Fröhlich am Freitag: "14 HD-Disks voll scharfer Erotic"

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In der heutigen Ausgabe der (fast regelmäßigen) Freitagskolumne arbeitet PC-Games-Chefredakteurin Fröhlich unter anderem die Themengebiete "Michael Jackson" und "Telefonbücher auf CD-ROM" ab und gewährt seltene Einblicke in das Mobiliar der COMPUTEC MEDIA AG.

In der PC-Games-Redaktionskaffeeküche gibt es einen Tresen. Neben Tassen, Kaffeebohnen, Zucker, Süßstoff, Milch (immer) und selbstgekauften Einstands-/Ausstands-/Geburtstagsbrezen (manchmal) hält dieser Tresen auch ein reichhaltiges Sortiment erlesener Fachzeitschriften bereit: Druckerzeugnisse des eigenen Hauses - also PC Games, Play 3, PC Games MMORE, Sonderhefte, PC Action, N-ZONE, buffed, Games Aktuell und so weiter -, aber natürlich auch Hefte unserer Mitbewerber, deren Namen mir vorübergehend entfallen sind (wird ggf. nachgereicht).

Hier liegen nicht nur die aktuellen Ausgaben zwecks beruflicher Fortbildung aus, sondern darüber hinaus echte Raritäten, darunter 15 Jahre alte Hefte unseres seinerzeit schärfsten Konkurrenten: PC Player.

Beim Schmökern in diesen Heften aus dem Jahre 1994 entdeckt man Dinge, die sich junge Menschen heute gar nicht mehr vorstellen können. Beispielsweise den heutigen pcgames.de-Chefredakteur Florian Stangl mit langen! Lockigen! Haaren! Von der Veröffentlichung entsprechender Beweisbilder hält mich neben gelebter Kollegialität und guter Kinderstube auch die Sorge vor Revanche-Aktionen ab ("LOL, seht mal... Petra 1995 mit langen! Lockigen! Haaren!").

'Fröhlich am Freitag' ist die Kolumne der gleichnamigen Chefredakteurin von PC Games - und sie heißt nicht Freitag. Quelle: Computec Media "Fröhlich am Freitag" ist die Kolumne der gleichnamigen Chefredakteurin von PC Games - und sie heißt nicht Freitag. Für Leute, die nach der deutschen Wiedervereinigung geboren wurden, wären diese Fotos vermutlich ebenso schwer verkraftbar wie die Tatsache, dass Michael Jackson mal schwarz war. Oder dass es früher nur zweieinhalb Fernsehsender gab, wo täglich gegen Mitternacht die Nationalhymne gespielt und anschließend ein Testbild eingeblendet wurde. Heute hingegen obliegt diese Nachtbespaßung bekanntlich tumben Mädchen mit tumben Fragen und noch tumberen Antworten.

Vor 15 Jahren gab es noch mehr fantastische Dinge, die im Jahr 2009 dezent mittelalterlich anmuten. Einige Beispiele:
- Erotik-GIFs und -MPEG-Filmchen auf CD-ROM (beachten Sie auch den Sparpack zum Vorzugspreis: "27 HD-Disks für nur 139,95 DM, sonst 159,85 DM")
- General-Midi- und AdLib-Soundkarten
- BTX und Compuserve (quasi die Vorläufer des Internets)
- Spielehersteller wie Interplay, Access, Dynamix, Microprose, New World Computing, Sierra Online, SSI, Accolade, Origin, Virgin Interactive und Westwood Studios
- CD-ROM-Laufwerke mit vierfacher Geschwindigkeit
- UMB-RAM, EMS-RAM, XMS-RAM und einen HMA-Bereich
- Telefonbücher auf CD-ROM (Stichwort "D-Info")
- Spiele auf 3,5"-Disketten (wer sowas noch nie gesehen hat: Entspricht ungefähr der Größe eines Bierdeckels)
- Mit Nadeldruckern ausgedruckte und liebevoll getackerte Adventure-Komplettlösungen für 18 Mark (ca. 9 EUR) das Stück.

Am allerinteressantesten sind aber die vielen, vielen Anzeigen vieler, vieler kleiner und mittlerer Spieleversender: Lange Schwarzweiß-Listen mit Spielenamen in Winzschrift, daneben Preise in Deutscher Mark. Zum Beispiel: Command & Conquer für 100 Mark (heute ca: 51 EUR). Das superkurze Adventure-Roadmovie Full Throttle von Tim Schafer für 110 Mark. Oder Wing Commander 3 auf CD-ROM für umgerechnet 66 EUR - da beschwere sich nochmal einer über unüberlegte Aussagen übermütiger Firmenchefs.

Aufwändige Internet-Recherchen belegen: So gut wie keinen dieser kleinen Händler gibt es heute noch - das milliardenschwere Geschäft mit Computer- und Videospielen passiert irgendwo zwischen Media Markt, Amazon, Saturn, Müller, Karstadt und Steam. Mal ehrlich: Welcher halbwegs informierte Spieler lässt sich heute noch im Fachgeschäft seiner Wahl beraten? Nur eine Handvoll Spezialisten hat in engen Nischen überlebt, indem diese zum Beispiel US-Originale für ein erwachsenes Publikum organisieren.

Im Grunde ist dies eine ähnliche Entwicklung wie bei Tante-Emma-Läden, die sich nicht gegen die (Über-)Macht der Discounter und Ketten wehren konnten. Um dieses geänderte Einkaufsverhalten dreht sich heute auch unsere Umfrage - stimmen Sie mit, kommentieren Sie mit!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, von welcher Ferieninsel auch immer Sie uns heute zulesen.

Petra Fröhlich

Bisherige Folgen von Fröhlich am Freitag:
Bowling mit dem FC Bayern München
Anno 1404 kostenlos! GTA 5 umsonst! Diablo 3 gratis!
Hab recht viel Spaß mit Crysis 2, denn nach vier Stunden ist's vorbei

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    • Kommentare (32)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von SoSchautsAus Spiele-Kenner/in
        AW: Special - PC Games: Fröhlich am Freitag:

        Zitat von Goddess
        ein paar Ausgaben der Fun Online
        Wow, ich dachte ich wäre der Einzige der diese Zeitschrift gekauft hat. Die war ja eher auf ein junges, naives Publikum ausgelegt, wurde aber auch ziemlich schnell wieder eingestampft. Ich hatte ein Abo ab Ausgabe Nr. 1, könnte also gut sein, dass ich die komplette Edition noch irgendwo rumliegen hab.

        Danke für den tollen Text, Goddess. Der Artikel von Petra hat mir übrigens auch gefallen.

        SSA
      • Von SoSchautsAus Spiele-Kenner/in
        AW: Special - PC Games: Fröhlich am Freitag:

        Zitat von Goddess
        ein paar Ausgaben der Fun Online
        Wow, ich dachte ich wäre der Einzige der diese Zeitschrift gekauft hat. Die war ja eher auf ein junges, naives Publikum ausgelegt, wurde aber auch ziemlich schnell wieder eingestampft. Ich hatte ein Abo ab Ausgabe Nr. 1, könnte also gut sein, dass ich die komplette Edition noch irgendwo rumliegen hab.

        Danke für den tollen Text, Goddess. Der Artikel von Petra hat mir übrigens auch gefallen.

        SSA
      • Von Goddess Spiele-Kenner/in
        AW: Special - PC Games: Fröhlich am Freitag: "14 HD-Disks voll scharfer Erotic"

        Angeregt durch deine Kolumne, habe ich mich in mein persönliches Zeitschriftenarchiv begeben, um dort herum zu stöbern. Neben uralten Ausgaben der PC Games, fanden sich auch PC Player, Power Play, PC Powerplay, die böse Konkurrenz Gamestar, ein paar Ausgaben der Fun Online, der Bestseller Games und andere. Das erste, was mir in die Augen sprang, war der unverschämt hohe Preis mancher Zeitschriften. Eine Special Ausgabe zum Thema Rollenspiele, der Zeitschriftentitel ist mir entfallen, mit nicht einmal 100 Seiten, 138 ÖS, 19,57 DM, 10 Euro. Andere, normale Print Ausgaben, wie etwa die CD Direkt oder die CD Austria Direkt, kosteten um die 69 ÖS, 9,90 DM, 5 Euro und boten nicht einmal 45 Seiten. Bestseller Games, in seinen vielen, verschiedenen Varianten schlug mit bis zu 90 ÖS, 12,99 DM, 6 Euro, mit im Schnitt 20 Seiten. Dafür gab es bei dieser Zeitschrift immer tolle Vollversionen, zum relativ kleinen Preis, auf CD-Rom.

        CD Austria Direkt und CD Direkt taten sich im besonderen hervor. Nicht nur wegen des Preises, sondern vor allem wegen der Inhalte, und der expliziten Werbung. Da gab es häufig Erotik-CD Besprechungen, sowie diverse Clipart Gallerien, und die erwähnten Filmchen in MPEG Qualität in einer Auflösung von 150x150 Pixel. Mit der Zensur wurde es damals allerdings nicht so genau genommen wie es in heutigen Tagen geschieht. In den Besprechungen waren die nackten Tatsachen mit dicken Balken überdeckt, dafür gab es zwei Seiten weiter, in der Werbung, die selben Damen unzensiert zu sehen. Auch in Bezug auf Demos nahm es diese Zeitschrift nicht sehr genau, da landete schon einem ein Shooter auf dem Silberling, in dem Hakenkreuze an den Wänden und Führerbilder zu sehen waren, nein ich meine nicht W., sondern ein anderes.

        Ich glaube, Clipart-Gallerien, Enzyklopädien, MPEG Filme in mieser Qualität die eine Bahn in voller Fahrt zeigten, Shareware Anwendungen und Spiele in unbekannt hoher Anzahl, und Kataloge waren die einzige Daseinsberechtigung für die Silberlinge. Spiele auf CD gab es zwar schon, allerdings waren sie noch Vergleichsweise teuer, im Vergleich zu heutigen Titeln. 7th Guest kostete bei manchen Shops um die 1.100 ÖS, 156 DM, 78 Euro. Und auch bei anderen Titeln wurde damals nicht mit dem Preis gegeizt.

        PC waren damals auch noch beinahe ein Luxusgut. Wirklich gute, hässliche graue Kästen, gab es kaum unter 28.998 ÖS, 4142 DM, 2071 Euro. Tower 486 DX/2-66 VLB mit 486 DX/2 Prozessor, 256kb Cache, 66 MHz Taktfrequenz, 340 MB Festplatte, Western Digital, 12 Ms Zugriffszeit, 4MB Ram, 3,5" und 5,25" Laufwerk, Local Bus IDE Multi I/O Controller, VGA Grafikkarte SPEA V7 Mirage VLB, 1 MB Ram, mit einer Auflösung bis 1280x1204 Pixel und bis zu 16,7 Millionen Farben, Genius Maus und Mauspad und einen 14" SVGA Monitor. Damals war das eine Traum Maschine, das beste vom besten, State of the Art!

        Betriebssysteme kosteten im Schnitt zwischen 2.580 ÖS, 368 DM, 184 Euro und 5.600 ÖS, 800 DM, 400 Euro Extra! Dafür gab es sie auf einer CD-Rom, was damals eine wesentliche Zeitersparnis bedeutete. Betriebssysteme, wie auch Anwendungen, wurden zu dieser Zeit immer noch auf Disketten ausgeliefert. Ein Betriebssystem zu installieren hieß damals, mit den Disketten zu jonglieren, "...Bitte legen sie Diskette 12 von 31 ein...". Schlimm wurde es nur, wenn eine Diskette nicht funktionierte, dann waren Zeit und auch viel Geld verschwendet.

        Der folgende Abschnitt richtet sich an die jüngere Generation. Die Mäuse hatten damals keine Laser, sondern kleine Kugeln an der Unterseite. Sie hatten es an sich, jeden Dreck der sich auf den Maus-Pad befand, an ihnen haften zu lassen. Regelmässige Reinigung des Mausballs war deshalb eine regelmäßige, lästige, Pflicht. Zu dieser Zeit gab es auch noch spezielle Reinigungs-Disketten, um die Laufwerke von Schmutz zu befreien. Spiele gab es in großen Boxen und nicht in kleinen, billigen, DVD-Verpackungen. Auch die Inhalte mancher Spielepackungen konnte sich sehen lassen. Die Musik kam aus zwei billigen, kleinen Lautsprechern, die bequem neben dem riesiegen Monitor Platz fanden. Drucker verfügten über kleine DIP-Schalter, mit denen unter anderem der Font umgestellt werden konnte, und Schächten für Endlospapier. Sie waren groß, sie waren laut, sie waren umständlich zu bedienen. Scanner gab es zwar, so genannte Handscanner, allerdings waren die Ergebnise eines Scan-Vorganges, alles andere als berauschend. Zu Beginn gab es nur schwarz weiß Scans, anno 1994, mit besagten Handscannern. Mal eben in das Internet einwählen, gab es damals auch nicht, da es das Internet in der Form noch nicht gab. Da gab es WinCIM, BBS, und wie sie alle hießen. Damals wurde noch zu Minutenpreisen mit langsamen Anbindungen gesurft.

        Damals war eben alles anders, und noch viel interessanter, weil es vieles neues zu bestaunen gab. Nur besser war es damals, im Vergleich zu heute, auf keinen Fall. Heute gibt es eine Geiz ist geil Gesellschaft, die ein wenig Prüde auf nackte Haut reagiert, wenn sie in einer Spielezeitschrift zu sehen ist. Ich erinnere mich da an heiße Diskussionen, wegen der zensierten Handy-Erotik-Bilder Werbung in der PC-Games, darüber hätte damals wohl jeder nur müde gelächelt. Zu meiner Verteidigung, ich war auch nie für diese Bilder, sie störten ganz einfach. Und auch über die Preise, eine 200 seitige Zeitschrift mit einer prall gefüllten CD-Rom und Vollversionen für nur 5 Euro, hätten damals wohl viele gejubelt. Heute ist alles billiger, schneller, schöner und leistungsfähiger. Danke für die Kolumne, die mir Anlass gegeben hat, einen Blick zurück zu werfen. ;-)
      • Von Shadow_Man Mitglied
        AW:

        Ich bestelle mir meine Spiele bei Amazon oder Gameware.
        Downloadvertrieb kommt für mich als Spielesammler überhaupt nicht in Frage, weil Verpackung und Handbuch einfach Pflicht sind. Da ich alle meine Spiele sammle (hab sogar noch die Spiele seit c64 zeiten) will ich auch immer was schönes im Regal stehen haben.
      • Von SoSchautsAus Spiele-Kenner/in
        AW:

        Hach ja, die ganzseitigen Schwarz/Weiss-Anzeigen mit der Winzschrift. Blöderweise kann ich mich grad an keinen einzigen der Shops namentlich erinnern. Ich hab eh meistens beim selben bestellt. Wie hiess der noch gleich? Playcom? Hm ...

        Bei der Umfrage fehlt übrigens ein ganz wichtiger Punkt: Gebrauchtkauf via Internet. So beziehe ich mindestens zwei Drittel meiner Spiele.

        SSA
      • Von DAmado Gelegenheitsspieler/in
        AW:

        Sagen wir es mal so: Sie war jung und brauchte das Geld. :X
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