen Konsolenspiele des Labels EA SPORTS mit einem einmalig nutzbarem Code ausgestattet, der den Zugriff zum Mehrspieler-Modus reglementiert. Gebrauchtkäufer müssen circa 10 Euro für einen neuen Code ausgeben, sollten sie an Online-Partien teilnehmen wollen.

...und die Reaktionen darauf

Andere Publisher begrüßten den Verstoß des Branchenriesen. Sony "unterstützt die Idee weitgehend" und befindet sich zur Zeit selbst "aktiv auf der nach Suche nach derselben Option für eigene Titel." SEGA hält die Idee für "clever" und schließt ebenso wie Ubisoft ähnliche Initiativen Zukunft nicht völlig aus. Weiter ist man bei THQ. Der Publisher hat das System von EA bereits erfolgreich in SmackDown vs. RAW 2011 adaptiert, sich aber mit einem provokanten ("Wer gebrauchte Spiele kauft, betrügt uns") wenig Sympathie eingehandelt. Da half auch die spätere Entschuldigung nicht viel. Activision indes, hat sich noch nicht zu einer entgültigen Entscheidung durchgerungen. Zuletzt hieß es, man wolle sich zunächst auf DLC fokussieren.

Bei den Händlern dominieren hingegen die kritischen Stimmen. Marc Day, Geschäftsführer von SwapGame.com, ist beispielsweise der Ansicht, dass sich der Publisher ins eigene Fleisch schneiden würde. "Bei SwapGame tauschen die meisten Kunden ihre Spiele gegen Geld oder eine Gutschrift ein, um sich davon wiederum neue Titel zu kaufen, die sie sich ansonsten nicht leisten könnten. Durch das Eintauschen wollen wir den Kunden dabei helfen, Spiele erschwinglicher zu machen, indem wir ihnen eine neue Möglichkeit eröffnen, Spiele zu kaufen", so Day. "Der Schritt hin zu exklusivem DLC ist interessant und stellt dem Publisher offensichtlich eine weitere Einnahmequelle zur Verfügung. Für den Gebrauchtmarkt mindert es definitiv den Wert der Spiele, wodurch sie günstiger verkauft werden. Das bedeutet auch, dass die Kunden weniger dafür bekommen, wenn sie sie eintauschen."

Rückdeckung genießt EA ausgerechnet von der großen Einzelhandelskette GameStop. Sie glauben nicht, dass der Second-Hand-Markt zwangsläufig Einbußen verzeichnen wird. "Wir ermutigen Publisher, zusätzliche Inhalte zu einem höheren Preis für neue Titel und in einer günstigeren Variante für Gebrauchtspiele anzubieten. Tatsächlich können die Publisher von unserem Gebrauchtspielhandel profitieren, indem sie zusätzliche Inhalte für die beliebtesten gebrauchten Titel anbieten. So entstehen Vorteile für Publisher, Handel und Konsumenten", so ein Sprecher.

Im Namen des Volkes

Mit der einen oder anderen Einschränkung lässt es sich noch leben. Richtig sauer aufstoßen dürfte die Gamer allerdings die Tatsache, dass sich so manch gekauftes Spiel gar nicht mehr zu Geld machen lässt. Beispielsweise StarCraft 2. Zum Spielen ist neben der Vollversion ein kostenloses Battle.Net-Konto Pflicht. Während der Installation muss der Titel mittels Key an den Account gebunden werden. Das heißt im Umkehrschluss: Würde man seine StarCraft 2-Version verscherbeln wollen, müsste man auch den Account mitverkaufen. Doch dem schiebt Blizzard mit einer Klausel in den Nutzungsvereinbarungen einen Riegel vor. Darin heißt es:

"Accountübertragungen werden von Blizzard nicht anerkannt. Sie sind nicht berechtigt, einen Account zu kaufen, zu verkaufen, zu verschenken oder damit zu handeln oder einen Account zum Kauf, Verkauf, als Geschenk oder zum Handel anzubieten, und alle derartigen Versuche gelten als null und nichtig."

Lautet unserer Kollegen von GameStar, die den Rechtsanwalt Stephan Mathé befragt haben, ist das sogar rechtmäßig: "Nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) ist diese Klausel wohl rechtmäßig. Sie verstößt zwar Erschöpfungsgrundsatz, gelangte Werkstücke Software) meines Erachtens gegen den Erschöpfungs-Grundsatz, der es erlaubt, einmal in den EU-Markt gelangte Werkstücke (also auch Software) frei weiterzuverkaufen. Doch der BGH sieht das für reine Onlinespiele offenkundig anders."

Ihre Meinung

Wir würden gerne Ihre Meinung zu dem Thema hören. Kaufen und / oder verkaufen Sie Gebrauchtspiele? Wie empfinden Sie das strikte Vorgehen der Publisher? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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    • Kommentare (42)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Grimsight Anfänger/in
        @Wollihek

        Das Problem ist eben auch das viele Spieler ihre Spiele nicht weiterverkaufen. Ich habe bis dato noch alle meine Videospiele. Ich behalte sie einfach gerne, es gibt dafür keinen besonderen Grund. Wenn ich ein Spiel kaufe, spiele ich es und dann landet es im Regal und später auf dem Dachboden.
        Kann man mir nun ein Vorwurf machen wenn ich weiterhin Spiele kaufe, die Accountgebunden sind?

        Spieler die ihre Titel weiterverkaufen dürften immer noch in der Minderheit. Ich will damit nicht sagen das ich dieses System nicht schlecht finde, nur aufzeigen, dass es weniger Leute gibt die es interessiert.

        Ich habe mich auch eine Zeit lang über DLCs aufgeregt, da man diese auf dem Computer lange Zeit umsonst per Patch bekommen hat und auf einmal soll man dafür Geld bezahlen. Naja ich kaufe weiterhin keine DLCs und habe in manchen Spielen wie CoD dann den Nachteil, dass ich gekickt werde, da ich die Map nicht habe.

        Jeder der Geschäftstüchtig ist will eben Geld verdienen und Spielehersteller, programmieren Spiele nicht zum Spaß sondern für Geld (was man auch merkt), ansonsten müssten wir alle nur Indi-Games spielen.
      • Von Grimsight Anfänger/in
        @Wollihek

        Das Problem ist eben auch das viele Spieler ihre Spiele nicht weiterverkaufen. Ich habe bis dato noch alle meine Videospiele. Ich behalte sie einfach gerne, es gibt dafür keinen besonderen Grund. Wenn ich ein Spiel kaufe, spiele ich es und dann landet es im Regal und später auf dem Dachboden.
        Kann man mir nun ein Vorwurf machen wenn ich weiterhin Spiele kaufe, die Accountgebunden sind?

        Spieler die ihre Titel weiterverkaufen dürften immer noch in der Minderheit. Ich will damit nicht sagen das ich dieses System nicht schlecht finde, nur aufzeigen, dass es weniger Leute gibt die es interessiert.

        Ich habe mich auch eine Zeit lang über DLCs aufgeregt, da man diese auf dem Computer lange Zeit umsonst per Patch bekommen hat und auf einmal soll man dafür Geld bezahlen. Naja ich kaufe weiterhin keine DLCs und habe in manchen Spielen wie CoD dann den Nachteil, dass ich gekickt werde, da ich die Map nicht habe.

        Jeder der Geschäftstüchtig ist will eben Geld verdienen und Spielehersteller, programmieren Spiele nicht zum Spaß sondern für Geld (was man auch merkt), ansonsten müssten wir alle nur Indi-Games spielen.
      • Von wollihek NPC
        AW: Special - Weiterverkauf eingeschränkt: Wie Publisher den Gebrauchtspielmarkt kontrollieren wollen

        Es ist eine Megafrechheit das sich die Hersteller mehrfach an ihrer Ware bereichern wollen. Wenn ich mein Auto verkaufe kommt kein PKW Hersteller auf die Idee nochmal an diesem Gebrauchtfahrzeug zu verdienen. Die Risiken der Unternehmer in witrtschaftlichen Zeiten sollen nun auch noch auf den Verbraucher abgewälzt werden. In schlechten Zeiten geht eben der Umsatz zurück. Unverschämte Denkweise. Wenn das eingeführt wird kaufe ich eben keine Spiele mehr. Aber wer ist heute noch so Konsequent? Vielleicht würde es so manchem Spielehersteller gefallen, wenn demnächst eine Strafabgabe eingfordert wir für nichtkaufen. Pfui. Teufel
      • Von Smiderick Stille/r Leser/in
        AW: Special - Weiterverkauf eingeschränkt: Wie Publisher den Gebrauchtspielmarkt kontrollieren wollen

        Liebe Publisher, ich kaufe euch gerne Spiele ab, auch wenn sie 50€ kosten. Aber.... für meine 50€ verlange ich ein Produkt, und nicht ein "Recht das Produkt zu benützen" Gebt mir richtig gute Spiele und der Gebrauchtmarkt wird sich nie groß entwickeln. Warum? Ich spiele seit mittlerweile doch 15 Jahren fleißig vor mich hin. Bis jetzt hege und pflege ich ALLE guten Titel in meinen Regalen damit ich sie alle paar Jahre rausholen kann und wieder mal das gute alte Feeling habe. (In Memoriam Siedler 2, Theme Hospital, CivNet, Age of Empires 2 und wie sie alle heißen). Niemand verkauft Titel mit denen er Spaß hatte, egal wie oft man sie durch hat.
        Problematisch wirds nämlich, wenn ich sagen wir in 10 Jahren ein durchaus gutes Assassins Creed 2 spielen will aber, ach du schande, die server nicht mehr laufen. Oder ich hab meine verdammten zugangsdaten nicht mehr...verdammt ich hab ein stück plastik vor mir liegen das de fakto in den müll wandern kann. Überlegt es euch...Tradition ist denke ich mittlerweile auch ein Teil der Spieleindustrie, lasst sie uns und baut darauf. Support ist King! Überlegt wann ihr ein Spiel ankündigt und wann ihr es auf den Markt bringt. Es ist scheiß egal wie lange man auf einen richtig guten Titel wartet weil sein vorgänger wahnsinn war.
      • Von Haniwa Stille/r Leser/in
        AW: Special - Weiterverkauf eingeschränkt: Wie Publisher den Gebrauchtspielmarkt kontrollieren wollen

        Ist doch alles kein großes Problem - kostet halt nur etwas Zeit.

        Bei jedem neuen Spiel lege ich mir ein neues Benutzerkonto und ein gratis E-Mail Konto an, die ich bei Wiederverkauf mit weitergebe.
        Damit erhält der Käufer dann alle notwendigen Daten um das Spiel selber uneingeschränkt verwenden zu können.

        Meinen Namen gebe ich bei der Registrierung meist auch nicht an, sondern verwende irgendetwas allgemein gültiges wie z.B. "Anwender" oder so.

        Und ob Blizzard oder ein aderer Publisher solche Praktiken in Ihren Nutzungsvereinbarungen / AGB / EULA verbieten oder in China platzt 'ne Currywurst - das entlockt mir noch nichtmal ein Gähnen.

        Ist halt kein Straftatbestandn und nach Gesetz nicht verboten.
        Die können mir also garnix - ausser evtl. den Account sperren.
        Aber warum sollten sie? Fällt denen doch eh nicht auf, da eine manuelle Kontrolle aller Accounts auf tatsächliche Korrektheit den Preis jeden Spiels exorbitant erhöhen würde.
      • Von doc8472 NPC
        AW: Special - Weiterverkauf eingeschränkt: Wie Publisher den Gebrauchtspielmarkt kontrollieren wollen

        für was wollen die jetzt noch mehr geld??

        für das spiel, für das patch/dlc, für den weiterverkauf, für die Luft die ich atme, für meine anwesenheit auf der erde.

        wer auch nur ansatzweise glaubt das die großen publisher geldprobleme haben/hatten, da würde ich mich ehrlich um dessen geisteszustand sorgen machen.

        was die firmen vor allem alleine in deutschland für steuervergünstigungen haben, wenn die es richtig anstellen, davon könnte ein mensch sein leben lang im luxus leben.

        ich würde sogar bald vorschlagen dass man cracker finantiell unterstützen sollte, denn da wäre man trotzdem um mindestens 80% billiger dran.
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