Wilke zum Wochenende: Immer locker durch die Hose atmen
Es gibt Tage, an denen nimmt sich die Videospiel-Branche viel zu ernst ...
Quelle: www.pixelio.de
Symbolabbildung: Das Embargo ist da, wo der Knoten ist.
Wenn ich das Wort "Embargo" höre, peitscht mich der Ekel. Wer hat sich das bloß ausgedacht? "Em | bar | go, das", sagt der Duden, "in Beschlag nehmen, behindern". "Behindern" trifft es ganz gut, wie ich finde, es behindert mich nämlich, und zwar bei meiner Arbeit. Kurz zur Erklärung: Embargo meint, dass wir nicht alles publizieren dürfen, was bei uns durchs Haus geistert, also Videos, Screenshots und Informationen. Das dürfen wir erst, wenn der Publisher sagt, "ja, das dürft ihr", was in den meisten Fällen recht spät passiert, selten gar nicht, ab und zu mit vielen Komplikationen.
Und das nervt. Wen juckt es denn, ob wir den Menschen heute sagen, dass Spiel XYZ [hier bitte beliebiges Adjektiv einsetzen] ist oder erst morgen. Oder schon um 17:59 Uhr statt um 18:00 Uhr?! Wenn Sie wüssten, wie lange uns die ersten FIFA 10-Screenshots zur Verfügung standen, Sie würden uns beneiden, sofern Sie denn Fußball-Fan sind. Und wenn Sie dann auch noch wüssten, wie lange wir gewartet haben, bevor wir die Screenshots online stellten, oje, Sie würden uns hassen. Aber das machen wir ja nicht mit Absicht.
Ich bin so frei und wildere mal bei den Kollegen von videogameszone.de, weil sie erst vergangene Woche ein kleines Embargo-Problem hatten und weil sie (noch) keine Kolumnen schreiben, in denen sie davon berichten könnten, also mache ich das jetzt. Es geht um, sagen wir mal, ein bekanntes Fußballspiel, das nicht PES ist. Es geht außerdem um eine Konsole, bei der man händefuchtelnd vor dem Fernseher spielt. Jedenfalls verfügten die Kollegen über Bildmaterial zu eben jenem Software-Produkt für eben jenes Hardware-Produkt, und weil sie wissen wollten, ob sie das denn online stellen dürften, schauten sie auf die CD und dort stand: Ja, das dürft ihr, allerdings mit den Worten "Embargo: keins".
Ein paar Tage später erreichte meinen Chef eine E-Mail von besagtem Publisher, in der stand, die Bilder seien ja gar nicht für die Website gedacht sondern für das Heft, die entsprechenden Kollegen mögen sie doch bitte wieder offline nehmen, was ich persönlich ziemlich albern finde. Warum? Aus den folgenden drei Gründen:
1. Die Bilder waren schon VIER Tage online. Jeder der sie sehen wollte, hat sie auch gesehen.
2. "Jeder" in #1 meint eigentlich "Niemand", weil die Bilder KEINEN interessierten.
3. Um Gottes Willen, es sind Bilder aus einem VIDEOSPIEL ...
... nicht der Papst, der beim Bruch des Zölibats geknipst wurde. Oder sonst was Wichtiges, Weltbewegendes. Wozu also die Aufregung? Ich verstehe diese unangebrachte Ernsthaftigkeit nicht. Wir arbeiten hier schließlich alle mit unserem Hobby, ob Entwickler, Publisher, Redakteur oder Kunde / Leser. Und ja, mittlerweile sind PC- und Videospiele eine millionenschwere Industrie, aber diese Millionen kommen doch vom Kunden, und der Kunde kauft doch nur, was er auch kennt, und um es zu kennen, da braucht er uns (oder die Werbung). Meine Augen sehen da eine Kette logischer Konsequenzen. Warum also die Kette behindern?
In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende!

Das ist teilweise auch echt übel. Da werden irgendwelchen Redakteuren, Fanseiten Spiele vorgeführt und sie dürfen die Bilder manchmal erst 4-6 Wochen später veröffentlichen.
Wenn das mehrere Hersteller so machen, dann wird das für die Spielemagazine sicher ziemlich verwirrend, wann man jetzt was veröffentlichen darf :ugly:
Das ist wirklich ein Witz...
Das wäre so als würde Astragon verbieten das die Bilder zum neuen Baumschinen Simulator erst 3 Wochen vor Realese gezeigt werden dürften Oo
Ganz herlich bei solchen Spielen würde ichs dann ganz sein lassen und nicht drüber berichten. Das ist dann echt der Schaden des Publishers...
PCG oder anderen Magazinen dürfte das bei solchen Nonsense spielen eh nicht schaden...
Wieso nutzt Herr Wilke in quasi jeder seiner Kolumnen den Ausdruck "mich peitscht der Ekel"?