Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

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Special Marion Lenke Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Kaum ein anderes Unterhaltungsmedium setzt so viel auf Realismus wie PC Spiele. Besonders bei Kriegsszenarien müssen die Entwickler jedoch aufpassen, dass sie ihrem Publikum nicht zu sehr auf die Füße treten. Doch was passiert, wenn der Drahtseilakt zwischen Authentizität und Diplomatie missglückt? Im Folgenden stellen wir ihnen Spiele vor, die auf dem politischen Parkett ordentlich für Furore gesorgt haben. Darunter Command & Conquer: Generäle und Ghost Recon: Advanced Warfighter.

In Deutschland erschien nur die abgespeckte Version Command & Conquer: Generäle. Quelle: PC Games In Deutschland erschien nur die abgespeckte Version Command & Conquer: Generäle. Kunst imitiert das Leben – so ist es auch in Spielen. Schon immer dienen aktuelle Geschehnisse den Spielemachern als Inspirationsquelle. Denn besonders Kriegsspiele müssen vor allem eines sein: Glaubwürdig. Um das zu gewährleisten setzen viele Entwickler drohende Konflikte und aktuelle Krisenherde in spannende virtuelle Szenarien um. Gemeinhin lautet dabei natürlich die Devise, dass keine Politik betrieben, sondern lediglich Unterhaltung geboten werden soll. So lehnen sich die meisten Multiplayer-Strategiespiele oder Ego-Shooter zwar an aktuelle Militärkonflikte an, entscheiden dabei aber nicht, mit welcher Armee der Spieler letztendlich in die Schlacht ziehen soll. Doch nicht jedes Spiel wahrt so viel Distanz. Ein beliebtes Feindbild in Spielen geben beispielsweise die Russen ab. Call of Duty: Modern Warfare und Frontlines: Fuel of War reagierten auf das aktuelle Bild Russlands, als ein erstarkendes Land, das mit seiner florierenden Wirtschaft und seinem fremdartigen Wertesystem ein unberechenbarer Schurkenstaat zu sein scheint. Dennoch sind die in den Games zu erlebenden Szenarien in der Regel Fiktion. Wenn sich die Studios allerdings zu nah am aktuellen politischen Geschehen orientieren, bleibt es natürlich nicht aus, dass sie hin und wieder auch gehörig mit Behörden, Politikern und der Öffentlichkeit aneinander rasseln.

Command & Conquer: Generals
Eine besonders starke Anlehnung an aktuelle politische Konflikte fand sich in dem Echtzeit-Strategiespiel Command & Conquer: Generals. Darin ging es um den amerikanischen Kampf gegen den Terror, wobei der Spieler in unterschiedliche Rollen schlüpfen konnte. Unterstützt wurde dieser Eindruck von Charakteren, deren Gesichter vage Anleihen an George W. Bush und Kofi Annan schienen und der im Spiel operierenden Gruppe GLA, die starke Ähnlichkeiten mit Terrororganisationen wie der Al Quaida aufwies. Command & Conquer: Generals zynische Herangehensweise an das Thema Terrorismus brachte dem Spiel rasch den Vorwurf der Kriegsverherrlichung ein. So sollte das Spiel Kämpfe als einzig denkbare Möglichkeit der Konfliktlösung propagieren. Außerdem meinten seine Kritiker, dass das Game die Vermutung nahelege, das irakische Regime sei mit islamischen Terrororganisationen gleichzusetzen. Besonders in der Kritik standen außerdem Missionen, in denen Attentate geplant und Selbstmordattentäter trainiert wurden. Auch der strategische Einsatz von Massenvernichtungswaffen im Spiel wurde angeprangert. Denn deren Einsatz reduziere den Mord an Zivilisten lediglich zu Kollateralschäden. Aufgrund des starken Bezugs zu aktuellen Ereignissen wie dem Irak-Krieg, wurde das Spiel Command & Conquer: Generals in Deutschland zwei Monate nach seiner Veröffentlichung wieder aus dem Verkehr gezogen. Einige Monate später wurde unter dem Namen Command & Conquer: Generäle eine entschärfte Fassung des Spiels speziell für den deutschen Markt herausgegeben.

In Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 fielen mexikanische Rebellen in Amerika ein - und spielten dabei mit durchaus realen Befürchtungen der USA. Quelle: PC Games In Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 fielen mexikanische Rebellen in Amerika ein - und spielten dabei mit durchaus realen Befürchtungen der USA. Ghost Recon: Advanced Warfighter 2
Einen spannenden Plot wollte Ubisoft mit dem taktischen Action-Titel Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 kreiieren: Den Kampf der USA gegen eine mexikanische Rebellion, deren Truppen im amerikanischen Raum schon einiges an virtuellem Boden gewonnen hatten. Dumm nur, dass die Furcht vor eben diesem Szenario die Beziehungen zwischen beiden Ländern seit Jahren erschweren. Nach der Veröffentlichung des Spiels blieb der Sturm der Entrüstung deshalb auch nicht lange aus. In der El Paso Times beklagte der Bürgermeister der mexikanischen Stadt Juárez, dass das Spiel seine Heimat verunglimpfe und äußerte seine Befürchungen, dass die Szenarien zu Spannungen zwischen Mexiko und den USA beitragen, die die wirtschaftlichen Beziehungen belasten würden. Des Weiteren forderte der entrüstete Politiker von der mexikanischen Regierung ein umfassendes Verkaufsverbot. Ubisoft nahm die Vorwürfe gelassen entgegen und verwies die mexikanische Zeitung darauf, dass die Story von GRAW 2 frei erfunden sei. Der Gouverneur von Chihuahua reagierte jedoch prompt und ordnete die Beschlagnahmung aller Exemplare des Spiels an. Für eine ähnliche Reaktion hatte bereits Ghost Recon 2 gesorgt. Die Hintergrundstory des Spiels handelte von einem Krieg zwischen Nord- und Südkorea, der in einer fiktiven Zukunft stattfand. Chef-Entwickler Christopher Allen von Red Storm betonte, dass Ubisoft damit lediglich eine spannende Story auf den Markt bringen wollte. Eine nordkoreanische Zeitung war allerdings überzeugt, dass Ubisoft eine ganz andere Intention mit Ghost Recon 2 verfolgte: „Die Amerikaner haben der Welt ihren Hass auf uns gezeigt. Das mag für sie jetzt nur ein Spiel sein, aber ein Krieg wird später kein Spiel mehr für sie sein. Dort wird sie nur eine erbärmliche Niederlage und ein furchtbarer Tod ereilen.“ Der gleichen Meinung waren auch die Behörden in Südkorea, die kurzerhand anordneten, dass Ubisoft den Titel nicht in Südkorea verkaufen dürfe. In einer Begründung hieß es, die Handlung des Spiels „gehe zu weit“.

Das Spiel der Schweizer Anti-Minarett-Inititive, in dem die Spieler Minarette wegklicken konnten, brachte die Gemüter der moslemischen Mitbürger zum Kochen. Quelle: PC Games Das Spiel der Schweizer Anti-Minarett-Inititive, in dem die Spieler Minarette wegklicken konnten, brachte die Gemüter der moslemischen Mitbürger zum Kochen. Online gegen Schweizer Minarette
Auch wenn Entwickler hin und wieder im Kreuzfeuer der Kritik stehen, bewusste Provokationen sind in der Spielwelt eher selten. Anders hingegen das Erzeugnis der Anti-Minarett-Inititive in der Schweiz, in der es darum ging, in Moorhuhn-Manier plötzlich auftauchende Minarette und Muezzins wegzuklicken. „Menschenverachtend“, kommentierte der Präsident der Anti-Rassismuskommission, Georg Kreis, und drängte darauf, zuständige Instanzen auf das Spiel aufmerksam zu machen. Die reagierten auch sofort. So entrüstete sich Saida Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, darüber, dass "die Schamgrenze überschritten ist" und auch Hisham Maizar, Präsident der Föderation islamischer Dachverbände der Schweiz meinte, dass "den Initianten alles recht ist, um die Volksmeinung zu beeinflussen." Walter Wobmann, Präsident des Komitees für die "Anti-Minarett-Initiative", nahm die Kritik jedoch locker und sah jedoch keinen Grund, das Spiel aus dem Netz zu nehmen, da bei dem Spiel schließlich keine Waffen verwendet wurden.

Das Game Six Days in Fallujah war in den Augen vieler Amerikaner zu authentisch. Quelle: PC Games Das Game Six Days in Fallujah war in den Augen vieler Amerikaner zu authentisch. Six Days in Fallujah
Six Days in Fallujah thematisiert die zweite Schlacht um die irakische Rebellen-Hochburg Falludscha im Irak-Krieg 2004. Als US-Soldat soll man sechs Tage des Irak-Kriegs im Spiel nacherleben können. Dabei will der Third-Person-Shooter einen "dokumentarischen Charakter" wahren und sich als Mischung aus Enter- und Edutainment präsentieren - für erwachsenes Publikum. Bereits vor der Veröffentlichung stand das Spiel jedoch im Kreuzfeuer der Kritik. Besonders im Hinblick auf die Angehörigen von Opfern des Krieges und die überlebenden Kriegsveteranen wurde das Spiel als zu aktuell und realistisch empfunden. Der Publisher Konami entschied sich schließlich dafür, den kontroversen Irak-Shooter Six Days in Fallujah nicht zu veröffentlichen. "Wir haben die Reaktionen zu Six Days in Fallujah in den USA zur Kenntnis genommen und uns dafür entschieden, nicht mehr als Publisher zu fungieren", erklärte ein Konami-Sprecher. Das Entwicklerteam Atomic Games soll den Titel allerdings fertiggestellt haben und nun die Veröffentlichung planen.

Den Krieg der USA gegen den Islam virtuell zu erleben, ist sicherlich nichts Neues. Der Kampf auf islamischer Seite ist jedoch ungewöhnlich. Quelle: digitalislam.eu Den Krieg der USA gegen den Islam virtuell zu erleben, ist sicherlich nichts Neues. Der Kampf auf islamischer Seite ist jedoch ungewöhnlich. Under Siege
Auch der Islam hat Spiele inzwischen als wirksames Propagandamittel entdeckt. So schildert der Ego-Shooter Under Siege von Afkar Media den Kampf der Palästinenser gegen die israelischen Besatzer, und kehrt dabei das Feindbild der westlichen Shooter ins Gegenteil um: Statt eines bombenbepackten islamischen Selbstmordattentäters stürzt sich in der Eröffnungssequenz ein orthodoxer Jude mit einem Maschinengewehr in eine vollbesetzte Moschee und eröffnet das Feuer auf die unbewaffneten Gäubigen. Dabei beruft sich das Spiel auf reale Gegebenheiten. Die Szene handelt vom Attentat des jüdischen Arztes Baruch Goldstein, der 1994 in der Moschee von Jericho palästinensische Gläubige beim Gebet überraschete, 27 Menschen tötete und über 100 verletzte. Obwohl das Spiel in westlichen Ländern nur schwer erhältlich ist, sorgte sich die amerikanische Regierung, dass über dererlei Spiele das Feindbild Amerika verbreitet werden könne. Außerdem befürchtete die westliche Welt, dass Terror-Organisation wie die Al-Qaida Spiele für ihre Zwecke umprogrammierten, um die amerikanische Jugend zu korrumpieren.

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    • Kommentare (10)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MrBigX Spiele-Enthusiast/in
        AW: Special - Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

        Paranoia is schon ne blöde Sache ...
      • Von MrBigX Spiele-Enthusiast/in
        AW: Special - Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

        Paranoia is schon ne blöde Sache ...
      • Von Enisra Mitglied
        AW: Special - Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

        Zitat von svd
        Na das ist ja wohl klar. Die Italiener haben (zweimal!) die Seiten gewechselt.
        Und die Österreicher haben zu der Zeit überhaupt nichts mitgekriegt oder waren im Widerstand... :-D

        Nicht zuvergessen, um Braunau hat der Inn auch einen Bogen gemacht
      • Von MrPropper Spiele-Novize/Novizin
        AW: Special - Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

        Zitat von Herbboy
        naja, WENN man sich für ein "krieg"-Szenario entscheidet, muss natürlich ein ausländischer Feind her - das ist doch klar. Und die Auswahl begrenzt sich dann immer auf die Nationen, vor denen die eigene Bevölkerung auch in der Realität am meisten Sorge hat - sofern man das wiederum verantworten kann. Ansonsten wird halt ein Land erfunden, von dem man dann aber ahnen kann, welches reale Land es sein soll.

        Speziell bei Russland kommt noch dazu, dass es nicht Russland als Nation ist, die bzw. deren Einwohner man fürchtet, sondern Russland als Symbol für Kommunismus/Sozialismus - DAS ist für die meisten Amis nämlich der absolute Horror - die meisten sind der Meinung, dass möglichst NICHTS durch den Staat gelenkt werden darf, daher sind ja dort auch aus unserer Sicht unverständlich viele leute gegen eine Krankenversicherung "für alle" - die sind einfach auf dem Standpunkt: jeder muss sich das selber erarbeieten, und keiner darf gezwungen werden, etwas von seinem Lohn abzugeben, damit andere Leute mit weniger Lohn die gleiche Behandlung bekommen können. Solidarität in Sinne von "ich gebe, damit andere, die ich selber vermutlich nie kennenlernen werde, ein besseres Leben haben" kennen die nicht...für viele Amis allein das schon "Kommunismus"... :ugly:

        Und bei anderen Spielen, die nichts mit Krieg oder Terror zu tun haben, gibt es ja schließlich auch Amis als Böeswichte. ;)

        Bei World in Conflict habe ich mich eigentlich auch über das positive Ende gefreut, und wir als Deutsche meckern ja auch nicht über die Weltkriegsshooter die uns deutsche als Gesichtslose Monster ohne jegliche Gnade ansehen. Und der Kommunismus war auch ein Feindbild was meiner Meinung nach Idealistisch, aber auch in der Heutigen Zeit als Logisch betrachte. Wir als Bewohner einer Kapitalistisch geprägten Finanzsystems nehmen den Sozialismus Größtenteils als Negativ an, und dies ist aus jeder Sicht anders. Aber jeder der World in Conflict gespielt hat sieht den Fiktiven aufgewärmten Kampf zwischen der Nato gegen den Warschauer Pakt als etwas beidseitiges schlechtes an. Entwickler können es kaum schaffen in einen Kriegsspiel einer anderen Nation auf dem Schlips zu treten.
      • Von svd Mitglied
        AW: Special - Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

        Na das ist ja wohl klar. Die Italiener haben (zweimal!) die Seiten gewechselt.
        Und die Österreicher haben zu der Zeit überhaupt nichts mitgekriegt oder waren im Widerstand... :-D
      • Von Hannibal89 Hobby-Spieler/in
        AW: Special - Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

        Hmm... schonmal drüber nachgedacht, das wir Deutschen ebenfalls in vielen Spielen das Feindbild sind? Klar zur Zeit des 2ten Weltkrieges, aber trotzdem wird dieses Szenario hinreichend oft gewählt und es wird immer gegen die bösen Deutschen gekämpft, nicht gegen die Italiener oder Östereicher oder sonst wen... da regt sich doch auch keiner drüber auf?
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