Wilke zum Wochenende: Schweigen ist Silber, Reden ist Gold!
Meine Stimme für die Stimme!
Seit einigen Jahren verfolge ich gezwungener Maßen den Trend, Protagonisten eben jenes Genres gänzlich ohne Stimmorgan zu begegnen. Da gibt es beispielsweise diesen Kerl, der sich 12 Stunden lang durch eine missglückte Utopie quält. Oder den komischen Kautz mit dem grünen Helm. Oder den austauschbaren Soldaten aus dem austauschbaren Kriegsspiel. Sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie rutschten stumm in eine Welt, in der es scheinbar nicht mehr viel zu sagen gibt für einen Mann, dem das Abenteuer seines Lebens jüngst bevor steht.
Der Utopie-Kerl zum Beispiel, er lebt in Bioshock, sein Name ist Jack. Jack sitzt im Flugzeug und artikuliert seine ersten und einzigen Worte. "Meine Eltern [...], sie sagten zu mir: 'Jack, du bist etwas besonderes und wirst große Taten vollbringen.‘ Und wissen Sie was? Sie hatten recht." Dann stürzt sein Flugzeug ab, Jack "rettet" sich in der Unterwasserstadt Rapture, quasi in die Hölle auf Erden.
An jenem Ort, wo das Unbekannte lauert, wo das Unmögliche möglich ist, an diesem Ort sagt Jack: Nichts. Kein "Um Himmels Willen, was geschieht mit mir?!", kein "Wo zum Teufel bin ich?!", kein "Verdammt, meine Hose ist ganz nass", nein, Jack sagt nichts. Er hinterlässt den Eindruck, als zeige er nicht das geringste Interesse an dem, was da gerade passiert. Das ist doch paradox.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Bioshock ist ein fantastisches Spiel, nahezu unerreicht in Atmosphäre und Design. Und trotzdem: Es wäre meiner Meinung nach noch besser, hätten die Entwickler Jack mit einer Stimme versehen, mit Charakter und Persönlichkeit. Jaja, ich weiß, das Argument dagegen, es lautet wie folgt: Der Spieler soll sich voll und ganz ins Spiel gesogen fühlen, er soll nicht in die Rolle schlüpfen, sondern die Rolle sein.
Das ist dahingehend ein gutes Argument, weil es jeder bringen kann, der sich die zusätzliche Arbeit nicht machen will, seiner Figur eine Stimme zu verleihen. Aber mal ehrlich: Solange ich mit Maus und Tastatur vor einem Bildschirm sitze, zieht mich auch kein Schweigen zu 100 Prozent ins Geschehen. Es fehlt einfach an Glaubwürdigkeit.
Wolfenstein zumindest hat es versucht, mit bescheidenem Erfolg: Einen stereotypischen US-Amerikaner von osteuropäischer Abstammung, ohne Akzent wohlgemerkt, und null Interesse am Dargeboten, der mir nach jedem Einsatz vorliest, was ich gerade höchstpersönlich erlebt habe? Nein, das muss nicht sein. Wo bleiben die Reaktionen, die Emotionen, das sprachgewordene Adrenalin, wie es durch den Körper rauscht? Die traurige Antwort: Auf der Strecke.
Das ist schade, sterben uns im Zuge dessen doch die erinnerungswürdigen Action-Charaktere aus. Die letzten drei, an die ich gerne zurückdenke, sie heißen Serious Sam, Duke Nukem und Sgt. Cortez (der Typ aus der Timesplitters-Reihe für Konsolen). Oberflächliche Stereotypen, ja, aber immerhin mit Charakter. Mit Persönlichkeit. Sowas muss doch auch in "ernstgemeinten" Spielen funktionieren?!
In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende!


Gerade bei Bioshock, HL, etc. wirkt der Totalausfall von Stimmbändern & Kehlkopf irgendwie seltsam und befremdlich.
Prey hat…